Verteidigt die Arbeitsplätze bei der Bayer AG!

Stoppt den Ausverkauf durch die Gewerkschaft IG BCE! Für unabhängige Betriebskomitees und eine internationale Strategie des Widerstands!

Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP)
3. Dezember 2018

Die Ankündigung der Bayer AG, weltweit 12.000 Arbeitsplätze abzubauen, ist Bestandteil einer internationalen Offensive der großen Konzerne und Banken gegen die Arbeiterklasse. Sie verfolgt das Ziel, die Konzerne für einen verschärften Handelskrieg fit zu machen und die Profitmarge der Aktionäre und Anteilseigner zu erhöhen.

Die Vernichtung jedes zehnten Arbeitsplatzes bei Bayer und der Verkauf mehrerer Betriebsteile sind nur der Anfang. Weitere Angriffe auf Löhne und Arbeitsbedingungen werden folgen.

Solche Angriffe finden gegenwärtig weltweit statt. In der vergangenen Woche kündigte General Motors (GM) an, fünf Werke in den USA und Kanada zu schließen und 15.000 zu entlassen. Der Fusion von ThyssenKrupp und Tata Steel fallen 4000 Arbeitsplätze zum Opfer – je 2000 beim deutschen und beim britischen Stahlkonzern. Fujitsu wickelt die Produktion in Deutschland ab und vernichtet 1500 Arbeitsplätze in Augsburg sowie 300 in München. Siemens plant den Abbau mehrerer Tausend Arbeitsplätze in den Konzernsparten Stromerzeugung, Öl und Gas (PG), Prozessindustrie und Antriebe (PD) sowie der Konzerntochter Siemens Gamesa, die Windkraftanlagen herstellt.

In der Autoindustrie stehen angesichts des Abgasbetrugs, der Umstellung auf Elektromobilität und drohender Schutzzölle hunderttausende Arbeitsplätze auf der Kippe. VW hat bereits alle Leiharbeiter entlassen. Opel verschärft seit der Übernahme durch PSA die soziale Demontage und hat den Abbau mehrerer Tausend Arbeitsplätze von Ingenieuren, Technikern, Entwicklern, Designern und anderen Angestellten angekündigt. Der Zughersteller Bombardier Transportation beschloss bereits im Frühjahr, fast ein Viertel der Belegschaft der sieben deutschen Standorte, insgesamt 2200 Arbeitsplätze, abzubauen. Nicht anders ist es im Einzelhandel oder bei Banken, Versicherungen und anderen Dienstleistern. Allein bei der Deutschen Bank sind mehr als 10.000 Stellen in Gefahr.

Überall spielen die Gewerkschaften und ihre Betriebsräte eine Schlüsselrolle dabei, den Sozialabbau und die Vernichtung der Arbeitsplätze reibungslos zu vollziehen. Sie sitzen in den Aufsichtsräten und sind inzwischen nicht nur Co-Manager, sondern Top-Manager. Sie arbeiten die Programme zur Steigerung von Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit und den damit verbundenen Arbeitsplatz- und Sozialabbau selbst aus.

So ist es auch bei Bayer. Am vergangenen Donnerstag stimmten alle sogenannten Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat für den Arbeitsplatzabbau.

Die Bayer AG beschäftigt weltweit fast 120.000 Mitarbeiter in über 300 Gesellschaften, davon mehr als die Hälfte in Europa. In Deutschland arbeiten an zehn Standorten knapp 32.000 Beschäftigte. Der Chemie-Multi zählt zu den wertvollsten Dax-Unternehmen und erzielte im vergangenen Jahr einen Gewinn von 7,3 Milliarden Euro.

Mit dem Kauf des US-amerikanischen Pflanzenschutzherstellers Monsanto für 60 Milliarden Euro stieg Bayer im letzten Jahr zur weltweiten Nummer eins im Agrarchemie-Geschäft auf. Wegen zahlreicher Prozesse in den USA gegen den von Monsanto hergestellten Unkrautvernichter Glyphosat steht das Unternehmen bei Investoren unter Druck. Bayer/Monsanto wird beschuldigt, mit Glyphosat ein krebserregendes Mittel verkauft und nicht ausreichend gewarnt zu haben. Die Bayer-Aktie brach nach dem ersten verlorenen Glyphosat-Prozess im August massiv ein.

Nun will Bayer-Chef Werner Baumann die Probleme durch den Arbeitsplatzabbau und die „Effizienz- und Strukturmaßnahmen“ beheben. Er verspricht für das nächste Jahr einen deutlichen Gewinnanstieg. Genau wie beim Abgasbetrug in der Autoindustrie sollen auch bei Bayer die Beschäftigten für die kriminellen Machenschaften der Konzernleitung bezahlen.

Die Gewerkschaft IG BCE (Bergbau, Chemie, Energie) und der Betriebsrat unterstützen diese Pläne. Sie haben mit der Konzernleitung das Konzept „Zukunftssicherung Bayer 2025“ vereinbart, dass die Vernichtung jedes zehnten Arbeitsplatzes absegnet. Eigentlich müsste es heißen: „Gewinnsteigerung durch Arbeitsplatzabbau.“

Wie immer erklären die Gewerkschaftsfunktionäre, der Arbeitsplatzabbau sei unvermeidlich, damit das Unternehmen wettbewerbsfähig bleibe. Die erhöhte Konkurrenzfähigkeit und die gesteigerten Gewinne sicherten die restlichen Arbeitsplätze und bereiteten künftige Prosperität und Neueinstellungen vor.

