Die Taliban die Vereinigten Staaten und die Ressourcen Zentralasiens

Teil 1

Von Peter Symonds
31. Oktober 2001

Der zweite und letzte Teil dieses Artikels zur Geschichte der Taliban-Bewegung in Afghanistan erscheint morgen.

Das Ziel der jüngsten amerikanischen Militäraggression sind die Taliban in Afghanistan. In der umfassenden Berichterstattung der Medien zum "Krieg gegen den Terrorismus" sucht man jedoch vergebens nach einer schlüssigen Erklärung für die Entstehung dieser islamisch-extremistischen Organisation, ihrer gesellschaftlichen und ideologischen Grundlage und ihres Aufstiegs an die Macht. Dieses Versäumnis ist kein Zufall. Jede ernsthafte Untersuchung der Taliban enthüllt die Schuld Washingtons bei der Förderung des derzeitigen theokratischen Regimes in Kabul.

Die Bush-Regierung wettert gegen die Taliban, weil sie den islamischen Extremisten Osama bin Laden und seine Al Qaida-Organisation beherbergen. Aber während der gesamten 1980-er Jahre finanzierten aufeinanderfolgende amerikanische Regierungen den islamischen Heiligen Krieg oder Dschihad von Mudschahidin-Kämpfern gegen die von Moskau unterstützte Regierung in Kabul mit Milliarden von Dollar, um die Sowjetunion zu schwächen. Weiterhin gaben sich die Vereinigten Staaten bis in die späten 1990-er Jahre blind gegenüber dem islamischen Fundamentalismus und der rückwärts gewandten Sozialpolitik der Taliban, die von den zwei engsten Alliierten Washingtons in der Region, Saudi Arabien und Pakistan, unterstützt wurden.

Der ausschlaggebende Faktor im Hin und Her der Washingtoner Haltung gegenüber Afghanistan war nicht die Bedrohung durch den islamischen Extremismus sondern die Frage, wie die neuen Möglichkeiten am besten auszunutzen seien, die sich seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 in Zentralasien ergeben hatten. Während des vergangenen Jahrzehnts wetteiferten die Vereinigten Staaten mit Russland, China, den europäischen Mächten und Japan um politischen Einfluss in dieser strategischen Schlüsselregion und das Recht, die größten unerschlossenen Öl- und Gasreserven der Welt in den neu entstandenen zentralasiatischen Republiken Turkmenistan, Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisien auszubeuten.

Der Schlüssel zu den gewaltigen potentiellen Profiten in Zentralasien ist die Verteilung - der Transport von Öl und Gas aus dieser isolierten und rückständigen Region ohne Zugang zum Meer zu den Energiemärkten der Welt. Die einzigen existierenden Pipelines sind die des alten sowjetischen Verteilungsnetzes, die durch Russland laufen. Als das Hickhack um die Ressourcen der Region zunahm, wurden die Ziele der Vereinigten Staaten deutlich. Sie wollten das ökonomische Monopol Russlands unterlaufen und gleichzeitig sicherstellen, dass andere Rivalen aus dem Rennen gehalten würden. Die Pipelines sollten demnach durch Länder verlaufen, auf die die Vereinigten Staaten erheblichen politischen Einfluss ausüben konnten, was China und den Iran ausschloss.

Die zentralasiatischen Republiken waren früher Teil der Sowjetunion und hatten lange Grenzen mit China und dem Iran. Für eine Pipeline, die nicht durch Russland, China und den Iran laufen sollte, blieben daher nur zwei Alternativen. Eine war eine gewundene Route durch das Kaspische Meer, den Kaukasus über Aserbaidschan und Georgien und dann durch die Türkei. Die zweite Route durch Afghanistan und Pakistan war kürzer, warf aber umgehend schwierige politische Fragen auf. Mit wem sollte man in Afghanistan verhandeln und wie konnte die politische Stabilität erreicht werden, die zum Bau und Unterhalt der Pipelines notwendig war?

Nach dem Sturz des von der Sowjetunion gestützten Regimes von Mohammed Nadschibullah 1992 wurde Kabul zu einem Schlachtfeld rivalisierender Mudschahidin-Milizen. Der nominale Kopf der Regierung war Professor Burhanuddin Rabbani, der einer höchst instabilen Koalition mit wechselnden Partnern vorstand, die sich vor allem auf ethnische Tadschiken und Usbeken aus Nordafghanistan stützte. Die rivalisierende Hizb-e-Islami-Miliz, die sich aus der paschtunischen Mehrheit aus Südafghanistan zusammensetzte, war ebenfalls in den Vororten Kabuls verschanzt. Sie stand unter der Führung von Gulbuddin Hekmatjar, der die Positionen der Regierung in der Hauptstadt unter heftiges Sperrfeuer nahm.

