Der Nachweis von Gravitationswellen: ein Meilenstein für die Wissenschaft

Von Bryan Dyne
16. Februar 2016

Der erste tatsächliche Nachweis von Gravitationswellen, die von Albert Einstein vor fast genau einhundert Jahren vorausgesagt wurden, markiert einen entscheidenden Fortschritt in der wissenschaftlichen Erkenntnis und technischen Beherrschung der Natur.

Die Detektoren am Laser-Interferometer Gravitationswellen-Observatorium (LIGO), mit denen die Wellen gemessen wurden, sind die präzisesten wissenschaftlichen Instrumente, die jemals gebaut wurden. Sie haben eine fast unmerkliche Wellenbewegung in Raum und Zeit registriert, die von zwei Schwarzen Löchern ausgelöst wurde, die sich über eine Milliarde Lichtjahre von der Erde entfernt zu einem noch größeren Schwarzen Loch verschmolzen. Damit wird der Beginn einer neuen Ära der Gravitationswellenastronomie eingeleitet.

Zu dem am Donnerstag bekannt gegebenen Erfolg haben vier Jahrzehnte währende bahnbrechende Forschungen in der Laser-, Vakuum-, Sensortechnologie und Seismologie beigetragen. Neue mathematische Wege wurden entwickelt, um durch das Hintergrundgeräusch des Detektors hindurch zu stoßen und ein Signal herauszulesen. Tausende Ingenieure und Wissenschaftler lösten zahllose technische Schwierigkeiten und haben vor der ersten Veröffentlichung der wissenschaftlichen Ergebnisse monatelang die ursprünglichen Messungen und ihre Folgerungen überprüft.

Der Nachweis ist mehr als bloß eine Bestätigung der Existenz von Gravitationswellen. Erst im vergangenen Jahrzehnt wurden Computermodelle möglich, die die Form dieser Wellen aus einer Vielzahl astrophysikalischer Quellen sowie aus mehreren theoretischen Modellen vorausberechneten. Diese gehen weit über die Gleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie hinaus, die Einstein in den jahren 1915 und 1916 entwickelt hat.

Die tatsächliche Gestalt der Wellen im nachgewiesenen „Gezwitscher“ entsprach indessen genau dem Einsteinschen Modell einer Verschmelzung zweier 1,3 Milliarden Lichtjahre entfernten Schwarzen Löcher mit Massen 29- und 36mal so groß wie die Sonne. Außerdem ist dies die erste Entdeckung von Schwarzen Löchern, die diese „Mittel“-Masse aufweisen: schwerer als die meisten Sterne, aber leichter als die supermassereichen Sterne, die im Zentrum von Galaxien entdeckt wurden.

Ähnlich wie bei der Entdeckung vor anderthalb Jahrhunderten, dass verschiedene Lichttypen Bestandteil eines umfangreicheren Strahlenspektrums sind, wird das Studium der Gravitationswellen einen völlig neuen Weg freimachen, das Universum zu beobachten. Objekte wie Schwarze Löcher, die nicht durch Licht untersucht werden können, sind mittels Gravitationswellen nachweisbar. Das frühe Universum, das sich der direkten elektromagnetischen Ansicht entzieht, könnte enthüllt werden, indem die vom Urknall ausgelösten ursprünglichen Vibrationen der Raumzeit gefunden werden. Schwarze Materie, die kein Licht emittiert, aber fünfmal so häufig vorkommt wie normale Materie, könnte aufgrund schwacher gravitativer Wechselwirkungen nachweisbar werden. Die vorliegenden ersten Erkenntnisse sind lediglich ein Vorgeschmack auf zukünftige Entwicklungen.

Die überwältigende Bestätigung von Phänomenen, die theoretisch vor einhundert Jahren vorhergesagt wurden, steht in krassem Widerspruch zur gegenwärtigen unablässigen Verherrlichung von Irrationalismus, sowohl durch die Kultivierung von Rückständigkeit und religiösem Aberglauben als auch durch die Unterstützung für den Postmodernismus und seiner Zurückweisung der objektiven Wahrheit. Es ist eine machtvolle Bestätigung der materialistischen Auffassung von der Welt, laut der objektive Naturgesetze existieren, die von den Menschen erkannt werden können.

