Die JFK-Verschwörung - eine weitere aufgeblähte Bedrohung

Von Bill Van Auken
9. Juni 2007

Die Nachrichten in den USA waren am Wochenende von marktschreierischen Schlagzeilen und groß aufgemachten Fernsehberichten über eine angebliche Verschwörung beherrscht, das Pipelinesystem und die Treibstofftanks des New Yorker John F. Kennedy Flughafens in die Luft zu sprengen. Der Anschlag hätte nach manchen Darstellungen "verheerender sein können als der 11. September".

Am Sonntag wurde gegen vier Männer Klage erhoben [http://www.usdoj.gov/usao/nye/pr/2007/Defreitas.complaint.pdf]. Diese Klage wies die gleichen Züge auf, die allen von der Regierung in den letzten Jahren aufgebauschten Fällen von "Terrorplänen" fast unvermeidlich eigen waren. Erstens hatten die Verdächtigen keinerlei Terroranschlag begangen und verfügten offensichtlich auch über keinerlei Mittel, einen zu begehen. Zweitens war eine zentrale Figur der angeblichen Verschwörung ein bezahlter Undercover Agent des FBI.

In Fernsehsendungen wurde von der schlimmsten Bedrohung seit den Anschlägen von New York und Washington gesprochen und Reporter schwärmten aus, um wahllos Interviews mit Passagieren im Flughafen JFK und mit Anwohnern zu machen, die im Umkreis der Pipelines leben, und sie zu fragen, wie sie sich nach ihrer angeblichen Beinahe-Begegnung mit dem Tod fühlen.

Wie üblich tat sich die New Yorker Regenbogenpresse bei der Sensationshascherei am meisten hervor. Rupert Murdochs New York Post nannte den angeblichen Anschlag in ihrer Schlagzeile einen "Inferno Plan" und schrieb über den angeblichen Plan in einem Leitartikel: "Der Plan, dem International Airport JFK und den Wohngebieten in der Umgebung verhängnisvollen Schaden zuzufügen, unterstreicht erneut die alles überschattende Bedrohung, die der islamistische Terror für Amerika bedeutet."

Die New Yorker Daily News vom Montag brachten einen fünfseitigen Bericht über die "Verschwörung" unter der lächerlichen Schlagzeile "Das Böse aß an Tisch acht". Sie kündigten ein Interview auf den Innenseiten mit einer Kellnerin aus Brooklyn an, die einmal Russel Defreitas bedient hatte, den die Zeitung als den "führenden Kopf" des angeblichen Anschlags bezeichnete, kurz bevor er von Bundesagenten und der Polizei festgenommen wurde.

Aber das Profil von Defreitas, einem 63-jährigen US-Bürger, der vor 25 Jahren aus Guyana zugewandert war, lässt alles anders als einen "führenden terroristischen Kopf" vermuten. Ein ehemaliger Bekannter beschrieb ihn als jemanden, der sich, bevor er zum Islam konvertiert war, als Rastafari bezeichnet hatte und Rastalocken trug. Er erinnerte an mehrere geschäftliche Unternehmungen, an denen er beteiligt war, wie die Lieferung von Klimaanlagen und Kühlschränken nach Guyana, aus denen allen aber nichts geworden war.

Er konnte nicht mal Bremsen reparieren", sagte der Ex-Bekannte. "Der hat niemals Bomben gebaut."

Andere Darstellungen beschreiben ihn als Rentner, der in einem verarmten Bezirk von Brooklyn lebt, und verschiedentlich obdachlos war. Newsday berichtete zum Beispiel: "Seit er vor einigen Jahren als Frachtverlader entlassen wurde, führte Russel Defreitas ein ziemlich unauffälliges Leben. Manchmal schlief er in Zügen und versuchte sich mit kleinen Betrügereien, dem Verkauf von Weihrauch an Straßenecken und Sozialhilfe durchzuschlagen, berichten Bekannte."

Mit beschuldigt sind Abdul Kadir, ein Staatsbürger Guyanas und ehemals Abgeordneter im Parlament von Guyana, und Kareem Ibrahim, Bürger von Trinidad. Beide sind in Trinidad inhaftiert, und die USA haben einen Auslieferungsantrag gestellt. Ihre Anwälte haben angekündigt, sich gegen die Auslieferung zu wehren. Vermutlich werden sie sich darauf berufen, dass die USA Terrorverdächtige foltern. Ein vierter Beschuldigter, ebenfalls Staatsbürger von Guyana, ist noch auf der Flucht.

Eine Schlüsselfigur der angeblichen Verschwörung wird in der Anklageschrift nur "die Quelle" genannt. Er wird als verurteilter Drogenhändler charakterisiert, der sich im Gegenzug für eine wohlwollende Überprüfung einer drohenden Gefängnisstrafe sowie für Geldzahlungen bereit erklärte, die angebliche Terrorzelle zu infiltrieren.

Die in der Klageschrift aufgeführten Beweismittel bestehen zum großen Teil aus Mitschnitten von Gesprächen der "Quelle" mit den Beschuldigten. Es wird aber ziemlich klar, dass dieser Informant in dieser angeblichen Verschwörung eine führende Rolle spielte. Defreitas wird mit den Worten zitiert, dass sie ihn als ihren "von Allah gesandten" Führer betrachteten.

Die Klageschrift nimmt auch auf Treffen und aufgezeichnete Gespräche zwischen Defreitas, der Quelle und Personen in Guyana Bezug, die nur als "Personen A bis F bezeichnet werden".