Auf beiden Seiten des Konflikts, der die Hauptstadt in Schutt legte und eine Flüchtlingswelle nach der anderen hervorrief, standen weitere Milizen, die die unzähligen ethnischen und religiösen Spaltungen des Landes widerspiegelten. Die Rivalitäten reflektierten nicht nur lokale Animositäten sondern auch die Interessen verschiedener Staaten und Geldgeber, die jeder für sich die Etablierung ihrer eigenen Vorherrschaft betrieben. Pakistan unterstützte Hekmatjar, der Iran stand hinter den schiitischen Hazara und Saudi Arabien finanzierte eine ganze Reihe von Gruppen, vor allem solche, die mit ihrer Spielart des Islam, dem Wahabbismus, sympathisierten. Die zentralasiatischen Republiken unterhielten Verbindungen zu den ethnischen Gruppen in Nordafghanistan, und im Hintergrund hatten Indien, Russland und die Vereinigten Staaten allesamt ihre Hand im politischen Leben Afghanistans.

Die Situation in Kabul spiegelte im Kleinen die Situation des gesamten Landes wider. Die Rabbani-Regierung verfügte über keine wirkliche Autorität außerhalb der Gebiete, die unter ihrer unmittelbaren militärischen Kontrolle standen. Das Land war unter den rivalisierenden Milizen aufgeteilt, die Wirtschaft und die soziale Struktur lagen in Trümmern. Über eine Million Menschen waren in den 1980-er Jahren im Krieg gegen das von der Sowjetunion unterstützte Regime gestorben und viele andere zu Flüchtlingen geworden. Mitte der 1990-er Jahre lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei nur 44 Jahren und ein Viertel aller Kinder starb vor Erreichen des fünften Lebensjahres. Nur 29 Prozent der Bevölkerung hatten Zugang zu medizinischer Versorgung und bloß zwölf Prozent Zugang zu sicherem Trinkwasser.

Die paschtunischen Gebiete im Süden, wo 1994 die Taliban entstanden, waren mit am stärksten vom Chaos gekennzeichnet. Kandahar, die zweitgrößte Stadt des Landes, war zwischen drei verschiedenen Kriegsherren aufgeteilt, und die Umgebung litt unter der von Willkür geprägten und oft brutalen Herrschaft Dutzender Milizführer. Die Region, die zu den wirtschaftlich rückständigsten und gesellschaftlich konservativsten in Afghanistan gehörte, hatte traditionell die Könige des Landes gestellt. Lokale Vorbehalte gegen die neue tadschikische und usbekische Führung in Kabul verbanden sich mit der Verzweiflung, die von den unerträglichen ökonomischen und sozialen Bedingungen erzeugt wurde.

Südafghanistan war allerdings auch die bevorzugte Route für eine Reihe von vorgeschlagenen Streckenführungen der Pipeline von Turkmenistan nach Pakistan. Ein argentinischer Konzern, Bridas, war der erste, der ins Rennen trat. Der Konzern erhielt von Turkmenistan 1992/93 die Rechte, die Gasfelder des Landes zu erschließen und auszubeuten. 1994 eröffnete Bridas Gespräche mit den Regierungen von Turkmenistan und Pakistan über den Bau einer Gaspipeline, die im Frühjahr 1995 zur Unterzeichnung eines Abkommens über eine Machbarkeitsstudie führten. Bridas hatte ursprünglich versucht, den amerikanischen Energiegiganten Unocal in das Projekt einzubinden. Unocal hatte eigene Pläne, unterschrieb später im selben Jahr ein separates Abkommen über eine Pipeline und löste damit eine scharfe Rivalität und juristische Schlacht zwischen den beiden Konzernen aus.

Alle Pipeline-Pläne setzten eine politische Lösung für die chaotischen Verhältnisse entlang der geplanten Route voraus. Auch weniger gewichtige Wirtschaftsinteressen waren strebten danach, die Vielzahl von kleinen Kriegsherren und Milizen aus dem Weg zu räumen. Die Straße von Quetta in Pakistan durch Kandahar und Herat nach Turkmenistan war die einzige Transportroute nach Zentralasien, die eine Alternative zur nördlichen Straße durch das umkämpfte Kabul darstellte. Die Transportgesellschaften und Lastwagenbesitzer, die vom zentralasiatischen Handel und Schmuggel profitieren, mussten hohe Bestechungsgelder an jeden einzelnen Milizenführer zahlen, damit ihre Laster passieren konnten - eine Situation, die sie beendet wissen wollten.

