Vier Billionen Dollar-Grenze erreicht

Vermögen der 400 reichsten Milliardäre 2014 um 92 Milliarden Dollar gestiegen

Von Andre Damon
7. Januar 2015

Das Vermögen der vierhundert reichsten Menschen der Welt ist im vergangenen Jahr um 92 Milliarden Dollar gestiegen und hat jetzt die Vier-Billionen-Marke übersprungen. Diese Bonanza für Superreiche wurde von den Regierungen und Zentralbanken in aller Welt ermöglicht, indem sie hunderte Milliarden in die Finanzmärkte pumpten und damit boomende Börsen und Rekordprofite der Wirtschaft befeuerten.

Die Zahlen wurden im Bloomberg Milliardärs-Index veröffentlicht, der seit 2012 erscheint und das Vermögen der vierhundert reichsten Menschen auflistet.

Das Vermögen dieser vierhundert Personen ist größer als das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt. Das durchschnittliche Nettovermögen jedes dieser Milliardäre wuchs um 240 Millionen auf 10,25 Milliarden Dollar.

Auf den Finanzkrach von 2008 wurde mit Billionen schweren Bankenrettungsaktionen und der Zufuhr von weiteren Billionen an praktisch kostenlosem Bargeld reagiert. Seither hat sich das Vermögen der Superreichen fast verdoppelt. Das Nettovermögen der vierhundert reichsten Amerikaner auf der Forbes-Liste nahm von 1,27 Billionen in 2009 auf 2,29 Billionen Dollar in 2014 zu.

Im vergangenen Jahr sind die Börsen weiter stark gestiegen. Der amerikanische Nasdaq ist um 14,1 Prozent hochgeschossen. Der japanische Nikkei steht um 7,1 Prozent höher. Der Dow Jones schloss am 26. Dezember zum ersten Mal bei über 18.000 Punkten. Im Juli 2014 hatte er die 17.000 Marke erklommen, und im November 2013 16.000 Punkte erreicht.

Seit März 2009 (6.000 Punkte) hat sich der Dow verdreifacht.

Das Vermögen des zweitreichsten Menschen der Welt, des Investors Warren Buffet, stieg der Bloomberg-Liste zufolge im vergangenen Jahr um 13,7 Milliarden auf 74,5 Milliarden Dollar oder um mehr als 22 Prozent. Buffets Vermögen hat sich seit 2009 mehr als verdoppelt.

Bloomberg schrieb: “Dutzende Unternehmen, die der 84-jährige Vorstandsvorsitzende in den letzten fünf Jahrzehnten gekauft hat, haben im vergangenen Jahr Rekordprofite abgeworfen.” Buffets Geschäftsmodell besteht darin, traditionelle Industrien wie Eisenbahnen oder Lebensmittelkonzerne aufzukaufen und dann rücksichtslos die Kosten zu senken. Dadurch nimmt er Milliarden ein. Buffetts Unternehmen profitieren hervorragend von dem anhaltenden Sinken der Arbeitskosten, die seit 2008 Jahr für Jahr weiter fallen, weil die Löhne und Sozialleistungen der Arbeiter vermindert werden.

Wie Kommentatoren offen zugeben, ist für diesen Zuwachs an Vermögen der Superreichen die anhaltende Versorgung mit Bargeld durch die globalen Zentralbanken verantwortlich. Diese Woche ließ der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, durchblicken, dass die Bank wahrscheinlich zusätzliche Konjunkturmaßnahmen ergreifen werde. Die Märkte erwarten, dass er „quantitative Lockerungen“ nach amerikanischem Vorbild einführen wird, d.h., dass die Zentralbank im Wesentlichen Geld druckt und damit nicht nur private Wertpapiere aufkauft, sondern auch Staatsanleihen.

Zwei der drei Milliardäre, die 2014 am meisten verdienten, kommen aus China, das gerade eine Aktienblase erlebt. Der FTSE Xinhua 200 Index ist im vergangenen Jahr um fast fünfzig Prozent gestiegen. Das Vermögen von Jack Ma, dem Vorsitzenden der Alibaba Gruppe, schoss letztes Jahr um über 25 Milliarden auf 28,7 Milliarden Dollar hoch. Dem ging im September der Börsengang seiner Internetverkaufsplattform voraus, an deren Spitze er steht.

