Debra Ann Washington Miller: eine Kämpferin für die Arbeiterklasse

18. Januar 1952 – 1. Dezember 2018

Von Helen Halyard
15. Januar 2019

Mit großer Trauer hat die World Socialist Web Site vom Tod von Debra Ann Washington Miller erfahren. Als aktive Unterstützerin der Socialist Equality Party in Detroit hat sie eine bedeutende Rolle dabei gespielt, gegen Zwangsräumungen in der Innenstadt zu mobilisieren. Miller beteiligte sich an der – von der SEP koordinierten – Arbeiter-Untersuchungskommission zur Insolvenz von Detroit, durch die aufgedeckt wurde, wie die großen Parteien, Gerichte und Medien hinter den Kulissen zusammenarbeiten, um Rechte zu zerstören, die sich Arbeiter über 80 Jahre hinweg erkämpft haben.

Debra wurde in Detroit geboren, ihr Großvater war aktives Mitglied der Transportarbeitergewerkschaft „Teamsters“. Oft erinnerte sie an die erbitterten Kämpfe, in denen annehmbare Jobs und Lebensbedingungen erstritten wurden. Sie beobachtete mit Entsetzen, wie die Gewerkschaften verkamen und sogar die Führung dabei übernahmen, eine Fabrik nach der anderen zu schließen.

Debra spricht auf einer Kundgebung gegen die Zwangsräumung der Griswold-Mieter

Kurzzeitig war Debra Automobilarbeiterin und Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft UAW, aber die längste Zeit ihres Lebens pflegte sie als Mitarbeiterin eines Altenheims ältere Menschen. Sie brachte den Nöten der älteren Generation große Aufmerksamkeit entgegen und bestand darauf, diesen Menschen in Würde zu begegnen. Die Socialist Equality Party lernte Debra im Sommer 2013 kennen. Im Mai dieses Jahres hatten alle Bewohner des Hauses Griswold Street 1214, in dem auch sie wohnte, Räumungsbescheide erhalten, nachdem ein neuer Eigentümer das Objekt gekauft hatte. Diese Räumungsbescheide sowie Aufträge an korrupte Bauträger waren Teil eines Manövers, Geringverdiener aus der „downtown“, dem Innenstadtbereich von Detroit zu vertreiben und die Innenstadt zu gentrifizieren.

Debras Haus lag ganz in der Nähe des Hypothekenfinanzierers Quicken Loans des Detroiter Milliardärs Dan Gilbert und wenige Blöcke entfernt vom Vergnügungsviertel des Milliardärs Mike Ilich, wo u.a. eine Hockey-Arena für den Detroiter Profi-Club Red Wings angesiedelt worden war.

Debra und andere Griswold-Bewohner, von denen viele bereits seit mehr als 20 Jahren im Haus wohnten und die sich umeinander gekümmert hatten, nahmen den Kampf gegen die Räumungen auf. Sie wandten sich zunächst an den Vereinigten Mieterausschuss und den Stadtrat von Detroit, beide standen unter der Kontrolle der Demokratischen Partei.

Nach monatelangen Kämpfen und der dringenden Warnung, dass Räumungen einem Todesurteil für die Bewohner gleichkommen würden, erhielten die Mieter doch nur ein paar kleine Zugeständnisse in Form von Beihilfen zu den Umzugskosten, während der Stadtrat sich die Sache der Bauträger zu eigen machte, die Mieter zu vertreiben.

In Folge solcher Erfahrung wurde Debra Miller der Klassencharakter der Demokratischen Partei bewusst, und auch, wie diese Partei das kapitalistische Profitsystem absichert. Debra unterstützte nun die Kampagne von D’Artagnan Collier, der auf der Grundlage eines sozialistischen Programms unabhängig von den beiden großen Parteien als Kandidat der Socialist Equality Party bei den Bürgermeisterwahlen antrat.

Debra verurteilte die Demokratische Partei und die Rolle der Gewerkschaften, die tatenlos zusahen, wie das Recht auf Arbeit sowie auf vernünftige Wohnungs- und Lebensbedingungen zerstört wurden. In mehreren Meetings ermutigte sie Arbeiter und Jugendliche, sich zu engagieren, mit den Worten „Wo ist die Automobilarbeitergewerkschaft UAW? Wo die Dienstleistungsgewerkschaft AFSCME? Warum haben sie nicht zum Generalstreik aufgerufen? Keine von ihnen wird uns helfen. Wir müssen uns selbst helfen.“

Von da an, und bis sie im Frühjahr 2015 an Krebs erkrankte, nahm Debra an Kampagnen der SEP teil, zum Beispiel gegen den Verkauf von Kunstwerken aus dem Detroit Institute of Arts (DIA), gegen die Plünderung der Pensionskasse der städtischen Angestellten im Insolvenzverfahren von Detroit und gegen die Schließung von Wasser- und Elektrizitätswerken.

