Israel kündigt „Antwort“ auf iranische Angriffe an, Völkermord im Gazastreifen wird fortgesetzt

48 Stunden nach dem iranischen Luftangriff auf Israel gaben israelische Offizielle am Montag zu verstehen, dass Israel militärische Angriffe auf iranische Ziele vorbereitet. Unterdessen eskaliert der Krieg im Nahen Osten, der wesentlich von den USA provoziert ist.

Ein F-15-Kampfflugzeug der israelischen Luftwaffe vor der Landung auf einem Luftwaffenstützpunkt, 15. April 2024 [AP Photo/Ohad Zwigenberg]

„Der Abschuss so vieler Raketen, Marschflugkörper und UAVs [Drohnen] auf das Gebiet des Staates Israel wird eine Antwort erhalten“, sagte der Generalstabschef der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF), Generalleutnant Herzi Halevi, am Montag.

NBC News veröffentlichte einen Beitrag des Auslandskorrespondenten Raf Sanchez mit der Überschrift „Israels Antwort auf den iranischen Angriff könnte ‚unmittelbar bevorstehen‘, sagt ein Offizieller“. Darin heißt es, dass „jede Antwort mit den Amerikanern koordiniert wird“.

David Ignatius von der Washington Post berichtete in einem Meinungsartikel am Montag, israelische Entscheidungsträger seien „zu dem Schluss gekommen , dass sie zur Abschreckung gegenüber dem Iran Vergeltung für den massiven Raketenbeschuss an diesem Wochenende üben sollten“.

US-Vertreter weigerten sich ihrerseits wiederholt und kategorisch, einen israelischen Schlag gegen den Iran auszuschließen oder abzulehnen. Während des täglichen Pressebriefings im Weißen Haus am Montag erklärte der Sprecher des Weißen Hauses, John Kirby: „Es ist eine israelische Entscheidung, ob und wie sie auf das, was der Iran am Samstag getan hat, reagieren werden, und wir überlassen es ganz ihnen.“

Auf die Frage eines Reporters, ob der Iran „den USA trotzen kann, ohne mit Konsequenzen rechnen zu müssen“, antwortete Kirby mit einer Drohung: „Wenn ich in Teheran sitzen und mir ansehen würde, was am Samstagabend passiert ist, würde ich nicht darauf wetten, dass die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, sich hier zu engagieren und bei der Verteidigung Israels zu helfen.“

Und weiter: „Ich meine, es waren amerikanische Kampfpiloten in der Luft, die Drohnen und Raketen, die auf Israel zusteuerten, abgeschossen haben, sowie Zerstörer der US-Marine auf See, die sie von dort aus abgeschossen haben. Die Botschaft sollte also für jeden klar sein. Wenn der Präsident sagt, dass wir unsere Verpflichtungen in der Region ernst nehmen werden, wenn wir Israel helfen werden, sich zu verteidigen... dann werden wir tun, was wir tun müssen, um Israel zu verteidigen.“

Auch US-Außenminister Antony Blinken sicherte Israel bei einem Treffen mit dem stellvertretenden irakischen Ministerpräsidenten Mohammed Ali Tamim die uneingeschränkte Unterstützung der USA zu. Er sagte: „Wir werden weiterhin die Verteidigung Israels unterstützen und unser Personal in der Region schützen.“ Und weiter: „Dieses Wochenende hat gezeigt, dass Israel sich nicht allein verteidigen musste und muss, wenn es das Opfer einer Aggression, das Opfer eines Angriffs ist.“

Der iranische Angriff auf Israel wurde durch einen Angriff auf die iranische Botschaft in Syrien am 1. April provoziert, bei dem sieben hochrangige iranische Militärs getötet wurden. Die Vereinigten Staaten behaupteten zwar, sie hätten nichts von dem Angriff gewusst, verteidigen aber den Angriff Israels mit der Behauptung, die Botschaft sei ein von Terroristen genutztes Gelände. Sie haben zudem ihr Veto gegen eine Resolution des UN-Sicherheitsrats eingelegt, die den israelischen Angriff verurteilt hätte.

Der iranische Angriff auf Israel hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Vereinigten Staaten und ihre imperialistischen Verbündeten ihre unmissverständliche Unterstützung für Israels fortgesetzten Völkermord an der Bevölkerung von Gaza bekräftigen konnten.

In seinem täglichen Bericht über den Gazastreifen schreibt das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA): „Israelische Bombardements aus der Luft, vom Land und vom Meer aus werden weiterhin aus weiten Teilen des Gazastreifens gemeldet, was zu weiteren Opfern unter der Zivilbevölkerung, zu Vertreibungen und zur Zerstörung von Häusern und anderer ziviler Infrastruktur führt.“

Am Wochenende wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Gaza 163 Palästinenser im Gazastreifen getötet, nachdem die Flüchtlingslager im gesamten Gazastreifen systematisch bombardiert worden waren. Die offizielle Zahl der Todesopfer des Völkermords im Gazastreifen erreichte am Montag nach Angaben des Gesundheitsministeriums 33.797, zudem sind bislang 76.465 Menschen verletzt worden. Rechnet man die Tausenden unter den Trümmern begrabenen Menschen hinzu, liegt die Zahl der Toten bei über 40.000.

Die von Israel angekündigte Invasion in Rafah würde ein noch größeres Massensterben zur Folge haben. In einem Briefing am Freitag warnte der ehemalige UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Palästina, Jamie McGoldrick, dass rund 800.000 Menschen zur Evakuierung gezwungen sein könnten, falls das israelische Militär einen Bodenangriff auf Rafah startet. Er verwies auf die systematische Behinderung der Lieferung von Nahrungsmittelhilfe in den Gazastreifen und sagte: „Wenn wir nicht die Möglichkeit haben, die Lieferung von Hilfsgütern in alle Teile des Gazastreifens, insbesondere aber in den Norden, auszuweiten, dann erleben wir eine Katastrophe.“

Israel setzt seine Anstrengungen fort, einen ein Kilometer breiten Streifen um den Gazastreifen entlang der israelischen Grenze vollständig zu räumen. Die UNO stellte fest, dass 4.000 Gebäude im Umkreis von einem Kilometer um die israelische Grenze - 90 Prozent der Gesamtfläche - entweder zerstört oder beschädigt wurden.

In der Zwischenzeit werden weitere Massengräber entdeckt, die auf das von den IDF im letzten Monat im Al-Shifa-Krankenhaus verübte Massaker verweisen. Am Montag erklärten palästinensische Ärzte, sie hätten in einem Massengrab in der Nähe des Krankenhauses mindestens 10 Leichen entdeckt, „an deren Körpern noch medizinische Verbände und Katheter angebracht waren“, so berichtet Al Jazeera. Das medizinische Personal des Krankenhauses bestätigte, dass diese Menschen vom israelischen Militär bei der Erstürmung des Al-Shifa-Krankenhauses im März in unmittelbarer Nähe des Haupttores hingerichtet wurden.

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