IYSSE veröffentlichen Broschüre mit zwei Vorträgen von David North

Von den International Youth and Students for Social Equality
28. Januar 2017

Philosophie und Politik in Zeiten von Krieg und Revolution.
Sozialismus und historische Wahrheit.
Zwei Vorträge von David North.
33 Seiten

Die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) haben eine Broschüre mit zwei politischen Vorträgen von David North veröffentlicht. Die Broschüre kann hier zum Preis von drei Euro bestellt werden. [Für umfangreichere Bestellungen gibt es entsprechende Preisnachlässe.]

David North ist Chefredakteur der World Socialist Web Site (WSWS) und Vorsitzender der Socialist Equality Party (SEP) in den USA. Seit beinahe fünfzig Jahren spielt er eine herausragende Rolle in der internationalen trotzkistischen Bewegung.

Den ersten Vortrag, „Philosophie und Politik in Zeiten von Krieg und Revolution“, hielt North auf Einladung der IYSSE am 22. Oktober 2016 an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Vor etwa 250 Besuchern präsentierte er eine marxistische Kritik an den Theorien der Frankfurter Schule und der Postmoderne.

Ein Vierteljahrhundert nach der Auflösung der Sowjetunion im Dezember 1991 habe sich die damals weit verbreitete Vorstellung vom „Ende der Geschichte“ und dem Triumph des Kapitalismus als Trugschluss erwiesen. Stattdessen, so North, brächen heute alle ungelösten Fragen, vor denen die Menschheit bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand, von Neuem auf.

In seinem Vortrag skizzierte North die weltweite Krise des Kapitalismus, die vor allem im Streben der USA hin zur einzigen Weltmacht ihren Ausdruck finde. Nur zweieinhalb Wochen vor dem Sieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen erläuterte North Parallelen und Unterschiede zum Aufstieg Hitlers in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg.

„Weshalb gewinnen rechte Parteien an Stärke, obwohl die Zustände eigentlich die Linke begünstigen müssten, die historisch mit dem Kampf gegen den Kapitalismus in Verbindung gebracht wird?“ – Diese zentrale politische Frage beantwortet North damit, dass eine breite Schicht vormals linker Intellektueller nach der Auflösung der Sowjetunion rasch nach rechts gegangen sei. Sie hätten aus dem Zusammenbruch des Stalinismus die pessimistische Schlussfolgerung gezogen, dass der Sozialismus insgesamt gescheitert und die Arbeiterklasse als revolutionäres Subjekt erledigt sei.

Vermeintlich „linke“ – in Wirklichkeit pseudolinke – Parteien seien überall dort, wo sie Regierungsverantwortung übernähmen, für heftige Angriffe auf die Arbeiterklasse verantwortlich. North erläuterte ausführlich, welche Rolle dabei die Theorien der Frankfurter Schule und der Postmoderne spielen, die ein wissenschaftliches Verständnis der Geschichte und den Aufbau einer revolutionären Bewegung in der Arbeiterklasse ablehnen.

Der Vortrag eignet sich insbesondere zum Einstieg in das Thema der Frankfurter Schule, der Postmoderne und der Pseudolinken.

Den zweiten Vortrag, „Sozialismus und historische Wahrheit“, hielt David North am 13. März 2015 im Rahmen der Leipziger Buchmesse. Vor 450 Zuhörern stellte er dort sein Buch „Die Russische Revolution und das unvollendete Zwanzigste Jahrhundert“ vor.

North erklärte, dass die in diesem Buch gesammelten Vorträge „die marxistische Antwort der Trotzkisten auf die wesentlichen historischen, politischen und philosophisch-theoretischen Fragen [sind], die nach der Auflösung der UdSSR aufkamen“. Zentral sei dabei die Frage nach dem Charakter der Oktoberrevolution in Russland 1917 und den Ursachen für den Zusammenbruch der Sowjetunion 1991.

Um diese Fragen in der Arbeiterklasse zu klären, habe die trotzkistische Bewegung insbesondere in den letzten 25 Jahren gegen massive Geschichtsfälschungen durch bürgerliche Akademiker kämpfen müssen. Diese hätten nicht nur die Geschichte der Oktoberrevolution verfälscht, sondern zugleich den Stalinismus als deren unvermeidliches Erbe dargestellt, zu dem es keinerlei Alternative gegeben habe. Auch das Ende der Sowjetunion habe sich demnach zwangsläufig aus dem historischen Irrtum der Oktoberrevolution ergeben.

In Abgrenzung dazu erläutert North die marxistische Einschätzung der Sowjetunion als degenerierter Arbeiterstaat. Er erklärt außerdem, welche wichtige Bedeutung der Kampf gegen Geschichtsfälschung bereits für die trotzkistische Linke Opposition gegen den Aufstieg des Stalinismus hatte. Den Zusammenbruch der UdSSR beschreibt North „vor dem Hintergrund des weltweiten Zusammenbruchs aller traditionellen Arbeiterorganisationen“ – also auch der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften.

Ausführlich geht North in seinem Vortrag auch auf die Rolle von Jörg Baberowski ein, der – gestützt auf die subjektivistischen Theorien der Postmoderne – seine einflussreiche Position an der Berliner Humboldt-Universität nutzt, um ein antikommunistisches Narrativ der Revolution zu entwickeln.