Weltwirtschaft sinkt tiefer in Rezession

21. November 2014

Am Montag wurde bekannt, dass das Bruttoinlandsprodukt Japans auch im dritten Quartal zurückgegangen ist, und sich die drittgrößte Wirtschaft der Welt damit in der vierten Rezession seit 2008 befindet.

Das ist ein weiteres Anzeichen dafür, dass sich die Weltwirtschaft nicht im Aufschwung, sondern in einer Abwärtsspirale befindet. Es bedeutet, dass das Kommuniqué, das einen Tag zuvor auf dem G20-Gipfel veröffentlicht wurde, und in dem versprochen wurde, das weltweite Wirtschaftswachstum in den nächsten fünf Jahren auf zwei Prozent zu erhöhen, bedeutungslos war.

Bevor die Nachrichten aus Japan eintrafen, zeigten veröffentlichte Daten, dass Stagnation und sogar Rezession dauerhafte Bestandteile der Wirtschaften der achtzehn Eurozonenstaaten sind. Ihre gemeinsame Wirtschaftsleistung ist größer als die der Vereinigten Staaten.

Die Eurozone verzeichnete im dritten Quartal ein annualisiertes Wachstum von nur 0,6 Prozent, deutlich weniger als die Wachstumsrate von etwa zwei Prozent vor 2008. An diesen Daten ist besonders wichtig, dass sie zeigen, dass das Abgleiten in die Rezession nicht in den sogenannten Peripheriestaaten, sondern in den drei größten Wirtschaften der Region (Deutschland, Frankreich und Italien) am stärksten konzentriert ist.

Deutschland, früher die treibende Kraft der Eurozone, konnte diesmal nur knapp vermeiden, offiziell in die Rezession zu stürzen. Seine Wirtschaft verzeichnete ein Wachstum von 0,1 Prozent, nachdem sie im vorherigen Quartal um 0,1 Prozent gesunken war. Es ist das erste Mal seit den ersten Auswirkungen der Finanzkrise im Jahr 2009, dass die deutsche Wirtschaft zwei Quartale lang hinter dem Rest der Eurozone zurückliegt.

Italien befindet sich in der dritten Rezession seit 2008. Im letzten Quartal ging das Wachstum um 0,1 Prozent zurück, nachdem es im vorletzten bereits um 0,2 Prozent gesunken war. Die französische Wirtschaft wuchs um 0,3 Prozent, allerdings ist dies kaum eine gute Nachricht, da sie im zweiten Quartal einen Rückgang verzeichnete und im ersten Quartal ein Nullwachstum.

Ein Symptom für die Verschlechterung der Lage ist die Tatsache, dass die griechische Wirtschaft, die von mehreren Sparprogrammen geplättet und mit einer Arbeitslosigkeit von 25 Prozent konfrontiert ist, mit einem Wachstum von 0,7 Prozent im Vergleich zum vorherigen Quartal das beste Ergebnis aufweist.

Mark Carney, der Gouverneur der Bank von England, warnte nachdrücklich vor der Vertiefung der Rezession. Die Zentralbank senkte in ihrem Inflationsbericht für November ihre Wachstumsprognose für die nächsten beiden Jahre und erklärte, die Inflation werde unterhalb des Ziels von zwei Prozent bleiben.

Er erklärte: "Die Indikatoren waren in einem Großteil der Industrienationen und der Schwellenländer sehr schlecht. Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst der wirtschaftlichen Stagnation. Das Wachstum ist wieder enttäuschend, und das Vertrauen sinkt."

Der britische Premierminister David Cameron erklärte daraufhin in einem Kommentar, der am Montag im Guardian erschien: "Sechs Jahre, nachdem die Finanzkrise die Welt in die Knie gezwungen hat, leuchten auf der Armaturentafel der Weltwirtschaft wieder rote Warnlampen auf."

Die Weltwirtschaft befindet sich sogar in einem noch schlechteren Zustand als in der ersten Zeit nach dem Wall Street-Crash im September 2008. Der Grund dafür ist, dass die sogenannten Schwellenländer, die in den letzten sechs Jahren für bis zu achtzig Prozent des weltweiten Wirtschaftswachstums verantwortlich waren, jetzt deutliche Abschwünge verzeichnen.

