Unerwünschte Einsichten eines unbequemen Liberalen- eine Verteidigung Sebastian Haffners

Von Alexander Boulerian
2. November 2001

Das Buch

Als Sebastian Haffners "Geschichte eines Deutschen - Erinnerungen 1914-1933" vor zwei Jahren postum erschien, waren sich die Kritiker in der positiven Bewertung des Buches einig. Das schmale Werk beeindruckt nicht nur durch den knappen, prägnanten Stil, für den der 1999 verstorbene politische Journalist und Schriftsteller zeitlebens berühmt war. Die Bedeutung des Buches besteht vor allem darin, dass es die innere Entwicklung der deutschen Gesellschaft zwischen den beiden Weltkriegen nachzeichnet.

Die politischen und wirtschaftlichen Ereignisse bilden dabei den Rahmen für die seismographische Beobachtung dessen, was sich im privaten Leben, Denken und Fühlen der einzelnen Deutschen bzw. bestimmter bürgerlicher Schichten und Milieus abspielte. So gibt das Buch aufschlussreiche Einblicke in die massenpsychologischen Mechanismen, die bei der Festigung der NS-Diktatur vor allem in kleinbürgerlichen Kreisen zum Tragen kamen. Die nationalsozialistische Machtübernahme wird nicht als unerklärlicher Vorgang dargestellt, sondern als das Ergebnis einer Entwicklung, die im prinzipienlosen Verrat der Sozialdemokratie an den demokratischen und sozialistischen Zielen der Novemberrevolution 1918 wurzelt und sich im Abbau demokratischer Rechte und sozialer Errungenschaften insbesondere seit der Brüning-Ära fortsetzte.

Während Haffner die sozialen und politischen Ursachen für den Aufstieg des Nationalsozialismus nicht zu erklären vermag und hier gelegentlich zu impressionistischen Fehldeutungen neigt, treffen seine Darstellungen bürgerlicher bzw. kleinbürgerlicher Verhaltensmuster völlig ins Schwarze. Dabei wird deutlich, dass Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in Deutschland lediglich einen dünnen Firnis bildeten, unter dem die alten obrigkeitsstaatlichen Traditionen ungestört weiterlebten. Aus der Sicht großer Kreise des Bürgertums waren die demokratischen Errungenschaften der Weimarer Republik nichts anderes als lästige Konzessionen, die man bei der ersten sich bietenden Gelegenheit über Bord zu werfen gedachte.

Dass der nationale Chauvinismus in Deutschland mit der Herrschaft des Nationalsozialismus eine besonders brutale und erschreckende Form annahm, beruht in erster Linie auf dem weitgehenden Fehlen einer demokratischen Tradition, die sich aus der besonderen historischen Entwicklung des Landes erklärt. Die Herausbildung demokratischer Strukturen und eines demokratischen Bewusstseins im Bürgertum blieb in Deutschland unvollständig und oberflächlich. Wenn Haffner hierfür charakterliche Eigenarten der Deutschen wie deren relative Unfähigkeit "zum persönlichen Leben und persönlichen Glück" verantwortlich macht und damit einen - historisch unhaltbaren - antidemokratischen deutschen "Nationalcharakter" konstruiert, so zeigt das zwar die Begrenztheit seiner politischen Analyse, mindert aber nicht die Bedeutung des Buches und seiner prägnant formulierten Beobachtungen.

Die "Geschichte eines Deutschen" stieß nicht nur bei der Kritik auf Begeisterung. Das Buch wurde auch ein großer Verkaufserfolg und führte Monate lang unangefochten die Bestsellerlisten an - inzwischen sind schon weit über eine Drittel Million Exemplare verkauft! -, obwohl die allgemeine Tendenz der offiziellen Politik genau in die entgegengesetzte Richtung geht. Schon vor dem 11. September verging kaum eine Woche, in der nicht neue Angriffe auf demokratische Rechte wie das Asylrecht, auf den Datenschutz oder auf das Recht alter, kranker oder arbeitslose Menschen auf einen angemessenen Lebensunterhalt beschlossen oder vorbereitet wurden.

Das nach wie vor breite Interesse an Haffners Buch lässt den Schluss zu, dass diese Politik nicht auf ungeteilte Zustimmung stößt, wie es die Medien und Bundestagsparteien gerne glauben machen wollen. Jedenfalls ist die plötzliche Wiederentdeckung Sebastian Haffners wohl kaum ein ausschließliches Resultat geschickten Verlagsmarketings. Und sie ist auch nicht allein mit seinem meisterhaften Stil und seiner erstaunlichen Beobachtungsgabe zu erklären, die ja auch frühere Bücher Haffners auszeichnen. Der gewaltige Zuspruch zu seinen "Erinnerungen" kann vielmehr nur als Ausdruck eines tiefen Unbehagens an der offiziellen Politik in Deutschland und ihren Wurzeln in der Geschichte gedeutet werden.

