Fußball-WM 2026 – überschattet von Krieg, Unterdrückung und astronomischen Ticketpreisen

US-Präsident Donald Trump erhält am 5. Dezember 2025 den „Ersten FIFA-Friedenspreis“ von FIFA-Präsident Gianni Infantino [Photo: White House]

Nur wenige Tage vor Beginn des ersten Spiels der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 entwickelt sie sich zur teuersten und politisch brisantesten Sportveranstaltung in der Geschichte. Das Turnier, das vom 11. Juni bis zum 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada ausgetragen wird, ist das größte seiner Art – 48 Mannschaften, 104 Spiele, 16 Austragungsorte. Sponsoren aus der Wirtschaft haben hunderte Millionen investiert. Die FIFA rechnet mit Einnahmen von mehr als elf Milliarden Dollar über den Zeitraum von vier Jahren bis zur nächsten WM. In PR-Videos ist von „Einheit“, „Leidenschaft“ und der universellen Sprache des Fußballs die Rede. Die Botschaft wiederholt sich: Einen glorreichen Monat lang kommt die Welt zusammen.

Doch man muss nicht allzu tief unter die Oberfläche blicken, um die groteske Realität des Spektakels zu erkennen. Während die WM 2026 beginnt, führen die USA einen Angriffskrieg gegen den Iran, bereiten einen Krieg gegen Kuba vor und setzen sowohl ihre materielle Unterstützung für den Völkermord in Gaza als auch ihre Serie tödlicher Raketenangriffe auf Fischerboote in südamerikanischen Gewässern fort. Im Inland finden Massenverhaftungen und Abschiebungen von Immigranten in einem Tempo statt, das in der Geschichte der USA beispiellos ist. Sie sind Teil der Bestrebungen der Regierung, ein diktatorisches Regime gegen die Arbeiterklasse zu konsolidieren.

Den wichtigsten Fußballwettbewerb in diesem Umfeld auszurichten – veranstaltet zusammen mit genau jener Staatsmaschinerie, die für diese Katastrophen verantwortlich ist – legt einen offensichtlichen Vergleich nahe: die Fußball-WM 1978, die von der blutigen argentinischen Militärdiktatur organisiert wurde. Damals konnten politische Gefangene in der berüchtigten Technischen Marineschule (ESMA) in ihren Verliesen, in denen sie gefoltert wurden, die jubelnden Mengen im Stadion hören.

Ein Turnier unter Polizeistaatsbedingungen

Laut Vertretern der US-Regierung werden vor jedem Stadion und bei jedem Spiel ICE-Agenten eingesetzt werden. Der amtierende Heimatschutzminister Markwayne Mullin behauptete zwar, diese Einwanderungs-Gestapo würde keine Massenverhaftungen durchführen, betonte aber: „Die ICE setzt stets das Einwanderungsrecht durch, aber wir sind nicht allein zu diesem Zweck dort. Wir sind dort, um unsere Arbeit zu machen.“ Die ICE wird in Abstimmung mit dem FBI und dem Secret Service operieren.

Unterdessen haben Trumps Einreisebeschränkungen – die bis Mitte 2025 neunzehn Länder und damit mehr als 400 Millionen Menschen betrafen – für Fußballfans aus mehrheitlich muslimischen Ländern, aus afrikanischen Ländern mit hohen Ablehnungsquoten bei Visa-Anträgen sowie aus Lateinamerika einen Hinderniskurs geschaffen. Die „Welt, die im Jahr 2026 zusammenkommt“, wird eine Welt sein, die einem strengen Screening unterzogen wurde.

Die Arbeiter im SoFi Stadium in Los Angeles haben mit einem Streik gedroht, falls dort während der WM-Spiele ICE-Agenten eingesetzt werden. Der Koch des Stadions, Isaac Martinez, erklärte bei einer Protestveranstaltung außerhalb des Austragungsorts: „Die ICE sollte bei diesen Veranstaltungen keine Rolle spielen.“ Seine Sorge ist durchaus begründet: Die Vorgabe der FIFA, laut der Beschäftigte des Stadions vor dem Turnier persönliche Daten angeben müssen, schafft eine direkte Verbindung zu einer Behörde, die nachweislich jeden verhaftet, den sie als potenziellen „Ausländer“ einstuft, wobei der juristische Status zweitrangig ist.

Arbeiter des SoFi Stadium protestieren gegen den Einsatz der ICE bei der Weltmeisterschaft in Los Angeles [Photo: UNITE/HERE Local 11]

Neben diesen Arbeitern werden auch die Einwohner von Inglewood, einem Vorort von Los Angeles mit hohem Migrantenanteil, in dem sich das SoFi Stadium befindet, sowie Zehntausende von Fans aus Lateinamerika und anderen Teilen der Welt ins Fadenkreuz des militarisierten Einwanderungsapparats geraten, der auf der Grundlage von Notstandsvollmachten und unter Missachtung des Gesetzes agiert.

