Streik von 1.400 Piloten führt zum Ausfall von Hunderten Flügen der Scandinavian Airlines

Von Jordan Shilton
30. April 2019

Am letzten Freitag traten mehr als 1.400 Piloten der Scandinavian Airlines (SAS) in den Streik. Seither sind Tausende von Flügen aus Schweden, Dänemark und Norwegen ausgefallen. Die Piloten fordern nach zehn Jahren von Lohnsenkungen und Nullrunden höhere Löhne sowie besseren Schutz gegen unvorhersehbare Arbeitszeiten.

Gewerkschaften in Schweden, Norwegen und Dänemark, die in der länderübergreifenden SAS Pilot Group organisiert sind, haben am Freitagmorgen zu dem Streik aufgerufen. Zuvor haben sie alles in ihrer Macht Stehende getan, um den Streik zu verhindern, und flehen das Management weiterhin vergeblich um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen an. Die Gewerkschaften sind mit drei Funktionären im Vorstand von SAS vertreten und in jeder Hinsicht mitbeteiligt an den Angriffen, die SAS in den letzten zehn Jahren auf seine Piloten, das Kabinenpersonal und andere Beschäftigte geführt hat. Unter anderem hat die Fluggesellschaft die Löhne und Zusatzleistungen drastisch gekürzt, als sie 2012 am Rande des Bankrotts stand.

An dem Ausstand beteiligen sich 545 Piloten aus Norwegen, 492 aus Schweden und 372 aus Dänemark. Sie fordern eine 13-prozentige Lohnerhöhung über einen Zeitraum von drei Jahren. In den letzten vier Jahren hat das Unternehmen durch den Abbau von Stellen, Lohnsenkungen und Outsourcing von Tätigkeiten (u.a. von Piloten an Subunternehmer) Hunderte Millionen Euro Profite eingefahren. Während Piloten, Kabinen- und Bodenpersonal seit 2012 Lohnsenkungen hinnehmen mussten, ist das Gesamteinkommen des SAS-Vorstandschefs Rickard Gustafson in den letzten drei Jahren um 38 Prozent gestiegen.

Die Piloten fordern außerdem vorhersehbarere Arbeitspläne. Momentan können sie gezwungen werden, sieben Wochenenden hintereinander zu arbeiten und wissen nie im Voraus, ob dies der Fall sein wird. Ein weiteres Anliegen ist das Outsourcing. Die Piloten, die von den norwegischen, schwedischen und dänischen Gewerkschaften repräsentiert werden, fliegen nur auf 70 Prozent aller SAS-Flüge. In den letzten sechs Jahren hat das Unternehmen immer größere Teile seines Geschäfts in andere europäische Staaten wie Irland und Spanien ausgegliedert, wo die Arbeitsrechtsbestimmungen wesentlich lockerer sind. Piloten aus diesen Ländern nahmen nicht am Streik teil.

Das Management von SAS hat für Montag und Dienstag mehr als 1.200 Flüge storniert. Zuvor fielen am Freitag 640 Flüge und am Wochenende 900 aus. Seit dem Scheitern der Gespräche am Freitagmorgen wurden keine weiteren Termine für formelle Tarifverhandlungen angekündigt.

Der Angriff auf die Piloten und die Belegschaft von SAS steht in enger Verbindung mit der globalen Umstrukturierung der Luftfahrtindustrie, die zum Abbau von Zehntausenden Arbeitsplätzen, Outsourcing und Lohnsenkungen bei allen großen Fluggesellschaften geführt hat. Das Unternehmen SAS, das 1946 als Joint Venture der drei skandinavischen Nachbarstaaten gegründet wurde, führt heute einen Unterbietungswettkampf gegen Billigflieger wie Ryanair und Norwegian Airlines in der wettbewerbsintensiven europäischen Luftverkehrsbranche. Das Ziel dabei ist, die Arbeitskosten zu senken, um die Profite und Dividendenzahlungen an Aktionäre zu erhöhen.

Der Streik der SAS-Piloten ist das aktuellste Anzeichen dafür, dass die Beschäftigten der Fluggesellschaften diese rücksichtslose Kostensenkungsstrategie ablehnen und Widerstand leisten wollen. Letztes Jahr kam es zu mehreren Streiks von Piloten und Kabinenpersonal bei Europas größtem Billigflieger Ryanair, u.a. in Deutschland, Portugal, Belgien und den Niederlanden. Auch das Bodenpersonal in Deutschland und anderen Ländern, das ähnlich brutale Kostensenkungsmaßnahmen hinnehmen musste, hat in den letzten Jahren mutige Streiks geführt. Dabei haben sie nicht nur den Drohungen des Managements getrotzt, sondern auch den Sabotageversuchen der Gewerkschaftsbürokratien in jedem Land.

