Trotz der weit verbreiteten Proteste nach der Entlassung des ehemaligen ukrainischen Verteidigungsministers Mychailo Fedorow bestätigte das ukrainische Parlament am 19. August einstimmig Jewgen Chmara als Nachfolger des vorherigen, vom Westen unterstützten Fedorow zum Verteidigungsminister.
Fedorows Entlassung löste Proteste von aggressiv kriegsbefürwortenden Schichten aus, an denen sich Zehntausende beteiligten. Fedorow wird mit der massiven Eskalation von Drohnenangriffen der Ukraine und der NATO auf Russland assoziiert. So war bei den Protesten in Kiew zu seiner Unterstützung auf einem der vielen reaktionären Plakate zu lesen: „Fedorow = mehr tote Russen, Syrskyj [ehemaliger Oberbefehlshaber der Armee] = mehr tote Ukrainer“. Auch führende ukrainische Politiker und Vertreter der EU kritisierten Fedorows Absetzung, von der sie laut Guardian „überrumpelt“ wurden.
Kurz nach Fedorows Entlassung ernannte Selenskyj den bisherigen Leiter des ukrainischen Geheimdienstes SBU, Chmara, zum amtierenden Verteidigungsminister. Chmara war erst im Januar 2026 zum amtierenden Direktor des SBU ernannt worden – der Behörde, die maßgeblich für die Steuerung der Terrorkampagne gegen Gegner des Kriegs und des Selenskyj-Regimes im Inland verantwortlich ist.
Der SBU, der dafür berüchtigt ist, von Neonazis durchsetzt zu sein, hat die Verfolgung des ukrainischen Sozialisten Bogdan Syrotjuk initiiert und geleitet, der vor kurzem wegen seines internationalistischen Widerstands gegen den Krieg und seiner Enthüllungen über den ukrainischen Faschismus zu 15 Jahren Haft verurteilt worden ist. Chmaras Ernennung zum Leiter des SBU wurde von dem Rassisten Andrij Biletzki unterstützt, dem Gründer und ehemaligen Befehlshaber der Neonazi-Gruppe Asow-Bataillon und aktuellen Kommandanten der faschistischen 3. Sturmbrigade der ukrainischen Armee.
Kurz vor der Parlamentsabstimmung über seine Ernennung zum Verteidigungsminister hatte Chmara an der feierlichen Umbettung von Jewhen Konowalez teilgenommen, dem Gründer der faschistischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN). Selenskyj und Chmara wurden fotografiert, wie sie sich bei dieser faschistischen Veranstaltung gut gelaunt die Hände schütteln – womit Chmara und der gesamte ukrainische Staat ihr uneingeschränktes Eintreten für die Eskalation des Kriegs und die Unterstützung faschistischer Kräfte demonstrierten.
Chmaras Ernennung zielt darauf ab, angesichts des wachsenden Widerstands gegen den Krieg und der brutalen Kampagne zur zwangsweisen Rekrutierung von Männern für das Gemetzel die Rolle des SBU in der Ukraine weiter zu stärken. In den letzten Wochen hat die öffentliche Unzufriedenheit über den Krieg deutlich zugenommen. Fast jeden Tag kursieren in der Ukraine und weltweit Videos, auf denen zu sehen ist, wie Menschen auf der Straße entführt und Rekrutierungsoffiziere angegriffen werden oder wie Frauen sie anflehen, ihre Männer zu verschonen.

Für besondere Empörung sorgte die Zwangsrekrutierung körperlich und psychisch kranken Menschen, die laut Gesetz von der Mobilisierung ausgenommen sind. In einem Fall wurde ein 46-jähriger Mann mit schweren psychischen und gesundheitlichen Problemen, der etwa 200 Kilogramm wog, als „wehrdiensttauglich“ eingestuft. Laut seiner Mutter, die auch seine Betreuerin war, verstand er nicht einmal, dass Krieg herrscht. Er starb kurze Zeit später im Rekrutierungszentrum.
Außerdem gab es zahlreiche Fälle, in denen Menschen unter ungeklärten Umständen in den Territorialen Rekrutierungszentren (TRC) gestorben sind, nachdem sie entführt worden waren. Einer davon, Mykola Mischtschenko (34), starb zwei Tage nach seiner Zwangsrekrutierung. Seine Mutter erklärte, seine Leiche sei mit Blutergüssen übersät und ein Arm gebrochen gewesen. Die Polizei behauptete, genau wie bei vielen ähnlichen Todesfällen, er sei aus dem Fenster gefallen.

