Jemen: Saudische Koalition bereitet Angriff auf Hauptstadt Sanaa vor

Von Patrick Martin
15. September 2015

Die von Saudi-Arabien angeführte Koalition, die in den letzten zwei Monaten in den Jemen eingefallen ist, steht laut Presseberichten vom Sonntag kurz vor einem direkten Angriff auf die Landeshauptstadt Sanaa. Schätzungsweise 12.000 Soldaten haben eine Offensive gegen die Provinz Marib begonnen, die östlich der Hauptstadt liegt.

Die Koalition wird nominell vom gestürzten jemenitischen Präsidenten Abdrabu Mansur Hadi angeführt, der Anfang des Jahres von schiitischen Huthi-Rebellen und Unterstützern des vorherigen langjährigen Herrschers Ali Abdullah Saleh aus dem Land vertrieben wurde und seither im Exil in Saudi-Arabien lebt.

Murad Turaiq, Befehlshaber der pro-Hadi-Truppen in der Provinz Marib und Brigadegeneral der jemenitischen Armee, der mit den Invasionstruppen der Koalition verbündet ist, erklärte: „In dieser Schlacht geht es nicht um Marib, sondern um Sanaa.“

Turaiq versuchte nicht, die führende Rolle der ausländischen Truppen zu verbergen und erklärte der Presse, die Offensive gegen die Huthi-Stellungen werde von Truppen aus Saudi-Arabien und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) angeführt.

Laut Presseberichten verfügen die Angreifer über Apache-Kampfhubschrauber und gepanzerte Fahrzeuge, die von den USA geliefert wurden. Dies unterstreicht die Schlüsselrolle, die die Obama-Regierung dabei spielt, das neueste Blutbad im Nahen Osten zu abzusegnen.

Berichten zufolge trafen Verstärkungen aus Saudi-Arabien über den Grenzübergang bei Wadia im Jemen ein, um die jüngste Offensive vorzubereiten. Das letzte große ausländische Truppenkontingent, darunter 1000 Soldaten aus Katar, die u.a. mit gepanzerten Fahrzeugen und Kampfhubschraubern ausgerüstet waren, traf letzte Woche ein.

Bei den Kämpfen im Jemen wurden in diesem Jahr mindestens 5000 Menschen getötet, Millionen wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Laut Schätzung einer humanitären Hilfsorganisation benötigen 80 Prozent der Bevölkerung, das heißt mehr als 20 Millionen Menschen, in irgendeiner Form humanitäre Hilfe, u.a. Lebensmittel, Unterkunft und Trinkwasser.

Kampfflugzeuge aus Saudi-Arabien und den VAE flogen am Wochenende Bombenangriffe in der Provinz Marib und auf mehrere Ziele in Sanaa. Die Stadt mit zwei Millionen Einwohnern wurde durch wiederholte Angriffe der saudischen Koalition, welche die unangefochtene Lufthoheit über den Jemen hat, stark zerstört. Laut vorläufiger Presseberichte wurden am Samstag mindestens sieben Zivilisten in Sanaa getötet und weitere 16 im Rest des Landes.

In dem Bürgerkrieg kämpfen die Huthi und loyale Truppen Salehs, der vor seinem Rücktritt 2012 drei Jahrzehnte lang geherrscht hatte, gegen eine Koalition aus reaktionären sunnitischen Monarchien unter der Führung Saudi-Arabiens, der die Scheichtümer Bahrain, Kuwait, Katar und die UAE, sowie Jordanien, Marokko, Ägypten und der Sudan angehören.

Die sunnitischen Monarchien stellen die Huthi als Schachfiguren des Iran dar. Dieser leistet allerdings nur begrenzte Unterstützung und spielte bei der Offensive, die zum Sturz des äußerst unpopulären Hadi-Regimes führte, kaum eine Rolle.

