Wie die Washington Post am Mittwoch berichtete, hat das Pentagon vom Kongress Finanzmittel in Höhe von mehr als 200 Milliarden Dollar für den Angriffskrieg gegen den Iran beantragt. Diese Summe übersteigt die Ausgaben für Waffenlieferungen an die Ukraine in den letzten drei Jahren, die sich auf etwa 188 Milliarden Dollar beliefen.
Am Ausmaß dieses Antrags lässt sich ermessen, was für einen Krieg Trump entfesselt hat. Der Irankrieg ist keineswegs, wie der Präsident behauptet hat, ein bloßer „Ausflug“. Die vom Pentagon geforderten 200 Milliarden Dollar stellen sogar die höchsten jährlichen Kosten des Irakkriegs noch in den Schatten. Diese stiegen auf dem Höhepunkt im Jahr 2007, als das Land von etwa 170.000 Soldaten besetzt war, auf rund 140 Milliarden Dollar pro Jahr. Das bedeutet, die Regierung beantragt für den Krieg im Iran jetzt schon mehr Geld, als die acht Jahre andauernde Besetzung des Irak im teuersten Jahr gekostet hat – obwohl die Bodenoffensive im Iran noch gar nicht begonnen hat.
Allein in der ersten Woche hat der Krieg mehr als 11 Milliarden Dollar verschlungen.
Diese zusätzlichen Mittel kommen zum Verteidigungsetat für das Haushaltsjahr 2026 noch hinzu, der mit 839 Milliarden Dollar der größte in der Geschichte Amerikas ist und im Januar vom Kongress verabschiedet wurde. Zusammen mit den Ausgaben für die Geheimdienste, die Atomwaffenprogramme des Energieministeriums und anderen Ausgaben für die nationale Sicherheit belaufen sich die Gesamtausgaben für den US-Militärapparat auf über eine Billion Dollar pro Jahr.
Auch alle führenden Demokraten hatten Anfang des Jahres im Kongress für den Verteidigungshaushalt gestimmt. Im Repräsentantenhaus wurde es mit 341 zu 88 Stimmen angenommen, wobei der demokratische Minderheitsführer, Hakeem Jeffries, die stellvertretende Minderheitsführerin, Katherine Clark, und auch der Abgeordnete Pete Aguilar dafür stimmten. Der Senat stimmte mit 71 zu 29 Stimmen dafür, wobei der Minderheitsführer Chuck Schumer und der stellvertretende Minderheitsführer Dick Durbin auf derselben Seite standen. Die gleichen Demokraten, die sich heute als Kritiker des Krieges aufspielen, stimmten für die Finanzierung des Militärapparats, mit dem dieser Krieg geführt wird.
Schon vor Beginn des Krieges hatte Präsident Trump für das nächste Haushaltsjahr einen Verteidigungsetat von 1,5 Billionen Dollar gefordert, d. h. mehr als 50 Prozent höher als im letzten Jahr. Damit machte die Regierung deutlich, dass sie den Irankrieg als nur eine Front im Rahmen eines umfassenderen militärischen Aufmarschs gegen Russland und China betrachtet.
Im politischen Establishment mehren sich die Forderungen nach einer Bodenoffensive. Der republikanische Abgeordnete Pete Sessions (Texas) forderte am Dienstag auf CNN offen den Einsatz von US-Marines zur Besetzung der Insel Charg, dem wichtigsten Terminal des Iran für den Ölexport. Absurderweise behauptete er, die Erstürmung der Insel würde keinen Einsatz von Bodentruppen bedeuten. Der republikanische Senator Lindsey Graham schrieb auf X: „Wer die Insel Charg kontrolliert, der kontrolliert das Schicksal dieses Kriegs.“ Er beendete seinen Post mit den Worten „Semper Fi“, dem Motto des US Marine Corps.
Das amphibische Angriffsschiff USS Tripoli mit etwa 2.200 Marines der 31st Marine Expeditionary Unit (MEU) wurde am Dienstag in der Straße von Malakka in Südostasien geortet und befindet sich auf dem Weg in den Persischen Golf. In der Region befinden sich bereits etwa 50.000 US-Militärangehörige, die von drei Flugzeugträgerkampfgruppen unterstützt werden.