Der am Dienstag verkündete Durchbruch wird von Millionen Menschen auf der ganzen Welt geteilt und gefeiert. Die Server der Physical Review Letters, der Zeitschrift, die die Ergebnisse publizierte, brachen bereits wenige Augenblicke nach der Bekanntmachung zusammen, da sich Menschen aus allen Gesellschaftsschichten beeilten, etwas über die von LIGO gemachte Entdeckung zu erfahren. Insbesondere für eine jüngere Generation, die nichts außer endlosen Kriegen, Ungleichheit, Armut, Sparmaßnahmen, Überwachung der Bevölkerung und Polizeibrutalität kennengelernt hat, ist es ein Augenblick des Optimismus, der etwas über die Aussichten auf den menschlichen Fortschritt vermittelt.

Hinzu kommt ein instinktives Verständnis, dass die Methoden, die zur Entdeckung der Gravitationswellen und für weitere wissenschaftliche und technische Fortschritte angewandt wurden, dazu dienen könnten, soziale und wirtschaftliche Probleme zu lösen. Die Menschen fragen sich zurecht, wie es sein kann, dass die Gesellschaft zwar in der Lage ist, ein Signal aufzuspüren, das die Schwingungsweite von einem Tausendstel eines Protons aufweist, aber nicht in der Lage sein soll, ausreichend Lebensmittel, Wohnungen, Bildung oder Gesundheitsvorsorge für die Bevölkerung des Planten zur Verfügung zu stellen.

Es besteht ein krasser Gegensatz zwischen der Art und Weise, wie das LIGO-Projekt organisiert wurde, und der tagtäglichen Funktionsweise des Kapitalismus, eines Gesellschaftssystems, das auf der ständig wachsenden Akkumulation von privatem Profit durch zunehmend katastrophale und parasitäre Methoden beruht. Tausende Wissenschaftler arbeiteten zusammen an einem gemeinsamen Projekt, dessen treibende Kraft das Streben nach Wissen war und nicht die Anhäufung aberwitziger Summen an Privatvermögen. Die gefällten Entscheidungen basierten auf objektiven Kriterien, denen ein ausgefeilter Feedback-Mechanismus zur Seite stand, um unbeabsichtigte Fehler und jeglichen Versuch auszuschließen, die Ergebnisse zu manipulieren.

Auf der anderen Seite steht die Irrationalität des kapitalistischen Nationalstaatensystems mit seinen Kriegen, Invasionen, Bombardierungen und den massiven Strömen von Flüchtlingen, für die die Welt zu einer Ansammlung von Käfigen wird. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit von LIGO umfasste Beiträge aus Australien, China, Deutschland, Großbritannien, Indien, Russland und den Vereinigten Staaten. Durch diese Arbeit hat jeder dieser Wissenschaftler in gewisser Weise das unaufhörliche Mantra der herrschenden Eliten zurückgewiesen, das in jedem Land aus Nationalchauvinismus und Reaktion besteht.

Derartige wissenschaftliche Fortschritte, wie sie vergangene Woche verkündet wurden, sind seltener als sie sein könnten, wenn die immensen Ressourcen, die für Krieg und Parasitismus verschleudert werden, stattdessen der Erweiterung der Kenntnisse über die materielle Welt zugute kämen. Gleichgültig ob es sich hierbei um die Bewegung Schwarzer Löcher vor Milliarden von Lichtjahren handelt oder um die Ursachen von Krebs, um die Lösung des Problems der Erderwärmung oder die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion.

Dieses Potenzial kann nur dann zur Geltung kommen, wenn das grundlegende gesellschaftliche Problem gelöst wird: die Unterordnung der menschlichen Aktivität unter den privaten Profit. Hierzu muss die internationale Arbeiterklasse sich der objektiven Gesetze der kapitalistischen Entwicklung – die unvermeidlich zu Krieg und sozialer Revolution führen – bewusst werden und ihr Handeln entsprechend ausrichten.