Dies erklärt auch die jüngsten Angriffe auf Haffners "Erinnerungen", deren Authentizität von offiziösen "Historikern" mit fadenscheinigen - inzwischen auch kriminaltechnisch widerlegten - Argumenten in Zweifel gezogen wird. Um zu zeigen, welche Motive sich hinter diesen Attacken verbergen, sollen hier zunächst einige Grundzüge des Buches kurz vorgestellt werden

Weimarer Republik

Als Haffner seine "Erinnerungen" schrieb, war er gerade 32 Jahre alt - ein liberaler Intellektueller aus gutbürgerlichen Kreisen, der sich instinktiv und aus innerster Überzeugung bereits in sehr jungen Jahren gegen engstirnige Deutschtümelei und chauvinistischen Nationalismus stemmte.

Den Kriegsausbruch 1914 erlebt der 7-jährige Beamtensohn wie viele Schuljungen damals in Berlin als faszinierendes, weil den Alltag überstrahlendes "kriegerisches Spiel". Wie besessen verfolgt er auf der Landkarte die siegreichen Feldzüge und Schlachten des deutschen Heeres und wartet ungeduldig bis zum Schluß auf den Endsieg. Einen umso tieferen Schock versetzt ihm die deutsche Niederlage, hatten die Heeresberichte doch "immer nur von feindlichen Niederlagen" gesprochen.

An die Novemberrevolution erinnert er sich als ein einziges "Fiasko": "All ihre Krisen, Streiks, Schießereien, Putsche, Demonstrationszüge blieben widerspruchsvoll und verwirrend. Nie wurde recht klar, um was es eigentlich ging. Man konnte sich nicht begeistern. Man konnte nicht einmal verstehen (...(An Führung fehlte es fast vollständig" (S. 33)

In der Tat verfügte die Arbeiterbewegung 1918/19 über keine revolutionäre Führung, die in der Lage gewesen wäre, die durch Krieg und Hunger desillusionierten und kampfbereiten Massen zum Sieg zu führen. Die Politik der Sozialdemokratie war von Opportunismus und Prinzipienlosigkeit geprägt, die Rolle ihrer Führer benennt Haffner mit einer Offenheit, die nichts zu wünschen übrig lässt: "Das Aroma von Verrat, das ihnen anhaftete, war zu penetrant [...] Es war irgendetwas faul daran, daß die martialischen und grausamen Freicorps - die wir vielleicht nicht ungern hätten Hindenburg und den Kaiser zurückholen sehen - mit Emphase für ‚die Regierung' kämpften: also für Ebert und Noske, Leute, die offensichtlich Verräter ihrer eigenen Sache waren und übrigens auch genauso aussahen."

Den korrupten Führern der Sozialdemokratie, aber auch den Politikern der bürgerlichen Parteien der Weimarer Republik stellt Haffner die zweifellos idealisierte Gestalt Walther Rathenaus gegenüber, den genialen Wirtschaftsführer, der 1922 kurzzeitig deutscher Außenminister war, bevor er von zwei antisemitischen und rechtsradikalen ehemaligen Offizieren der Organisation Consul ermordet wurde. In Rathenau sieht sein Bewunderer Haffner all jene Werte verkörpert, die für ihn das andere, bessere Deutschland ausmachen: Bildung, Weltbürgertum, Liberalität, Idealismus und Integrität. "Rathenau und Hitler sind die beiden Erscheinungen, die die Phantasie der deutschen Masse aufs äußerste gereizt haben: der eine durch seine unfaßliche Kultur, der andere durch seine unfaßliche Gemeinheit". (S. 50)

Als ein "phantastisches Jahr" ist Haffner das Jahr 1923 in Erinnerung, ein Jahr der Widersprüche: "Ruhr-Krieg", Korruption, Inflation, patriotische Hochstimmung, Aktienspekulationen, bürgerliche Vergnügungssucht, Leichtlebigkeit, soziale Verelendung, Selbstmorde. Es "machte Deutschland fertig - nicht speziell zum Nazismus, aber zu jedem phantastischen Abenteuer." (S. 53 f.)

Wofür es Deutschland fertig machte, zeigte sich spätestens in der Ära des "Hungerkanzlers" Brüning, die auf die scheinbare Ruhe der Stresemann-Epoche 1924-1929 ("kein voller Erfolg, nicht einmal solange sie dauerte") folgte und für Haffner die Wende zum Schlechten markiert. Unter Brünings mit Notverordnungen gegen das Parlament regierenden Kabinett ("der Semi-Diktatur im Namen der Demokratie und zur Abwehr der echten Demokratie") wurden Gehälter, Löhne, Pensionen und Sozialleistungen gnadenlos zusammengestrichen, die Zahl der Arbeitslosen stieg auf über 6 Millionen.

