Wissenschaft und soziale Krise im Jahr 2019

Von Bryan Dyne
24. Januar 2019

In den ersten Tagen des neuen Jahres haben eine Reihe bedeutender wissenschaftlicher Durchbrüche die enorme Fähigkeit der Menschheit unter Beweis gestellt, die Welt zu verstehen und auf dieser Grundlage die zahlreichen sozialen Missstände der heutigen Zeit zu überwinden:

Jede dieser Errungenschaften birgt das Potenzial, die Notwendigkeit harter Arbeit zu verringern, den Zeit- und die Arbeitsaufwand für den Bau von Häusern, Schulen und Krankenhäusern erheblich zu reduzieren, die Landwirtschaft und den Verkehr zu automatisieren und Durchbrüche in der Medizin und der Gesundheit zu erzielen. Diese Fortschritte widerlegen die heute allgegenwärtige Verherrlichung des Irrationalismus, sei es durch die Kultivierung von Rückständigkeit und religiösen Vorurteilen oder durch die postmodernen Theorien mit ihrer Ablehnung der objektiven Wahrheit. Sie sind ein eindringlicher Beweis für die materialistische Weltanschauung, der zufolge es objektive Naturgesetze gibt, die der Mensch verstehen und praktisch nutzbar machen kann, um sich ein besseres Leben zu schaffen.

Zugleich stehen diese Durchbrüche im krassen Gegensatz zur sozialen Lage zu Beginn des Jahres 2019:

Das sind nur einige der Widersprüche des Lebens im 21. Jahrhundert. Während moderne Technologie genutzt wird, um den Weltraum zu erforschen, höhere Formen der globalen Koordination zu entwickeln und das Potenzial wesentlicher biologischer Prozesse zu erschließen, wird sie gleichzeitig missbraucht, um Militarisierung, Zensur und Unterdrückung im In- und Ausland zu verstärken. Jeder Fortschritt in der Weltraumforschung ist mit einer zunehmenden internationalen Militarisierung und der wachsenden Gefahr eines Weltkriegs verbunden. Für jede Rakete, die den Kosmos erforschen soll, werden viele weitere entwickelt und gebaut, um die Menschheit ganz oder teilweise zu vernichten. Die Pflanzenkunde wird nicht genutzt, um die Abermillionen hungernder Menschen auf sechs Kontinenten zu ernähren, sondern um die Gewinne und die Marktdominanz einiger weniger Agrarkonzerne zu steigern und biologische und chemische Waffen zu entwickeln. Im Kapitalismus dient die Wissenschaft nicht zur Verringerung, sondern zur Steigerung der sozialen Ungleichheit.

Eine besonders zwiespältige Rolle spielt die künstliche Intelligenz. Sie wird von Unternehmen wie Amazon, Uber und Lyft immer stärker genutzt, um jeden Schritt ihrer Mitarbeiter zu verfolgen und sie zu zwingen, länger und härter zu arbeiten. Gleichzeitig eliminiert die zunehmende Automatisierung zehntausende Jobs. Und unterdessen setzen Google, Facebook und andere Unternehmen diese Technologie ein, um in Zusammenarbeit mit dem US-Militär und den Geheimdiensten massenhaft linke, antikapitalistische und sozialistische Publikationen zu zensieren, Einwanderer mit Gesichtserkennung aufzuspüren, praktisch jeden Menschen auszuspionieren und in immer größerem Umfang die Weltbevölkerung zu bekriegen.

Beide Fraktionen der US-Regierungselite befinden sich im Krieg mit der Wissenschaft. Trump und die Republikaner leugnen den Klimawandel und fördern offen religiösen Obskurantismus. Der offizielle Liberalismus und der Wissenschaftsbetrieb halten es mit der Postmoderne, die jede Vorstellung von objektiver Wahrheit bestreitet, die Anwendung der wissenschaftlichen Methode auf das menschliche Denken, die Gesellschaft und die Kultur ablehnt und insbesondere die revolutionäre Rolle der Arbeiterklasse leugnet.

Im Gegensatz dazu betonen Marxisten, dass die Wissenschaft auf die Gesellschaft angewendet werden kann und muss – vor allem auf die sozioökonomischen Strukturen, in denen die Menschheit derzeit verhaftet ist. Es geht darum, die ideologische Dominanz der Unternehmenselite zu durchbrechen und die Ereignisse unter dem Aspekt der Klassenkräfte zu untersuchen, die darin am Werk sind. Die Voraussetzung hierfür ist ein Studium des Marxismus, der seine revolutionäre Politik auf eine Analyse der objektiven Realität und der Klasseninteressen gründet. Damit verbunden ist eine Hinwendung zur Arbeiterklasse, der einzigen fortschrittlichen, revolutionären und internationalen sozialen Kraft auf unserem Planeten.

Die Arbeiterklasse eröffnet der Menschheit eine Alternative zu Krieg, Armut und sozialem Elend, die dem Kapitalismus innewohnen. Es ist bemerkenswert, dass die Lehrerinnen und Lehrer von Los Angeles in ihrem aktuellen Streik nicht nur bessere Bezahlung und kleinere Klassen fordern, sondern auch die Verteidigung der öffentlichen Bildung gegen die Angriffe der kapitalistischen Oligarchie. Während die herrschende Elite darauf bedacht ist, die Gesellschaft zurückzuzerren, bietet ihr die Arbeiterklasse im Kampf für den Sozialismus einen Weg nach vorn.

Nur in einer sozialistischen Gesellschaft können die gewaltigen wissenschaftlichen und technologischen Errungenschaften der Menschheit aus Knüppeln zur Durchsetzung von Klassenausbeutung und Kriegsführung in Werkzeuge für ein gutes und erfüllendes Leben für alle Menschen verwandelt werden.

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