Debra (in Gelb) auf der SEP-Demonstration zur Verteidigung des Kunstmuseums DIA im Oktober 2013 in October, 2013

Debra überzeugte betroffene Mieter, sich am 4. Oktober 2013 an einer Demonstration der SEP zur Verteidigung des Kunstmuseums DIA zu beteiligen, und sie erklärte bei diesem Anlass: „Alle Geringverdiener werden aus der Innenstadt verdrängt. Was bedeutet Gentrifizierung? Man ersetzt eine Klasse von Leuten durch eine andere. Sie sprechen dauernd von der Wiedergeburt von Detroit, aber es ist eine Wiedergeburt, die Leute wie mich nicht einschließt. Genau wie im Roman ‚Eine Geschichte aus zwei Städten‘.“ [von Charles Dickens]

Debra spricht auf der Veranstaltung im Anschluss an die Kundgebung zur Verteidigung des DIA, Oktober 2013

Als Kämpferin für die Arbeiterklasse schätzte sie Diskussionen mit SEP-Mitgliedern über Fragen von Theorie und Geschichte. Blinden Radikalismus und Identitätspolitik lehnte sie ab. Sie freute sich darüber, dass sich junge Leuten und Studierende bei den International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) engagierten, und forderte sie auf, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen. Nachdem sie den Dokumentarfilm „Vom Zar zu Lenin“ mit Originalaufnahmen zu den Ereignissen der Oktoberrevolution von 1917 gesehen hatte, erklärte sie: „Das haben unsere Leute fertig gebracht. Die Arbeiterklasse hat damals die Macht übernommen und wir können das erneut schaffen.“ Dann organisierte sie mehrere Vorführungen dieses Films mit anschließender Frage- und Antwortrunde unter den Mietern.

Debra war von einem grundlegenden Vertrauen in das revolutionäre Potential, das die internationale Arbeiterklasse mitbringt, beseelt. Sie war Kämpferin und verstand, dass Arbeiter trotz Niederlagen in einzelnen Schlachten nicht aufgeben dürfen, sondern aus ihren Erfahrungen lernen müssen, um am Ende den Sieg davonzutragen.

Nachdem die Mieter aus dem Griswold-Gebäude ausgezogen waren, starben – wie vorausgesagt – drei von ihnen in anderen Wohnungen. Sie vereinsamten, denn sie hatten langjährige Freundschaften verloren.

Debra beschreibt den Zustand der Griswold-Wohnungen

Die WSWS fragte Debra einmal, was das Wichtigste an ihren Erfahrungen sei. Sie antwortete: „Arbeiter müssen sich zusammenschließen und die Kontrolle übernehmen. Wir müssen die Dinge regeln. Die Reichen versuchen, unseren Verstand und unsere Seelen zu zerstören, und der einzige Weg, das zu verhindern, besteht in Bildung und darin, unabhängig denken zu lernen. Unsere Aufgabe ist es, nicht einfach nur gegen das bestehende System zu protestieren, sondern es als Ganzes zu überwinden.“

Debra war von den zunehmenden Klassenkämpfen des letzten Jahres begeistert und spendete den streikenden Lehrern in West Virginia Beifall, die sich unabhängig organisiert hatten, um die öffentliche Bildung jenseits aller Gewerkschaften zu verteidigen.

Debra spricht vor dem Arbeiter-Untersuchungsausschuss der SEP zur Insolvenz von Detroit, Februar 2014

In einem ihrer letzten Interviews für die WSWS erklärte Debra Anfang 2018: „Wir müssen uns anders für unsere Kämpfe organisieren, nicht nur, um unsere sozialen Rechte auf gut bezahlte Jobs, Bildung und Gesundheitsversorgung zu verteidigen, sondern auch, um politisch für uns zu sprechen. Der Gouverneur von West Virginia zeigt uns, dass es keinerlei Unterschied zwischen Demokraten und Republikanern gibt, und dass die arbeitenden Menschen die Macht selbst in die Hand nehmen müssen. Das ist überall auf der Welt notwendig.“

Die WSWS und die SEP drücken der Familie von Debra Ann Washington Miller ihr tiefes Beileid aus. Sie war eine mutige Kämpferin für die Arbeiterklasse, bis an ihr Ende.

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