"Manches von dem, was später zu Hitlers effektvollsten Folterinstrumenten gehören sollte", urteilt Haffner, "wurde von Brüning eingeführt: die ‚Devisenbewirtschaftung‘, die die Auslandsreisen, die ‚Reichsfluchtsteuer‘, die die Auswanderung unmöglich machte; sogar die Beschränkung der Pressefreiheit und die Knebelung des Parlaments gehen, in den Anfängen, auf ihn zurück." (S. 85) "Es war eine Zeit, in der eine trübe Gegenwart nur durch die Aussicht auf eine grauenvolle Zukunft gemildert wurde." (S. 86)

Obwohl Haffner die objektiven Bedingungen für die Entstehung von Brünings Notverordnungsregime nicht analysiert - dessen Aufgabe bestand ja gerade darin, die erstarkende Arbeiterbewegung im Interesse des Großkapitals zu disziplinieren und zu schwächen -, lässt er keinen Zweifel an der Rolle des Brüning-Regimes als Vorreiter für die weitere undemokratische politische Entwicklung. Indem sie unter dem Druck der Bourgeoisie essentielle soziale und demokratische Errungenschaften rückgängig machte, bereitete Brünings autoritäre Politik dem späteren Siegeszug der Nazis den Boden.

Aufstieg der Nazis

Den Aufstieg der NSDAP zur Massenpartei erlebt Haffner als junger Kammergerichtsreferendar. Im Gegensatz zur Mehrzahl seiner Zeitgenossen verschließt er nicht die Augen vor dem Terror, der die Gesellschaft zunehmend durchdringt. Spätestens als die SA 1932 im oberschlesischen Potempa einen kommunistischen Arbeiter im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode trampelt und Hitler und die NS-Führung den feigen Mord rechtfertigen, ist für jeden erkennbar, was Deutschland vom Nationalsozialismus zu erwarten hat. Dennoch bleibt breiter Widerstand aus. Stattdessen muss Haffner erleben, wie am Berliner Kammergericht die jüdischen Kollegen entfernt werden, die SA Faschingsfeste sprengt und Schulklassen mit dem Ruf "Juda verrecke!" auf den Lippen schulwandernd durch den Berliner Grunewald ziehen.

Ein Spiegel für die Veränderung, die sich in und mit dem deutschen Bürgertum vollzieht, sind Haffners Kollegen am Berliner Kammergericht. Gleichsam über Nacht hängen sie ihre demokratischen und rechtsstaatlichen Überzeugungen an den Nagel, ordnen sich mehr oder weniger bereitwillig dem neuen "deutschen Recht" der Nazis unter oder werden gar zu glühenden Vertretern desselben. Nach dem Wahlsieg Hitlers bei den Reichstagswahlen im März 1933 vollzieht sich dieser Prozess mit atemberaubender Geschwindigkeit, scheinbar von heute auf morgen geben große Teile des Bürgertums ihre demokratischen Überzeugungen auf, um mit wehenden Fahnen in das Lager der Nazis überzulaufen.

"Wo sind eigentlich die Deutschen geblieben?" fragt Haffner, als nach den Reichstagswahlen vom 5. März 1933 die sprichwörtlich gewordenen "Märzgefallenen" Schlange um Aufnahme in die NSDAP stehen, die Mehrheit der bis dahin noch nicht nationalsozialistisch denkenden Deutschen plötzlich wie vom Erdoden verschluckt scheint. "Noch am 5. März 1933 hat die Mehrheit von ihnen gegen Hitler gewählt. Was ist aus dieser Mehrheit geworden? Ist sie gestorben, vom Erdboden verschwunden? Oder, so spät noch, Nazi geworden?"

Haffner liefert auf diese Fragen keine endgültige Antwort, aber wichtige Anhaltspunkte, die zeigen, wie es dazu kommen konnte, dass ein großer Teil der deutschen Mittelschichten die Nazis unterstützte und damit den NS-Staat und seine Verbrechen erst möglich machte. Er zeigt, wie die Kombination aus Einschüchterung, Angst und Terror auf der einen sowie inszenierte Massenereignisse zur Schaffung einer "nationalen Erhebung" - nationalsozialistische Aufmärsche, Fahnenweihen, Heldenehrungen, Schwüre, Gelöbnisse und Jubelfeiern - ihre Wirkung taten, indem sie einen machtvollen Anpassungsdruck insbesondere in kleinbürgerlich empfindenden Kreisen erzeugten.

Feigheit, "Angst, Mitprügeln, um nicht zu den Geprügelten zu gehören" sowie "echte gewöhnliche Mitläuferei und Konjunkturgesinnung" trugen hierzu entscheidend bei. Die letzte Erklärung für dieses Phänomen sieht Haffner jedoch im "furchtbaren moralischen Versagen", dem "feige(n) Verrat aller Partei- und Organisationsführer, denen sich die 56 Prozent Deutsche, die noch am 5. März 1933 gegen die Nazis wählten", anvertraut hatten. (S. 126) "Millionen waren im März 1933 noch kampfbereit. Sie fanden sich über Nacht führerlos, waffenlos, verraten." (S. 129).

