Die SEP in Sri Lanka fordert vollständige Aufklärung des Mordes an Sivapragasam Mariyadas

Von der Socialist Equality Party
7. September 2006

Die Socialist Equality Party (SEP) von Sri Lanka und die World Socialist Web Site verurteilen aufs Schärfste den Mord an dem Anhänger der SEP, Sivapragasam Mariyadas, der am 7. August in der Ostprovinz Trincomalee erschossen wurde. Wir rufen unsere Leser und Sympathisanten zur Unterstützung unserer Kampagne für eine vollständige Aufklärung und strafrechtliche Verfolgung der für dieses Verbrechen Verantwortlichen auf.

Alle Beweise deuten bisher darauf hin, dass die Mörder der srilankischen Armee, der Polizei oder einer angegliederten paramilitärischen Truppe angehören, und dass der Mord an Mariyadas Bestandteil einer bösartigen Kampagne ist, die Bevölkerung im Nordosten Sri Lankas einzuschüchtern und zu terrorisieren, während die Regierung von Präsident Mahinda Rajapakse das Land zurück in den Bürgerkrieg treibt. Der Zweck dieser Kampagne besteht darin, die bewussten Kriegsgegner zum Schweigen zu bringen.

Mariyadas war ein 32-jähriger Berufsfotograf, der in der Kleinstadt Mullipothana, etwa zwanzig Kilometer südlich von Trincomalee, ein Studio und ein Telekommunikationszentrum unterhielt. Er zog mit seiner Frau, Stela Krishanthi Mariyadas, und dem dreijährigen Sohn erst sieben Tage vor seinem Tod in die Stadt, wegen der Probleme der täglichen Anfahrt zu seiner Arbeitsstätte.

Am Abend des 7. August kam Mariyadas um viertel vor acht nach Hause. Nach dem Essen, etwa um halb zehn, ging er zur Tür, weil jemand auf Tamilisch "Mariyadas anna" (Bruder Mariyadas) gerufen hatte. Als er an die Tür kam, schoss ihm ein Bewaffneter in Stirn und Hals und tötete ihn auf der Stelle.

Seine Frau, Stela Krishanthi, rannte aus der Küche herbei, als sie die Schüsse hörte, und fand Mariyadas, der auf dem Boden zusammengebrochen war. Sie sah den Angreifer in Shorts, T-Shirt und Helm vom Haus weg zum Gartentor rennen. Der Mörder sprang über die Mauer und entkam auf einem wartenden Motorrad.

Als Krishanthi um Hilfe rief, kamen Nachbarn zu ihrem Haus und mit ihnen zwei Wachmänner. Eine halbe Stunde später erschienen die Polizisten der Thambalagamuwa-Wache am Tatort. Sie nahmen die Aussage von Krishanthi auf und brachten Mariyadas Leiche ins zehn Kilometer südlicher gelegene Krankenhaus von Kantalai. Am nächsten Tag fand im Krankenhaus eine offizielle Untersuchung statt, die ein Routine-Urteil fällte: Tod durch Schussverletzungen, verursacht von einem nicht-identifizierten Schützen. Eine ernst zu nehmende Untersuchung wurde nicht in die Wege geleitet.

Die Tatumstände weisen auf einen professionellen, gezielten Mord hin, ausgeführt von Mitgliedern der Sicherheitskräfte oder von paramilitärischen Schlägern. Die Gegend liegt mitten in einem Kriegsgebiet, ständig patrouillieren Soldaten, Polizisten und Wachen. Jeder, der sich des Nachts draußen aufhält, wird an Straßensperren routinemäßig einer Sicherheitskontrolle unterworfen.

Der Mord wurde unmittelbar nach heftigen Kämpfen in der Stadt Muttur, etwa fünfzig Kilometer östlich von Mullipothana, verübt. Am 26. Juli hatte Präsident Rajapakse unter offener Verletzung des Waffenstillstands von 2002 eine Großoffensive lanciert, um die Bewässerungsschleusentore von Mavilaru einzunehmen, die auf dem Territorium der Rebellen liegen. Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (Liberation Tigers of Tamil Eelam, LTTE) rächten sich, indem sie am 1. August in die von der Regierung kontrollierte Stadt Muttur eindrangen und drohten, die Nachschubwege der Armee abzuschneiden.

