Video: Flüchtlinge von Ellwangen im Gespräch mit der WSWS

In der Nacht zum 30. April verhinderten etwa fünfzig Bewohner der baden-württembergischen Landeserstaufnahme (LEA) Ellwangen die Deportation eines jungen Mannes durch eine solidarische, gewaltfreie Protestaktion. Drei Tage später fand eine Großrazzia gegen sie statt: Mehrere Hundertschaften bewaffneter und vermummter Polizisten überfielen die Einrichtung, überraschten die Bewohner im Schlaf, schlugen und fesselten sie, nahmen Geld mit, das sie fanden, und verhafteten mehrere, die dagegen protestierten.

Interview mit Flüchtlingen in Ellwangen: "Wir wissen nicht, ob wir hier in Sicherheit sind"

Seither wird die Solidaritätsaktion der Flüchtlinge vom 30. April für eine beispiellose Hetzkampagne missbraucht. Das erfundene Narrativ eines „Asylantenaufstandes“ – angeblich hätten 200 gewaltbereite junge Männer vier Polizisten angegriffen – wird propagandistisch ausgeschlachtet. Gestützt auf diese Lüge fordern Politiker aller Parteien immer neue Angriffe auf das Flüchtlingsrecht und die Geflüchteten und rechtfertigen auch den raschen Aufbau sogenannter „Ankerzentren“.

Am Sonntag konnte ein Team der WSWS mit Flüchtlingen vor der Unterkunft Ellwangen sprechen. Nach dem Überfall vom 3. Mai waren sie noch immer von Schock, Angst und Enttäuschung gezeichnet. Einige sagten, sie seien misstrauisch geworden aufgrund der Art und Weise, wie die Medien seit einer Woche über sie berichten. „Es gab keine Kämpfe in dieser Nacht“, so die einhellige Aussage, die alle bestätigten, die mit uns sprachen. „Die Leute schrien nur und sagten [der Polizei], dass sie nicht einverstanden seien. Einen Kampf habe ich in dieser Nacht nicht gesehen.“

Die Flüchtlingsunterkunft liegt zwei Kilometer vom Ortskern entfernt, und die Bewohner haben kaum eine Chance, mit der Einwohnerschaft von Ellwangen Kontakt aufzunehmen. Die LEA ist in einer ehemaligen Bundeswehrkaserne untergebracht, und diese trägt noch heute gut sichtbar den Namen „Walther-Reinhardt-Kaserne“, nach dem letzten preußischen Kriegsminister im Ersten Weltkrieg und späteren Chef der Heeresleitung der Reichswehr.

Die meist jungen Menschen, die hier leben, versuchen zu arbeiten oder zu lernen, doch sie müssen sich wie im Gefängnis vorkommen. Am Tor steht die Security, und wer immer die Anlage verlässt oder betritt, muss seinen Ausweis am Eingang vorweisen und einscannen. Wir beobachteten, wie die Männer, die mit uns gesprochen hatten, anschließend von Sicherheitsleuten angesprochen wurden. Offensichtlich trifft die Aussage eines Geflüchteten aus Lagos (Nigeria) zu: „Die Wahrheit ist: wir wissen nicht, ob wir hier sicher sind.“

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