Diese Kritik zielt in erster Linie auf die Führer der bürgerlichen Parteien, DNVP und katholisches Zentrum, die sich als Steigbügelhalter Hitlers betätigten und damit deutlich machten, dass ihre demokratischen Überzeugungen nichts weiter waren als eine oberflächliche Fassade. Sie richtet sich aber auch gegen die Führer der Arbeiterparteien, deren ausbleibender Widerstand und völliges Versagen es den Nazis leicht machte, ihre Diktatur zu errichten. Haffners Buch lässt die politischen Schwächen und Fehler der Arbeiterbewegung deutlich erkennen, der bereits 1918 eine Führung fehlte, wie sie die russische Arbeiterklasse 1917 hatte, und die auch in den darauffolgenden Jahren nicht in der Lage war, diese Schwäche zu überwinden.

Während die SPD-Führung bereits 1932 widerstandslos dem reaktionären Staatsstreich Papens in Preußen wich, ihre "treue(n) und blind-loyale(n) Millionengefolgschaft von anständigen kleinen Leuten" verriet und "hinter den Parolen der Nazis" herlief, um ihr "Auch-national-sein" zu betonen (S. 127), hätte die KPD "hinter einer prahlerischen Fassade von ‚Bereitschaft‘ und Bürgerkriegsvorbereitung (,) in Wahrheit nur die rechtzeitige Flucht ihrer höheren Funktionäre ins Ausland vorbereitet" (S. 126).

Seine Kritik am Versagen der KPD formuliert Haffner exemplarisch anhand der Reaktionen auf den Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933, der den Nazis als Vorwand für die Verhängung des gesetzlichen Ausnahmezustands und für die flächendeckende Verhaftung ihrer sozialistischen Gegner diente: "Das Interessanteste am Reichstagsbrand war vielleicht, daß die Beschuldigung der Kommunisten so gut wie allgemein geglaubt wurde. Selbst die Zweifler fanden es immerhin nicht ganz unmöglich. Daran waren die Kommunisten selbst schuld. Sie waren in den letzten Jahren eine starke Partei geworden, sie hatten stets und ständig mit ihrer ‚Bereitschaft‘ gedroht, und eigentlich niemand traute ihnen zu, daß sie sich ohne Gegenwehr würden abschlachten lassen. (...(Man brauchte sehr lange, um in Deutschland dahinterzukommen, daß die Kommunisten Schafe im Wolfspelz sind. Der Nazi-Mythos vom verhinderten kommunistischen Putsch fand einen Boden von Gläubigkeit, den die Kommunisten selbst präpariert hatten. Daß hinter ihren erhobenen Fäusten nichts gewesen war - wer hatte das wissen können?" (S. 117 f.)

Haffner befasst sich hier explizit nicht mit der Frage, wer den Reichstag in Brand gesetzt hat. Das waren für ihn unzweifelhaft die Nazis, wie er an anderer Stelle deutlich macht. Ihm geht es um die massenpsychologische Wirkung der NS-Propaganda, darum, wie das von den Nazis an die Wand gemalte Schreckgespenst des unmittelbar bevorstehenden kommunistischen Aufstands in den ihm nahestehenden Kreisen, dem gehobenen Mittelstand, "so gut wie allgemein geglaubt wurde" und dort sein Ziel erreichte: diese Schichten ruhig zu stellen, während die Maschinerie des SA- und Gestapo-Terrors gegen die Arbeiterbewegung und ihre Organisationen in Gang gesetzt und der Rechtsstaat abgeschafft wurde.

Haffner belässt es bei der beschreibenden Darstellung dieser Vorgänge. Warum die Führung der KPD bei der Abwehr des Nationalsozialismus kläglich versagte, will und kann er nicht erklären. Eine historische Analyse der politischen Fehler, die beispielsweise der verhängnisvollen Sozialfaschismustheorie und dem Wechsel zwischen ultralinker und nationalistischer Programmatik der stalinistischen KPD-Führung zu Grunde liegen, sucht man bei ihm vergebens. Umso deutlicher dagegen wird in seiner Darstellung die Verantwortung des Bürgertums, das sich mit Hitler arrangierte, weil es mit dessen antidemokratischen, gegen die Arbeiterbewegung gerichteten Zielsetzungen weitgehend übereinstimmte.

Emigration

1938 emigrierte Haffner nach England, nicht weil er selbst von den Nazis unmittelbar verfolgt worden wäre, sondern weil er im Dritten Reich mit seinen Auffassungen zu ersticken drohte, weil das Deutschland, das er liebte, "von den deutschen Nationalisten zertrampelt worden ist." Nach vorübergehender Internierung als "enemy alien" gelangt er zu der Überzeugung, dass die NS-Diktatur nur durch einen Krieg von außen beendet werden könne ("Offensive against Germany"). Ab 1941 schreibt er Kommentare und Berichte zunächst für die deutsche Die Zeitung, dann vor allem für den englischen Observer. In Großbritannien arbeitet er u.a. mit linksbürgerlichen Autoren wie George Orwell und Kurt Hiller zusammen. 1954 kehrt er als diplomatischer Korrespondent für den Observer nach Deutschland zurück, wo er ab 1962 für Die Welt und den Stern, später auch für konkret schreibt.