Zehntausende Einwohner, meist Muslime, ergriffen die Flucht, als die Armee die Stadt mit einem Sperrfeuer schwerer Artillerie und Raketen beschoss und schließlich die Kontrolle wiedererlangte. Wenige Meter von Mariyadas’ Haus entfernt steht eine muslimische Schule, in der Flüchtlinge aus Muttur beherbergt werden. Mullipothana ist voller Soldaten, die an der Hauptstraße von Trincomalee nach Kantalai patrouillieren. Schwerbewaffnete Soldaten sind an der Schule postiert.

Am 5. August, zwei Tage vor dem Mord an Mariyadas, wurden siebzehn ortsansässige Mitarbeiter der französischen Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger (ACF) in Muttur tot aufgefunden. Fünfzehn Leichen lagen aufgereiht auf dem ACF-Gelände, jeder einzelne mit einem Schuss in den Kopf, wie bei einer Exekution. Zwei weitere hatten zu fliehen versucht und waren in den Rücken geschossen worden. Die Sri Lanka Monitoring Mission (SLMM - Mission zur Überwachung des Waffenstillstands in Sri Lanka), die den Waffenstillstand überwacht, führte eine eigene Untersuchung durch und kam am 30. August zu dem offiziellen Ergebnis, dass die Armee für die Morde verantwortlich ist.

Die Morde von Muttur sind nur eine von vielen Greueltaten, seit Rajapakse vergangenen November Präsident geworden ist. Sie werfen ein Licht auf den ethnisch motivierten Charakter des Kriegs. Die Sicherheitskräfte sind zutiefst von singhalesischem Chauvinismus durchdrungen und behandeln die tamilische Minderheit als Feind. Extremistische singhalesische Parteien haben immer wieder Organisationen, die unabhängig von der Regierung im Norden und Osten arbeiten, als "Tiger-Sympathisanten" denunziert.

Zwei Tage später wurde Mariyadas inmitten dieses vergifteten politischen Klimas ermordet. Als er am 9. August in seiner Heimatstadt Selvanayagapuram bei Trincomalee beigesetzt wurde, patrouillierten Sicherheitskräfte auf Motorrädern in der Gegend und versuchten, die Menschen fernzuhalten. Soldaten erklärten den singhalesischen Trauergästen: "Warum beteiligt ihr euch an der Beerdigung eines LTTE-Mitglieds? Ihr könnt hingehen, aber wir werden genau beobachten, wohin ihr anschließend geht."

Auch in Mullipothana verbreiteten Soldaten ähnliche Lügen: Mariyadas sei LTTE-Mitglied gewesen und habe auf seiner Beerdigung eine LTTE-Medaille erhalten. Trotz der Einschüchterungsversuche nahmen etwa 500 tamilische und singhalesische Trauergäste an der Beerdigung teil und erwiesen ihm die letzte Ehre. Mariyadas war ein beliebter junger Mann. Er war überall bekannt, weil er anderen half und gesellige Treffen organisierte.

Mariyadas war kein LTTE-Mitglied. An den politischen Aktivitäten der SEP beteiligte er sich zwar nicht offen, stimmte aber mit dem politischen Programm der Partei überein, und nicht mit der separatistischen Perspektive der LTTE. Mariyadas hatte tiefe Hochachtung vor dem langwierigen Kampf, den die SEP und ihr Vorläufer, die Revolutionary Communist League (RCL), schon seit seinem Beginn 1983 gegen den Krieg führt und vor dem Kampf zur Vereinigung der tamilischen, singhalesischen und muslimischen Arbeiterklasse für eine Sozialistische Republik von Sri Lanka und Eelam.

