Sri Lankas Unabhängigkeit: 60 Jahre ethnische Ungleichheit, sozialer Verfall und Krieg

Von der Socialist Equality Party (Sri Lanka)
13. Februar 2008

Der 4. Februar 2008 ist der 60. Jahrestag der formellen Unabhängigkeit Sri Lankas von Großbritannien. Die Art der offiziellen Feiern - eine Militärparade unter Bedingungen einer militärischen Abriegelung Colombos und ein im Norden wütender Bürgerkrieg - ist ein Beweis für den völligen politischen Bankrott der herrschenden Eliten Sri Lankas. Sechs Jahrzehnte Unabhängigkeit haben den einfachen arbeitenden Menschen nichts gebracht außer ethnischen Konflikten, wachsendem sozialen Elend und immer undemokratischeren Herrschaftsmethoden.

Seit fast dreißig Jahren steckt das Land in einem Krieg, dessen Ziel die Aufrechterhaltung der Vorherrschaft der singhalesischen buddhistischen Eliten über die tamilische Minderheit ist. Mehr als 70 000 Menschen sind im Verlauf der Kämpfe gestorben, Millionen sind innerhalb der Insel oder ins Ausland vertrieben worden und große Gebiete des Landes wurden verwüstet. Die wirtschaftlichen Mittel wurden für den tödlichen Bruderzwist verschleudert. Jeder Versuch, ein Friedensabkommen zu erzielen, wurde von der Politik der ethnischen Spaltung zunichte gemacht, welche die herrschende Klasse seit der Unabhängigkeit benutzt, um die Arbeiterklasse zu spalten und zu beherrschen.

Präsident Mahinda Rajapakse, der bei den Veranstaltungen heute den Vorsitz führen wird, hat nichts zu bieten außer nationalistischem Schwulst. Vor einem Monat hat seine Regierung formell den Waffenstillstand von 2002 beendet und den Befreiungstigern von Tamil Eelam (Liberation Tigers of Tamil Eelam - LTTE) den Krieg bis zum bitteren Ende erklärt. Selbst wenn er seine unmittelbaren militärischen Ziele erreichen könnte, hat Rajapakse keine Lösung für die ethischen Spannungen zu bieten, die durch Jahrzehnte der Diskriminierung der Tamilen geschaffen wurden.

Im Jahr 2006 warf Rajapakse das Land als Reaktion auf eine sich vertiefende Wirtschaftskrise und wachsende soziale Unzufriedenheit in den Krieg zurück. Wie seine Vorgänger hat der Präsident den Krieg benutzt, um ethnischen Hass anzuheizen und die Verhängung drakonischer Notstandsgesetze zu rechtfertigen, um Widerstand dagegen zu unterdrücken. Streikende Arbeiter, protestierende Bauern und Kritiker in den Medien wurden als "Tiger"-Sympathisanten oder Terroristen gebrandmarkt. Im Verborgenen agierende Todesschwadronen, die mit dem Militär zusammenarbeiten, haben Hunderte von Menschen getötet oder "verschwinden" lassen.

Die Lebensbedingungen sind für die Mehrheit der Bevölkerung unerträglich geworden. Enorme Ausgabensteigerungen für das Militär und sprunghaft steigende Ölpreise haben zu einer galoppierenden Inflation geführt, die jetzt bei 26 Prozent liegt und Grundbedarfsartikel für normale Menschen unerschwinglich macht. Diese Not wird noch durch steigende Steuern und die Streichung von Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst und sozialen Dienstleistungen verschlimmert. Die sich anbahnende wirtschaftliche Abschwächung in den USA und weltweit wird die wirtschaftlichen Probleme der Insel nur verschärfen und den Boden für eine soziale und politische Explosion bereiten.

Die Bilanz der letzten 60 Jahre ist eine Anklage gegen die herrschende Klasse Sri Lankas, deren politische Vertreter aus der selbst verursachten Katastrophe keinen Ausweg bieten können. Die Geschichte Sr Lankas hat auf tragische Weise eine grundlegende Wahrheit von Trotzkis Theorie der permanenten Revolution bestätigt: die organische Unfähigkeit der Bourgeoisie in Ländern mit verspäteter kapitalistischer Entwicklung, irgendeine der ungelösten demokratischen und gesellschaftlichen Aufgaben lösen zu können. Die einzige Zukunft, die die Regierung in Colombo bietet, ist Krieg, Unterdrückung und eine immer größere gesellschaftliche Ungleichheit.