Welches Deutschland er liebte, beschreibt Haffner in seinem Buch: "Das Deutschland, das für mich und meinesgleichen ‚unser Land‘ war, war schließlich nicht einfach ein Fleck auf der Landkarte Europas. Es war ein Gebilde von bestimmten charakteristischen Zügen: Humanität gehörte dazu, Offenheit nach allen Seiten, grüblerische Gründlichkeit des Denkens, ein Niezufriedensein mit der Welt und mit sich selbst, Mut, immer wieder zu versuchen und zu verwerfen, Selbstkritik, Wahrheitsliebe, Objektivität, Ungenügsamkeit, Unbedingtheit, Vielgestaltigkeit, eine gewisse Schwerfälligkeit, aber auch eine Lust zur freiesten Improvisation, Langsamkeit und Ernst, aber ebenso ein spielerischer Reichtum des Produzierens, der immer neue Formen aus sich herauswarf und als ungültige Versuche wieder zurückzog. Respekt für alles Eigenwillige und Eigenartige, Gutmütigkeit, Großzügigkeit, Sentimentalität, Musikalität, und vor allem eine große Freiheit: etwas Schweifendes, Unbegrenztes, Maßloses, sich nie Festlegendes, nie Resignierendes. Heimlich waren wir stolz darauf, daß unser Land, geistig, ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten sei." (S. 209 f.)

Mag diese Beschreibung auch vieles verklären, so ist sie doch bezeichnend für die Werte, denen Haffner sich verpflichtet fühlte; es sind die Ideale eines so gut wie verschwundenen bürgerlichen Liberalismus deutsch-konservativer Prägung. Ihnen blieb Haffner bei allen politischen Widersprüchen und manchen haarsträubenden Irrtümern (so 1966 die positive Einschätzung Ulbrichts als "Figur ersten Ranges" und der DDR als "intelligent geleitete sozialistische Planwirtschaft") zeit seines Lebens treu.

Die Angriffe

Auf das bis dahin unveröffentlichte Manuskript des Buches - einen typographischen Durchschlag, der kaum bzw. nur geringfügige Korrekturen aufweist - waren die beiden Kinder Haffners, Oliver Pretzel und Sarah Haffner, im Januar 1999 gestoßen, als sie den Nachlass ihres Vaters sichteten. Darin fand man ein deutsch- und ein englischsprachiges Manuskript, letzteres war nicht vollendet. Das im deutschen Skript fehlende Kapitel 10 übersetzte Haffners Sohn selbst zurück aus dem Englischen ins Deutsche. Kapitel 25 war laut Pretzel 1983 im Stern erschienen ("Der Abschied", 30. März 1983, S.76-90) und wurde geringfügig gekürzt ins Buch übernommen.

In einem 1989 geführten Interview hatte Haffner berichtet, er habe im englischen Exil die Arbeit an einem Buch begonnen, darüber "wie das Leben war in Deutschland", aufgehängt "an meinen persönlichen Erlebnissen". Er habe damit den Engländern anschaulich machen wollen, wie es dazu kommen konnte, dass die moderne Gesellschaft der Weimarer Republik mit ihren demokratischen Strukturen innerhalb weniger Monate zusammenbrach. Dieses Manuskript liege "immer noch in einer Schreibtischschublade", da er die Arbeit daran 1939 aufgegeben habe, um etwas Systematischeres zu schreiben, das "für den Krieg nützlich und wichtig" ist.

Daraus entstand das 1940 in England erschienenen Buch "Germany: Jekyll and Hyde", eine Analyse der NS-Herrschaft (deutsch 1996 unter dem Titel "Germany: Jekyll und Hyde. 1939 - Deutschland von innen betrachtet", Verlag 1900 Berlin).

Am 10. August 2001 äußerte nun der Dresdner Kunsthistoriker Jürgen Paul im Deutschland-Radio Berlin die Vermutung, Haffner habe den Text entgegen den Beteuerungen seiner Erben und der Deutschen Verlagsanstalt(DVA) nicht 1939, sondern erst nach dem Zweiten Weltkrieg verfasst. "Der autobiographische Anteil in Haffners Buch" sei "wohl zum größten Teil fingiert", behauptete Paul. Der emeritierte Professor begründete seinen Vorwurf u.a. mit einer Reihe von Begriffen und Ausdrücken, die seiner Ansicht nach 1939, dem vermuteten Entstehungsjahr des Manuskripts, noch nicht verwendet worden seien. Ferner zweifelte er an der Authentizität von Haffners Aussagen über den vor der Tür stehenden Krieg und die kommenden Gräuel der Nazis, die ihm für den behaupteten Zeitpunkt der Entstehung (1939) als geradezu prophetisch erschienen.

