Am 29. Juli organisierten die Socialist Equality Party (SEP) und die International Youth and Students for Social Equality (IYSSE) in Sri Lanka eine gut besuchte Gedenkveranstaltung zum ersten Todestag von Genossen Wije Dias im Auditorium des Sri Lanka Foundation Institute in Colombo.
Genosse Wije starb am Morgen des 27. Juli letzten Jahres an plötzlichem Herzversagen, nur zwei Monate vor seinem 81. Geburtstag.
Etwa 150 Personen, darunter Wijes engste Familie, nahmen an der Veranstaltung teil, die mit einer Schweigeminute zu Ehren von Wije begann. Mitglieder und Unterstützer der SEP und der IYSSE kamen aus Jaffna im Norden des Landes, Hatton und Bandarawela in den zentralen Plantagendistrikten, aus dem südlichen Ambalangoda und Kandy.
Am 27. Juli wurde ein Grabdenkmal für Wije und Piyaseeli Wijegunasinghe, seine geliebte lebenslange Partnerin und Frau, auf dem öffentlichen Friedhof von Borella in Colombo enthüllt. An der Zusammenkunft zu dem Anlass nahmen Mitglieder und Unterstützer der SEP und der IYSSE sowie Mitglieder von Wijes Familie teil.
Bei der Veranstaltungen wurden Grußbotschaften von David North, dem Vorsitzenden der internationalen Redaktion der World Socialist Web Site und der SEP in den USA, sowie den Parteiführern der SEP in Australien, Großbritannien und Deutschland sowie von der Sozialistischen Gleichheitsgruppe in der Türkei verlesen, die Wijes Beitrag zum Internationalen Komitee der Vierten Internationale (IKVI) würdigten.
North erklärte, die diesjährige Sommerschulung der SEP in den USA werde dem Gedenken an Wije gewidmet.
North schrieb weiter:
Ein umfassender Rückblick auf Genosse Wijes Leben wäre mehr als die Biografie einer einzelnen Person. Sie würde zwangsläufig die moderne Geschichte der sri-lankischen Arbeiterklasse und der trotzkistischen Weltbewegung umspannen.
Er wurde Trotzkist, als er sich der Jugendbewegung der Lanka Sama Samaja Party (LSSP) anschloss, die sich auf der Grundlage ihres jahrzehntelangen Kampfs für den Trotzkismus zu einer revolutionären Massenpartei der ceylonesischen Arbeiterklasse entwickelte. Doch im Juni 1964 verwarf die LSSP in Folge ihrer über ein Jahrzehnt andauernden und immer offensichtlicheren Anpassung an den parlamentarischen Opportunismus das revolutionäre sozialistische Programm des Trotzkismus und bildete eine Regierungskoalition mit der bürgerlichen Sri Lanka Freedom Party (SLFP) unter Premierministerin Bandaranaike.
Genosse Wije stand an der Spitze einer bemerkenswerten Generation prinzipientreuer und mutiger junger Revolutionäre, die diesen Verrat ablehnten und sich daran machten, in unerbittlichem Kampf gegen die Opportunisten der LSSP die trotzkistische Bewegung in Sri Lanka wiederaufzubauen...
Genosse Wije Dias verfügte innerhalb des IKVI über große Autorität. Wir konnten uns in allen Diskussionen, an denen er beteiligt war, auf seine umfangreiche Erfahrung, seine Objektivität und sein Wissen stützen. Wije ist in die Geschichte des Internationalen Komitees eingegangen und sein Beispiel wird für immer eine Quelle der Inspiration für die Kader der Weltpartei der sozialistischen Revolution bleiben.
K. Ratnayake, der nationale Herausgeber der WSWS in Sri Lanka, der den Vorsitz bei der Veranstaltung führte, erklärte: „Der Tod von Genosse Wije ist ein großer Verlust für unsere Partei und die Internationale. Wir halten diese Versammlung nicht als Ritual ab, sondern um die Aufmerksamkeit auf die Perspektive und die Prinzipien zu lenken, für die er gekämpft hat, und um den Kampf der Partei für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse zu stärken und ihr eine revolutionären Führung zu geben.“
Ratnayake zitierte aus Gerry Healys Dokument „Ceylon: Der große Verrat“, in dem er über die Zurückweisung des Trotzkismus durch die LSSP schrieb: „Die Antwort liegt nicht in Ceylon, sondern in einem internationalen Kampf gegen den Pablismus. Die wahren Architekten dieser Koalition sitzen in Paris.“
Eine Gruppe von Jugendlichen, darunter Keerthi Balasuriya und Wije, die den Eintritt der LSSP in die kapitalistische Regierung ablehnten, orientierten sich am IKVI. Ihr intensives Studium des internationalen Kampfs gegen den Pablismus habe die Grundlage für die Gründung der Revolutionary Communist League (RCL) als sri-lankische Sektion des IKVI im Jahr 1968 gebildet, so Ratnayake.
„Nach dem viel zu frühen Tod von Genossen Keerthi, dem ersten Generalsekretär der RCL, im Dezember 1987, wurde Wije in das Amt gewählt und führte die Partei 35 Jahre lang. Keerthi und Wije kämpften dafür, den Kampf der Partei auf der Grundlage der historischen Lehren der trotzkistischen Bewegung zu entwickeln“, erklärte Ratnayake weiter.
Vilani Peiris, Mitglied des Politischen Komitees der SEP, erklärte, die wahrhaftigste Art und Weise, des Lebens von Genosse Wije zu gedenken, sei es, sich auf die trotzkistischen Prinzipien zu stützen, für die er gekämpft hat, um die Führung der internationalen Arbeiterklasse für die sozialistische Revolution vorzubereiten.
