Studie zeigt: Die Superreichen verstecken 25 Prozent ihres Vermögens in Steueroasen

Von Gabriel Black
6. Juni 2017

Am 28. Mai veröffentlichte der Wirtschaftswissenschaftler der Berkeley-Universität in Kalifornien, Gabriel Zucman, zusammen mit zwei skandinavischen Kollegen, die Studie „Tax Evasion and Inequality“ (Steuerhinterziehung und Ungleichheit). Darin zeigt er auf, dass die globale Vermögensungleichheit in den offiziellen Statistiken drastisch unterschätzt wird, weil diese nicht abbilden, wie erfolgreich die Superreichen Steuern hinterziehen.

Der Studie zufolge verstecken die Superreichen, d.h. die obersten 0,01 Prozent, etwa 25 Prozent oder mehr ihres Vermögens. Dies ist vor allem auf Offshore-Steueroasen zurückzuführen, die es ihnen erlauben, dort wo ihr Einkommen tatsächlich generiert wurde und wo sie leben, die Steuern zu umgehen.

Die Studie zeigt einmal mehr, dass für die Superreichen eigene Gesetze gelten und dass sie in einer Welt leben, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschheit völlig abgeschnitten ist. Anfang des Jahres hatte Oxfam bereits berichtet, dass nur acht Menschen über ebenso viel Reichtum verfügen wie die untere Hälfte der Weltbevölkerung. Die Ergebnisse der Studie von Zucman legen jedoch nahe, dass die Konzentration des Reichtums noch größer ist.

Die Autoren der Studie schreiben: „Die vielen Datensätze, die in diesem Artikel herangezogen wurden, ergeben alle das gleiche Bild: Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass jemand Vermögen versteckt, steigt zusammen mit der Höhe des betreffenden Vermögens extrem an. Infolgedessen erweist sich das Offshore-Vermögen als äußerst konzentriert. Nach unseren Schätzungen gehört 50 Prozent davon [des Offshore-Vermögens] den obersten 0,01 Prozent.“

Sie schließen daraus, „dass die obersten 0,01 Prozent zirka 25 Prozent ihres tatsächlichen Vermögens verstecken.“

Zucman erklärte gegenüber der Los Angeles Times: „Es gibt eine große Industrie, die den Superreichen überall auf der Welt Dienstleistungen im Bereich der Vermögensberatung anbietet. ... Wenn man eine bestimmte Schwelle von über 50 Millionen Dollar überschritten hat, bekommt man solche Dienstleistungen angeboten.“

Die Autoren der Studie, Anette Alstadsaeter, Niels Johannesen und Gabriel Zucman, stützen ihre Analyse auf mehrere Quellen. Die erste und wichtigste sind Daten der HSCB Private Bank (Suisse), der Schweizer Tochter der HSBC und sechstgrößten Privatbank der Welt, die der Öffentlichkeit zugespielt wurden. Die Daten der HSBC Private Bank (Suisse), die 2015 bekannt wurden, zeigen, dass die Bank Milliarden von Dollar an steuerpflichtigem Geld von Firmen wie Google und Amazon, aber auch die Vermögen einer Vielzahl extrem reicher Klienten versteckt hat. Der schmutzige Geld-Strom, von dem die Daten der HSBC ein Bild geben, erstreckt sich auf hohe Kreise wie den ehemaligen Präsidenten Bill Clinton und umfasst eine Reihe von Milliardären und bekannten Persönlichkeiten.

Eine weitere Quelle der Studie sind die Daten der Panama Papers, den riesigen Datenmengen der panamaischen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die 2016 an die Öffentlichkeit gelangten. Diese Dokumente zeigen, dass Mossack Fonseca Millionen von Dollar damit verdiente, Politikern und Superreichen dabei zu helfen, ihre Vermögen beiseite zu schaffen und zu verstecken, damit darauf keine Steuern erhoben werden.

Die dritte Quelle, die sie nutzen, sind Daten der norwegischen, dänischen und schwedischen Steuerbehörden. Sie enthalten Angaben von Haushalten, die im Austausch für eine Steueramnestie zuvor versteckt gehaltene Vermögen freiwillig offenlegten. Zucman et al. waren in der Lage, Vermögen, die 2015 durch die undichten Stellen bei der HSBC und durch die Panama Papers aufgedeckt wurden, mit den Regierungsdaten der skandinavischen Länder zu vergleichen. Diese Methode erlaubte ihnen, die durchschnittliche Höhe des Vermögens, das die Superreichen angaben, mit dem zu vergleichen, was tatsächlich auf geheim gehaltenen Konten lag.