Obwohl sich Pauls Vorwürfe durchweg als unhaltbar erwiesen, ließen die DVA und Haffners Sohn Oliver Pretzel den erhaltenen maschinenschriftlichen Durchschlag vom Original an das BKA "zu einer Prüfung jedes einzelnen Blattes" überstellen, um alle Zweifel an der Authentizität des Textes auszuräumen. ( Süddeutschen Zeitung, 13. August 01)

Mittlerweile liegt die Analyse des Kriminaltechnischen Instituts des BKA in Wiesbaden vor ("Behördengutachten gemäß § 256 StPO"), das an der Authentizität des Typoskripts keine Zweifel lässt. Naturwissenschaftliche Mitarbeiter des BKA haben Papierkonsistenz, Wasserzeichen und Schreibmaschinentype untersucht, dabei aber "keinen Hinweis auf eine nach 1939 erfolgte Fertigung des in Rede stehenden Manuskriptes gefunden". Dieses wurde nicht nur auf zeitgenössischem britischen Papier geschrieben (das Schriftwasserzeichen "Latimer Bond" ist 1936 als Warenzeichen der Papierfabrik "John Dickinson & Co. Ltd." nachgewiesen). Auch bei den verwendeten Schreimaschinen handelt es sich um zeitgenössische Modelle: "Remington Elite 3", hergestellt seit 1929, und "Iris Elite 3", produziert seit 1928. ( Süddeutsche Zeitung und Frankfurter Rundschau vom 31. Oktober 2001)

Die Ergebnisse der kriminaltechnischen Analyse decken sich mit dem Befund des Haffner-Biographen Uwe Soukup, der bei seinen Recherchen zu dem Ergebnis kam, dass Haffner Anfang 1939 mit der Niederschrift des Manuskripts begonnen, daran "den größten Teil des Jahres 1939, bis zum Krieg, (...(gearbeitet hat" und es um die Jahreswende 1939/40 zur Seite legte. (Uwe Soukup, "Ich bin nun mal Deutscher. Sebastian Haffner. Eine Biographie", Aufbau-Verlag Berlin 2001). In einer knappen "Editorischen Notiz" der DVA hatte es ursprünglich - etwas vage - geheißen: "Die Niederschrift des Textes kann auf den Beginn des Jahres 1939 datiert werden", wobei der Verlag die Datierung in der Folge summarisch auf das Jahr 1939 korrigiert hatte

Doch was wäre eigentlich so schlimm daran, hätte Haffner sein 1939 entstandenes Manuskript in späteren Jahren noch bearbeitet und ergänzt?

Professor Köhler sieht sich herausgefordert

Knapp eine Woche nach Pauls Interview veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 16. August 2001 einen umfänglichen Beitrag von Henning Köhler, Professor für Neuere Geschichte am Friedrich-Meineke-Institut der FU Berlin. Darin setzte Köhler auf Pauls Anschuldigungen "noch eins drauf", indem er sich bemühte, Haffner mit fadenscheinigen Behauptungen zu diskreditieren und der Geschäftemacherei mit deutschfeindlichen Thesen zu überführen. Die Datierung des Manuskripts auf den Beginn des Jahres 1939 sei "irreführend". "Denn Haffner hat den Text später offenkundig überarbeitet und Passagen eingefügt. Wahrscheinlich war es sein Wille, daß das Manuskript erst nach seinem Tod entdeckt und publiziert wurde. Dessen Auffinden, am besten in einem Geheimfach seines Schreibtisches, so womöglich sein Kalkül, konnte das Interesse daran und den Absatz nur fördern."

Wie für Paul sind auch für Köhler die vorgeblichen Zweifel am Entstehungsdatum des Buches lediglich ein Vorwand, um "die historische Linie, die Haffner von 1914 bis 1933 zieht" einer grundsätzlichen Revision zu unterziehen. Interessant ist, was Köhler im Einzelnen an den "Erinnerungen eines Deutschen" stört:

Ein besonderer Dorn im Auge ist dem Berliner Geschichtsprofessor (dessen Seminar 1988 den Vorschlag abgelehnt hat, Sebastian Haffner die Ehrendoktorwürde zu verleihen), dass Haffner die widerwärtige Rolle der Sozialdemokraten Ebert und Noske in der Novemberrevolution von 1918 deutlich beim Namen nennt. Was Haffner hier geschrieben habe, "entsprach nicht seinem Wissensstand von 1939, sondern seiner aggressiven Position aus der APO-Zeit, die er 1969 in dem Buch ‚Die verratene Revolution‘ niedergelegt hatte."

