IWF verleiht chinesischer Währung Reservestatus

Von Nick Beams
3. Dezember 2015

Der Internationale Währungsfond (IWF) hat am Montag entschieden, den chinesischen Yuan in den Währungskorb aufzunehmen, mit dessen Hilfe der Wert der Sonderziehungsrechte (SDR) des IWF kalkuliert wird.

Das Leitungsgremium des IWF teilte mit, die chinesische Währung erfülle die geltenden Kriterien, um sie in einen neuen SDR-Korb zu integrieren, der am 1. Oktober nächsten Jahres gültig wird. Der IWF erklärte, die Gewichtung des Yuan in dem Korb werde 10,92 Prozent betragen und damit die dritte Stelle nach dem US-Dollar (41,73 Prozent) und dem Euro (30,93 Prozent) einnehmen, gefolgt von dem japanischen Yen und dem britischen Pfund mit einer Gewichtung von 8,33 bzw. 8,09 Prozent.

Die Sonderziehungsrechte (SDR), die 1969 geschaffen und nach der Finanzkrise von 2008 erweitert wurden, fungieren als eine globale Reservewährung. Mit ihnen werden die Bedingungen und Zinssätze bestimmt, zu denen Länder Kredite vom IWF bekommen können.

Die IWF-Direktorin Christine Lagarde sagte, die Aufnahme des Yuan in den Währungskorb sei „ein wichtiger Meilenstein in der Integration der chinesischen Wirtschaft in das globale Finanzsystem“. Sie „anerkenne die Fortschritte, welche die chinesischen Behörden in den letzten Jahren bei der Reform des chinesischen Währungs- und Finanzsystems gemacht haben“.

Bei der Entscheidung, ob der Yuan aufgenommen werden könne, musste der IWF zwei Kriterien überprüfen: Wird die Währung „breit genutzt“, und ist sie „frei konvertierbar“?

Die erste Bedingung wurde schon vor längerer Zeit erfüllt, weil Chinas Bedeutung als internationale Handelsmacht ständig zunahm. China ist heute der größte Handelspartner von 120 Ländern.

Der umstrittene Punkt ist die zweite Bedingung, weil die chinesischen Behörden den Zugang zu den Finanzmärkten des Landes kontrollieren und den Wert ihrer Währung regulieren. Im Unterschied zu den anderen vier Währungen in dem SDR-Korb ist der Yuan nicht frei konvertierbar. Aus diesem Grund wurde China 2010 abgewiesen, als sie sich bei der letzten fünfjährigen Überprüfung des IWF schon einmal bemühte, in den Korb aufgenommen zu werden. Opposition dagegen kam vor allem von den USA und Japan.

Schritte der chinesischen Behörden im letzten Jahr, die Kontrolle der Währungsschwankungen zu verringern und die Bildung der Zinssätze zu liberalisieren, haben das Pendel zugunsten Chinas ausschwingen lassen. Auch die USA widersprachen dem Vorschlag, das Land aufzunehmen, nicht mehr.

Aber die USA haben immer noch Vorbehalte. Diese fanden ihren Ausdruck in der Behauptung, der IWF habe seine eigenen Regeln verbogen, um China entgegenzukommen, denn dessen Währung sei noch immer nicht frei konvertierbar. „Sie dehnen ihre Kriterien aus“, erklärte der ehemalige Beamte des US-Finanzministeriums und langjährige Beobachter des IWF, Edwin Truman, der Financial Times.

Die USA änderten jedoch ihre Meinung, und eine Überlegung dahinter mag gewesen sein, dass ein amerikanisches Veto auf beträchtlichen Widerstand anderer IWF-Mitglieder gestoßen wäre. Diese sehen schon jetzt die Haltung des US-Kongresses sehr kritisch, ein Gesetz nicht passieren zu lassen, das Chinas Stimmgewicht in der Organisation erhöhen würde. China, die unbestritten zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat gegenwärtig gleich viele Stimmen in den IWF-Gremien wie Belgien.

Unter Verweis auf die Bedeutung der Schritte Chinas, seine Finanzmärkte zu öffnen und ein leichteres Schwanken der Währung zu erlauben, sagte Lagarde: „Wenn sie mich vor einem Jahr gefragt hätten, ob das heute schon der Fall sein würde, hätte ich mich zurückgehalten. Die chinesischen Behörden haben aber schon eine Menge Arbeit geleistet.“

Obwohl die Entscheidung, zumindest kurzfristig, eher symbolischer Natur ist, wird sie dazu führen, dass mehr Kapital in die chinesischen Finanzmärkte strömen wird, weil Regierungen, Banken und Finanzinstitutionen ihre Devisenvorräte an die größere Bedeutung des Yuan anpassen werden.