Die Studie ergab, dass die norwegischen Superreichen ein 30 Prozent höheres Einkommen haben, wenn man das Offshore-Vermögen dazu zählt. In anderen Ländern ist der Unterschied wahrscheinlich noch größer.

Die Autoren stellten fest: „Da die Wirtschaften in Lateinamerika und viele in Asien sowie Europa über sehr viel mehr Offshore-Vermögen verfügen als Norwegen, liegen die Ergebnisse für Norwegen wahrscheinlich niedriger als für die meisten Länder der Welt.“

Zucman erklärte gegenüber der Los Angeles Times: „Es gibt gute Gründe, davon auszugehen, dass der sehr steile Anstieg [der Steuerhinterziehung durch die Reichen] auch für die USA gilt.“

Laut den konservativen Berechnungen der amerikanischen Steuerbehörde, in denen die legalen Steueroasen nicht berücksichtigt werden, werden jedes Jahr 406 Milliarden Dollar an Steuern nicht bezahlt. Eine Untersuchung der geleakten Daten der HSBC im CBS-Nachrichtenprogramm „60 Minutes“ zeigte, dass etwa 4.000 US-Steuerzahler mit einem Vermögen von über 13 Milliarden Dollar Kunden der Schweizer Tochter der HSBC waren.

Die individuelle Steuerhinterziehung, die in der Studie aufgezeigt wird, ist aber lediglich Teil eines viel umfassenderen Phänomens. In den USA findet Steuerhinterziehung buchstäblich in industriellem Maßstab statt und ist Teil des Geschäftsmodells der amerikanischen Großunternehmen.

Laut Schätzungen verfügen US-Unternehmen über etwa zwei Billionen Dollar in Offshore-Beteiligungen, hauptsächlich um in den USA keine Steuern zu zahlen. Das entspricht in etwa 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der USA.

Das prominenteste Beispiel ist Apple, das 240 Milliarden Dollar von insgesamt 256 Milliarden Dollar Barreserven in Steueroasen abgelegt hat, um Steuern zu umgehen. Sie würden fällig, wenn das Geld in die USA zurück überwiesen würde. Gleichzeitig leiht sich Apple zig Milliarden Dollar in den USA. Mit dem größten Teil werden Aktienrückkäufe und Ausschüttungen finanziert, um den Aktienwert des Unternehmens in die Höhe zu treiben.

Dass diese scheinbar perverse Logik – Geld leihen, obwohl man über eine riesige Menge Bargeld verfügt – funktioniert, ist das Ergebnis der politischen Entscheidungen der US-Notenbank seit dem Ausbruch der Finanzkrise von 2008. Sie hatten zum Ziel, den Reichtum der Finanzelite in die Höhe zu treiben.

Ihre Politik der quantitativen Lockerung, mit der bereits etwa vier Billionen Dollar in das US-Finanzsystem gepumpt wurden, bedeutet im Zusammenhang mit den extrem niedrigen Zinssätzen, dass Apple nur zwischen 1,6 und 4,3 Prozent Zinsen für Operationen zahlen muss, mit denen der Wert seiner Aktien in die Höhe getrieben wird. Das ist weit weniger als die Steuern, die das Unternehmen bezahlen müsste, wenn es das Überseevermögen zurückholen würde.

Als Resultat dieser und anderer Finanzmachenschaften hat der Marktwert von Apple zu Beginn des Jahres 800 Milliarden Dollar überschritten und ist auf dem besten Weg zur 1-Billion-Marke. Die Kosten dieser Machenschaften tragen Millionen von Arbeiterfamilien, denen wichtige soziale Dienstleistungen mit der Begründung genommen werden, die Regierung habe kein Geld, um sie zu finanzieren.

Apple ist jedoch nur das prominenteste Beispiel eines Prozesses, der sich auf die gesamte Geschäftswelt erstreckt. Zu den weiteren großen Inhabern von Barreserven in Übersee gehören Microsoft mit 113 Milliarden Dollar, Cisco Systems mit 62 Milliarden Dollar, Oracle mit 52 Milliarden Dollar und Googles Mutterkonzern, Alphabet, mit 49 Milliarden Dollar.

Diese Zahlen unterstreichen die Tatsache, dass Steuerflucht und die Gewinne, die sich die „Ganoven des großen Reichtums“ sichern, nicht einfach das Ergebnis ihrer individuellen Geschäftsgebaren sind, sondern das Produkt einer wirtschaftlichen und politischen Ordnung von den Reichen und für die Reichen.

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