Das reichste Prozent kontrolliert fast die Hälfte des weltweiten Vermögens

Von Andre Damon
23. Oktober 2014

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung kontrolliert laut einem Bericht des Schweizer Finanzdienstleisters Credit Suisse mittlerweile 48,2 Prozent des globalen Vermögens, letztes Jahr waren es noch 46 Prozent.

Wenn, hypothetisch gesprochen, die Ungleichheit weiterhin in der gleichen Geschwindigkeit ansteigen würde wie im letzten Jahr, würde das reichste Prozent in dreiundzwanzig Jahren das gesamte Vermögen des Planeten in der einen oder anderen Form besitzen.

Der Bericht kam zu dem Ergebnis, dass sich das Anwachsen der globalen Ungleichheit seit der Finanzkrise von 2008 stark beschleunigt hat, da der Wert der Finanzanlagen stark angestiegen ist, während die Löhne zurückgegangen sind.

"Diese Zahlen liefern weitere Beweise dafür, dass die Ungleichheit extrem hoch ist und weiter wächst, und dass von dem Wirtschaftsaufschwung nach der Finanzkrise vor allem die Reichsten profitiert haben," erklärte Emma Seery, die Vorsitzende des Bereichs Ungleichheit bei der britischen Wohltätigkeitsorganisation Oxfam. "Dieser Bericht zeigt, dass diejenigen, die es sich am wenigsten leisten konnten, den Preis für die Finanzkrise bezahlt haben, während noch mehr Vermögen auf die Konten der Reichsten gekommen ist."

Die Studie enthüllte, dass die reichsten 8,6 Prozent der Weltbevölkerung - diejenigen mit einem Nettovermögen von mehr als 100.000 Dollar 85 Prozent des weltweiten Reichtums kontrollieren. Gleichzeitig besitzen die unteren 70 Prozent der Weltbevölkerung - diejenigen mit einem Nettovermögen von weniger als 10.000 Dollar zusammen nur 2,9 Prozent des weltweiten Reichtums.

Das Anwachsen der Ungleichheit geht einher mit einem weltweiten Wachstum des Papiervermögens, angeheizt durch die Billionen Dollar, die die Zentralbanken durch Nullzinspolitik und "quantitative Lockerung" in das Finanzsystem gepumpt haben. Der gesamte globale Reichtums ist im letzten Jahr um 8,3 Prozent auf 263 Billionen Dollar gestiegen, der höchste je verzeichnete Anstieg,. Alleine dieses Jahr stieg das Vermögen in den USA um 12,3 Billionen Dollar - die gleiche Summe, die bei dem Finanzkrach 2008 vernichtet wurde.

Wie es in dem Bericht hieß, stagniert "die weltweite Gesamtwirtschaft weiterhin, aber dennoch ist der persönliche Reichtum im vergangenen Jahr angestiegen. Angetrieben von... robusten Aktienpreisen stieg das Gesamtvermögen weltweit um 8,3 Prozent ... zum ersten Mal hat das Haushaltsvermögen die Marke von 250 Billionen Dollar überschritten."

Credit Suisse fügte hinzu: "Das jährliche Wachstum um 20,1 Billionen Dollar ... setzt einen Trend fort: der globale Reichtum ist seit 2008 jedes Jahr gestiegen, sodass er mittlerweile zwanzig Prozent über dem Höchststand vor der Krise steht, und 39 Prozent über dem Tiefststand im Jahr 2008."

Das andauernde Wachstum von Anlagewerten hat die Zahl der Millionäre stark erhöht. Die Zahl der Erwachsenen mit einem Nettovermögen von über einer Million ist in den USA im letzten Jahr um zwölf Prozent von 12,5 auf 14,2 Millionen gestiegen.

Der Bericht machte eine bedeutende Beobachtung. Er stellte eine direkte Verbindung zwischen dem Anwachsen sozialer Ungleichheit und dem Finanzkrach 2008 her.

„Unsere Recherchen haben ergeben, dass viele Länder zur Zeit der Finanzkrise einen Bruch bei ihren Ungleichheit-Trends erlebt haben… Nach 2007 tendierte die Ungleichheit dazu größer zu werden.“

Nach dem Zusammenbruch von 2008 wurden weltweit die Staatskassen geplündert, um das Finanzsystem zu retten, während die Zentralbanken Geld druckten, um den Wert von Wertpapieren zu stützen, die sich hauptsächlich im Besitz der Reichen befanden. Gleichzeitig wurden Sozialleistungen gekürzt, um diese Rettungsaktionen zu finanzieren, während Unternehmen Massenarbeitslosigkeit als Druckmittel benutzten, um die Löhne ihrer Arbeiter zu senken. Das Ergebnis war ein beispielloser Anstieg der sozialen Ungleichheit.

Dieser Prozess wurde von der Obama-Regierung angeführt, die dian der Spitze des ungleichsten von allen kapitalistischen Industrienationen steht. In den USA lebt eine unverhältnismäßig große Anzahl von Personen mit einem extrem hohen Nettovermögen von mehr als 50 Millionen Dollar. Die Hälfte aller derartigen Personen leben in den USA, doppelt so viele wie in Europa, und fast zehnmal so viele wie in dem Land mit der zweithöchsten Anzahl solcher Personen.

Der Bericht, der von einem wichtigen europäischen Finanzinstitut veröffentlicht wurde, schlägt einen besorgten Ton an. Er stellt fest, dass das Finanzvermögen seit der Finanzkrise schneller gestiegen ist als das verfügbare Einkommen, das durch den mangelhaften Zustand der Realwirtschaft behindert wurde.

Credit Suisse merkte an, dass das derzeitige Verhältnis von Reichtum zu Einkommen bei 6,5 liegt (d.h., 6,5 mal höher als Einkommen) und damit viel höher als der durchschnittliche Wert der Nachkriegszeit von weniger als fünf, außerdem der höchste Stand der Nachkriegsgeschichte, und schrieb: "Das ist ein alarmierendes Zeichen, da ein abnormal hohes Verhältnis von Reichtum zu Einkommens in der Vergangenheit immer auf Rezession hingedeutet hat." Sie fügte hinzu: "Die Rate war im Jahr 1999 während der Dotcom-Blase kurz auf über sechs angestiegen und hat diese Marge in den Jahren 2005-2007 wieder überstiegen," unmittelbar vor dem Zusammenbruch von 2008.

Die Warnung von Credit Suisse, dass die Politik, die in den letzten sechs Jahren umgesetzt wurde, nur die Bedingungen für einen neuen Finanzzusammenbruch geschaffen habe, deckt sich mit ähnlich besorgten Aussagen von anderen Teilen der herrschenden Klasse - und das alles vor dem Hintergrund zunehmender Unsicherheit auf den Weltmärkten in der letzten Woche.

Doch trotz dieser besorgten Äußerungen hat weder Credit Suisse noch irgendeine andere Fraktion der herrschenden Klasse eine Lösung für die Krise, deren Wurzeln in den unlösbaren historischen Widersprüchen des kapitalistischen Systems liegen. Die Weltwirtschaft vor einem neuen finanziellen Abgrund.

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