Die Ursprünge der Taliban

Inmitten dieser Gespräche erschien die Taliban-Bewegung als mögliche Lösung. Das heißt nicht, dass die Taliban - Schüler oder "Talib" aus Koranschulen oder "Madrassen" - einfach eine Kreation der Regierungen und Geschäftsinteressen waren. Das plötzliche Auftreten dieser neuen Bewegung 1994 und die Geschwindigkeit ihres Wachstums und Erfolges waren das Ergebnis von zwei Faktoren: Zum einen waren sie das Resultat des gesellschaftlichen und politischen Niedergangs, der einen ständigen Nachschub an Rekruten erzeugte, zum anderen war ihr Aufstieg das Ergebnis externer Hilfe von Pakistan, Saudi Arabien und - höchstwahrscheinlich - den Vereinigten Staaten in Form von Geldern, Waffen und Beratern.

Obwohl eine Reihe von Taliban-Führern in dem von Amerika finanzierten "Dschihad" gegen die Sowjetunion gekämpft hatten, war die Bewegung keine Abspaltung von anderen Mudschahidin-Fraktionen oder ein Zusammenschluss aus diesen. Sie stützte sich größtenteils auf eine neue Generation, die an den Kämpfen der 1980-er Jahre nicht direkt beteiligt war. Die Rekruten der Taliban standen der, wie sie es sahen, korrupten Herrschaft kleiner Mudschahidin-Despoten feindlich gegenüber, die nach Nadschibullahs Sturz nichts als Elend über das Leben der normalen Afghanen gebracht hatten. Ihr eigenes Leben war vom Krieg zerrissen worden. Viele von ihnen waren in den Flüchtlingslagern in Pakistan aufgewachsen und hatten eine rudimentäre Erziehung in den Madrassen erhalten, die von verschiedenen islamisch-extremistischen Parteien Pakistans betrieben wurden.

Ein Autor beschreibt sie folgendermaßen: "Diese Jungs entstammten einer anderen Welt als die Mudschahidin, die ich in den achtziger Jahren kennen gelernt hatte und die über ihre Stammes- und Clanherkunft genau im Bilde waren, die sich wehmütig an die verlassenen Gehöfte und Täler ihrer Jugend und die historischen Legenden Afghanistans erinnerten. Diese Jungs hier hatten ihr Land nie im Frieden erlebt. [...] Sie waren Kriegswaisen im klassischen Sinn: entwurzelt, rast- und arbeitslos, arm und ohne jede Kenntnis. [...] Ihr schlichter Glauben an einen messianischen, puritanischen Islam, eingetrichtert von einfachen Dorfmullahs, war ihr einziger Halt und gab ihrem Leben eine gewisse Bedeutung. Ohne Ausbildung und ohne Kenntnis traditioneller Beschäftigungen wie Ackerbau, Viehzucht oder Handwerkskunst, waren sie, was Karl Marx Lumpenproletariat nannte." [Ahmed Rashid, Taliban, Afghanistans Gotteskrieger und der Dschihad, Droemer Knauer Verlag, München 2001]

Die Ideologie der Taliban war ein Wirrwarr von Ideen, die entstanden waren, um diese gesellschaftlichen Schichten anzusprechen. Von Beginn an war die Bewegung zutiefst reaktionär. Zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme schaute sie zurück auf eine mystische Vergangenheit, als die Lehren des Propheten Mohammed strikt befolgt wurden. Sie war tief durchdrungen vom virulenten Antikommunismus, der von der Brutalität und Unterdrückung verschiedener von der Sowjetunion unterstützter Regime in Kabul hervorgerufen worden war, die sich fälschlicherweise das Banner des "Sozialismus" umgehängt hatten.

Wie die Roten Khmer in Kambodscha reflektierten die Taliban das Misstrauen und die Feindschaft unterdrückter ländlicher Schichten gegenüber dem städtischen Leben, der Kultur, Technologie und dem Lernen allgemein. Ihre Führer waren halbgebildete Dorfmullahs, keine ausgebildeten Korangelehrten mit großer Kenntnis der Schriften und religiösen Kommentare. Sie standen anderen Richtungen des Islams, besonders den Schiiten, und anderen ethnischen Gruppen als den Paschtunen feindlich gegenüber. Der rückwärts gewandte gesellschaftliche Kodex der Taliban enthielt ebenso viele Elemente der Stammesgesetze der Paschtunen, der Pashtunwali, wie der islamischen Tradition. Sofern ihre Ideologie eine islamische Grundlage hatte, so war es der Deobandismus - eine einflussreiche Reformbewegung des 19. Jahrhunderts - aber in einer Form, die frei von allen auch nur im entferntesten progressiven Elementen war.