Amnesty International und zahlreiche weitere Organisationen für Menschen- und Migrationsrechte haben einen „Reiseratgeber für die WM 2026“ herausgegeben. Darin warnen sie potenzielle Besucher vor willkürlicher Einreiseverweigerung, Festnahme, Verhaftung, Abschiebung, umfassende Durchsuchung der Handys und Social-Media-Konten, Racial Profiling und, im schlimmsten Fall, grausamer oder entwürdigender Behandlung in Hafteinrichtungen für Immigranten.

Die Sorge vor drohender Misshandlung durch die US-Einwanderungsbehörden ist ein wichtiger Grund für den bereits massiven Rückgang des internationalen Tourismus in die USA. Im April 2026 lagen die Besucherzahlen um 14,1 Prozent unter denen des Vorjahres, und im Jahr 2025 kamen vier Millionen weniger Besucher in die USA als noch 2024.

Iran, Kongo und die Politik der Ausgrenzung

Der Iran hat sich für das Turnier qualifiziert und seine Absicht zur Teilnahme erklärt. Nach Angaben eines US-Regierungsvertreters haben die Spieler jedoch erst in der Nacht zum Freitag (5. Juni) ihre US-Visa erhalten – also gerade einmal zehn Tage vor dem ersten ihrer drei Gruppenspiele, die alle in den USA stattfinden. Angesichts dessen musste die Mannschaft ihr Trainingslager jenseits der Grenze im mexikanischen Tijuana einrichten. Zwölf Angehörigen der Delegation wurde das Visum verweigert, darunter dem Teammanager, Abgesandten des Außenministeriums, der Sicherheitsabteilung und dem Pressesprecher des Teams, wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtet. Trump warnte in den sozialen Medien: „Die iranische Fußballmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft willkommen, aber ich glaube wirklich nicht, dass es im Interesse ihres Lebens und ihrer Sicherheit wäre, hier zu sein.“ Dies wurde allgemein als versteckte Morddrohung gegen eine Mannschaft aufgefasst, die an einer internationalen Sportveranstaltung teilnehmen will.

Die Demokratische Republik Kongo wurde mit einem anderen Mechanismus Ziel von Angriffen. Sie hatte sich nach 52 Jahren zum zweiten Mal für eine Weltmeisterschaft qualifiziert – eine historische Leistung. Die US-Behörden forderten jedoch eine 21-tägige Quarantäne für die kongolesische Delegation, was sie mit dem Ebola-Ausbruch im Kongo rechtfertigten – obwohl alle Mitglieder der Mannschaft als Profis in Europa spielen und seit Beginn des Ausbruchs keiner von ihnen mehr im Land war. Kongolesische Fans dürfen wegen eines Einreiseverbots, das die Regierung wegen Ebola verhängt hat, nicht in die USA einreisen. Angesichts der Tatsache, dass die USA mit über 103 Millionen Fälle und 1,2 Millionen Todesopfer die weltweit verheerendste Corona-Bilanz aufweisen, kann der Schutz der öffentlichen Gesundheit als Vorwand für eine derartige Demütigung nur als imperiale Verachtung gegenüber dem afrikanischen Kontinent gewertet werden.

Durch hohe Preise verdrängt: Der Klassencharakter der WM 2026

Abgesehen vom Polizeistaatsapparat und den geopolitischen Provokationen zeigt auch die wirtschaftliche Struktur der WM 2026 unverkennbar ihren Klassencharakter. Zum ersten Mal in der 23 Turniere umfassenden Geschichte der Weltmeisterschaft richten sich die Ticketpreise nicht nach festen Kategorien, sondern wurden durch „dynamische Preisbildung“ bestimmt – einem Marktmechanismus, der bisher auf US-Sportveranstaltungen und -Konzerte beschränkt war. Dies bedeutet, dass die Preise je nach Zahlungsbereitschaft wohlhabender Bieter schwanken.