Diese sechs anonymen Männer schlugen laut den Bandaufnahmen eine breite Palette von Terroraktivitäten vor, wie das Einschmuggeln von "Mudschaheddin von Asien nach Guyana und dann weiter in die USA", die Zerstörung von amerikanischen Hubschraubern auf dem Flughafen von Guyana und den Plan, das Treibstoffsystem von JFK in die Luft zu jagen. Zu diesem letzten Vorschlag schlugen diese ungenannten Personen den Einsatz von Dynamit und chemischen Sprengstoffen vor und gaben Ratschläge, wie diese Materialien zu beschaffen seien. Einer dieser Unbekannten schlug auch vor, die Verschwörer sollten sich der Unterstützung der Islamistengruppe Jamaat al Muslimeen in Trinidad versichern. Laut den Aufzeichnungen sagte Defreitas bei diesen Gesprächen kein Wort.

Die nahe liegende Frage ist, warum diese sechs ungenannten "Personen" nicht auch angeklagt sind. Eine nicht unwahrscheinliche Erklärung ist, dass sie in der einen oder anderen Weise Bestandteil einer umfangeichen Szenerie waren, den glücklosen und gelegentlich obdachlosen Rentner und andere in eine Verschwörung zu verwickeln, die im Wesentlichen von der US-Regierung für ihre eigenen Zwecke angezettelt wurde.

Die bluttriefenden Darstellungen in den Medien reflektieren die völlig überzogenen Formulierungen des Staatsanwalts und der Polizei bei der Vorstellung der Anklageschrift. Die Bundes-Staatsanwältin Roslynn Mauskopf aus Brooklyn, New York, sagte bei der Bekanntgabe der Vorwürfe: "Wäre die Verschwörung ausgeführt worden, hätte sie zu unkalkulierbarem Schaden, Verlust an Leben und Zerstörung führen können." Sie fügte hinzu: "Die Verwüstungen, die dieser Anschlag verursacht hätte, wenn er erfolgreich gewesen wäre, sind einfach unvorstellbar."

Die Worte "unkalkulierbar" und "unvorstellbar" wurden zweifellos sorgfältig gewählt, weil die Art von Kettenreaktion, die in der Klageschrift unterstellt wird, überhaupt nicht möglich ist.

Sicherheitsexperten des Flughafens und Pipelinexperten bestreiten die Möglichkeit, dass die Explosion einer Pipeline oder eines Lagertanks zu einer solch schrecklichen Katastrophe hätte führen können. Während die Bundesanklage so tut, als ob eine solche Explosion sich in dem ganzen Pipelinesystem hätte ausbreiten können, das Tanks in Linden, New Jersey, mit dem Stadtteil Queens und Brooklyn, New York, verbindet, ist das in Wirklichkeit unmöglich. Erstens sind die Pipelines mit Sicherheitsventilen ausgerüstet, die den Durchfluss von Treibstoff unterbrechen, wenn eine Leckage auftritt, und zweitens, weil in den Rohren nicht genug Sauerstoff ist, um Feuer zu ermöglichen.

Die New York Times zeigte ihre skeptische Haltung gegenüber der Anklage ganz klar dadurch, dass sie die Berichterstattung über die "Verschwörung" nur auf den Lokalseiten brachte, und dadurch dass sie Neal Scott, einen Rechtsanwalt und ehemaligen Bundesstaatsanwalt, mit den Worten zitierte: "Leider gibt es eine Tendenz, in solchen Fällen zu viel Geschrei zu machen."

Der Artikel in der Times zitierte Sonnett, der auch Präsident der Nationalen Vereinigung der Strafverteidiger war, weiter: "Es gibt darüber hinaus das Risiko, die Raffinesse eines Terrorplans zu übertreiben. Auch wenn viele Amerikaner heute zu Recht einen Anschlag fürchten, besteht die Gefahr, dass der Aufbau eines Schreckgespenstes ein Klima der Furcht schafft und die Politik in eine bestimmte Richtung treibt."

Es gibt allen Grund für die Annahme, dass mit dieser ganzen Reihe von "Terrorfällen" genau dieser Effekt erzielt werden soll. Jeder neue Fall ist unglaubwürdiger als der vorherige und bei fast allen waren "Informanten" die treibende Kraft, die mehr die Rolle von Provokateuren zu spielen scheinen. Sie sollen der Öffentlichkeit Angst einjagen, Angriffe auf demokratische Rechte rechtfertigen und die Aufmerksamkeit vom Debakel im Irak ablenken.

Das Problem der Regierung ist, dass die Öffentlichkeit gegenüber diesen Fällen immer skeptischer wird, und ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung inzwischen der Meinung ist, dass sie aus politischen Gründen konstruiert werden.

Unter diesen Bedingungen besteht die Gefahr, dass die Regierenden zu dem Schluss kommen könnten, etwas Drastischeres werde gebraucht.

Am gleichen Tag, an dem die angebliche Verschwörung gegen den JFK-Airport in die Medien gehievt wurde, brachte die Democrat-Gazette in Arkansas ein aufschlussreiches Interview mit dem neuen Vorsitzenden der Republikanischen Partei von Arkansas, der sich selbst als einen "150prozentigen Bush-Anhänger bezeichnete".

"Am Ende", erklärte der Vorsitzende Dennis Milligan, Besitzer einer Wasseraufbereitungsfirma, "wird sich zeigen, dass der Präsident genau das Richtige tut. Und wir brauchen nur einige Anschläge, wie am 11. September, auf amerikanischem Boden, und schon werden die Nein-Sager wieder angerannt kommen..."

Die Frage ist, ob Elemente in der Bush-Regierung zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen und erneut Terroranschläge "auf amerikanischem Boden" organisieren oder zulassen, um einen Vorwand zu haben, die Opposition der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung gegen ihre Politik zu unterdrücken.

Siehe auch:
Fünf Jahre seit dem 11. September 2001: Eine politische Bilanz
(14. September 2006)
Die politischen Interessen hinter der jüngsten Terrorhysterie
(16. August 2006)