Zum Wirtschaftsgipfel in Davos

Oxfam: 26 Milliardäre besitzen so viel Vermögen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung

23. Januar 2019

Während im Schweizer Luftkurort Davos die Finanzelite der Welt zum jährlichen Weltwirtschaftsforum zusammenkommt, berichtet die britische Hilfsorganisation Oxfam International über die enorme Ballung von Reichtum an der Spitze der Gesellschaft und das beschleunigte Wachstum der sozialen Ungleichheit.

Der Bericht zeigte, dass das Vermögen der Milliardäre dieser Welt im vergangenen Jahr um 900 Milliarden Dollar oder 12 Prozent gestiegen ist, während 3,8 Milliarden Menschen - die Hälfte der Weltbevölkerung - 11 Prozent ihres Vermögens eingebüßt haben.

Letztes Jahr wuchs das Vermögen der Milliardäre jeden Tag um 2,5 Milliarden Dollar, gleichzeitig stieg alle zwei Tage ein Millionär in ihre Reihen auf.

In den zehn Jahren seit Beginn der globalen Finanzkrise 2008 haben Regierungen und Finanzbehörden weltweit die Folgen auf die Arbeiterklasse abgewälzt, in Form von stagnierenden oder sinkenden Löhnen und Sparprogrammen, die das Gesundheitswesen und andere soziale Dienste ausgehöhlt haben, um nur einige Auswirkungen zu nennen. Unterdessen hat sich der Reichtum immer mehr konzentriert. Im vergangenen Jahr verfügten lediglich 26 Personen über dasselbe Vermögen, das auch die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besitzt, das sind nicht weniger als 3,8 Milliarden Menschen. Im vergangenen Jahr waren entsprach das Vermögen der 43 reichsten Individuen noch dem der halben Weltbevölkerung.

Nur 1 Prozent vom 112 Milliarden Dollar umfassenden Vermögen, das der reichste Mann der Welt, Amazon-Besitzer Jeff Bezos sein eigen nennt, so bemerkt Oxfam, entspricht dem gesamten Gesundheitsetat für Äthiopien, einer Nation mit 105 Millionen Einwohnern.

Der Oxfam-Bericht stellt fest, dass der Spitzensteuersatz für die Reichen in den entwickelten Ländern von 62 Prozent im Jahr 1970 auf 38 Prozent im Jahr 2013 gesunken ist und verweist auf die Ende 2017 von US-Präsident Trump eingeführte Steuersenkung zum Nutzen von Reichen und Unternehmen.

In den Entwicklungsländern liegt der höchste persönliche Steuersatz bei nur 28 Prozent. Im Vereinigten Königreich und in Brasilien, so heißt es im Bericht, zahlen die untersten 10 Prozent der Bevölkerung einen höheren Anteil ihres Einkommens an Steuern als die obersten 10 Prozent.

Die Steuervermeidung igrassiert. Der Bericht enthüllt, dass die Superreichen 7,6 Billionen Dollar vor den Steuerbehörden verstecken, während Unternehmen große Mengen an Geld offshore halten und den Entwicklungsländern 170 Milliarden Dollar pro Jahr an Einnahmen vorenthalten.

Infolgedessen stammen nur 4 Prozent aller Steuereinnahmen aus der Vermögensbesteuerung.

Der Bericht stellte fest, dass sich die Rate der Armutsbekämpfung seit 2013 halbiert hat und dass „die extreme Armut in Afrika südlich der Sahara sogar zunimmt“.

Zwischen 1980 und 2016 fiel für die ärmsten 50 Prozent der Weltbevölkerung nur 12 Cent pro Dollar vom globalen Einkommenszuwachs ab, während das oberste 1 Prozent von jedem Dollar 27 Cent absahnte.

Vor einem Jahrzehnt fand das jährliche Treffen der herrschenden Elite in Davos im Nachgang zur schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise statt, die durch den massiven Betrug und die Kriminalität der größten Finanzinstitute der Welt verursacht wurde.