Ein Vergleich mit der WM 2018 in Russland ist aufschlussreich. Damals kostete das teuerste Ticket für das Endspiel 1.100 Dollar, das billigste 110 Dollar. Das waren zwar stolze Preise, aber für einen engagierten Fan noch bezahlbar. Die Preise für 2026 bewegen sich in einer völlig anderen Größenordnung. Auf dem Zweitmarkt kosteten Tickets für das Eröffnungsspiel im Estadio Azteca in Mexiko bereits bis zu 2.500 Dollar; unter 1.000 Dollar sind keine zu bekommen. Für das Endspiel beginnen die Preise auf den Wiederverkaufs-Plattformen bei 10.990 Dollar und gehen bis zu 32.000 Dollar. Die FIFA selbst – und nicht etwa Ticket-Spekulanten – verlangt für Premiumtickets für das Endspiel 32.970 Dollar. Berichten zufolge wurde ein Ticket sogar für 2,3 Millionen US-Dollar angeboten.

Die Staatsanwaltschaften von New York und New Jersey haben Ermittlungen gegen die FIFA eingeleitet. Sie werfen ihr vor, sie habe mit ihrem Ticketsystem die Schaffung von „künstlicher Knappheit“ mit offenem „Wucher“ kombiniert. Auch der Generalstaatsanwalt von Kalifornien hat eine Untersuchung gegen das „dynamische Preisbildungsmodell“ der FIFA eingeleitet.

Die Hotelpreise in den Austragungsorten sind bereits in die Höhe geschossen. Eine Zugfahrt von New York City zum MetLife Stadium – eine Strecke von rund 15 Kilometern und etwa 22 Minuten Fahrzeit – beginnt bei 98 Dollar pro Fahrt. In diesem Stadion selbst, das nach einem Krankenversicherungskonzern mit einem Wert von 51,4 Milliarden Dollar benannt ist, wird das Endspiel am 19. Juli stattfinden. Die FIFA hat durchgesetzt, dass dieses und einige weitere Stadien für die Dauer der Spiele neutrale Namen von Städten und Bundesstaaten erhalten. Diese ungewöhnliche Maßnahme entspricht der „Markenschutzpolitik“ der FIFA, die garantiert, dass ihre Sponsoren das Exklusivrecht erhalten, dass ihre Namen überall an den Austragungsorten prangen. Nichts könnte besser verdeutlichen, wie ein Sport, dessen weltweites Publikum überwiegend aus der Arbeiterklasse kommt, von den Konzernen übernommen wird.

Die Gesamteinnahmen des Turniers werden auf 665 Millionen Dollar geschätzt – ein Anstieg um 34 Prozent gegenüber der letzten WM. Das erklärte Ziel der FIFA ist es, „positive gesellschaftliche Veränderungen zu fördern“, doch wie Professor Richard Sheehan, Wirtschaftswissenschaftler an der University of Notre Dame und Autor des Buchs Keeping Score: The Economics of Big Time Sports, erklärt, wird diese Behauptung „durch eine von Korruption und fehlender Transparenz geprägten Bilanz Lügen gestraft.“

Die Vereine selbst befinden sich im Besitz globaler Oligarchen. Der FC Chelsea gehört Todd Boehly (Vermögen: 9,3 Milliarden Dollar). Paris Saint-Germain gehört der katarischen Königsfamilie. Laut Forbes gibt es weltweit 3.428 Milliardäre und fast 30.000 Personen, deren Vermögen 100 Millionen Dollar überschreitet. Für diese Gesellschaftsschicht ist es kein Skandal, ein Ticket für das WM-Finale für 2,3 Millionen Dollar anzubieten – es ist eine rationale geschäftliche Entscheidung.

Das unersättliche Gewinnstreben

Die Kommerzialisierung des Sports hat neben Ticketpreisen auch zu anderen, weniger sichtbaren Kosten geführt. Elite-Fußballer haben einst etwa 50 Spiele pro Jahr absolviert; heute sind es aufgrund der Ausweitung der Turniere durch die FIFA und den unablässigen kommerziellen Druck 70 Spiele. Wissenschaftliche Begutachtungen belegen, dass diese Erhöhung die zelluläre Regeneration grundlegend stört, die Wahrscheinlichkeit ernsthafter Gelenkverletzungen verdreifacht und die Karrieren von Spitzenspielern um drei bis fünf Jahre verkürzen kann. Gleichzeitig wurden die außergewöhnlichen Begabungen der Sportler – etwa Messis verblüffende Fähigkeit, Verteidiger zu umgehen, Mbappés explosive Antrittsschnelligkeit – sorgfältig von den Sportkonzernen kultiviert und in Markenelemente verwandelt, die jährlich hunderte Millionen Dollar durch Merchandising, Werbung und Senderechte generieren. Die Spieler bezahlen dafür mit verkürzten Karrieren und einem ruinierten Körper. Die Besitzer streichen die Einnahmen ein.