Die Taliban traten im vom Krieg verwüsteten Afghanistan als eine Art Klerikalfaschismus auf. Sie reflektierten die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit entwurzelter und deklassierter Schichten des ländlichen Kleinbürgertums - der Söhne von Mullahs, kleinen Beamten, Bauern und Händlern - die keine Alternative zu dem sozialen Übel sehen konnten, das in Afghanistan reichlich zu finden war, als die Einsetzung eines diktatorischen islamischen Regimes.

Die Selbstdarstellung ihrer Ursprünge durch die Taliban gewährt einen Einblick in ihre Art der Rekrutierung. Im Juli 1994 reagierte der höchste Taliban-Führer Mohammad Omar, damals ein Dorfmullah, auf Bitten um Unterstützung bei der Befreiung von zwei Mädchen, die von einem lokalen Milizenführer entführt und vergewaltigt worden waren. Omar, der in einer Mudschahidin-Organisation gekämpft hatte, stellte eine Gruppe seiner Unterstützer unter den Koranschülern aus den lokalen Madrassen zusammen. Bewaffnet mit eine Handvoll Gewehren befreite die Gruppe die Mädchen, schnappte sich den Kommandanten und hängte ihn am Lauf seines Panzers auf.

Was auch immer an der Geschichte dran sein mag - die Taliban präsentieren sich als religiöse Bürgerwehr, entschlossen die Übel, die der normalen Bevölkerung angetan werden, zu berichtigen. Ihre Führer bestehen darauf, dass die Bewegung, anders als die Mudschahidin-Organisationen, keine politische Partei ist und nicht die Bildung einer Regierung anstrebt. Sie behaupten, einer wahrlich islamischen Regierung den Weg frei machen zu wollen, und verlangen auf dieser Grundlage große Opfer von ihren Rekruten, die keine Bezahlung erhalten, nur Waffen und Essen.

Pakistanische Unterstützung

Es gab allerdings immer eine große Kluft zwischen diesem Bild und der Realität. Wenn die Taliban mehr sein wollten als eine Gruppe bewaffneter religiöser Fanatiker, die eine Guerilla-Taktik verfolgen, dann brauchte die Bewegung große Mengen an Geld, Waffen und Munition sowie beträchtliche technische und militärische Fachkenntnisse - die sie aus den Reihen ihrer verarmten Rekruten nicht erhalten konnte.

Von Beginn an war der prominenteste Geldgeber der Taliban das Nachbarland Pakistan. Pakistans mächtiger Geheimdienst ISI, der in den 1980-er Jahren der Hauptkanal für Geld, Waffen und Beratung von den Vereinigten Staaten an die Mudschahidin war, war tief in die afghanische Politik verstrickt. 1994 führte die Regierung von Benazir Bhutto Gespräche mit dem argentinischen Konzern Bridas, kam aber dadurch dem Ziel, den Weg durch Südafghanistan frei zu machen, auch nicht näher. Der Hauptvertreter von Pakistans Interessen Hekmatjar hatte sich bei den Kämpfen in Kabul festgefahren und schien kaum eine Lösung anbieten zu können.

Auf der Suche nach einer Alternative stieß Bhuttos Innenminister Naseerullah Babar auf die Idee, die Taliban zu benutzen. Im September 1994 organisierte er ein Team von Landvermessern und Geheimdienstoffizieren des ISI, um die Straße zwischen Kandahar und Herat nach Turkmenistan zu begutachten. Im folgenden Monat flog Bhutto nach Turkmenistan, wo sie sich die Unterstützung zweier afghanischer Kriegsherren in Schlüsselpositionen sicherte - von Rashid Dostum, der afghanische Gebiete nahe der turkmenischen Grenze kontrollierte, und von Ismail Khan, der über Herat herrschte. Um internationale finanzielle Unterstützung anzulocken, flog Pakistan eine Reihe von ausländischen Diplomaten aus Islamabad nach Kandahar und Herat.