Auch die Serie systematischer Mordanschläge, in der seit Beginn des Krieges am 28. Februar der Oberste Führer des Iran und ein Großteil der führenden Mitglieder der Regierung ermordet wurde, wurde am 19. Tag des Krieges mit der Ermordung von Geheimdienstminister Esmaeil Khatib durch Israel in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch fortgesetzt. Der Sprecher des israelischen Militärs, General Effie Defrin, erklärte: „Wir werden weiterhin alle hohen Funktionäre des Regimes verfolgen. Die Serie von Attentaten wird nicht aufhören.“
Am Mittwoch kam es außerdem zu den folgenschwersten Angriffen auf die iranische Energieinfrastruktur seit Beginn des Krieges in Form von Luftangriffen auf das Gasfeld South Pars, aus dem der Iran 70 Prozent seines Erdgases bezieht. Der Iran feuerte daraufhin Raketen auf die katarische Industriestadt Ras Laffan ab, wo sich die weltweit größte Einrichtung zum Export von Flüssiggas befindet. Der staatliche Energiekonzern QatarEnergy erklärte, der Angriff habe „umfangreiche Schäden“ verursacht. Auch in Saudi-Arabien kam es zu Drohnen- und Raketenangriffen. Der Irak gab unterdessen bekannt, dass Importe von iranischem Gas, die für ein Drittel der irakischen Stromversorgung benötigt werden, völlig eingestellt wurden.
Die arbeitende Bevölkerung bezahlt bereits jetzt durch höhere Benzinpreise für den Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Der Preis für Brent-Rohöl stieg am Mittwoch auf 110 Dollar pro Barrel, was einem Anstieg von über 40 Prozent seit dem 28. Februar entspricht. In den USA ist der Benzinpreis um 29 Prozent auf 3,84 Dollar pro Gallone angestiegen. Diesel hat zum ersten Mal seit dem Höhepunkt der Inflation 2022 die Marke von fünf Dollar pro Gallone überschritten.
Bei der jährlichen Anhörung des Geheimdienstausschusses des Senats zu weltweiten Bedrohungen am Mittwoch widersprachen die Direktorin der Nationalen Geheimdienste Tulsi Gabbard sowie CIA-Direktor John Ratcliffe direkt Trumps früheren Rechtfertigungen für den Krieg, der Iran habe kurz vor der Entwicklung von Raketen gestanden, die die USA hätten erreichen können. Gabbard sagte aus, der Iran könne bis 2035 mit der Entwicklung einer Interkontinentalrakete „beginnen“, falls „Teheran diese Fähigkeit anstrebt“. Ratcliffe bestätigte, der Iran sei dabei, mit Langstreckenraketen „Erfahrungen zu sammeln“, weigerte sich aber, irgendein Zeitfenster zu nennen, innerhalb dessen er US-Staatsgebiet hätte bedrohen können.
Gabbard gab zu, dass die iranische Führung durch amerikanische und israelische Angriffe zwar „weitgehend ausgeschaltet“ sei, doch dass die Regierung „scheinbar noch intakt ist“.
Bei einer weiteren Anhörung vor dem Militärausschuss des Repräsentantenhauses stellten die beiden kapitalistischen Parteien den Irankrieg als eine der Fronten in einer sich über drei Kriegsschauplätze erstreckenden Konfrontation mit Russland, Iran und China dar. Die Demokraten nutzten die Anhörung, um die Regierung zu einer Antwort auf die Frage zu drängen, ob die USA noch zur NATO stünden – Trump hatte wiederholt öffentlich über einen möglichen Austritt gesprochen.
Die Demokraten lehnen den Krieg nicht grundsätzlich ab. Ihre Kritik lief auf den Vorwurf hinaus, die Trump-Regierung gehe nicht aggressiv genug gegen Russland und China vor und gefährde durch ihre Stümperei im Irankrieg und ihre Drohungen, die Nato aufzugeben, die größere militärische Konfrontation, welche beide Parteien als essenziell betrachten. Der demokratische Senator Adam Schiff erklärte, Russland sei „hier das Problem“ und warf der Regierung vor, „auf Kosten der Ukraine unseren Gegner Russland zu bereichern“. Zuvor hatte das Weiße Haus vorläufig die Sanktionen gegen russisches Öl aufgehoben, um den Anstieg der Energiepreise abzuschwächen. Der Abgeordnete Ro Khanna, der führende Demokrat im Sonderausschuss des Repräsentantenhauses zur Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), warnte, dass der Irankrieg die Streitkräfte überdehne und dadurch ausdünne und die Kampfbereitschaft der USA gegenüber China untergrabe.
Im Iran steigt die Zahl der Todesopfer indessen weiter an. Laut dem iranischen Roten Halbmond wurden im ganzen Land mindestens 47.000 Wohngebäude zerstört. Im Libanon wurden seit Beginn der israelischen Angriffe am 2. März mehr als 960 Menschen getötet und mindestens 2.400 verletzt; unter den Toten befinden sich mindestens 110 Kinder. Hinzu kommen dreizehn US-Militärangehörige, die seit Beginn des amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran getötet wurden.
