Der Reichtum der Reichen wächst immer schneller

Von Gabriel Black
20. Juni 2015

Haushalte mit einem Privatvermögen von mehr als einer Million US-Dollar werden bis zum Jahre 2019 vermutlich 46 Prozent des gesamten weltweiten Privatvermögens besitzen. Dies geht aus einem neuen Bericht der Boston Consulting Group (BCG) hervor.

Dieser hohe Prozentsatz beinhaltet jedoch nur Bargeld, Ersparnisse, Geldmarktpapiere und registrierte Wertpapiere, die von Investmenthäusern verwaltet werden, was zusammengenommen als „Privatvermögen“ bezeichnet wird. Nicht einbezogen werden dabei Unternehmen, Immobilien und Luxusgüter, die fraglos einen erheblichen Teil des Vermögens von Reichen ausmachen.

Ende 2014 besaßen Millionärshaushalte ca. 41 Prozent des weltweiten Privatvermögens, so die BCG. Das bedeutet, dass 17 Millionen Haushalte zusammengenommen grob geschätzt 67,24 Billionen Dollar an verfügbarem Vermögen besaßen, dies entspricht etwa vier Millionen pro Haushalt.

Insgesamt nahm das weltweite Privatvermögen von 2013 bis 2014 um 17,5 Billionen Dollar zu. Der Bericht weist darauf hin, dass fast Dreiviertel des ganzen Zuwachses aus schon existierendem Vermögen erzeugt wurde. Mit anderen Worten: Der größte Teil des Vermögenszuwachses entstand aus schon vorhandenen Wertpapieren und Anlagen, deren Wert gestiegen ist, und geht nicht auf die Schaffung neuer materieller Dinge zurück.

Dieser Trend ist das Ergebnis des Einschießens billiger Kredite in die Finanzmärkte durch Zentralbanken. Die Politik der „quantitativen Lockerung“ hat zu einem dramatischen Anstieg der Börsenwerte geführt, obwohl das globale Wirtschaftswachstum gleichzeitig deutlich zurückgegangen ist.

Während das Vermögen der Reichen insgesamt in halsbrecherischem Tempo wächst, gibt es jedoch innerhalb dieser Gruppe eine Ausdifferenzierung bei den Vermögenszuwächsen. Am stärksten profitiert eine kleine Gruppe von Superreichen an der Spitze der Pyramide von den Zuwächsen.

2014 wuchs das Vermögen von Personen mit einem privaten Reichtum von über 100 Millionen Dollar in nur einem Jahr um elf Prozent. Zusammen besaßen diese Haushalte 2014 zehn Billionen Dollar, das sind sechs Prozent des weltweiten Privatvermögens. Dem Bericht zufolge „wird erwartet, dass dieses oberste Segment am schnellsten zulegt, und zwar sowohl was die Zahl der Haushalte wie auch was ihren absoluten Reichtum betrifft“. Es heißt, dass hier das Vermögen in den nächsten fünf Jahren um zwölf Prozent gesteigert wird.

Familien mit einem Vermögen von zwanzig Millionen bis einhundert Millionen Dollar haben 2014 ebenfalls stark zugelegt. Ihr Vermögen ist in nur zwölf Monaten um 34 Prozent gestiegen. Sie besitzen jetzt insgesamt neun Billionen Dollar. In fünf Jahren werden sie dem Bericht zufolge die Vierzehn-Billionen-Dollar-Marke knacken.

Die Schlusslichter in der „hoch vermögenden“ Bevölkerung sind die Haushalte mit einem privaten Vermögen von einer Million bis zwanzig Millionen Dollar. Es wird erwartet, dass das Privatvermögen dieser Haushalte jedes Jahr um 7,2 Prozent steigt, und zwar von gesamt 49 Billionen auf 70,1 Billionen Dollar. Ihre Wachstumsrate bleibt um mehrere Prozentpunkte hinter der Steigerungsrate der obersten Kategorie zurück.

Die Steigerung des privaten Vermögens der Superreichen steht in scharfem Kontrast zu den Erfahrungen von Milliarden Menschen in aller Welt. Während die Vermögensakkumulation der Ultrareichen sich stark beschleunigt, leidet die große Mehrheit der Menschen immer noch unter den Folgen der letzten Rezession.

Ein Oxfam-Bericht vom Januar zeigt zum Beispiel, dass die unteren 99 Prozent der Weltbevölkerung 2010 noch 56 Prozent des weltweiten Vermögens ihr Eigen nannten, während es 2014 nur noch 52 Prozent waren. Im gleichen Zeitraum stieg der Reichtum des obersten Prozents von 44 Prozent auf 48 Prozent des weltweiten Vermögens.

2014 berichtete die Russell Sage Stiftung, dass das mittlere Haushaltsvermögen in den Vereinigten Staaten von 87.992 Dollar auf 56.335 Dollar gefallen, d.h. um 36 Prozent gesunken ist. Zwar ging in der Rezession auch das Vermögen der Reichen zurück, aber inzwischen haben sie die Verluste längst wettgemacht. Von 2009 bis 2012 gingen 95 Prozent aller Einkommenszuwächse in den USA an das oberste Prozent. Das ist die ungleichste Einkommenzuwachsverteilung in einer Nachrezessionsphase, die jemals verzeichnet wurde.

Die OECD hat festgestellt, dass das Nettovermögen in den Vereinigten Staaten „von 2007 bis 2013 durchschnittlich um 2,3 Prozent sank. Es fiel aber zehnmal so stark, nämlich um 26 Prozent, bei den unteren zwanzig Prozent der Bevölkerung.“ Der Bericht von 2015 schließt mit dem Hinweis, dass „Niedrigverdiener überhaupt keine Einkommenssteigerung verzeichnet haben“.

Ein anderer Bericht von der Immobilienberatung Knight Frank beschäftigt sich mit Personen, die ein Vermögen von mehr als dreißig Millionen Dollar besitzen. Der Bericht stellt fest, dass diese 172.850 ultrareichen Personen ihr addiertes Vermögen 2014 um 700 Milliarden Dollar steigern konnten. Es steht jetzt bei 20,8 Billionen Dollar.

Der Bericht lenkt außerdem die Aufmerksamkeit auf die Distanz zwischen den Reichen und der Realwirtschaft. Er stellt fest, dass die ultrareiche Bevölkerung wuchs, obwohl gleichzeitig das globale Wirtschaftswachstum schwächer ausfiel als erwartet. 2014 musste der IWF seine Wachstumsprognose für die Weltproduktion von 3,7 Prozent auf 3,3 Prozent nach unten korrigieren.