Ukraine beginnt Offensive gegen prorussische Separatisten im Osten

Von Niles Williamson
21. Januar 2015

Das ukrainische Regime hat am Wochenende eine erneute Offensive gegen die prorussischen Separatisten im ostukrainischen Donezbecken begonnen, um die Kontrolle über den internationalen Flughafen Donezk zu festigen, um den seit Monaten heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten toben.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erklärte am Sonntag in einer Rede bei einer Kundgebung in Kiew, die Regierung werde "keinen Meter ukrainischen Boden" aufgeben. Am gleichen Tag wies die Regierung das Militär an, einen "massiven Angriff" auf Stellungen der Rebellen zu beginnen, wie der Berater des Präsidenten, Juri Birjukow erklärte.

Vor Beginn der Offensive am Wochenende warnte der Sekretär des ukrainischen Nationalen Verteidigungsrates, Alexander Turtschinow, in einer Rede in der Werchowna Rada, die Lage im Land könnte sich zu einem offenen Krieg ausweiten, an dem ganz Europa beteiligt sein könnte.

Er beschrieb zwei mögliche Szenarien für den Konflikt. Im ersten "geht der Feind zu offen Militäraktionen über und rückt mit Unterstützung der russischen Streitkräfte vor." Turtschinow erklärte, dies würde zu einem "offenen Krieg in Europa" führen.

Das zweite Szenario, warnte er, sei die "Aufnahme terroristischer Aktivität und die Verwandlung der Konfrontation in einen lange andauernden militärischen Konflikt, dessen Ziel es wäre, die wirtschaftlichen, militärischen, moralischen und psychologischen Potenziale der Ukraine zu erschöpfen und damit die Bedingungen zur Erreichung ihres Ziels zu schaffen - die ukrainische Nation und ihre Unabhängigkeit zu zerstören."

Am Montag erklärten ukrainische Behörden, die Operation in Donezk habe das Ziel erreicht, fast das gesamte Gebiet des strategisch wichtigen Flughafens und des Umlandes zu erobern.

Trotz dieser gemeldeten Erfolge der Regierungstruppen gingen die Kämpfe am Montag weiter. Der Präsidentenberater Birjukow erklärte, die Separatisten hätten einen Teil des Flughafenterminals gesprengt und dabei mehrere ukrainische Soldaten verletzt. Laut dem Sprecher des ukrainischen Militärs, Juri Lysenko, wurden seit Sonntag 66 Soldaten verwundet und drei getötet.

Separatistenführer leugnen, dass die von Kiew unterstützten Truppen den Flughafen zurückerobert haben. Der Premierminister der selbst ernannten Volksrepublik Donezk (DPR), Alexander Sachartschenko, erklärte am Montag vor der Presse: "Alle Versuche des ukrainischen Militärs, den Flughafen zu erobern und sich für die Niederlage im letzten Jahr zu rächen... sind gescheitert."

Das ukrainische Regime begann den Angriff, nachdem Mitglieder einer Miliz der prorussischen Volksrepublik Donezk am Freitag einen Teil des Flughafens unter ihre Kontrolle brachten. Trotz dieser Erfolge waren Soldaten der ukrainischen Armee angeblich noch immer in Schlüsselpositionen am Terminal des Flughafens verschanzt und wurden durch unterirdische Kommunikationstunnel versorgt.

Foto- und Videomaterial, das von BBC der veröffentlicht wurde, zeigt, dass der Flughafen nach monatelangen Kämpfen in Trümmern liegt. Der Boden rund um den Flughafen ist durch unaufhörliches Granatwerferfeuer durchlöchert, das Hauptterminal wurde völlig zerstört und steckt angeblich voller Sprengfallen, der Kontrollturm liegt in Trümmern. Die Putilowski-Brücke, die den Flughafen mit der Stadt verbunden hat, wurde durch schweren Beschuss zerstört.