Aber anstatt ins Gefängnis zu gehen, wurden die „Übeltäter mit großen Vermögen“ gerettet. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts wurden ihnen Billionen Dollar zu ultra-günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt, so dass sie ihre Vermögensbildung mit exponentieller Geschwindigkeit fortsetzen konnten.

Laut einem neuen Bericht von Bloomberg stieg der Reichtum der 12 reichsten Davos-Teilnehmer um insgesamt 175 Milliarden Dollar, da das Gesamtvermögen der Milliardäre weltweit im gleichen Zeitraum von 3,4 Billionen Dollar auf 8,9 Billionen Dollar wuchs.

Der Bloomberg-Bericht hebt die Details dieses außergewöhnlichen Wachstums hervor:

Und so geht die Liste immer weiter.

Die Stärke der von Oxfam gesammelten und publizierten Wirtschaftsdaten steht jedoch im krassen Kontrast zu den Schlussfolgerungen der Hilfsorganisation mit Blick auf diese extremen sozialen Ungleichheiten. Oxfam empfiehlt die Entwicklung einer so genannten „menschlichen Wirtschaft“, die auf anderen Prinzipien basiert als die so genannte „Wachstumsökonomie“.

Die „menschliche Wirtschaft“ soll demnach Gesundheitsversorgung, Bildung und Gleichstellung von Mann und Frau gewährleisten und die besten Voraussetzungen für einen gemeinsamen Wohlstand schaffen. Dies soll finanziert werden, indem die wohlhabendsten Einzelpersonen und Unternehmen der Welt mit höheren Steuern belegt werden. So heißt es, dass eine Erhöhung der Steuern bei den reichsten Einzelpersonen um lediglich 0,5 Prozent genug Geld brächte, um jene 262 Millionen Kinder, die derzeit keine Bildung erhalten, zu unterrichten und eine Gesundheitsversorgung bereitzustellen, die 3,3 Millionen Menschen vor vermeidbaren tödlichen Erkrankungen bewahrt.

Oxfam hat jedoch in den vergangenen acht Jahren immer wieder solche Vorschläge gemacht, Warnungen ausgesprochen und einen Politikwechsel gefordert. Ohne Erfolg. Jedes Jahr verschlimmert sich die Situation, wie Oxfam selbst zugibt, und zwar mit wachsender Geschwindigkeit.

Die Geißel der sozialen Ungleichheit kann nicht durch sinnlose Appelle an jene Mächte beendet werden, die das derzeitige System leiten. Diese sind genauso wenig in der Lage, den Kurs zu ändern, wie das ancien regime in Frankreich vor der Revolution 1789 oder die zaristische Autokratie in Russland vor 1917.

Der einzige Weg zu einer echten „menschlichen Wirtschaft“ beinhaltet die Übernahme der politischen Macht durch die Arbeiterklasse in der sozialistischen Revolution und damit die Beendigung einer Diktatur des privaten Profits und der Finanzmärkte. Nur so können die enormen Ressourcen der Arbeiterklasse genutzt werden, um die sozialen Bedürfnisse aller Menschen zu befriedigen.

Dies ist die Perspektive, die jetzt in den sozialen Protesten und Klassenkämpfen, die weltweit ausbrechen, vorangetrieben werden muss - von den Streiks der Fabrikarbeiter in der Zulieferindustrie in Mexiko, dem Lehrerstreik in Los Angeles bis hin zu den großen Kämpfen der indischen Arbeiterklasse. Es erfordert den Aufbau der Weltpartei der sozialistischen Revolution, des Internationalen Komitees der Vierten Internationale, in jedem Land, um die notwendige Führung zu gewährleisten.

Nick Beams

Kämpft gegen Googles Zensur!

Google blockiert die World Socialist Web Site in Suchergebnissen.

Kämpft dagegen an:

Teilt diesen Artikel mit Freunden und Kollegen