Saudi-Arabien und VAE bereiten US-gestützte Bodenoffensive im Jemen vor

Von Niles Williamson
2. September 2015

Die Militäraktion Saudi-Arabiens im Jemen, die von den USA unterstützt wird und bereits sechs Monate andauert, fordert von der Zivilbevölkerung des Landes weiterhin einen vernichtenden Tribut. Am Sonntag wurden mindestens 36 Arbeiter für tot erklärt, nachdem ein Kampfflugzeug der saudischen Koalitionstruppen einen Wasserabfüllbetrieb im Distrikt Abs des Gouvernements Hajjah bombardiert hatte.

Laut den Einwohnern wurden Dutzende Arbeiter getötet, deren verkohlte Überreste aus den Trümmern des Werkes geborgen wurden. Ein Bewohner von Hajjah namens Issah Ahmed erklärte in einem Telefoninterview mit Reuters: „Die Bergung der Leichen ist jetzt abgeschlossen. Die Leichen von 36 Arbeitern wurden geborgen, nachdem das Gebäude am Morgen Ziel eines Luftangriffs wurde. Viele waren verbrannt oder zerfetzt.“

Dieses brutale Kriegsverbrechen ist nur das jüngste einer ganzen Reihe von Luftangriffen mit hohen zivilen Opferzahlen in dem von Saudi-Arabien geführten Krieg gegen die Huthi-Milizen und den mit ihnen verbündeten Kräften. Im April kamen bei einem Bombenangriff auf eine Molkerei- und Entsaftungsfabrik in der westjemenitischen Hafenstadt Hodeida mindestens 37 Arbeiter ums Leben, 80 weitere wurden verletzt. Seit Beginn der Offensive gegen die Huthi im März wurden mehr als 4.300 Menschen getötet, mindestens die Hälfte davon Zivilisten.

Die Bombenangriffe der saudischen Koalition, die mit Unterstützung der USA versucht, Präsident Abd Rabbuh Mansur Hadi wieder an die Macht zu bringen, richteten sich gegen Wohngebiete, Fabriken, Häfen, Schulen, Krankenhäuser und Märkte.

Amnesty International veröffentlichte letzten Monat einen Bericht, in dem die Organisation potenzielle „Kriegsverbrechen aller Parteien“ dokumentierte. Darunter befanden sich Bombenangriffe der Koalitionstruppen auf eine Schule, die als Notunterkunft benutzt wurde, einen Lebensmittelmarkt und ein Arbeiterwohnheim.

Die Huthi-Milizen, die von Truppen des ehemaligen Diktators Ali Abdullah Salih unterstützt werden, konnten im März ihre Kontrolle über einen Großteil der Westprovinzen des Jemen festigen, u.a. über die südliche Hafenstadt Aden. Sie zwangen Hadi nach Saudi-Arabien zu fliehen, wo er eine Exilregierung bildete. Die Saudis behaupteten, der Iran unterstütze die Huthi. Dieser dementierte jedoch den Vorwurf, er liefere ihnen militärische Ausrüstung.

Der fast ununterbrochene Luftkrieg wurde von den USA mit Informationen der militärischen Aufklärung, mit Logistik und mit Luftbetankungsflugzeugen unterstützt. In den letzten Wochen wurde er außerdem durch den zunehmenden Einsatz von Bodentruppen der Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabiens sowie jemenitischer Truppen ergänzt, die von den Saudis ausgebildet wurden.

Das Wall Street Journal berichtete am Montag, dass Truppen der VAE seit Ende Juli heimlich im Südjemen kämpfen. Fast 100 VAE-Soldaten mit unmarkierten Panzerfahrzeugen wurden in Aden stationiert und haben eine wichtige Rolle bei der Vertreibung der Huthi aus der Stadt gespielt.

Die Koalition bereitet Berichten zufolge einen Angriff von drei Seiten auf den Nordjemen vor, der zu einem Blutbad führen könnte: aus der Provinz Saada im Norden, der Provinz Marib im Osten und der Provinz Jawf im Nordosten. Mehrere tausend VAE- und saudische Truppen sowie Kampfpanzer und andere Panzerfahrzeuge wurden bereits im Jemen stationiert.

Die saudische Koalition rechnet wohl damit, dass ein erfolgreicher Angriff auf die Huthi-Hochburg Saada den Anti-Hadi-Kräften einen schweren Schlag versetzen und die Rückeroberung von Sanaa erleichtern würde.

Im Laufe der letzten Woche haben Bodentruppen der Koalition außerdem begonnen, aus dem Nordosten in den Jemen einzudringen. Dabei haben sie die ölreiche Provinz Marib erreicht, aus der Sanaa Strom und Treibstoff bezieht. Sie grenzt außerdem an das Gouvernement Al Jawf, wo Huthi-Kräfte Berichten zufolge als Vorbereitung auf eine Bodenoffensive Schützengräben angelegt und Minen ausgelegt haben.

Die von Saudi-Arabien finanzierte Zeitung Asharq Al-Awsat schrieb am Montag, Bodentruppen der saudischen Koalition hätten den dritten Stoß der Invasion begonnen und seien in die Provinz Saada einmarschiert. Die Truppen haben sich im Stammesgebiet außerhalb der Stadt Saada verschanzt, während saudische Flugzeuge Flugblätter abwarfen, auf denen die Einwohner aufgefordert wurden, die Einsetzung der Hadi-Regierung zu unterstützen.

Die UN und Menschenrechtsgruppen warnten in den letzten fünf Monaten mehrfach, dass die unablässigen Luftangriffe auf den Jemen und die Blockade des Landes eine schwere humanitäre Krise auslösen. Der UN-Botschafter des Jemen, Ismail Ould Cheikh Ahmed, erklärte im Juni, das Land sei nur noch „wenige Schritte von einer Hungersnot“ entfernt.

Mehr als eine Million Menschen wurden durch die Kämpfe zu Flüchtlingen. Ungefähr einundzwanzig Millionen Menschen, das sind 80 Prozent der Gesamtbevölkerung, haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und brauchen in irgendeiner Form humanitäre Hilfe.

Die internationale Wohltätigkeitsorganisation Save the Children warnte am Sonntag, dass das Al Sabin-Krankenhaus, das wichtigste Frauen- und Kinderkrankenhaus in Sanaa, aufgrund fehlender Ausrüstung und Treibstoff für die Stromgeneratoren kurz vor der Schließung stehe. Das Krankenhaus hat bereits keine Infusionsflüssigkeiten und keine Fertignahrung für unterernährte Kinder mehr.

„Die Lage ist absolut kritisch. Wir haben keine Zeit auf Nachschub und Treibstoff zu warten. Wenn dieses Krankenhaus schließen muss, werden Kinder und Frauen sterben“, erklärte der stellvertretende Geschäftsführer des Hauses, Halel Al Bahri, gegenüber Save the Children. „Die Zahl der Todesopfer wird dann noch höher sein als die Zahl der Opfer von Luftangriffen und Kämpfen.“

Seit dem Beginn der saudischen Angriffe Anfang des Jahres ist die Zahl der Jemeniten, die keinen Zugang zu grundlegenden medizinischen Einrichtungen haben, um 40 Prozent auf 15,2 Millionen gestiegen. Die Anzahl der Kinder, die wegen Unterernährung in Krankenhäusern aufgenommen wurden, ist um 150 Prozent in die Höhe geschnellt. Schätzungen zufolge werden bis Ende des Jahres mehr als eine halbe Million Kinder unter akuter Unterernährung leiden.

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