In den Wochen nach der Finanzkrise expandierte die chinesische Wirtschaft noch immer um bis zu zehn Prozent, hauptsächlich aufgrund des Konjunkturpaketes in Höhe von 500 Milliarden Dollar und der Entscheidung der Behörden, Kredite in massivem Ausmaß auszuteilen, um ein Bau- und Infrastrukturprogramm zu finanzieren. Diese Zeit ist vorbei.

Das chinesische Wachstum liegt mittlerweile unterhalb des offiziellen Ziels von 7,5 Prozent, und die Finanzbehörden versuchen angesichts der Befürchtung, dem Land könne eine schwere Finanzkrise drohen, die Vergabe von Krediten einzuschränken.

Die chinesischen Banken besitzen heute so viele faule Kredite wie noch nie seit 2008, und zusätzliche Beweise deuten darauf hin, dass der Immobilienboom zu Ende geht. Er hat in der jüngsten Vergangenheit eine wichtige Rolle dabei gespielt, das Wachstum aufrecht zu erhalten. Am Montag meldete die nationale Statistikbehörde, dass die Preise für neue Wohnhäuser in 67 von 70 untersuchten Städten billiger geworden seien als vor einem Jahr. Die Immobilienverkäufe sind in den ersten zehn Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent gesunken.

Die chinesische Wirtschaft wird dieses Jahr voraussichtlich um 7,4 Prozent steigen, was das niedrigste Wachstum seit 1990 ist. Wie Bloomberg berichtet, plant die Führung der Kommunistischen Partei Chinas, das offizielle Wachstumsziel für 2015 zu senken.

In anderen großen Schwellenländern sieht die Lage genauso schlimm oder noch schlimmer aus. Die brasilianische Wirtschaft verzeichnete in der ersten Jahreshälfte eine Rezession und wird in der zweiten Hälfte voraussichtlich fast kein Wachstum haben.

Die russische Wirtschaft, die neuntgrößte der Welt, steht aufgrund des rapiden Rückgang des Ölpreises und der Sanktionen, die die USA und Europa verhängt haben, am Rande der Rezession, was das Finanzsystem in die Krise stürzen könnte.

In Europa und Japan, und in Ländern wie Australien folgen die herrschenden Kreise allesamt demselben Mantra: Strukturreformen müssten durchgeführt werden. Doch diese sind kein Weg zu wirtschaftlicher Expansion, sondern ein Codewort für verschärfte Angriffe auf die Löhne und sozialen Bedingungen der Arbeiter.

In den USA wird dieses Wort nicht so oft erwähnt, allerdings nur, weil der Angriff auf die Arbeiterklasse heute schon ganz neue Maßstäbe in der gesamten Wirtschaft setzt. Dieser Angriff hat mit der Umstrukturierung der Autoindustrie durch die Obama-Regierung im Jahr 2009 und der Halbierung der Löhne für neu eingestellte Arbeiter begonnen. Heute ist Amerika zu einem großen Niedriglohnland geworden.

Die Verschlimmerung des weltweiten wirtschaftlichen Zusammenbruchs hat noch eine andere entscheidende Konsequenz.

Vor fünf Jahren gab es auf dem G20-Gipfel, der vor dem Hintergrund einer Panik auf den Finanzmärkten stattfand, zahlreiche Versprechen zur Zusammenarbeit: Man werde die notwendigen Lehren aus den 1930ern ziehen, in denen wirtschaftliche Rivalitäten zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geführt hatten.

Diese Verpflichtungen wurden schon lange fallengelassen, und der diesjährige G20-Gipfel in Brisbane war von einer kriegerischen Haltung gegenüber Russland geprägt, sowie von kaum verhohlenen Drohungen der US-Regierung, die behauptet, Amerika habe "sein Blut und sein Vermögen" ausgegeben, um seine Vorherrschaft über den asiatischen Pazifik zu sichern. Die USA sind heute entschlossen, ihre wirtschaftliche und militärische Hegemonie gegen China zu verteidigen, notfalls auch mit einem Krieg.

Die herrschenden Klassen der Welt haben keine wirtschaftliche Lösung für die Krise ihres Profitsystems. Sie kennen nur ein Programm der sozialen Konterrevolution und des Weltkriegs, der die gesamte Zivilisation mit Vernichtung bedroht.

Die internationale Arbeiterklasse muss einschreiten und die Macht selbst in die Hände nehmen. Sie muss für ein revolutionäres sozialistisches Programm kämpfen, um das morsche kapitalistische System zu stürzen und die Weltwirtschaft mit dem Ziel der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse neu aufzubauen.

Nick Beams