Die Zeit veröffentlichte vor kurzem einen Bericht, in dem sie einräumte, dass Hunderte von ukrainischen Soldaten, die zur militärischen Ausbildung nach Deutschland geschickt werden, bei der erstbesten Gelegenheit desertieren. Und selbst das Magazin The Nation, das den Krieg befürwortet, veröffentlichte vor kurzem einen ausführlichen Artikel über die wachsende Zahl von Wehrdienstverweigerern, die faktisch in den Untergrund gehen, um nicht an die Front und in den Tod geschickt zu werden. Letzte Woche beschrieb die berühmte ukrainische Popikone Olja Poljakowa – die Berichten zufolge mit Selenskyj befreundet war – das Land in einem weit verbreiteten Interview als „Konzentrationslager“. Der Blogger Marian Chawa, der die gewaltsame Mobilisierungskampagne kritisiert hatte, wurde vor kurzem wegen „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

Unter diesen Bedingungen ist Charmas Ernennung sowohl eine Drohung als auch eine Provokation gegenüber einer Bevölkerung, die ihre Weigerung, im Krieg gegen Russland als Kanonenfutter verheizt zu werden, immer deutlicher zum Ausdruck bringt.
Die Ernennung steht auch im Zusammenhang mit den eskalierenden Fraktionskämpfen innerhalb der herrschenden Klasse. Chmaras Ernennung erlaubt es Selenksyj, den SBU weiterhin zu nutzen, um seine zunehmend unter Druck geratene Position innerhalb des Staats gegen die vom Westen unterstützte Antikorruptionsbehörde NABU zu stärken. Diese hatte zahlreiche Korruptionsverfahren gegen hochrangige Verbündete Selenskyjs innerhalb und außerhalb der Regierung eingeleitet. Die NABU wurde nach dem vom Westen unterstützten Putsch von 2014 eingerichtet, bei dem der gewählte Präsident Wiktor Janukowytsch gestürzt wurde. Die 2015 von der rechten nationalistischen Regierung unter Petro Poroschenko gegründete Behörde wurde vollständig unter der Leitung der USA gegründet und geführt. Ihr Personal wird direkt vom FBI und der Europäischen Union ausgebildet.
Am gleichen Tag, an das Parlament Chmara bestätigte, koordinierte die NABU die Entlassung des Aufsichtsratsvorsitzenden sowie die Suspendierung des Vorstandschefs der staatseigenen Sense Bank. Dies geschah im Rahmen umfangreicher Korruptionsermittlungen gegen die Bank, die in direktem Zusammenhang mit dem massiven 100-Millionen-Dollar-Energoatom-Skandal standen, der im November letzten Jahres öffentlich wurde. Die Vorwürfe führten zum Rücktritt oder der Entlassung von Energieministerin Switlana Hryntschuk und von Justizminister Herman Haluschenko sowie später auch von Selenskyjs Stabschef Andrij Jermak und Verteidigungsminister Rustem Umerow.
Laut den jüngsten Vorwürfen sollen die in die Ermittlung verwickelten Verdächtigen 3,4 Millionen Dollar Schwarzgeld über die Sense Bank gewaschen haben, um die Kaution für den ehemaligen Energie- und Justizminister Haluschenko zu stellen. Die ranghöchste Verdächtige ist Selenskyjs stellvertretende Stabschefin Iryna Mudra, die nach der Ankündigung der jüngsten NABU-Untersuchungen gegen das Selenskyj-Regime entlassen wurde.
Der Korruptionsskandal ist zwar eindeutig Teil eines Versuchs, offene Rechnungen innerhalb der herrschenden Klasse zu begleichen, hat aber gesellschaftlich brisante Implikationen. In einem bitterarmen Land, in dem Tausende, darunter psychisch und physisch Beeinträchtigte, entführt und in den nahezu sicheren Tod an der Front geschickt werden, entlarvt der Vorfall den wahren Klassencharakter des Kriegs. Nach über vier Jahren und hunderttausenden Toten zeigt der Korruptionsskandal zweifelsfrei, dass Selenskyj und die Oligarchie, die er repräsentiert, den Krieg vor allem als Gelegenheit zur persönlichen Bereicherung ansehen.
Selenskyjs Entscheidung, den vom Westen unterstützten Fedorow zu entlassen und durch einen SBU-Veteranen zu ersetzen, offenbart die schwere Krise der gesamten Kriegsführung und der herrschenden Klasse. Unter diesen Umständen positioniert sich der ehemalige amtierende Verteidigungsminister Fedorow als derjenige, dem man zutraut, sowohl den Krieg gegen Russland zu eskalieren als auch die zunehmende Unzufriedenheit der Bevölkerung besser zu bewältigen.
Am Abend des 18. August veröffentlichte Fedorow eine Videoansprache, in der er gegen die Korruption in der Regierung wetterte und Präsidentschaftswahlen forderte (welche die Selenskyj-Regime nach der Ausrufung des Kriegsrechts im Februar 2022 auf undemokratische Weise ausgesetzt hat). Fedorow erklärte: „Es ist gefährlich, wenn sich in der Gesellschaft das Gefühl ausbreitet, dass wichtigste Kriterium für eine Ernennung sei nicht Professionalität, Ergebnisse oder die Fähigkeit, das Land zu verändern, sondern persönliche Loyalität zum System.“ Damit gab er implizit zu, dass sich die ukrainische herrschende Klasse in einer schweren Krise befindet.
Für Arbeiter und Jugendliche in der Ukraine liegt der Weg vorwärts nicht darin, sich auf die Seite der einen oder der anderen Fraktion der Oligarchie zu stellen. Vielmehr muss sie sich dem politischen Programm zuwenden, für das der Sozialist Bogdan Syrotjuk verhaftet und zu 15 Jahren verurteilt wurde: der Mobilisierung und Vereinigung der Arbeiterklasse in Russland, der Ukraine und international für ein Ende des Kriegs und des gesamten kapitalistischen Systems.
