Verdächtiger Handel weist auf Vorauskenntnis großer Investoren über Terrorangriffe vom 11. September hin

Von Barry Grey
13. Oktober 2001

In den zwei Wochen vor den Terrorangriffen vom 11. September auf New York und Washington gab es eine plötzliche und unerklärliche Welle von spekulativem Handel an den amerikanischen Aktien- und Anleihemärkten, die darauf hinweist, dass einige reiche Investoren mit guten Beziehungen im Voraus von der bevorstehenden Katastrophe wussten.

Diese Kreise setzten erhebliche Summen auf eine kommende große Krise, die den Wert der Aktien von Fluglinien, Touristikunternehmen und Versicherungsgesellschaften in den Keller treiben und das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft insgesamt unterminieren würde. Die Börsenaufsicht SEC, eine Bundesbehörde für die Überwachung der Börsen und Anleihemärkte, der Secret Service und das FBI führen gegenwärtig Untersuchungen durch. Im Gegensatz zu der rund um die Uhr laufenden Berichterstattung über Warnungen vor neuen Terroranschlägen und Verhaftungen von Verdächtigen in den USA und Europa haben diese Untersuchungen in den Medien jedoch nur geringe Aufmerksamkeit gefunden.

Kurz angebunden hat die SEC bestätigt, dass sie verdächtige Finanztransaktionen daraufhin untersuche, ob sie mit terroristischen Organisationen in Verbindung stünden. Aber das schiere Ausmaß der in Frage stehenden Aktien- und Anleiheaktivitäten widerlegt den Verdacht, dass sie das Werk von Osama bin Ladens Guerillagruppen oder gar der Fanatiker sein könnten, die die Gräueltaten vom 11. September begangen haben.

Das Wall Street Journal hat in den letzten Tagen Berichte über die N achforschungen der SEC und des Secret Service gebracht und ebenso Associated Press und USA Today. Aber die New York Times und die Washington Post schwiegen sich auffällig aus, und die Nachrichtensender hatten nichts zu sagen.

Das Wall Street Journal berichtete am 2. Oktober, dass sich der Secret Service der im Gang befindlichen Untersuchung verdächtiger Aktienverkäufe durch die SEC angeschlossen hat und jetzt umfangreiche Käufe von US-Schatzbriefen mit fünfjähriger Laufzeit unmittelbar vor den Attacken untersucht. Eine der Schatzbrieftransaktionen hatte allein einen Wert von fünf Mrd. Dollar (elf Mrd. DM).

Das Wall Street Journal berichtete: "Schatzbriefe mit einer Laufzeit von fünf Jahren sind in etwa die beste Investition im Fall einer Weltkrise, besonders wenn sie die USA trifft. Die Briefe beziehen ihre Attraktivität aus ihrer Sicherheit und ihrer Garantie durch die Regierung und erleben normalerweise ihre Hochzeit, wenn Investoren riskantere Investitionen wie Aktien meiden." Der Wert dieser Briefe ist seit den Ereignissen des 11. September stark gestiegen, wie das Journal anmerkte.

Der Artikel zitierte dann Michael Shamosh, einen Anleihestrategen von Tucker Anthony Inc., mit den Worten: "Wenn jemand so etwas täte, dann im Fünf-Jahre-Sektor dieses Marktes. Er ist äußerst liquide und die Spuren sind nur schwer zurückzuverfolgen."

Die SEC untersucht eine Welle von kurzfristigen Verkaufsaktivitäten bei verschiedenen Werten in den Tagen vor den Angriffen. Sie hat amerikanische Wertpapierhäuser aufgefordert, Kundenkonten und Belege über kurzfristige Aktienverkäufe vor dem 11. September offen zu legen.

Blankoverkäufer leihen sich Aktien und verkaufen sie sofort zum aktuellen Preis. Sie spekulieren darauf, dass zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sie die geliehenen Aktien bezahlen müssen, der Preis gefallen ist und sie die Differenz einsacken können.

In der Woche vor dem 11. September mussten die Aktien von Fluglinien, Versicherungsgesellschaften, Touristikunternehmen und Finanzfirmen mit Büros im World Trade Center überdurchschnittliche Wertverluste hinnehmen, was nach den Bombenanschlägen den Verdacht der SEC erregte. Nach den Angriffen waren diese Werte besonders stark von den Verkäufen an der Wall Street betroffen.

Die SEC war über ihre Untersuchung bisher extrem wenig auskunftsfreudig; sie hat Wertpapierhäuser und Behörden in Europa, Kanada und anderen Ländern um Mithilfe gebeten. Aber am Dienstag stellte die Investment Dealers Association, die Vertretung der kanadischen Wertpapierhäuser, eine Liste von 38 Aktienwerten in ihre Website ein, die ihr von der amerikanischen SEC übersandt worden war. Die amerikanische Agentur hatte die Kanadier gebeten, sich den Handel mit diesen Werten vom 27. August bis zum 11. September einmal genauer anzuschauen.

Sobald die Beamten in den USA der Veröffentlichung im Internet gewahr wurden, verlangten sie von der Investment Dealers Association, sie wieder aus dem Netz zu entfernen. Die kanadische Organisation kam dieser Aufforderung nach. Reporter hatten jedoch die Liste zwischenzeitlich heruntergeladen, bevor sie wieder gelöscht wurde.

Die Liste enthält die Muttergesellschaften der Fluggesellschaften American, Continental, Delta, Northwest, Southwest, United und US Airways sowie die Charterfirmen Carnival und Royal Carribean, den Flugzeughersteller Boeing und den Rüstungskonzern Lockheed Martin. Mehrere Versicherungskonzerne stehen auch auf der Liste - American International Group, Axa, Chubb, Cigna, CNA Financial, John Hancock und MetLife.

Auf der SEC-Liste finden sich auch zahlreiche große Firmen, die Büros in den eingestürzten Zwillingstürmen des World Trade Centers gemietet hatten: die Investmentfirmen Morgan Stanley, größter Mieter in dem Komplex, Lehman Brothers, Bank of Amerika und der Finanzkonzern Marsh&McLennan.

Weitere große Firmen auf der Liste sind General Motors, Raytheon, LTV, WR Grace, Lone Star Technologies, American Express, Bank of New York, Bank One, Citigroup und Bear Stearns.

Bei seiner Aussage vor dem Ausschuss des Repräsentantenhauses für Finanzdienstleistungen sagte Dennis Lormel, der Chef der FBI-Abteilung für Wirtschaftkriminalität: "Bis jetzt gibt es noch keine Belege,... dass jemand das ausgenutzt hat." USA Today zitierte jedoch den Mitbegründer von PTI-Wertpapiere, Jon Najarian, der als "aktiver Spieler" an der Optionsbörse von Chicago gilt, mit den Worten: "Die Volumina lagen weit außerhalb der Norm."

Es lässt sich im Moment nicht sagen, welche Individuen, Gruppen oder Firmen Vorauskenntnis von den Angriffen vom 11. September hatten und dieses Wissen nutzten, um Kasse zu machen. Man weiß auch nicht, oder ob irgendjemand davon in den USA residiert. Aber die andernfalls unerklärliche Welle von Schatzbriefkäufen und von Blankoverkäufen bestimmter Aktien sind ein weiterer Hinweis darauf, dass an der Planung der Angriffe auch bestens ausgebildete Leute mit großem Vermögen beteiligt waren, die so manche Facette der amerikanischen Gesellschaft sehr genau kennen.

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