Tatsache ist, dass Haffner in dem von Köhler geschmähten Buch "Die verratene Revolution. Deutschland 1918/1919" schonungslos mit den Führen der deutschen Sozialdemokratie ins Gericht geht. Anschaulich schildert er darin, wie angesichts des Zusammenbruchs des Kaiserreichs und der Armee die SPD-Führung die Initiative ergriff, um eine soziale Revolution abzuwenden; wie sie mit den Militärs und den Mordbanden der Freikorps zusammenarbeitete, um revolutionär gesinnte Arbeiter niederzumetzeln und ihre Führer wie Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zu ermorden - was nachweislich mit Wissen und Billigung des "Volksbeauftragten" Gustav Noske ("einer muss der Bluthund sein") geschah. Das Buch schließt mit der Diagnose: "Deutschland krankt an der verratenen Revolution von 1918 noch heute." Dass Haffner dieser Einschätzung treu blieb, zeigt sein Nachwort zu einer 1979 erschienen Neuauflage ("1918/19. Eine deutsche Revolution"). Darin schrieb er: "... in der Sache scheint mir, habe ich nichts zurückzunehmen. Die Fakten stimmen. Auch die Analyse stimmt - jedenfalls auch noch nach meinem heutigen Urteil."

Haffner war kein Marxist. So enthält sein Buch keine Analyse der politisch-programmatischen Grundlagen des Verrats von 1918: die seit den 90-er Jahren immer stärker werdende nationale Orientierung der Sozialdemokratie und die damit verbundene Unterordnung unter den bürgerlichen Nationalstaat. Dennoch wäre eine derart klare und unbestechliche Darstellung heute für jeden etablierten "Historiker" undenkbar.

Köhlers Vorwurf, Haffner könne 1939 mangels Literatur und Dokumenten noch keine solche Position vertreten haben, ist absurd. Hätte Köhler in "Germany: Jekyll und Hyde" nachgeschlagen, einem Buch, das unbestreitbar 1939/40 geschrieben wurde, dann hätte er festgestellt, dass sich Haffner darin im gleichen Tenor zum Verhalten der SPD-Führer äußerte wie in den "Erinnerungen eines Deutschen". Seine Einschätzungen entsprechen weitgehend den Positionen des Historikers Arthur Rosenberg, der sein berühmtes Buch "Entstehung und Geschichte der Weimarer Republik" Ende der 30-er Jahre in der Emigration geschrieben bzw. neu herausgebracht hat - ein Buch, das Henning Köhler im Übrigen sehr gut kennt, erwähnt er es doch mehrfach in seiner Habilitationsschrift über die Novemberrevolution ("Novemberrevolution und Frankreich", Düsseldorf 1980).

Allerdings scheint vielmehr Köhler seine historischen und politischen Auffassungen in der "APO-Zeit" geformt zu haben, freilich nicht als Anhänger, sondern als Gegner demokratischer Prinzipien, der das Vorgehen der SPD-Rechten um Ebert, Noske und Scheidemann 1918 gegen die linken Revolutionäre vorbehaltlos verteidigt. Als Apologet der Sozialdemokratie verharmlost Köhler folgerichtig auch die Freikorps - sie seien beileibe nicht "pauschal" die Vorläufer der Nazi-Bewegung gewesen, obwohl sie personell, von ihrer sozialen Zusammensetzung und ihren mörderischen Gepflogenheiten her nahtlos in die SA übergingen.

Köhler schrieb sein Buch zur Verteidigung der SPD in den Jahren 1969 bis 1979, als die SPD in der Großen Koalition und dann mit der Brandt- und Schmidt-Regierung die damalige Protestbewegung durch einige halbherzige, vorübergehende Reformen auffing und gleichzeitig mit Notstandsgesetzen, Radikalenerlass, Antiterrorgesetzen und einer beispiellosen Polizeiaufrüstung die Unterdrückung demokratischer Rechte vorantrieb und den Staat - wie auch derzeit wieder - darauf vorbereitete, eine neue Welle sozialer Massenbewegungen mit staatlicher Gewalt niederzuschlagen.

Haffner zerstört eine Legende

Die Attacken von Paul und Köhler blieben nicht ohne Folgen. So fragte der Spiegel(20. August 2001): "Muss die Geschichte umgeschrieben werden? Ein Hauch der ‚Hitler-Tagebücher‘ wehte durchs Land". Auch der Spiegel konnte indes "keinen einzigen Beleg dafür angeben, dass Haffner den Text nach 1939 geschrieben haben muß" (Uwe Soukup, S. 77), bemühte sich jedoch nach Kräften, die Bedeutung des Buches zu relativieren ("dass Hitlers ‚Machtergreifung‘ Krieg bedeutet, wusste recht früh nicht nur Haffner - das haben 1933 viele gesagt").