Sri Lanka ist eins der deutlichsten Beispiele für das Scheitern der unterschiedlichen post-kolonialen Projekte in Asien, Afrika und Lateinamerika. In der unmittelbar benachbarten Region, haben Indien und Pakistan - die aus der reaktionären Teilung des Subkontinents von 1947 entstanden sind - schon drei Kriege gegeneinander geführt. Die korrupten indischen Politiker, die mit einem "Wirtschaftswunder" in der "größten Demokratie der Welt" prahlen, sitzen mit 400 Millionen Menschen, die in Armut leben, auf einer tickenden gesellschaftlichen Bombe. Sie zögern nicht, Polizeistaatsmethoden anzuwenden, um die Opposition zu unterdrücken. Die gegenwärtigen sich aufs Militär stützenden Regimes in Pakistan, Bangladesh und Burma werfen lediglich ein Schlaglicht auf die Tatsache, dass die lokalen herrschenden Eliten keine anderen Mittel gefunden haben, die explosiven sozialen, politischen und wirtschaftlichen Widersprüche in ihren Ländern in Schach zu halten.

Die Arbeiterklasse ist die einzige gesellschaftliche Kraft, die in Sri Lanka und überall in der Region in der Lage ist, auf der Grundlage eines sozialistischen und internationalistischen Programms eine Lösung für die ausweglose Situation zu bieten. Aber der Aufbau einer sozialistischen Bewegung ist nur möglich, wenn eine historische Bilanz der letzten 60 Jahre gezogen wird. Dies ist mit Sicherheit in Sri Lanka der Fall, wo die Trotzkisten der bolschewistisch-leninistischen Partei Indiens (Bolshevik Leninist Party of India - BLPI), später die Lanka Sama Samaja Party (LSSP), über eine große Anhängerschaft unter den klassenbewusstesten Schichten der Arbeiter verfügten. Die politischen Lehren aus der Degeneration der LSSP sind nicht nur für die Arbeiterklasse in Sri Lanka von sehr großer Bedeutung, sondern überall in Asien und international. Als die LSSP 1964 die trotzkistischen Prinzipien verriet, und ihre Führer in die Regierung von Frau Sirimavo Bandaranaike eintraten, gewann die Politik ethnischer Spaltung der srilankischen Bourgeoisie die Oberhand und führte letztendlich zum Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 1983.

Unbhängigkeit - Tatsache oder Trugbild?

Vor sechzig Jahren organisierte die BLPI auf dem Platz Galle Face Green in Colombo eine Demonstration, die sich außerordentlich von der dreisten Zurschaustellung von Militarismus unterschied, die die Rajapakse-Regierung gestern auf demselben Platz geboten hat. Die Trotzkisten wiesen die Schein-Unabhängigkeit zurück, die hinter verschlossenen Türen im britischen Kolonialministerium in London vereinbart worden war. Am 4. Februar 1948 mobilisierte die BLPI 50.000 Arbeiter - Tamilen, Singhalesen und Muslime - um ihre Entschlossenheit auszudrücken, den Kampf für Sozialismus und wirkliche Unabhängigkeit durch die Bildung einer Arbeiter- und Bauernregierung fortzusetzen.

Basierend auf einem tiefen Verständnis von Trotzkis Permanenter Revolution machte der BLPI-Führer Colvin R. de Silva eine weitsichtige Analyse der britischen Machtübergabe in Sri Lanka, die weitgehend auf alle post-kolonialen Regime der Nachkriegszeit anwendbar war. In einer Erklärung mit der Überschrift: "Unbhängigkeit - Tatsache oder Trugbild? erklärte de Silva: "Das wirkliche Wesen dieses Schrittes ist nicht, dass Ceylon [Sri Lanka] vom kolonialen Status zur Unabhängigkeit übergeht, sondern es besteht in der Umstellung der Methoden des britischen Imperialismus in Ceylon von direkter Herrschaft zu indirekter Herrschaft...Die Aufgabe, die Interessen des britischen Imperialismus in Ceylon zu verwalten, ist nahezu vollständig den einheimischen Ausbeuterklassen in Ceylon übertragen worden. Der britische Imperialismus hat sich in den Hintergrund zurückgezogen, aber keineswegs abgedankt."

