Sri Lanka: Großes Interesse an Plantagenarbeiterkonferenz der SEP

Von unseren Reportern
11. März 2019

Das Folgende ist der Bericht einer Gruppe von Mitgliedern der Socialist Equality Party (SEP) und der International Youth and Students for Social Equality (IYSSE), welche die bevorstehende Konferenz unter den Plantagenarbeitern bekanntmachten. Die Arbeiterkonferenz wird am 17. März in der Town Hall von Hatton, im zentralen Hochland Sri Lankas, stattfinden.

Im Hochland ist die bevorstehende Arbeiterkonferenz unter Plantagenarbeitern auf große Resonanz gestoßen. Arbeiter haben unser Vorhaben begrüßt und sich voller Wut darüber geäußert, dass die Plantagengewerkschaften ihren Streik im letzten Dezember verraten hatten.

Zu der Konferenz mit dem Motto „Der Weg vorwärts: Für höhere Löhne und soziale Rechte“ hat das Aktionskomitee der Plantage Abbotsleigh Estate aufgerufen, und es wird dabei von der SEP unterstützt. Dieses Aktionskomitee wurde im Dezember von Plantagenarbeitern während ihres neuntägigen landesweiten Streiks ins Leben gerufen.

Mehr als 100.000 Plantagenarbeiter beteiligten sich damals am Streik für einen täglichen Grundlohn von 1.000 Rupien (4,50 Euro). Allerdings haben der Dachverband Ceylon Workers' Congress (CWC) und vier Einzelgewerkschaften ihn vorzeitig beendet und verraten.

Kurze Zeit später, am 28. Januar, besiegelten die CWC und die Lanka Jathika Estate Workers' Union (LJEWU) den Konflikt durch einen Ausverkauf. Sie unterzeichneten ein Tarifabkommen mit einer sehr geringen Lohnerhöhung, die noch dazu an neue Produktivitätsvorgaben geknüpft ist.

Letzte Woche sprachen wir mit Arbeitern der Plantage Theresia Estate, einer von mehreren Plantagen, die zum Konzern Madulsima Plantations gehören. Sie liegt nahe der Stadt Bogavanthalawa, etwa 17 Kilometer von Hatton entfernt, und beschäftigt fast 900 Arbeiter.

Am 20. Februar hatten Arbeiter aus allen Bereichen von Theresia Estate hier einen Streik aufgenommen, weil das Management ihre Arbeitswoche ohne ausreichenden Lohnausgleich von sechs auf vier Tage kürzen wollte. Diesen Streik hielten sie unabhängig von den Plantagengewerkschaften vier Tage lang aufrecht.

Ein Arbeiter sagte uns: „Die Gewerkschaften arbeiten mit dem Management zusammen. Die Plantagenbetreiber weigern sich, unsere Löhne so weit zu erhöhen, wie wir es gefordert haben, und gestehen uns nur eine Erhöhung um 20 Rupien [10 Cent] zu. Im Dezember haben wir neun Tage lang gestreikt, aber die Gewerkschaft hat uns verraten. Jetzt hat das Management unsere Arbeitswoche willkürlich verkürzt.

Wir kommen keinen Schritt weiter, wenn wir uns nicht unabhängig von der Gewerkschaft organisieren. Von hier wird eine ganze Gruppe an der Arbeiterkonferenz teilnehmen, und ich werde dort sprechen.“

Ein SEP-Mitglied erklärt die Ziele der bevorstehenden Konferenz

V. Annamalai hat bisher als Fahrer in der Fabrik der Plantage gearbeitet, doch er musste kündigen, weil er mit dem niedrigen Lohn seine Familie nicht ernähren konnte. Er erklärte, ein wichtiges Anliegen der Plantagenarbeiter seien auch die Unterkünfte.

Er sagte: „Es ist üblich, dass mehr als zwei Familien in einem kleinen Zimmer leben, das nur unterteilt ist. Wie sollen wir uns eine anständige Unterkunft leisten, wenn wir so wenig verdienen? Um ihre Häuser zu reparieren, müssen die meisten Arbeiter lange warten, bis sie ihre Rentenauszahlung erhalten, oder bis jemand aus der Familie im Ausland Arbeit findet.“

Eine Arbeiterin erklärte, für die Plantagenarbeiter stünden grundlegende Einrichtungen nicht zur Verfügung: „Wir haben zwar eine Apotheke, aber es gibt keinen Arzt. Wenn wir ein Kind zur Welt bringen, dann müssen wir dafür bis nach Bogavanthalawa ins Krankenhaus fahren. Die Schule der Plantage geht nur bis zur achten Klasse, danach können unsere Kinder nur in Bogavanthalawa die Schule weiter besuchen.“

Die Plantage Ottery Estate liegt sieben Kilometer von Hatton entfernt. Sie ist zum Teil vom Unternehmen Kelani Valley Plantations übernommen worden. Der restliche Teil der Plantage wird gerade stillgelegt. Der Betreiber hat schon fünfzig Hektar an einen Bauunternehmer verkauft, der die Teebüsche ausreißen lässt, um Häuser zu bauen.