Das Vermögen von Wang Jianlin, dem Vorsitzenden und Gründer des Konglomerats Dalian Wanda, verdoppelte sich im vergangenen Jahr beinahe und stieg auf 25,3 Milliarden Dollar, nachdem die Immobilienverwaltung seines Konzerns vergangenes Jahr an die Börse gegangen war. Von den sechs Milliardären, deren Vermögen sich mehr als verdoppelt hat, kommen fünf aus China.

Bill Gates, wieder der reichste Mann der Welt, wurde um 9,1 Milliarden reicher und besitzt jetzt 87,6 Milliarden Dollar. Oracle Vorstandschef Larry Ellisons Vermögen wuchs um 5,7 Milliarden auf 49,4 Milliarden Dollar. Der Reichtum von Facebook-Chef Mark Zuckerberg nahm um 10,6 Milliarden auf 25,3 Milliarden Dollar zu. Zuckerbergs Reichtum hat sich seit 2009, als er zwei Milliarden Dollar besaß, fast um das Achtzehnfache vermehrt.

Ein bedeutsamer Teil der Bloomberg-Liste wird von Vertretern des Finanzsektors eingenommen. Neben Buffett nehmen die Milliarden-Investoren George Soros und Carl Icahn mit 26,2 Milliarden, bzw. 23,6 Milliarden Dollar prominente Plätze ein.

Während die Superreichen überbordende Reichtümer anhäufen, mehren sich Warnungen vor den Folgen wachsender sozialer Ungleichheit. Im vergangenen Monat merkte die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in einem Bericht an: „Heute verdienen die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung in der OECD 9,5 Mal so viel wie die ärmsten zehn Prozent; in den 1980er Jahren lag das Verhältnis bei sieben zu eins und ist seitdem ständig gestiegen.“

Die OECD berichtete, dass die Kluft zwischen den obersten zehn Prozent und den untersten zehn Prozent „etwa zehn zu eins in Italien, Japan, Korea, Portugal und Großbritannien erreicht hat, dreizehn bis sechzehn zu eins in Griechenland, Israel, der Türkei und den Vereinigten Staaten und 27 bis dreißig zu eins in Mexiko und Chile“.

Die obszöne Bereicherung der Milliardäre und Multimillionäre wird von wachsender Arbeitslosigkeit und Armut in aller Welt begleitet und hängt von dieser ab. Einem Bericht der internationalen Arbeitsorganisation vom vergangenen Jahr zufolge ist die Zahl der Arbeitslosen weltweit erstmals über zweihundert Millionen gestiegen. Die Zahl beinhaltet einen Anstieg um fünf Millionen innerhalb eines Jahres und überstieg den bisherigen Rekord von 2009 von 198 Millionen.

Ein anderer Bericht der OECD besagt, dass zwölf Prozent der Weltbevölkerung, oder 860 Millionen, in Armut leben. 805 Millionen waren laut der United Nations Food and Agriculture Organization zwischen 2012 und 2014 chronisch unterernährt.

Die ausufernde Bereicherung der Finanzelite der Welt geht nicht mit einem generellen Wachstum der Realwirtschaft und der Entwicklung der Produktivkräfte einher, ganz zu schweigen von einem generellen Anstieg des Lebensstandards. Im Gegenteil. Die Realwirtschaft stagniert oder schrumpft. Die produktive Infrastruktur der Vereinigten Staaten und anderer Industrieländer leidet unter einem Mangel an Investitionen und wird dem Verfall preisgegeben. Der Lebensstandard der breiten Bevölkerung geht zurück.

Die Finanzoligarchen von heute machen ihr Vermögen in der Regel durch Ausplünderung der Gesellschaft und wirtschaftlichen Parasitismus, oftmals am Rande oder auch jenseits der Grenze zu offener Kriminalität. Immer häufiger werden die mageren sozialen Rechte und Ersparnisse der Arbeiter in Form von Renten und anderen Sozialleistungen von der Finanzelite ausgehebelt und gestohlen, zum Beispiel mittels einer Bankrotterklärung von Unternehmen und Kommunen oder durch andere pseudolegale Betrügereien.

Der Bloomberg-Bericht über die Superreichen ist eine weitere Demonstration dafür, dass der Kapitalismus gescheitert ist. Die Arbeiterklasse muss ihn stürzen und durch den Sozialismus ersetzen.