Sri Lankas erster Premierminister D.S. Senanayake war sich sehr bewusst über die Gefahren, die vom Widerstand der BLPI gegen die Unabhängigkeit ausging. Er schrieb an die BLPI und flehte ihre Führer an, an der offiziellen Übergabe-Zeremonie teilzunehmen. Das politische Ansehen der BLPI begründete sich darauf, dass sie sich während des zweiten Weltkriegs geweigert hatte, den antikolonialen Kampf zu beenden und die Interessen der Arbeiterklasse dem britischen Kriegseinsatz unterzuordnen. Anders als die Stalinisten der Kommunistischen Partei von Sri Lanka (Communist Party of Sri Lanka - CPSL), wies die BLPI die Theorie zurück, der Krieg sei ein Kampf der "Demokratie" gegen den Faschismus, und betonte, dass zwei rivalisierende Banden von imperialistischen Mächten um die Vorherrschaft in der Welt wetteiferten.

1945 erwies sich die BLPI als die Partei mit beherrschendem Einfluss in der Arbeiterklasse Sri Lankas, obwohl sie verboten war und ihre Führer während des Kriegs ins Gefängnis gesperrt worden waren. Sie führte 1946 und 1947 Generalstreiks an, und 1947 zwangen die Trotzkisten, die bei den Wahlen knapp die parlamentarische Mehrheit verpasst hatten, Senanayake’s United National Party (UNP) eine Koalition mit mehreren kleineren Parteien zu bilden. Konfrontiert mit einer aufständischen Arbeiterklasse, griff die UNP von Anfang an auf eine Politik der ethnischen Spaltung zurück.

Eine der ersten Maßnahmen der Senanayake-Regierung war 1948, mehr als einer Million tamilisch sprechenden Plantagenarbeitern, die im vorangegangenen Jahrhundert von Süd-Indien zum Arbeiten in die Tee- und Kautschuk-Ländereien geholt worden waren, das Wahlrecht zu entziehen. Auf einen Schlag wurden 10 Prozent der Einwohner des Landes ihrer Bürgerrechte beraubt. Die BLPI stellte sich gegen diese rassistische Maßnahme und warnte davor, dass die Diskriminierung unausweichlich auf die Tamilen im Norden und Osten ausgedehnt werden würde, obwohl sie schon seit Jahrhunderten auf der Insel lebten.

Das Jahr 1953 brachte einen entscheidenden Wendepunkt. Im August entwickelte sich ein eintägiger Generalstreik zu dem die LSSP aufgerufen hatte (die BLPI und die LSSP schlossen sich 1950 zusammen) in einen Massenaufstand, der die kapitalistische Herrschaft bis ins Mark erschütterte. Proteste gegen steigende Preise und Kürzungen der Sozialausgaben setzten sich drei Tage lang fort und fanden breite Unterstützung bei allen Bevölkerungsteilen- bei Tamilen, Singhalesen und Muslimen - außerdem breiteten sie sich in die ländlichen Gebiete aus. Das UNP-Kabinett, das sich zur Krisensitzung auf einem britischen Kriegsschiff im Hafen von Colombo zusammenfand, war gezwungen, die meisten seiner wirtschaftlichen Maßnahmen zurückzunehmen.

Die srilankische Bourgeoisie zog eindeutige Lehren aus dieser entnervenden Erfahrung. Direkt nach dem Generalstreik legte S.W.R.D. Bandaranaike, der sich 1951 von der UNP getrennt und die Sri Lanka Freedom Party (SLFP) gegründet hatte, ein offen rassistisches Programm der Vorherrschaft der Singhalesen vor und forderte, Singhalesisch zur einzigen offiziellen Sprache der Insel zu erklären und Tamilisch auszuschließen. Bandaranaike war zu dem Schluss gelangt, dass das Anheizen von anti-tamilischen Vorurteilen das einzige Mittel war, um dem Einfluss der LSSP entgegenzuwirken. Er verbrämte seinen "nur-singhalesischen" Rassismus mit leerer sozialistischer Phrasendrescherei über "Verstaatlichungen" und eine Politik für die Armen.

