El Niño und die Beschleunigung der globalen Erwärmung

Von Matthew MacEgan
11. Juni 2016

In den Anfangsmonaten des Jahres 2016 erreichten die Temperaturen neue Rekordwerte, wie Daten der NASA zeigen. Ursächlich für diese (in den Worten eines Wissenschaftlers) „außerordentlichen" Temperaturen war ein ungewöhnlich langandauernder El Niño. Die Forschung der letzten Jahre zeigt außerdem, wie der vom Menschen verursachte Treibhauseffekt El Niño und seine Kaltwasser-Entsprechung La Niña beeinflusst und verstärkt.

Wissenschaftlich betrachtet, sind El Niño und La Niña Phasen der „El Niño Souther Oscillation", einem Zyklus abwechselnd warmer und kalter Temperaturen in den zentralen und östlichen Teilen des Pazifischen Ozeans. Die Forschung vermutet, dass der Zyklus seit mindestens hunderttausend Jahren besteht. Die Änderungen in den Wassertemperaturen bewirken signifikante Verschiebungen im Luftdruck über ganzen Regionen des Globus. Sie rufen damit mächtige Wetterphänomene hervor – mit zerstörerischen Folgen für menschliche Siedlungen in vielen Teilen der Welt.

Die durch El Niño ungewöhnlich hohen Meerwassertemperaturen verursachen eine Häufung extremer Wetterlagen wie Dürren, Zyklone und Überschwemmungen.

Der letzte El Niño, der erst vor kurzem endete und zwei Jahre angehalten hatte, war der stärkste der letzten zwanzig Jahre. Ihm wurden Rekordüberschwemmungen in Argentinien, Paraguay, Bolivien, Uruguay und Brasilien zugeschrieben, sowie Überschwemmungen und Erdrutsche in Äthiopien, bei denen über hundert Menschen ums Leben kamen. Er soll zudem die Dürren in Südafrika, Thailand und Venezuela verursacht haben, die Millionen Menschen trafen. In Venezuela führte sie zu Stromrationierungen. Er wird für die Intensität des tropischen Zyklons Winston verantwortlich gemacht, der im Februar große Teile Fidschis zerstörte, und überhaupt für eine Verstärkung der Zyklonsaison im Pazifik.

Die anhaltenden Waldbrände in Alberta und Saskatchewan in Kanada werden ebenfalls teilweise mit den heißen und trockenen Bedingungen in Zusammenhang gebracht, die der letzte El Niño Zyklus verursachte. Auch wenn einzelne Waldbrände nicht direkt mit der globalen Erwärmung im Zusammenhang stehen, führen höhere Temperaturen und generell weniger Schnee im Winter dazu, dass es öfter und in größerem Ausmaß zu Buschbränden kommt.

Obwohl El Niño ein natürliches Phänomen ist, haben viele Wissenschaftler in den letzten Jahren gezeigt, dass die globale Erwärmung ihn verstärkt. Ein Artikel in der Zeitschrift Nature vom Januar 2014 beweist zum Beispiel, dass das vermehrte Auftreten von „extremen“ El Niños größtenteils mit der schnelleren Erwärmung des Oberflächenwassers des äquatorialen Pazifiks in Zusammenhang steht. Der Autor schreibt wörtlich: „Wir sollten davon ausgehen, dass verheerende Unwetter, die einen deutlichen Einfluss auf das Klima des 21. Jahrhunderts haben, häufiger auftreten.“

Zwei Jahre später bestätigen neue Daten diese Voraussage. Die US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) berichtete kürzlich, dass der April 2016 der siebente Monat in Folge war, in dem die durchschnittliche globale Temperatur die Durchschnittswerte des zwanzigsten Jahrhunderts um mindestens ein Grad Celsius überstieg. Auch der Land-Ozean-Temperaturindex der NASA zeigt einen Anstieg der Meeresoberflächentemperaturen um rund dreißig Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten.

Andere Messungen zeigen die gleiche Erwärmung. Im Januar wurde in der nördlichen Hemisphäre an einem einzelnen Tag eine Durchschnittstemperatur von zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Durchschnittswert gemessen. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass dies ohne den Menschen-gemachten Treibhauseffekt zustande kam, liegt bei einem Einhundertstel-Prozent. Daten vom Nordpol zeigten im Dezember Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Sie lagen mehr als dreißig Grad Celsius über dem Durchschnitt. Mark Serreze, Direktor einer US-Behörde für Daten aus Schnee und Eis, konstatierte: „Ich studiere das Klima der Arktis seit mehr als 35 Jahren, aber so etwas habe ich noch nie zuvor gesehen.“

Die Konsequenzen für die Umwelt und das menschliche Leben beschränken sich nicht auf häufigere und stärkere Stürme. Wie vor kurzem ein Update der NOAA zeigte, führen sowohl El Niño als auch die globale Erwärmung zum längsten bekannten Korallensterben, das sich noch bis weit ins Jahr 2017 fortsetzen wird. Die „globale Korallenbleiche“, Folge von Krankheit und Hitzestress, wird durch hohe Ozeantemperaturen verursacht. NOAA-Berichte zeigen, dass die Bleiche in manchen Gebieten schon seit zwei Jahren ununterbrochen anhält, was bedeutet, dass die Korallen keine Zeit haben, sich zu erholen. Die potentiellen Kosten für die Menschheit sind hoch: Für 500 Millionen Menschen hängen die Nahrung und der Küstenschutz vor Stürmen und Erosion von den Korallenriffen ab. Diese tragen rund dreißig Milliarden Dollar jährlich zur globalen Wirtschaft bei.

Während manche die letzte Hitzewelle ausschließlich El Niño zuschreiben, halten andere seinen Anteil an der anormalen Wärme für gering. Micheal Mann, Direktor am Zentrum für Geowissenschaften der Pennsylvania State University, konstatiert: „Auch ohne die Hilfe von El Niño hätten wir einen globalen Temperaturrekord festgestellt.“

Jeff Knight vom britischen Hadley Center für Klimaforschung erläuterte, die zusätzliche Wärme eines großen El Niño trage zu den global warmen Bedingungen bei, jedoch nur in relativ geringem Ausmaß. Er sagte Anfang des Jahres: „Der Beitrag des derzeitigen El Niño und der besonderen Winde zu den sehr warmen globalen Bedingungen der letzten Monate ist im Endeffekt relativ klein, verglichen mit dem anthropogenen [vom Menschen verursachten] Anstieg der globalen Temperaturen seit dem vorindustriellen Zeitalter.“ Einfacher gesagt: die globale Erwärmung ist das fundamentale Problem, das gelöst werden muss.

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