Mariyadas kam vor fünf Jahren mit der SEP in Kontakt. Begierig las er WSWS -Artikel auf tamilisch und unterstützte WSWS -Reporter, wann immer er konnte. WSWS -Journalisten wurden von ihm und seiner Familie mit Essen und Unterkunft versorgt. War er der Meinung, ihre Aufgabe sei riskant, so bestand er darauf, sie zu begleiten. Mit seinem großen Freundes- und Bekanntenkreis konnte man immer auf ihn bauen, wenn es galt, Informationen zu bekommen und Interviews zu arrangieren. Nur wenige Tage vor seinem Tod verschaffte er der WSWS die Möglichkeit, ein Interview mit einem Flüchtling aus Muttur zu machen. Mariyadas wollte, dass das Geschehen in Sri Lanka wahrheitsgemäß wiedergegeben und einem internationalen Publikum übermittelt wird.

Er fasste seine Opposition gegen den Krieg in die einfachen Worte: "Schaut, wir Singhalesen, Tamilen und Muslime leben hier eng und problemlos miteinander. Nur eine Handvoll von Menschen dieser drei Zugehörigkeiten kommen hier her und heizen ethnische Differenzen an zu ihrem eigenen Vorteil." Ein überzeugter Kriegsgegner und feindlich gegenüber allen herrschenden Eliten, pflegte er zu sagen: "In diesem Krieg sterben ganz normale Tamilen und unschuldige singhalesische Zivilisten, auch Soldaten." Kein Wunder, dass er von der SEP und der WSWS angezogen wurde.

Mariyadas hatte keine persönlichen Feinde. Als seine Familienmitglieder in ihn drangen, nicht nach Mullipothana umzuziehen, antwortete ihnen Mariyadas, er habe keine Angst, denn die Singhalesen und Muslime am Ort seien ihm alle freundlich gesonnen. Er wurde getötet, weil er ein bekannter Kriegsgegner war. Seine Ermordung sollte andere einschüchtern, die einen progressiven politischen Weg aus dem Sumpf des Bürgerkriegs suchen, der die Insel seit mehr als zwanzig Jahren verschlingt.

Als die SEP am 4. September mit der Polizei der Thambalagamuwa-Wache sprach, sagte der Chef der Kriminalpolizei, Sergeant Perera, die Ermittler hätten keine Indizien gefunden. Er sagte, die Polizei verdächtige eine Terrorgruppe wie die Karuna-Gruppe, eine Abspaltung von der LTTE mit Verbindungen zur Armee. Perera deutete auch an, die LTTE könne Mariyadas verdächtigt haben, Informationen an die Sicherheitskräfte weiterzugeben, und ihn getötet haben. Anders ausgedrückt, die Polizei führt keine ernstzunehmende Untersuchung durch.

Sergeant Perera sagte der SEP, die Ermittlungen dauerten noch an, und der Fall solle am 7. Dezember erneut vor das Amtsgericht des Ortes gebracht werden. Es besteht die Gefahr, dass eine ungeheuerliche Vertuschung organisiert wird - wie es schon oft der Fall war, wenn srilankische Sicherheitskräfte in solche Verbrechen verstrickt waren.

Die SEP und die WSWS führen eine internationale Kampagne, um von der srilankischen Regierung zu verlangen, die Mörder von Mariyadas zu finden und zu bestrafen. Wir fordern alle unsere Leser und Sympathisanten auf, an die srilankischen Behörden zu schreiben und gegen den Mord zu protestieren sowie zu verlangen, dass der Fall rückhaltlos aufgeklärt wird und die Verantwortlichen festgenommen und zur Rechenschaft gezogen werden.

Protestbriefe bitte an folgende Adressen:

Inspector General of Police Chandra Fernando, Police Headquarters, Colombo 1, Sri Lanka. Fax: 0094 11 2446174 Email: igp@police.lk

Attorney General K.C. Kamalasabeyson, Attorney General’s Department, Colombo 12, Sri Lanka. Fax: 0094 11 2436 421

Kopien der Briefe bitte an die Socialist Equality Party (Sri Lanka) und an die World Socialist Web Site.

Socialist Equality Party, P.O. Box 1270, Colombo, Sri Lanka.

Für Briefe an die WSWS-Redaktion bitte diesen Link benutzen online form

Siehe auch:
Demonstration der SEP in Sri Lanka gegen amerikanisch-israelischen Krieg im Libanon
(11. August 2006)
Dutzende von Schülerinnen durch Bomben der srilankischen Luftwaffe getötet
( 17. August 2006)

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