Haffner hat nie behauptet, ein Prophet zu sein. Seine Prognosen waren keineswegs spektakulär, sondern tatsächlich sehr naheliegend. Was ihn auszeichnet, ist nicht die Gabe der Prophetie, sondern, dass er, anders als die große Mehrheit der Deutschen, an seinen demokratischen Überzeugungen festhielt und die Anpassung an die neuen Machthaber verweigerte, oder, wie Haffners Sohn, Oliver Pretzel, es in der Zeit ausdrückte: "Er macht klar, dass, wer damals nichts sah, nichts sehen wollte, eine Einsicht, die noch heute manch einem unangenehm sein dürfte." ( Die Zeit, 23. August 2001)

Damit zerstörte Haffner jedoch die apologetische Legende, die von den bürgerlichen Unterstützern und Mitläufern des NS-Regimes bis heute gepflegt wird, man habe vor 1939, dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, von der Barbarei der Nazis keine Ahnung gehabt, die Diktatur sei "so perfekt inszeniert gewesen, dass ein Normalbürger ihr nicht auf die Schliche kommen konnte". ( Stuttgarter Zeitung, 14. August 01)

Dass Sebastian Haffner, einer der wenigen liberalen Intellektuellen der deutschen Nachkriegszeit, mit derartigen Positionen so großen Anklang bei breiten Bevölkerungsschichten findet, ist seinen Kritikern unerträglich. Ihnen passen gerade jene Beobachtungen Haffners nicht, die aufzeigen, dass große Teile des deutschen Bürgertums Hitler bei der Errichtung der NS-Diktatur wissentlich unterstützten und damit die einstmaligen bürgerlichen Ideale von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit preisgaben. Deshalb versuchen sie, Haffner als "Fälscher" zu diskreditieren.

Bezeichnend ist das allmähliche Abrücken des deutschsprachigen Feuilletons von Haffner innerhalb nur weniger Wochen. Mehr und mehr wich die anfängliche Verteidigungshaltung der Frage, ob nicht an den Vorwürfen doch etwas dran sei. (So die Frankfurter Rundschau vom 24. August 01 und die Neue Zürcher Zeitung vom 22. August 2001). Köhlers Vorwurf der Deutschfeindlichkeit Haffners fortführend, druckte zuletzt die FAZ(8. September 2001) einige Passagen ab (die in der deutschen Übersetzung von "Jekyll und Hyde" fehlen), in denen Haffner ausführte, wie er sich die in seinem Buch geforderte "Aufgliederung Deutschlands in Länder" vorstellte. Gleichzeitig veröffentlichte die Zeitung ein Foto, das Haffner in englischer Uniform während seines ersten Deutschlandbesuchs nach dem Krieg im Jahr 1946 zeigt.

Als isolierter und desillusionierter Vertreter eines untergegangenen liberalen deutschen Bürgertums sah Haffner in der Kooperation mit dem britischen Empire und letztlich in der Kriegsniederlage Deutschlands die einzige politische Perspektive. Da er niemals Marxist war und der sozialistischen Arbeiterbewegung fernstand, war eine sozialistische Perspektive für ihn undenkbar. Für die FAZ aber ist der Kampf gegen das Nazi-Regime an der Seite der Briten oder Amerikaner gleichbedeutend mit Kollaboration oder Verrat, wie ihre "Enthüllungsstory" nahe legt, die lediglich dem billigen und durchsichtigen Zweck dient, Haffner moralisch zu diskreditieren.

Unabhängig davon, wie die Debatte weitergeht, zeigt die anhaltende Auseinandersetzung über historische Fragen, so auch der Streit um die Wehrmachtsausstellung oder den Reichstagsbrand, dass die Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts allen gegenteiligen Behauptungen zum Trotz mit dem Untergang des Stalinismus und dem Beitritt der ehemaligen DDR zur Bundesrepublik Deutschland nicht abgeschlossen ist. Diese Fragen sind nach wie vor so virulent, weil die ihnen zugrunde liegenden gesellschaftlichen Herrschaftsverhältnisse und Widersprüche weiter existieren und sich zunehmend verschärfen.

Die Terroranschläge in den USA und der imperialistische Krieg gegen Afghanistan haben diese Entwicklung noch beschleunigt. Die Bereitschaft der Bundestagsparteien, die bürgerlichen Freiheitsrechte unter dem Vorwand des "Kriegs gegen den Terror" und der "uneingeschränkten Solidarität" mit Amerika zu suspendieren, zeigt, wie hauchdünn der demokratische Firnis in diesem Land ist und wie schnell die herrschende Elite dazu übergeht, demokratische Konzessionen zurückzunehmen, wenn es ihr im Sinne der "inneren Sicherheit", d. h. der präventiven Bekämpfung sozialer und politischer Unruhen, ratsam erscheint.

Siehe auch:
Die Debatte über die Verbrechen der Wehrmacht (26. Juli 2001)

Vor 68 Jahren brannte der Reichstag ( 27. Februar 2001)

Antisemitismus, Faschismus und Holocaust - Eine kritische Besprechung des Buchs "Hitlers willige Vollstrecker" von Daniel Goldhagen ( April 1997)