Der Streik der SAS-Piloten ist zudem Teil eines globalen Aufschwungs der Kämpfe der Arbeiterklasse, die von der zunehmenden Krise des Kapitalismus und dem Austeritätskurs angetrieben werden, den die herrschenden Eliten in allen Ländern durchsetzen. Seit Beginn des Jahres 2019 kam es zu Massenstreiks von Zehntausenden Fabrikarbeitern in Matamoros (Mexiko), von polnischen Lehrern und öffentlich Beschäftigten in Deutschland. Dazu kommen Massenbewegungen wie die französischen Gelbwesten und die breiten Proteste gegen das autoritäre Regime in Algerien.

Diesen Kämpfen müssen sich die Piloten und Beschäftigten von SAS zuwenden, wenn sie angemessen bezahlte, sichere Arbeitsplätze erstreiten wollen, und nicht den nationalistischen und wirtschaftsfreundlichen Gewerkschaften. Selbst jetzt zeigt der entschlossene Kampf der Piloten, welch beträchtliche Stärke ein gemeinsamer Kampf der Arbeiterklasse haben könnte. Jeden Tag fallen Hunderte von Flügen aus, und das Unternehmen verliert täglich etwa zehn Millionen Euro.

Dennoch bieten die Gewerkschaften den Piloten keine Strategie an, um ihre völlig berechtigten Forderungen durchzusetzen. Stattdessen betteln sie das Management an, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukommen. Dort wird unweigerlich ein fauler Tarifvertrag voller Zugeständnisse ausgehandelt werden, wenn die Piloten den Streik nicht in die eigene Hand nehmen.

SAS ist ein Musterbeispiel dafür, wie die Gewerkschaften gemeinsam mit den nationalen Regierungen und dem Konzernmanagement im Interesse der Finanzelite die Rechte der Arbeiter ausgehöhlt haben.

Um die Jahrhundertwende befand sich SAS noch mehrheitlich im Besitz von Norwegen, Schweden und Dänemark. Doch in den letzten zwei Jahrzehnten, in denen rechte und sogar rechtsextreme Parteien zunehmend die Politik aller drei Länder dominierten, während Sozialdemokraten und Gewerkschaften selbst jeden noch so unbedeutenden Bezug zu linker Politik aufgegeben haben, hat sich das grundlegend geändert. Norwegen, das von einer Koalition aus der rechten Konservativen Partei und der rechtsextremen Fortschrittspartei regiert wird, hat 2017 seinen Unternehmensanteil von 9,8 Prozent verkauft. Die schwedische sozialdemokratische Regierung von Stefan Löfven, die nur aufgrund eines Deals mit zwei rechten Parteien weiterhin an der Macht ist, hat ebenfalls den Verkauf seines Anteils am Unternehmen angekündigt.

Die Gewerkschaften haben die Angriffe auf die SAS-Beschäftigten nur allzu bereitwillig unterstützt. Als das Unternehmen im November 2012 ankündigte, es stehe kurz vor dem Bankrott, wussten die Gewerkschaften bereits Monate im Voraus durch ihre drei Vertreter im Vorstand, dass das Management die Krise ausnutzen wollte, um Arbeitsplätze und Arbeitsschutzmaßnahmen abzubauen. Da sie die Organisierung von jedem echten Widerstand der Belegschaft gegen diesen Angriff ablehnten, akzeptierten sie ein umfangreiches „Rettungspaket“ von den Regierungen Norwegens, Schwedens und Dänemarks. Dieses sah den Abbau von mehr als 800 Arbeitsplätzen, Nullrunden für Piloten und sonstiges Personal sowie die Entwicklung von Plänen zum Outsourcen von Geschäftstätigkeiten vor, durch die der Arbeitsschutz unterlaufen werden sollte.

Die Piloten und Beschäftigten von SAS können diese Zugeständnisse nur rückgängig machen, wenn sie selbst die Kontrolle über den Streik übernehmen. Die Piloten sollten unabhängige Streikkomitees gründen, um sich aus dem Würgegriff der nationalistischen und pro-kapitalistischen Gewerkschaften zu befreien. Sie sollten an die anderen Beschäftigten bei SAS appellieren und gemeinsam mit dem Kabinen- und Bodenpersonal in der internationalen Luftverkehrsbranche den Kampf aufnehmen. Vor allem müssen sie erkennen, dass ihre Forderungen nach gut bezahlten sicheren Jobs nur als Teil eines politischen Kampfs auf der Basis eines sozialistischen und internationalistischen Programms gegen das Austeritätsdiktat der kapitalistischen Wirtschaftselite umsetzbar sind.