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat im letzten Dezember den Ton für das Turnier vorgegeben, als er Trump den „FIFA-Friedenspreis“ verlieh – ein Versuch, an Trumps bittere Enttäuschung darüber zu appellieren, dass er bei der bekannteren Auszeichnung des Nobel-Komitees übergangen wurde. Der Preis lieferte nicht nur eine weitere vergoldete Dekoration für das Oval Office, sondern symbolisierte auch die Unterordnung der WM unter den Möchtegern-Führer sowie die Fusion der korrupten Ziele von FIFA und Trump-Regierung. Sie spricht Bände über den moralischen Bankrott des Fußball-Weltverbands.

Trump ernannte sich daraufhin selbst zum Vorsitzenden der Taskforce, die die WM organisiert und deren Hauptquartier sich praktischerweise im Trump Tower in Manhattan befindet. Damit signalisierte er seine Absicht, das Turnier in eine weitere dubiose Geldquelle für die Trump-Familie zu verwandeln. Die Struktur der WM spiegelt die gleiche Machthierarchie wider: Das Eröffnungsspiel wird im Estadio Azteca in Mexico City stattfinden, doch das Viertel- und Halbfinale sowie das Endspiel an Austragungsorten in den USA, ebenso wie sieben der acht Achtelfinalpartien. Die geografische Verteilung des Turniers deckt sich exakt mit der Geografie imperialer Macht.

Der Versuch, die WM als Instrument zur Gewinnung von Reichtum zu nutzen, bleibt nicht unbeantwortet. Der angedrohte Streik der Arbeiter des SoFi Stadium ist ein Ausdruck des breiteren Widerstands. In Mexiko haben Lehrer, die in der Gewerkschaft CNTE organisiert sind, angekündigt, vor den Toren des Estadio Azteca für höhere Löhne und Renten zu streiken und zu protestieren. Am Dienstag blockierten demonstrierende Lehrer in Mexico City die wichtigsten Straßen und verbrannten Fußbälle, während die Sicherheitskräfte Tränengas, Gummigeschosse und Knüppel gegen sie einsetzten.

Streikende Lehrer in Mexiko City werden am 2. Juni mit Tränengas und Gummigeschossen angegriffen [Photo: CNTE]

Und das Publikum der WM selbst erzählt eine komplexere Geschichte als es die Organisatoren beabsichtigen: 75 Prozent der Amerikaner wissen, dass die USA die WM ausrichten, und etwa die Hälfte davon will sie verfolgen. Doch fast ein Drittel wünschen den Sieg eines anderen Landes neben oder statt den USA. Diese Stimmung verdeutlicht die Wurzeln in der Zuwanderung, die keine nationalistische Demagogie auslöschen kann.

Sozialisten teilen die Verachtung der herrschenden Klasse für den Sport nicht. Fußball ist auf elementarster Ebene ein großartiger Ausdruck kollektiver menschlicher Kreativität: Geschick, Bewegung, Zusammenarbeit, Drama. Die Arbeiterklasse hat das Spiel in ihrer modernen Form erfunden, die Arbeiterklasse füllt die unteren Ränge der Stadien und hat die Kultur dieses Sports seit mehr als einem Jahrhundert geprägt.

Die WM 2026, die unter den Bedingungen von eskalierendem Krieg und Unterdrückung stattfindet, ist der Versuch einer krisengeschüttelten herrschenden Klasse, mit 104 Spielen und sorgfältig inszeniertem Nationalismus die Klassengegensätze zu übertünchen, die ihre Gesellschaft zerreißen. Arbeiter in den USA sollen für „ihre“ Mannschaft jubeln, was sie angeblich mit einer herrschenden Klasse und deren Regierung verbindet, die ihre Nachbarn in Haftlager sperrt, für deren Kriege sie durch hohe Nahrungsmittel- und Benzinpreise bezahlen muss und die bewaffnete Schläger gegen Bürger einsetzt, wenn diese ihre demokratischen Rechte einfordern. Das Gegenmittel gegen diesen nationalistischen Appell ist nicht Gleichgültigkeit gegenüber dem Sport, sondern politisches Klassenbewusstsein: Die Erkenntnis, dass ein mexikanischer, ein amerikanischer und ein iranischer Arbeiter gemeinsame Klasseninteressen haben, die kein Fahnenschwenken auflösen kann.

Das Turnier wird stattfinden. Die wohlhabenden Zuschauer auf den Rängen werden jubeln. Die Inhaber der Fernsehrechte werden enorme Gewinne einfahren. Doch die sozialen Widersprüche, die dieses Spektakel unterdrücken soll – Ungleichheit, Unterdrückung und Kriege – werden nicht auf dem Fußballplatz gelöst werden, sondern im verschärften globalen Klassenkampf.

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