Die Hadi-Regierung wurde im letzten Herbst aus Sanaa vertrieben, floh zuerst in die Hafenstadt Aden im Süden des Landes und schließlich, nachdem die Rebellen im Februar auch Aden eingenommen hatten, ins Exil nach Saudi-Arabien. Im März begann unter Führung von Saudi-Arabien ein Luftkrieg, der jedoch kaum spürbare Auswirkungen auf die Position der Huthi hatte. Stattdessen wurde ein Großteil der Infrastruktur des verarmten Landes zerstört.

Der Einmarsch von Bodentruppen aus den Golfstaaten begann im Juli und hat die Huthi-Truppen aus dem Süden des Landes vertrieben. Mittlerweile verläuft die Frontlinie von Taiz am Roten Meer, östlich und nördlich um Sanaa bis zur Huthi-Hochburg Sadaa im nördlichsten Teil des Landes.

Abgesehen vom Hauptkampfgebiet östlich von Sanaa gab es am Wochenende außerdem neuerliche Kämpfe um Taiz. Die Huthi-Rebellen versuchten, ihre Stellungen in der umkämpften Stadt zu festigen, während Truppen auf der Seite von Hadi Regierungsgebäude im Stadtzentrum besetzt hielten.

Hadis Exilregierung kündigte am Sonntag auf Anordnung ihres saudischen Schutzpatrons an, nicht an den Friedensverhandlungen mit den Huthi teilnehmen zu wollen. Diese wurden von der UN vermittelt und sollten diese Woche beginnen. Ein offizieller Sprecher erklärte, die Huthi müssten erst die Resolution 2216 des UN-Sicherheitsrates einhalten, die im April angenommen wurde. Diese Resolution sieht vor, dass sie Hadi als Präsidenten anerkennen und sich aus Sanaa, Taiz und anderen Großstädten zurückziehen. Sie kommt damit einer Kapitulation gleich.

Die Hilfsorganisation Oxfam erklärte am Mittwoch, die Waffenlieferungen von Großbritannien an die saudischen Koalitionstruppen verschärften die Krise und verstießen möglicherweise gegen das Verbot von Waffenverkäufen in Konfliktgebiete. Laut der Cluster Munition Coalition, die ein Verbot von Streumunition anstrebt, umfassten die Waffenlieferungen auch Streubomben, die an Saudi-Arabien verkauft und in zivilen Gebieten der von den Huthi-Rebellen kontrollierten Zone eingesetzt wurden.

Ein wichtiger Verbündeter der saudischen, von den USA unterstützten Anti-Huthi-Koalition ist al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAP). Die Terrororganisation kontrolliert mittlerweile einen Großteil der Provinz Hadhramaut, ein riesiges Wüstengebiet im Osten des Jemen, in dem auch die Hafenstadt Mukalla liegt. Dieses bemerkenswerte Arrangement verdeutlicht den zynischen Charakter der Behauptungen, die USA würden im Nahen Osten gegen den „Terrorismus“ kämpfen.

Ein ungewöhnlich ehrlicher Artikel im Wall Street Journal vom 10. September stellte die Frage: „Gewinnt al-Qaida den saudisch-iranischen Stellvertreterkrieg im Jemen?“. Der Korrespondent, Yaroslav Trofimov, schrieb: „Nur wenige streiten ab, dass al-Qaida an der Seite des breiten Bündnisses kämpft, das die pro-iranischen Huthi-Milizen in den letzten Wochen aus dem Großteil des südlichen Jemens vertrieben hat... Truppen aus Saudi-Arabien und den VAE haben laut Vertretern der Koalition einen inoffiziellen Nichtangriffspakt mit al-Qaida geschlossen, der vorsieht, dass sich beide Seiten nicht in die Quere kommen.“

Als König Salman letzte Woche zu Besuch in Washington war und sich mit Präsident Obama im Weißen Haus über den Jemen und das iranische Atomabkommen unterhielt, wurde zwischen den Regierungsvertretern der beiden Länder zweifellos auch über AQAP diskutiert. Nach dem Treffen führten die USA Drohnenangriffe gegen angebliche AQAP-Ziele im Jemen durch, bei denen in der Nacht zum 12. September laut lokaler Sicherheitsbehörden mindestens fünf Kämpfer getötet wurden.

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