1953 war ebenso ein entscheidendes Jahr für die internationale trotzkistische Bewegung. Im November wurde das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) im Kampf gegen eine opportunistische Strömung unter der Führung von Ernest Mandel und Michel Pablo gegründet. Sie zweifelten angesichts der Nachkriegsstabilisierung des Kapitalismus zutiefst an den Aussichten für den Sozialismus und verwarfen die grundlegenden Lehren der russischen Revolution. Pablo und Mandel behaupteten starr und fest, die Parteien der Vierten Internationale könnten sich nicht wie die Bolschewiki durch den Kampf für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse an die Spitze einer revolutionären Bewegung stellen. Stattdessen, erklärten sie, müssten sich die Trotzkisten in die "wirklichen Massenbewegungen" integrieren - was tatsächlich bedeutete, ihre Parteien den existierenden stalinistischen, sozialdemokratischen und bürgerlich nationalistischen Führungen unterzuordnen.

Die Haltung der LSSP gegenüber der Spaltung sollte tief greifende Folgen für die Arbeiterklasse in Sri Lanka haben. Da sie einen Kampf gegen die CPSL geführt hatte, stand sie der pro-stalinistischen Orientierung von Pablo und Mandel kritisch gegenüber. Sie weigerte sich allerdings, dem IKVI beizutreten und stellte sich letztendlich auf die Seite des pablistischen Internationalen Sekretariats, das bereitwillig seinen Segen zur darauf folgenden politischen Rückwärtsentwicklung der LSSP gab. Sich auf die "wirkliche Massenbewegung" zu orientieren hatte in Sri Lanka eine konkrete Bedeutung. Statt einen unermüdlichen Kampf gegen den Pseudo-Sozialismus von Bandaranaike zu führen, passten sich die LSSP-Führer an die Politik der ethnischen Spaltung an. Parlamentarischer Kretinismus ersetzte in wachsendem Maße die Verteidigung der Prinzipien des sozialistischen Internationalismus.

Die Kapitulation der LSSP ging nicht mit einem Mal vor sich. In den Wahlen von 1956, die Bandaranaike an die Macht brachten, trat die LSSP gegen die "Nur-Singhalesisch"-Politik auf und forderte die Gleichbehandlung von Singhalesisch und Tamilisch als Staatssprachen. Die Partei verteidigte die Tamilen gegen die immer brutaleren Pogrome, die von singhalesischen Banden angezettelt wurden. Die politische Losung der LSSP - "Eine Sprache zwei Länder, zwei Sprachen ein Land" - war außergewöhnlich vorausschauend in ihrer Prognose der gewalttätigen Folgen der Diskriminierung der Tamilen. Gleichzeitig aber beschäftigte sich die LSSP vorwiegend mit parlamentarischen Manövern und passte sich in wachsendem Maße an Bandaranaike an, was auch in ihren Wahlabsprachen mit der SLFP zum Ausdruck kam, die schon 1956 begannen.

Der große Verrat

Ein Jahrzehnt politischer Degeneration, unterstützt und begünstigt durch das pablistische Vereinigte Sekretariat, gipfelte im Eintritt der LSSP in eine SLFP-Koalitionsregierung mit Bandaranaikes Witwe im Jahr 1964. Der Preis für ihre Ministersitze bestand darin, die explosive Bewegung der Arbeiter für die "21 Forderungen" abzublasen, die drohte, eine Wiederholung des Generalstreiks von 1953 zu werden. Die neue Regierung scheiterte zwar nach wenigen Monaten, aber das Ausmaß des Verrats der LSSP wurde schon offenkundig, als sie das Sirima-Schastri-Abkommen zwischen Colombo und Neu-Dehli unterstützte, dementsprechend 300 000 Plantagen-Arbeiter nach Süd-Indien deportiert werden sollten. Dies bedeutete eine völlige Zurückweisung der Politik der trotzkistischen Bewegung von 1948, die Bürgerrechte der tamilischen Arbeiter zu verteidigen.