Für die chinesischen Behörden hat die Entscheidung aber vor allem eine langfristigere Bedeutung, da sie die Dominanz des US-Dollars im internationalen Finanzsystem verringert.

In einer Rede im März 2009, nach Ausbruch der globalen Finanzkrise im vorhergehenden September, forderte der Gouverneur der chinesischen Volksbank (PBoC), Zhou Xiaochuan, das internationale Geldsystem müsse reformiert werden. Eine kreditbasierte nationale Währung, der US-Dollar, dürfe nicht länger die globale Reservewährung sein. Der Dollar hatte diese Rolle praktisch seit der Aufhebung seiner Golddeckung im August 1971 gespielt. Damals wurde das Bretton Woods-System von 1944 aufgehoben. 1973 wurden dann die festen Wechselkurse völlig aufgegeben.

Zhou fuhr fort: „Die Häufigkeit und Heftigkeit von Finanzkrisen nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems wirft die Frage auf, ob die Kosten eines solchen Systems nicht seinen Nutzen übersteigen.“ Er forderte eine „kreative Reform des bestehenden internationalen Geldsystems“ mit dem Ziel einer internationalen Reservewährung mit stabilem Wert, um die globale Finanzstabilität zu gewährleisten. In so einem System könnten SDR’s eine größere Rolle spielen.

Die Entscheidung, den Yuan in den SDR-Korb aufzunehmen ist keineswegs ein Schritt in diese Richtung. Der Dollar behält seine beherrschende Stellung im globalen Finanzsystem. Aber die chinesischen Finanzbehörden werden diese Veränderung als Gelegenheit nutzen, ihre Verhandlungsposition bei internationalen Finanzstürmen zu stärken und die Abhängigkeit vom Dollar zu verringern.

China hat schon mit einzelnen Ländern Vereinbarungen getroffen, den Yuan anstelle des Dollars für internationale Transaktionen zu nutzen. Die Regierung in Beijing wird sicherlich hoffen, weiter in diese Richtung gehen zu können, wenn ihre Währung offiziellen Reservestatus hat.

Die Entscheidung des IWF ist aber auch ein zweischneidiges Schwert: Sie setzt das chinesische Regime verstärkt unter Druck, sein Finanzsystem weiter internationalen Kapitalströmen zu öffnen und Regulierungen zurückzufahren.

Zentralbankgouverneur Zhou hat klargemacht, dass er die volle Konvertierbarkeit der chinesischen Währung ablehnt. Das würde nämlich erfordern, Chinas Finanzmärkte genauso zu öffnen wie die Finanzzentren Londons, New Yorks, Tokios und der europäischen Finanzzentren.

Im April hatte Zhou dem IWF erklärt, dass China nicht das traditionelle Konzept von Konvertibilität verfolge. Ausgehend von den Lehren aus der globalen Finanzkrise, strebe China „eine kontrollierte Konvertibilität“ an.

Der IWF wiederum sieht als Organisation, die die Interessen des internationalen Finanzkapitals vertritt, die Entscheidung unter dem Blickwinkel, China enger in ihren Dunstkreis zu ziehen. In ihrer Ankündigung, dass Chinas Währung in den SDR-Korb aufgenommen werde, gab es folgende bemerkenswerte Passage: „Die Behörden aller Währungen im SDR-Korb, d.h. jetzt auch die chinesischen Behörden, sollen ihre Politik in einem Rahmen halten, der die Ziele des IWF, seiner Mitgliedschaft und anderen SDR-Nutzer in ihren Währungen respektiert.“

Der IWF stützt seine Überlegungen auf Kräfte im chinesischen Regime selbst, die die Integration Chinas in die globalen Finanzmärkte weiter vorantreiben wollen.

Der Leiter der Forschungs- und Statistik-Abteilung der PBoC sagte dem Wall Street Journal: „Wir müssen Vertrauen in Yuan-Anlagen bei Investoren im In-und Ausland schaffen und gleichzeitig die Finanzrisiken vermeiden, die mit einer globaleren Währung einhergehen. Das verlangt verschiedene koordinierte Reformen.“

Die „Reform“ von Chinas Finanzsystem mit seiner Öffnung für globales Kapital ist keine rein technische Frage. Angesichts der Finanzprobleme Chinas, die bei dem Börsenchaos Anfang des Jahres zu beobachten waren, und der Verlangsamung des Wirtschaftswachstums sind diese Fragen hochpolitisch. Wesentliche Teile der herrschenden Elite Chinas sind für ihren wirtschaftlichen und politischen Machterhalt auf die Staatskontrolle der Finanzwirtschaft und der Wirtschaft insgesamt angewiesen.