Sie erklärte: „Genosse Wijes feste Überzeugung vom Internationalismus und sein kompromissloses Engagement für politische Prinzipien war eine Inspiration für alle, die ihn kannten. Er lehnte jede Form von Nationalismus und Opportunismus ab. Das ist die grundlegende Lehre aus seinem politischen Leben, das sich über 60 Jahre erstreckte, für diejenigen, mit denen er in dieser Partei zusammengearbeitet hat.“
M. Thevarajah, Mitglied des Politischen Komitees der SEP, erklärte, die politische Erfahrung aus Wijes Jugend beinhalte wichtige Lehren für die heutige junge Generation: „Nach dem Eintritt der LSSP in eine Regierungskoalition mit der bürgerlichen SLFP wandten sich viele junge Menschen Figuren wie Mao, Castro, Che Guevara oder Ho Chi Minh zu. Doch die Genossen Keerthi und Wije hielten am Trotzkismus fest und wandten sich der Arbeiterklasse zu, der einzigen revolutionären Kraft in dieser Epoche. Die RCL wurde als Sektion des IKVI auf der Grundlage des proletarischen Internationalismus gegründet.“
Sakuntha Hirimutugoda sprach im Namen der IYSSE. Mit Verweis auf die Erklärung, die das IKVI am Tag nach Wijes Tod veröffentlichte, erklärte er, Wije habe unermüdlich für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse auf der Grundlage von Trotzkis Theorie der permanenten Revolution gekämpft. Er erklärte: „Das gesamte revolutionäre Leben von Genosse Wije ist ein Beispiel für die Arbeiterklasse, die Jugend und die arbeitenden Massen.“
Hirimutugoda erklärte, der Verrat der LSSP habe in Sri Lanka und der Welt für enorme politische Verwirrung gesorgt: „Alle politischen Tendenzen, die in Sri Lanka nach dem Verrat der LSSP aus dem Boden schossen, darunter die JVP [Janatha Vimukthi Peramuna] im Süden und die LTTE [Befreiungstiger von Tamil Eelam] im Norden, stützten sich auf die Mittelschicht und lehnten die revolutionäre Rolle der Arbeiterklasse ab.“
Als letztes sprach SEP-Generalsekretär Deepal Jayasekera. Er erklärte, die Veranstaltung solle das Andenken an das Leben eines außergewöhnlichen Genossen bewahren, der drei Viertel seines Lebens dem Kampf für internationale sozialistische Prinzipien gewidmet habe.
Er verwies auf Wijes Pionierarbeit als Teil einer Gruppe von politisch brillanten Jugendlichen, die 1964 den Kampf gegen den Verrat der LSSP am internationalen Sozialismus und für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse aufnahmen.
Er erklärte: „Der wichtigste Faktor in dieser Entwicklung war die äußerst entscheidende politische Intervention des IKVI, das erklärte, dass die wahren Wurzeln des Verrats der LSSP nicht in Sri Lanka lagen, sondern im internationalen pablistischen Revisionismus, der in der Vierten Internationale entstanden war und die Prinzipien des Trotzkismus verraten hat. Diese Genossen, darunter Wije und Keerthi, arbeiteten unter der politischen und theoretischen Anleitung des IKVI daran, 1968 die Revolutionary Communist League als sri-lankische Sektion des IKVI zu gründen.“
Jayasekera sprach über die Situation in Sri Lanka, als Wije nach Keerthi Balasuriyas frühem und tragischem Tod die Führung der RCL übernahm:
„In dieser Zeit war die Partei mit einer Verschärfung des Bürgerkriegs gegen die LTTE, der militärischen Unterdrückung durch die Regierung der United National Party und dem faschistischen Terror der JVP konfrontiert.
Dass die RCL in der Lage war, diese sehr schwierige Situation erfolgreich zu meistern und ihr sozialistisches internationalistisches Programm und Orientierung auf die Arbeiterklasse zu entwickeln, bestätigte auf eindrucksvolle Weise die politische Integrität der Parteiführung im Allgemeinen und die entscheidende Rolle, die Wije in der Führung spielte, im Besonderen.“
Jayasekera erläuterte die zentrale Rolle, die Wije während des Massenaufstands gegen den verhassten Präsidenten Gotabaya Rajapakse und seine Regierung im vergangenen Jahr gespielt hatte. Trotz seines hohen Alters und seiner angeschlagenen Gesundheit war Wije „bis zum letzten Tag seines Lebens in der Parteiführung politisch aktiv und beriet die Führung auf der Grundlage seines immensen politischen Wissens und seiner Erfahrung.“
Er verwies auf Wijes Beitrag und seine Zusammenarbeit mit Genossen des Internationalen Komitees bei der Ausarbeitung der Erklärung vom 20. Juli und dem Beginn einer Kampagne für einen demokratischen und sozialistischen Kongress der Arbeiter und ländlichen Massen. Diese Erklärung lieferte „der Arbeiterklasse eine politische Strategie, um ihre Kräfte zu konsolidieren, die aktive Unterstützung der ländlichen Massen zu gewinnen und die Grundlage für ihre eigene Herrschaft durch eine Arbeiter- und Bauernregierung zu schaffen, die sich zur Umstrukturierung der Gesellschaft auf sozialistischer Grundlage verpflichtet“, sagte Jayasekera.
Zum Schluss rief Jayasekera alle Anwesenden, die keine Mitglieder der SEP sind, dazu auf, Diskussionen mit der Partei zu beginnen und einen Antrag auf Mitgliedschaft zu stellen: „Das ist die beste Art und Weise, Genosse Wije Dias die Ehre zu erweisen.“
Die SEP wird in den kommenden Tagen internationale Grußworte und Interviews mit Teilnehmern der Veranstaltung veröffentlichen.