Der Flughafen von Donezk ist von großer strategischer Bedeutung in den andauernden Kämpfen zwischen dem Kiewer Regime und den separatistischen Truppen. Das Regime in Kiew und die Führer der selbst ernannten Volksrepublik Donezk befürchten, dass der Flughafen benutzt werden könnte, um Nachschub und Verstärkungen einzufliegen, wenn eine Seite ihre Kontrolle verstärken kann. Die Landebahn ist angeblich noch immer in einem so guten Zustand, dass sie für militärische Unterstützungsflüge benutzt werden kann.

Ende letzter Woche hatte Sachartschenko Pläne für eine Offensive zur Rückeroberung der Territorien erläutert, die die DPR letztes Jahr durch die Offensive der Regierungstruppen verloren hatte. "Sie befinden sich auf Territorium, das sie nicht kontrollieren, und das sie auch nie kontrollieren werden“, erklärte Sachartschenko im Internet. "Wir werden noch weiter kommen, nach Slawjansk, nach Kramatorsk, und noch weiter“, erklärte er. Die Separatisten hatten diese Städte im Juli verloren.

Am Wochenende kamen zudem Meldungen auf, laut denen die Umgebung der von Separatisten kontrollierten Stadt Donezk so heftig beschossen wurde wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Kampfhandlungen im letzten Sommer. Schüler und Studenten in der ganzen Region wurden angewiesen, am Montag zuhause zu bleiben, um nicht in die Kämpfe zu geraten.

Am Montag erklärte Sachartschenko vor der Presse, Kiew habe gegen den Waffenstillstand von Minsk verstoßen und fügte hinzu: "Im Laufe dieses Konflikts gab es zu keinen Zeitpunkt so schwere Artillerieangriffe auf Donezk, die umliegenden Reginen und Gorlowka wie in den letzten vierundzwanzig Stunden."

Ukrainische Truppen haben Donezk am Wochenende mit Granatwerfern und Grad-Raketen beschossen und dabei Wohngebäude, eine Bushaltestelle und ein Geschäft beschädigt und mindestens fünf Zivilisten getötet. Am Montag traf eine Granate das zentrale klinische Krankenhaus Nummer 3 und zerstörte die Fenster. Es gab zwar offiziell keine Todesopfer, aber alle Patienten mussten in andere Krankenhäuser evakuiert werden.

Eduard Basurin, ein hoher Kommandant der Separatisten, berichtete gegenüber Sputnik News, dass am Sonntag bei Luftangriffen ukrainischer Kampfflugzeuge mehr als 30 Zivilisten getötet wurden, darunter Kinder. Dies war scheinbar das erste Mal seit Sommer, dass das Kiewer Regime im Osten Kampfflugzeuge eingesetzt hat. In Makiiwka wurden alle öffentlichen Versammlungen abgesagt, da die Stadt ebenfalls von ukrainischer Artillerie und von Flugzeugen angegriffen wurde.

Laut ukrainischen Angaben wurden in der von Regierungstruppen kontrollierten Stadt Debalzewe 70 Kilometer nordöstlich von Donezk, durch separatistischen Beschuss mindestens zehn Zivilisten verwundet und drei getötet.

Der Waffenstillstand, der im November im weißrussischen Minsk unterzeichnet wurde, ist zwar offiziell noch in Kraft, wurde in den letzten Monaten jedoch mehrfach gebrochen, was auf beiden Seiten zahlreiche Todesopfer gefordert hat.

Offiziell wurden seit dem Beginn des Angriffs des Kiewer Regimes auf die prorussischen Separatisten mehr als 4.800 Menschen getötet. Die Separatisten leisten Widerstand gegen das von den Faschisten mit Unterstützung der USA und der EU an die Macht gebrachte Regime in Kiew, das im letzten Februar den demokratisch gewählten Präsidenten Wiktor Janukowitsch gestürzt hatte. Nach Schätzungen der UN wurden durch den Konflikt mehr als eine Million Menschen zu Flüchtlingen.