Nachdem er eine gewisse Unterstützung für seinen Plan sichergestellt hatte, organisierte Innenminister Babar einen Versuchskonvoi von 30 Lastwagen, die mit ehemaligen Armeefahrern unter dem Kommando eines hochrangigen ISI-Feldoffiziers besetzt waren und von Taliban-Kämpfern bewacht wurden. Die Lastwagen fuhren am 29. Oktober 1994 los, und wenn die Straße blockiert war, kümmerten sich die Taliban um die verantwortliche Miliz. Am 5. November hatten die Taliban nicht nur die Straße freigeräumt sondern auch nach minimalen Kämpfen die Kontrolle über Kandahar übernommen.

In den nächsten drei Monaten übernahmen die Taliban die Kontrolle über zwölf der insgesamt 31 Provinzen Afghanistans. Zumindest ein Teil ihrer "Siege" wurden mit Hilfe hoher Bestechungsgelder an lokale Milizführer erkauft. Nachdem sie Mitte 1995 einen militärischen Rückschlag erlitten hatten, wurden die Taliban mit pakistanischer Hilfe neu bewaffnet und organisiert. Im September desselben Jahres nahmen sie Herat ein und machten damit effektiv den Weg von Pakistan nach Zentralasien frei. Im darauffolgenden Monat unterzeichnete der amerikanische Ölkonzern Unocal seinen Pipeline-Deal mit Turkmenistan.

Pakistan war immer vorsichtig, die direkte Unterstützung für die Taliban zuzugeben, aber die Verbindungen sind recht offen. Die Taliban haben enge Beziehungen zur Jamiat-e-Ulema Islam (JUI), einer islamisch-extremistischen Partei mit Sitz in Pakistan, die ihre eigenen Madrassen in den Grenzgebieten zu Afghanistan unterhält. Die JUI hat die Taliban mit einer großen Zahl von Rekruten aus ihren Schulen versorgt und fungiert gleichzeitig als Kommunikationskanal zwischen den Taliban und den höheren Ebenen des pakistanischen Militärs und Geheimdienstes.

Das deutlichste Zeichen für ausländische Einmischung war der militärische Erfolg der Taliban. In wenig mehr als einem Jahr waren sie von einer Handvoll Koranschüler zu einer gut organisierten Miliz geworden, die bis zu 20.000 Kämpfer mit Panzern, Artillerie und Luftwaffe aufbot und große Teile des südlichen und westlichen Afghanistans kontrollierte.

Wie ein Autor feststellte: "Es ist auch unvorstellbar, dass eine Truppe, die sich aus ehemaligen Guerilla-Kämpfern und Amateuren zusammensetzt, mit dem Grad an Fachkenntnis und Organisation hätte operieren können, die die Taliban beinahe von Beginn an bei ihren Operationen an den Tag legten. Während es zweifellos ehemalige Mitglieder der afghanischen Streitkräfte unter ihnen gab, führen die Geschwindigkeit und Ausgereiftheit, mit denen ihre Angriffe durchgeführt wurden, und die Qualität solcher Elemente wie der Kommunikation, Luftangriffe und Artilleriebombardements unweigerlich zu dem Schluss, dass sie dies einer Militärpräsenz oder zumindest professionellen Unterstützung Pakistans verdankten." [Martin Ewers, Afghanistan: A New History, Curzon 2001, S. 182f.]

Pakistan war nicht die einzige Quelle der Unterstützung. Saudi Arabien stellte ebenfalls beträchtliche finanzielle und materielle Hilfe zur Verfügung. Kurz nachdem die Taliban die Kontrolle über Kandahar übernommen hatten, begann der Kopf der JUI Maulana Fazlur Rehman sogenannte "Jagdausflüge" für die Königshäuser von Saudi Arabien und der Golfstaaten zu organisieren. Mitte 1996 sandte Saudi Arabien Gelder, Fahrzeuge und Treibstoff, um den Marsch der Taliban auf Kabul zu unterstützen.

Es gab zwei Gründe hierfür. Auf der politischen Ebene war die fundamentalistische Ideologie der Taliban nicht weit entfernt vom Wahabbismus der Saudis. Die Taliban standen der schiitischen Richtung des Islam feindlich gegenüber und waren somit auch Gegner des größten regionalen Rivalen von Riad - dem Iran. Auf einer prosaischeren Ebene war der saudische Ölkonzern Delta Oil Partner bei der Unocal-Pipeline und setzte seine Hoffnungen auf einen Sieg der Taliban, um das Projekt in Gang zu bringen.

Siehe auch:
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(Dieser Artikel ist auch in der gleichheit - November 2001 enthalten.)

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