Im Jahr 1983 beschäftigte Ottery Estate 150 Arbeiter und wurde von der staatlichen Gesellschaft People’s Estate Development Board verwaltet. 1989 wurde sie teilweise an private Eigentümer verkauft. Nach einem siebenmonatigen Streik wegen der Lebensbedingungen auf der Plantage wurde die Belegschaft auf etwa 80 Arbeiter verringert. Die Arbeiter erklärten uns, das Unternehmen habe die Rentenbeiträge vier Jahre lang nicht an die Zentralbank überwiesen, obwohl sie ihnen vom Lohn abgezogen worden seien.

In der Nähe des Haupteingangs von Ottery Estate befindet sich ein leerstehendes Gebäude auf einem Hügel. Wie die Arbeiter uns erzählten, war das Gebäude, das 1938 gebaut wurde, einmal ein Krankenhaus gewesen. Als Ergebnis der Privatisierung wurde es geschlossen.

Eine Arbeiterin von Dickoya Estate schilderte die drückenden Produktivitätsvorgaben, die das Management fordert: „Wir müssen jetzt täglich 20 Kilo pflücken, um unseren Grundlohn zu bekommen. Wenn wir nur 15 Kilo schaffen, bekommen wir nur die Hälfte der Summe.“

Weiter erklärte sie: „Das Management behauptet, es hätte den Lohn für jedes zusätzliche Kilo Tee auf 40 Rupien (20 Cent) erhöht, aber wir schaffen kaum zwei oder drei Kilo zusätzlich. Und wenn es regnet, zieht uns der Aufseher drei Kilo von den gepflückten Teeblättern ab, um die Nässe auszugleichen. Eine weitere Bedrohung sind Blutegel und Leoparden.“

Latchumanan, früher NUW-Ortssekretär auf Dickoya Estate

Ihre Tochter studiert Wirtschaft. Die Busfahrt zu ihrer Schule in Norwood kostet 70 Rupien (35 Cent), und die monatliche Schulgebühr beträgt 2.000 Rupien (10 Euro).

Mutter und Tochter äußerten sich besorgt wegen der derzeitigen militärischen Spannungen zwischen Indien und Pakistan. Nachdem wir ihnen das sozialistische Antikriegsprogramm der SEP erklärt hatten, kauften sie eine Ausgabe der Erklärung „Sozialismus und der Kampf gegen imperialistischen Krieg“ des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI).

K. Latchumanan, ein früherer NUW-Ortssekretär, begrüßte die bevorstehende Konferenz. Er zeigte uns voller Stolz eine Ausgabe des Wahlprogramms der SEP von 2015, die er sorgfältig aufbewahrt hatte.

Er erklärte: „Ihr kämpft ununterbrochen für eine sozialistische Lösung für die Arbeiterklasse. Der Titel eures Wahlprogramms war damals: ,Kämpft für ein sozialistisches Programm gegen Krieg und soziale Konterrevolution‘, und eure Analyse hat sich als korrekt erwiesen.“

Weiter sagte Latchumanan: „[Der CWC-Führer] Arumugam Thondaman hat geprahlt, er würde dafür sorgen, dass die Plantage einen Wasseranschluss bekommt. Wir haben Leitungen gelegt und Wasserhähne vor unseren Häusern installiert, aber wir warten immer noch auf das Wasser. Die Arbeiter müssen das Wasser über weite Entfernungen tragen und an den Wasserquellen Schlange stehen.“

Bewohner von Dickoya Estate stehen für Wasser an

Den Plantagenarbeitern fehlt es an den grundlegendsten Einrichtungen, es gibt nicht einmal Toiletten in der Nähe ihrer Häuser. Latchumanans Vater und Großvater waren Plantagenarbeiter, damals lebten fünf Familien in einem einzigen Raum. Er erklärte: „Unsere Unterkunft war sehr alt, und wir hatten einen unruhigen Schlaf. Wir befürchteten immer, dass der baufällige Raum über uns zusammenstürzen könnte.

Regierungen kommen und gehen, aber unsere Probleme bleiben. Ich möchte unter den Arbeitern gerne einige Diskussionen über eure Perspektive organisieren und dabei helfen, die Konferenz vorzubereiten.“

Der 34-jährige Plantagenarbeiter Thissakumar äußerte sich wütend über den Verrat der Gewerkschaften am Lohnstreik und über die unzureichenden und unsicheren Lebensbedingungen. Er zeigte uns die Risse in allen Wänden seines Hauses. Obwohl es praktisch keine Toiletten gibt, hat er eine Geldstrafe von 5.000 Rupien erhalten, weil er entgegen den örtlichen Bestimmungen eine Toilettengrube ausgehoben hat.

Arbeiterunterkunft auf Dickoya Estate: die Wände bestehen aus Säcken

Thissakumar führte uns in die Unterkunft seiner älteren Schwester, die mit drei Kindern dort lebt. Das Gebäude liegt neben einem Steilhang. Die Wände bestehen nicht aus Stein oder Holz, sondern aus Säcken. Genau wie bei vielen anderen Arbeiterhäusern in diesem Gebiet ist das Dach baufällig.

Thissakumar erklärte: „Man muss alle Führer der kapitalistischen Gewerkschaften zum Teufel jagen. Wir brauchen eine neue Führung, und wir müssen die Unterstützung der Jugend gewinnen.“ Er sagte zu, die Gründung eines Aktionskomitees zu unterstützen, und versprach, im Vorfeld der Plantagenarbeiterkonferenz vom 17. März unter den Arbeitern eine Diskussion zu organisieren.

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