Die SLFP-LSSP-Koalition wurde voll verwirklicht, als sie 1970 die Wahlen gewann. Angesichts wachsender wirtschaftlicher Instabilität, verwarf die neue Regierung sehr schnell ihre Wahlversprechen und begann, die vom IWF verlangten Sparmaßnahmen durchzusetzen. Die Teilnahme der LSSP an einer offen kapitalistischen Regierung schuf sehr viel Verwirrung in der Arbeiterklasse. Teile der radikalisierten Jugendlichen wandten sich Gruppen wie der Janatha Vimukthi Peramuna (Nationale Befreiungsfront, JVP) zu, mit ihrer vergifteten Mischung aus Maoismus, Guevarismus und singhalesischem Chauvinismus. Eine der ersten Maßnahmen der Bandaranaike-Regierung bestand darin, das erste Guerrilla-Abenteuer der JVP brutal zu unterdrücken - einen bewaffneten Aufstand bäuerlicher singhalesischer Jugendlicher im Jahr 1971. Mehr als 10 000 Menschen wurden getötet und weitere 15 000 in Gefängnislagern inhaftiert, die überall im Land errichtet wurden.

Als Reaktion auf die Herausforderung durch die JVP bewegte sich die Regierung noch deutlicher in Richtung singhalesischem Nationalismus, und die LSSP bildete dabei die Vorhut. 1972 war Colvin R. de Silva verantwortlich für den Entwurf einer Verfassung für das in Demokratische Sozialistische Republik umbenannte Sri Lanka. Die Verfassung war weder sozialistisch noch demokratisch. Unter dem Vorwand, die Überreste der britischen Kolonialherrschaft zu beseitigen, verankerte de Silva die Diskriminierung der Tamilen in der Verfassung, indem er den Buddhismus zur Staatsreligion machte und Singhalesisch zur einzigen offiziellen Sprache.

Als Minister für die Plantagen, führte de Silva auch den Vorsitz bei der "Nationalisierung" großer Tee-Plantagen, die in die Hände von singhalesischen Managern gelegt wurden. Tausende tamilischer Landarbeiter wurden entsprechend den Bedingungen des Sirima-Schastri-Abkommens zwangsweise deportiert. Die wirtschaftliche Not in dieser Zeit war in den Plantagen-Gebieten besonders deutlich zu spüren, wo den Arbeiter, die deportiert werden sollten, jeglicher Lebensunterhalt entzogen wurde. Dutzende verhungerten.

Die Bandaranaike-Regierung "standardisierte" die Aufnahmeprüfungen für die Universitäten - eine Maßnahme, die singhalesischen Studenten Vorrang gegenüber ihren tamilischen Konkurrenten einräumen sollte. Diese Entscheidung empörte viele tamilische Jugendliche, die daraus folgerten, dass sie keine Zukunft im sri lankischen Staat hätten, und sich dem tamilischen Separatismus der LTTE und anderer bewaffneter Gruppen zuwandten, um für ihre Rechte zu kämpfen.

Der Finanzminister des Landes - der Führer der LSSP N.M. Perera - reagierte auf die sich verschärfende Wirtschaftskrise, indem er Rationierungen durchsetzte. Er behauptete absurderweise, er führe den Sozialismus ein, und verbot, an Dienstagen und Freitagen Reis zu essen. Selbst der Transport der kleinsten Menge Reis wurde wie ein Verbrechen behandelt. Dieser Versuch, die kapitalistische Wirtschaft der Insel zu steuern und sie von den Auswirkungen der globalen wirtschaftlichen Stürme abzuschirmen, misslang unausweichlich und schuf weit verbreitete Verbitterung. Die angestaute Wut der Arbeiter explodierte 1976 in einem Generalstreik und bedeutete das Ende der Koalition. In den Wahlen von 1977 verzeichnete die UNP einen erdrutschartigen Sieg mit einer parlamentarischen Fünfsechstel-Mehrheit und setzte sofort ein ehrgeiziges Projekt von Marktreformen und der Öffnung der Wirtschaft für ausländisches Kapital in Gang.

