Lehrer in Detroit streiken gegen Lohnzugeständnisse

Von Walter Gilberti
1. September 2006

Nach einem nahezu einstimmigen Streikbeschluss auf einer Massenversammlung im Cobo-Stadion in der Innenstadt Detroits, die am vergangenen Sonntag stattgefunden hatte, haben die Detroiter Lehrer am Montag Streikposten aufgestellt. Es handelt sich bei dem Streik von 7000 Lehrern und Hilfskräften um den ersten Arbeitskampf seit 1999. Damals endete eine neun Tage dauernde Arbeitsniederlegung mit einer Pattsituation.

Die Lehrergewerkschaft von Detroit (DFT) brauchte die Tausenden Lehrer auf der Versammlung nicht zur Auseinandersetzung mit der örtlichen Schulverwaltung drängen. Die Verwaltung hatte eine Senkung der Löhne und Zulagen von insgesamt 15 Prozent sowie eine Verlängerung der Arbeitszeit verlangt. Auf die Aufforderung der Vorsitzenden der DFT, Jana Garrison, alle Gegner der Pläne der Schulverwaltung sollten aufstehen, erhoben sich so gut wie alle Anwesenden.

Die Versammlung war ein klarer Ausdruck der Kampfbereitschaft der Lehrer und ihrer Entschlossenheit, den Versuch zurückzuschlagen, die Last der Haushaltskrise Detroits auf die Beschäftigten und das öffentliche Schulsystem abzuwälzen.

Es muss aber auch klar gesehen werden, dass die Lehrer einen Kampf aufgenommen haben, bei dem sie sich mit dem gesamten politischen Establishment, mit der Wirtschaftselite, mit den Gerichten und den Medien auseinander zu setzen haben. Unisono drohen diese mit empfindlichen Geldstrafen und Sanktionen auf Grund des Streikverbots für Beamte, das in einem reaktionären Staatsgesetz festgelegt ist.

Bei dem Kampf der Lehrer zur Verteidigung ihres Lebensstandards und für akzeptable Unterrichtsbedingungen für ihre Schüler handelt es sich um einen politischen Kampf, der sich gegen den demokratischen Bürgermeister Kwame Kilpatrick, und gegen die demokratische Gouverneurin Jennifer Granholm richtet. Die Gewerkschaft hat jedoch an einem solchen Kampf kein Interesse und verfügt dafür auch nicht über eine geeignete politische Strategie.

Das wurde bei den Einlassungen der DFT-Vorsitzenden Garrison auf der Massenversammlung am Sonntag deutlich. Garrison berichtete ausführlich über die geforderten drastischen Zugeständnisse, die auch eine Lohnsenkung von 5,5 Prozent beinhalten. Außerdem müssten die Lehrer nach den Vorgaben der Verwaltung bedeutend höhere Krankenkassenbeiträge zahlen.

Weiter werden von bestimmten Lehrern mehr Unterrichtsstunden verlangt, vorgesehen ist eine Kürzung der bezahlten Krankheitstage von 10 auf 5 und eine Abschaffung von Gratifikationen. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, macht die Verwaltung noch das Angebot, im Falle der Akzeptanz des ganzen Kürzungspakets, den Lehrern 2/5 des Lohns, auf den sie im vergangenen Jahr verzichtet haben, zurückzuzahlen.

Die DFT-Vorsitzende sagte aber nicht, wie die Gewerkschaft auf Geldstrafen und andere Sanktionen reagieren will und schob die Bedrohung mit der Bemerkung beiseite: " Bei uns in Amerika ist nicht alles richtig, nur weil es Gesetz ist."

Diese Großtuerei soll nur die notwendigen Schlussfolgerungen erschweren, die sich aus der politischen Verbindung der DFT mit der Demokratischen Partei ergeben. Die Lehrergewerkschaft ist mit genau den Politikern und Wirtschaftsinteressen verbündet, die hinter den Angriffen auf die Lehrer stehen.

Am Tag vor der Massenversammlung vom Sonntag, warnten Granholm und der ehemalige Bürgermeister von Detroit, Dennis Archer, vor dem "Schaden", den der Lehrerstreik in Detroit und Umgebung anrichten werde. Zuvor hatte Bürgermeister Kilpatrick einen möglichen Streik als "Anfang vom Ende unseres Schulsystems" bezeichnet.

Im Interesse ihrer Verbindung mit der Demokratischen Partei ist die DFT bereit, die Lehrer zu isolieren und bereitet sich auf einen faulen Kompromiss mit der Schulbehörde vor.

Die Lehrer müssen selbst die Initiative ergreifen, um die gesamte arbeitende Bevölkerung Detroits für eine aktive Unterstützung ihres Kampfes zu gewinnen, sie müssen zu Massendemonstrationen und Solidaritätsstreiks aufrufen, die jeden Versuch, die Lehrer zu bestrafen oder ihren Streik zu brechen, zurückweisen müssen. Diese Aktionen müssen mit einer neuen politischen Strategie verbunden werden - dem Bruch mit den zwei Parteien des Big Business und dem Aufbau einer unabhängigen politischen Bewegung auf der Grundlage sozialistischer Politik.

Siehe auch:
Gewerkschaften würgen Streik der New Yorker Verkehrsbetriebe ab
(28. Dezember 2005)
Streik bei den New Yorker Verkehrsbetrieben: eine neue Stufe im Klassenkampf
( 22. Dezember 2005)

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