Das ist eine Lüge, die längst durch die Wirklichkeit widerlegt ist. Als vor zehn Jahren die kriminellen Machenschaften von Banken und Hedgefonds die globale Finanzkrise auslösten, wurden die Kosten der Bankenrettung in Billionenhöhe der Arbeiterklasse aufgebürdet. Seither hat die kriminelle Energie in den Chefetagen der Konzerne und Banken deutlich zugenommen.

Der Bayer-Vorstand hat die gigantische Summe von 60 Mrd. Euro eingesetzt, um Monsanto zu kaufen, obwohl er von den illegalen Praktiken und möglichen Folgekosten wusste. Er war sich sicher, dass die Gewerkschaft und der Betriebsrat ihn dabei unterstützen würden, die Kosten der Übernahme der Belegschaft aufzubürden. Sie werden dafür fürstlich bezahlt. Alleine im vergangenen Jahr flossen über die Aufsichtsratstantiemen mehr als eine Million Euro in die Taschen der Gewerkschaftsbürokraten.

Um sich gegen den Arbeitsplatzabbau und den sozialen Kahlschlag zu wehren, brauchen die Bayer-Arbeiter eine neue Strategie:

Erstens müssen sie auf ihre eigene Kraft vertrauen. Das bedeutet, dass in jedem Werk Betriebskomitees aufgebaut werden müssen, die völlig unabhängig von Gewerkschaft und Betriebsrat sind. Diese Komitees haben die Aufgabe, alle Bayer-Mitarbeiter, die den Arbeitsplatzabbau ablehnen, an allen Standorten miteinander in Kontakt zu bringen und gemeinsamen Widerstand zu planen und vorzubereiten. Die Arbeiterklasse, die den gesamten Reichtum der Gesellschaft produziert, verfügt über eine gewaltige Stärke und Wirkungsmacht. Ein Streik in einer großen Fabrik kann aufgrund der globalen Produktions- und Lieferketten eine ganze Branche stilllegen.

Zweitens müssen die Arbeiter eine internationale Strategie verfolgen und sich über alle nationalen Grenzen hinweg zusammenschließen. Sie müssen das nationalistische Gift zurückweisen, das die Gewerkschaften mit ihrer Standortpolitik verbreiten und das darauf abzielt, sie zu spalten.

Bayer hat Betriebsstätten in allen fünf Kontinenten. Der globale Chemie-Multi verfolgt eine internationale Strategie, um die Arbeiter gegeneinander auszuspielen. Die Beschäftigen müssen eine internationale Strategie entwickeln, um dagegen zu kämpfen. Die Verbindung zu den 15.000 Beschäftigten in den USA ist dabei ebenso wichtig, wie die Zusammenarbeit mit Bayer-Arbeitern in ganz Europa, Asien, Lateinamerika und Afrika.

Drittens müssen sich die Bayer-Beschäftigten an sämtliche Arbeiterinnen und Arbeiter wenden und sie für einen gemeinsamen Kampf gewinnen. Die Betriebskomitees müssen Verbindungen zu allen Teilen der Arbeiterklasse aufbauen – auch zu prekär Beschäftigten, zu Arbeitern und Angestellten im öffentlichen Dienst, zu Lehrern, Erziehern und Beschäftigten im Gesundheitswesen. Die Logik einer solchen Mobilisierung läuft auf einen Generalstreik gegen den Arbeitsplatzabbau und die sozialen Angriffe zu.

Das ist notwendigerweise ein politischer Kampf, der sich nicht nur gegen einzelne Arbeitgeber, sondern gegen das gesamte kapitalistische System und die Große Koalition richtet. Dieselbe herrschende Klasse, die Massenentlassungen, Lohnsenkung und Sozialabbau organisiert, verfolgt ihre Weltmachtinteressen wieder mit militärischer Gewalt. Sie rüstete die Bundeswehr massiv auf, während gleichzeitig Sozialleistungen gekürzt werden. Ein grundlegender Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse ist nur möglich, wenn sich die Arbeiter im Kampf um die Macht als unabhängige politische Kraft verstehen.

Die Sozialistische Gleichheitspartei (SGP) und die World Socialist Web Site kämpfen dafür, den wachsenden Widerstand gegen Entlassungen und Sozialabbau zu einer machtvollen Gegenoffensive der Arbeiter zu entwickeln. Das erfordert eine internationale sozialistische Strategie, die darauf abzielt, den Würgegriff der Banken und Großkonzerne zu durchbrechen und die Weltwirtschaft so umzugestalten, dass sie den Bedürfnissen der Bevölkerung und nicht dem privaten Profit entspricht. Multinationale Großkonzerne wie Bayer müssen enteignet und in öffentliche Unternehmen umgewandelt werden, die unter demokratischer Kontrolle der Arbeiter stehen.

Nehmt mit uns Kontakt auf, um diese Strategie zu diskutieren und den Kampf zur Verteidigung aller Arbeiterplätze zu organisieren.

Kämpft gegen Googles Zensur!

Google blockiert die World Socialist Web Site in Suchergebnissen.

Kämpft dagegen an:

Teilt diesen Artikel mit Freunden und Kollegen