Sieben neue erdähnliche Exoplaneten entdeckt

25. Februar 2017

Der Nachweis eines nicht weit entfernten Sonnensystems, in dem potenziell erdähnliche Exoplaneten den Stern Trappist-1 umkreisen, ist auf breites öffentliches Interesse und Begeisterung gestoßen. Millionen Menschen lasen Berichte, schauten Videos und schrieben in den sozialen Medien über die sieben Welten, auf deren Oberfläche sich möglicherweise flüssiges Wasser befindet.

Das Trappist-1-Sonnensystem besteht aus sieben Planeten, die sich im Orbit eines nahegelegenen Zwergsterns (so bezeichnet aufgrund seiner verhältnismäßig niedrigen Temperatur) befinden. Für sechs dieser Planeten wurde der Nachweis erbracht, dass sie eine erdähnliche Größe, Masse und Dichte haben. Keiner von ihnen weist Wasserstoff in seiner Atmosphäre auf, was eine weitere Bestätigung dafür ist, dass es sich bei ihnen allen um terrestrische, bergige Welten wie Merkur, Venus, Erde und Mars handelt. Außerdem könnte aufgrund der Gravitationseinwirkung aller sieben Planeten und von Trappist-1 selbst jede der Welten dieses Systems über flüssiges Wasser verfügen.

Von besonderem Interesse ist die Tatsache, dass die Planeten nicht weit entfernt sind. Relativ zu den ungeheuren Weiten des Universums betrachtet, sind sie praktisch Nachbarn der Erde. Trappist-1 ist lediglich 39 Lichtjahre entfernt. Das bedeutet, dass Licht, welches 300.000 Kilometer in der Sekunde reist, für diese Entfernung 39 Jahre benötigt. Zum Vergleich: die Milchstraße, also die Galaxie, zu der unsere Sonne gehört, hat einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren und befindet sich 2,5 Millionen Lichtjahre von ihrem größeren Nachbarn, der Andromeda-Galaxie entfernt. Das Universum besteht aus mehr als 100 Milliarden Galaxien.

Die Planeten befinden sich so nahe, dass es in baldiger Zukunft möglich sein sollte, weit genauere Analysen zu liefern und sogar direkte Beobachtungen der Exoplaneten anzustellen.

Die Entdeckung dieser Welten ist die bemerkenswerteste aus einer Flut neuer wissenschaftlicher Funde, seitdem Mitte der 1990er Jahre der erste „Exoplanet“ – ein Planet außerhalb unseres Sonnensystems – im Orbit eines sonnenähnlichen Sterns aufgespürt worden ist. Bis dahin fehlten beweiskräftige Nachweise, ganz zu schweigen von direkten Beobachtungen, obwohl die Existenz von Exoplaneten bereits seit fast vierhundert Jahren vorhergesagt wurde.

Fortschritte bei der Messtechnik sowie der Gebrauch von Instrumenten, die sich in der Erdumlaufbahn befinden und nicht von der Atmosphäre abgelenkt werden, machten es möglich, äußerst geringfügige Veränderungen der Sternenhelligkeit wahrzunehmen. Wurden diese Veränderungen mit Regelmäßigkeit verzeichnet, konnten sie der Bewegung von Planeten zugeordnet werden, die die Sichtlinie zwischen Stern und Beobachter kurzzeitig verdecken.

Als der erste Nachweis erbracht war, eröffnete sich der Astronomie ein vollkommen neuer Bereich. Auch die Gravitationseffekte dieser bislang ungesehenen Planeten konnten untersucht werden. Damit gab es Hinweise auf Masse, Dichte und weitere physikalische Charakteristika der Planeten. Bis heute wurden von Wissenschaftlern nicht nur über 3.400 Exoplaneten aufgespürt. Vielmehr machen es die Erkenntnisse, die in den vergangenen zwanzig Jahren gesammelt wurden, möglich, sich ein Bild davon zu machen, wie diese Welten aussehen, sowohl aus dem Weltraum als auch auf der Oberfläche. Mit der Inbetriebnahme des James-Webb-Weltraumteleskops im kommenden Jahr sollte es möglich werden, viel genauere Analysen der Exoplaneten anzufertigen und sie direkt zu beobachten.

Wie bei den meisten bedeutsamen astronomischen Fortschritten, war auch diese Planetenentdeckung das Ergebnis einer internationalen Zusammenarbeit. Das Aufspüren der Exoplaneten um Trappist-1 startete im Mai 2016, als ein Astronomen-Team mithilfe des in Chile operierenden TRAPPIST-Teleskops (Transiting Planets and Planetesimals Small Telescope), welches von Belgien und der Schweiz aus bedient wird, erstmals den Stern unter Beobachtung nahm. Die Wissenschaftler entdeckten drei den Stern umkreisende Planeten von der Größe der Erde, wobei der äußerste dieser Planeten sich wahrscheinlich innerhalb der Leben ermöglichenden Zone der Sonne befindet.

Damit wurden weitere Beobachtungen angeregt. Diese wurden mithilfe mehrerer erdbasierter Teleskope angestellt, die sich in Chile, Hawaii, Marokko, Spanien und Südafrika befinden. Auch das Spitzer-Weltraumteleskop mit seiner höheren Genauigkeit und größeren Fähigkeit, ins Infrarot zu blicken, wurde eingesetzt, um das Planetensystem zu studieren. Als bemerkt wurde, dass das System nicht aus drei, sondern aus sieben Planeten besteht, wurde das Hubble-Weltraumteleskop eingesetzt, um die Atmosphären der Planeten in einer Erststudie nach Wasserstoff abzusuchen. Astronomen aus Afrika, Europa, dem Nahen Osten, Nord- und Südamerika und Südostasien koordinierten ihre Arbeit, um die Daten brauchbar zu machen.

