Wadim S. Rogowin
1937 – Jahr des Terrors

»Gab es eine Alternative?« – Band 4

Die große Säuberung von 1936 bis 1938 in der Sowjetunion war kein irrationaler, sinnloser und krankhafter Gewaltausbruch. Es handelte sich vielmehr um einen präventiven Bürgerkrieg gegen jene sowjetischen und ausländischen Kommunisten, die potentiell oder tatsächlich eine Alternative zu Stalins totalitärem Regime boten. Wadim Rogowins »1937 – Jahr des Terrors« beschreibt einen Wendepunkt in der Geschichte der Sowjetunion.

Fast alle Kommunisten, die sich aktiv an der Oktoberrevolution beteiligt hatten oder unter ihrem Einfluss in die Politik gekommen waren, fielen dem stalinschen Terror zum Opfer und wurden ersetzt durch Karrieristen, die ihren Aufstieg der aktiven Beteiligung an den Fälschungen, Verfolgungen und Misshandlungen verdankten. Die gesellschaftlichen und politischen Folgen dieses politischen Völkermords waren verheerend: Die Vernichtung einer Generation von Kommunisten und ihrer Familienangehörigen löschte das soziale und das historische Gedächtnis der Bevölkerung aus; der Terror erstickte auf lange Zeit die Bereitschaft, das Bestreben und die Fähigkeit, nach neuen Ideen zu suchen.

In der Sowjetunion war das Thema des Großen Terrors bis Ende der 1980er Jahre für objektive Untersuchungen tabu. Die Werke, die darüber im Westen erschienen, litten unter grundlegenden Mängeln: Sie konnten sich nur auf eingeschränkte historische Quellen stützen; die meisten dienten aber schlichtweg den ideologischen Vorgaben des Kalten Kriegs. Rogowins umfangreiche Untersuchung über den Großen Terror stützt sich auf Materialien aus sowjetischen Archiven sowie eine Vielzahl von neuen Memoirenquellen und begründet damit ein neues Kapitel der Geschichtsschreibung zur großen Säuberung.

Die Gesamtausgabe der sechs Bände ist hier erhältlich, übersetzt von Hannelore Georgi und Dr. Harald Schubärth.

Erschienen 1998
591 Seiten
ISBN: 978-3-88634-071-2
E-Book-Formate: PDF, ePUB und MOBI

Über den Autor

Wadim S. Rogowin (1937–1998) war der größte russische marxistische Soziologe und Historiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als Doktor der Philosophie und Professor am Soziologischen Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau untersuchte er die soziale Differenzierung in der sowjetischen Gesellschaft. Nach der Auflösung der Sowjetunion 1991 begann Rogowin mit der intensiven Arbeit an seinem Werk »Gab es eine Alternative?«. Bis zu seinem Tod am 18. September 1998 entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit dem Internationalen Komitee der Vierten Internationale.