Die Entdeckung eines Planetensystems um Trappist-1 ist nicht einfach ein Glücksfund. Es ist die Bestätigung einer erstmals im Jahr 1997 formulierten wissenschaftlichen Hypothese, die auf der Physik der Sternentstehung fußt. Ihr zufolge haben Sterne, die etwa ein Zehntel der Masse der Sonne aufweisen, eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Planeten von Erdgröße sie umkreisen. Trappist-1 ist einer von vielen Kandidaten, die aufgrund dieser Hypothese für die Untersuchung ausgewählt wurden, und der erste, für den diese Idee bestätigt wurde.

Dieser wissenschaftliche Durchbruch ist der Höhepunkt mehrerer Jahrhunderte von Fortschritten in Astronomie und Physik: des Verständnisses, wie Sonnensysteme gestaltet sind; der Analyse des sichtbaren Lichtes und anderer Formen elektromagnetischer Strahlung; und mathematischer Untersuchungsmethoden, die eingesetzt werden, um die subtilen Signale aus den Daten herauszulesen, die aus der Sternenbeobachtung gewonnen werden.

Trappist-1 ist eine Demonstration der Macht menschlicher Erkenntnis, Wissenschaft und Vernunft. Es ist eine kräftige Ohrfeige für die heutige Verherrlichung des Irrationalismus, ob in Form der Kultivierung von Rückständigkeit und religiösem Obskurantismus oder des Aufstiegs des Postmodernismus mit seiner Zurückweisung objektiver Wahrheit. Es ist eine mächtige Rechtfertigung des materialistischen Weltverständnisses, wonach objektive Naturgesetze existieren und von Menschen verstanden werden können.

Unter den Millionen Menschen, die von solchen Entdeckungen begeistert sind, gibt es ein instinktives Verständnis, dass die Methoden, die angewandt werden, um die Planeten um Trappist-1 zu finden und weitere wissenschaftliche und technische Fortschritte zu erzielen, eingesetzt werden müssten, um soziale und ökonomische Probleme zu lösen, damit der gesamten Menschheit ausreichende Gesundheitsversorgung, Bildung, Obdach und Nahrung zur Verfügung stehen. Wie ist es möglich, dass unsere Gesellschaft zwar in der Lage ist, sieben potenziell erdähnliche Welten in über 350 Milliarden Kilometern Entfernung zu entdecken, aber damit fortfährt, den Planeten, auf dem wir leben, mit umweltzerstörender Rücksichtslosigkeit und atomar aufgerüstetem Militarismus zu vernichten?

Grundlage der Entdeckung der Exoplaneten ist die Zusammenarbeit auf ein gemeinsames Ziel hin, deren Triebfeder das Streben nach Wissen und nicht die Anhäufung irrsinniger Mengen persönlichen Reichtums ist. Diese Denkart ist den herrschenden Eliten der Welt vollkommen fremd. Ihre zur Schau gestellte Rückwärtsgewandtheit, Vulgarität, Unwissenheit und ihr Parasitentum finden ihre Verkörperung in der Person von Donald Trump.

Diese Entdeckung unterstreicht noch einen weiteren Widerspruch der modernen Gesellschaft. Die Organisation und Planung, die notwendig waren, um diese Ergebnisse zu erzielen, sind ein Beleg für die Fähigkeit der Menschheit, Ressourcen rational und wissenschaftlich in internationalem Maßstab zu koordinieren. Die in das Projekt involvierten Wissenschaftler mussten zudem das fortwährende Mantra des nationalen Chauvinismus zurückweisen, das die herrschenden Eliten der ganzen Welt herunterbeten. Während die Wissenschaft die scheinbar endlosen Entfernungen des galaktischen Raumes untersucht, verbleibt die Menschheit zuhause im Käfig des Nationalstaatensystems mitsamt seinen Stacheldrahtzäunen, Kriegen, Invasionen, Bombardierungen und Flüchtlingsmassen gefangen.

Die Vergeudung von Milliarden Dollar, Renminbi, Yen und Euro, um eine parasitäre kapitalistische Elite zu bereichern und Krieg auf dem gesamten Globus zu entfachen, ist einer der Gründe, warum wissenschaftliche Meldungen von diesem Gewicht so selten sind. Gigantische Ressourcen an Material und Menschen, die der Verbesserung der Lage der Menschheit und der Erlangung von Erkenntnissen über die materielle Welt gewidmet werden müssten, werden zum Fenster hinausgeworfen.

Die Schaffung einer Gesellschaft, in welcher die Entwicklung des Wissens von den Zwängen des Kapitalismus befreit werden kann, erfordert die Anwendung von Wissenschaft und Vernunft auf die Gesellschaftsentwicklung und Politik. Im Gegensatz zum Postmodernismus und seinen zahlreichen Varianten, der darauf beharrt, dass keine objektive Wahrheit existiere, wurzelt der Marxismus in einer Analyse der sozioökonomischen Entwicklungsgesetze.

Unerbittlich von seinen inneren Widersprüchen getrieben, führt der Kapitalismus die Menschheit an den Abgrund von Weltkrieg und Diktatur. Dieselben Widersprüche indessen bringen zugleich die Grundlage für den Sturz des Kapitalismus hervor: die internationale Arbeiterklasse. Der objektive Prozess muss bewusst gemacht werden, und die zunehmende Opposition von Millionen Arbeitern und Jugendlichen weltweit muss in eine politische Bewegung verwandelt werden, die sich zum Ziel setzt, ein international koordiniertes und rational gesteuertes System der ökonomischen Planung zu errichten, das auf Gleichheit und der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse basiert: den Sozialismus.

Bryan Dyne

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