25 Jahre Krieg

Die Entfesselung der Kräfte des Marktes war weit davon entfernt, die politische Krise des Landes zulösen, sie vertiefte im Gegenteil die gesellschaftliche Kluft und führte zu wütender Unzufriedenheit. Wie seine Vorgänger reagierte der Führer der UNP darauf, indem er die ethnischen Differenzen hoch peitschte und undemokratische Methoden einsetzte. 1980 reagierte die Regierung auf einen Generalstreik gegen Privatisierung und Stellenstreichungen, indem sie 10.000 Arbeiter fristlos entließ. Gleichzeitig benutzten von der UNP angefeuerte Banden singhalesischer Schläger vereinzelte Angriffe tamilischer Separatisten, um ethnische Gewalttaten zu begehen. 1981 wurde die Bibliothek von Jaffna bis auf die Mauern niedergebrannt; dabei wurde ihre unersetzliche Sammlung tamilischer Manuskripte und Bücher zerstört. 1983 wurde auf der ganzen Insel ein entsetzliches Pogrom gegen die Tamilen angezettelt, in dem Hunderte getötet und Tausende von Häusern und Geschäften zerstört wurden. Der Bürgerkrieg war das Ergebnis.

Seit einem Vierteljahrhundert hat sich die herrschende Klasse Sri Lankas als unfähig erwiesen, den Krieg zu beenden, obwohl der Konflikt verheerende Auswirkungen auf ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen hat. Jeder Versuch, ein Friedensabkommen zu schließen, ist unter hasserfüllten gegenseitigen Schuldzuweisungen über die Frage von Konzessionen an die tamilische Minderheit gescheitert. Nachdem sie die Waffe der Politik ethnischer Differenzen 60 Jahre lang benutzt haben, um die Arbeiterklasse zu spalten, sind die politischen Vertreter der Bourgeoisie organisch unfähig, auch nur die grundlegendsten demokratischen Rechte auf alle Bürger des Landes auszuweiten.

Der jüngste Versuch, den Krieg zu beenden, war das Ergebnis einer Reihe von militärischen Niederlagen für die Regierung im Jahr 2000 inmitten einer tiefen Wirtschaftskrise. Nach den Angriffen auf die USA vom 11. September kamen Teile der Unternehmer-Elite Sri Lankas zu der Schlussfolgerung, die Zeit sei günstig, um die "Terroristen" der LTTE an den Verhandlungstisch zu zwingen. Als die SLFP-geführte Regierung sich widersetzte, wurden Neuwahlen arrangiert und eine UNP-Regierung eingesetzt, die ein Friedensabkommen mit der LTTE als Teil eines umfassenderen Plans forderte, die Insel in die globalisierte Wirtschaft zu integrieren und Kapital aus dem sich entwickelnden Boom in Indien zu schlagen.

Von Anfang an wurde der Waffenstillstand von 2002 von der SFLP und extremistischen singhalesischen Gruppen wie der JVP wie auch Teilen der Militärführung und der Staatsbürokratie angegriffen. Sechs Jahrzehnte ethnischer Politik und 25 Jahre Krieg haben mächtige angestammte Interessen geschaffen, die jeden Kompromiss als Verrat ansehen. Das gesamte Establishment von Colombo ist äußerst empfindlich gegenüber jeglicher Andeutung, sie verrate die singhalesisch buddhistische Nation. Die Wahl von Rajapakse bei den Präsidentschaftswahlen von 2005 auf der Grundlage eines Programms, das darauf abzielte, die LLTE zu provozieren, bedeutete das tatsächliche Ende des Waffenstillstands.

Die Entwicklung der JVP ist ein scharfer Ausdruck des politischen Bankrotts der verschiedenen kleinbürgerlich-radikalen Bewegungen, die sich nach dem Verrat der LSSP entwickelt haben. Sie hat fast die gesamte frühere sozialistische und antiimperialistische Rhetorik über Bord geworfen und ist zum glühendsten Befürworter des Kriegs geworden. Was die LTTE angeht, so repräsentierte ihr tamilischer Separatismus nie die Interessen der tamilischen Massen, sondern vielmehr diejenigen der tamilischen Bourgeoisie. Ihre Perspektive bei den Friedensverhandlungen von 2002-03 war ein Abkommen zur Machtteilung, dass es den singhalesischen und tamilischen Eliten ermöglicht hätte, gemeinsam die Arbeiterklasse auszubeuten. Mit dem Zusammenbruch der Verhandlungen ist die LTTE dazu verurteilt, kraftlose Appelle an die Großmächte zu richten. Sie sollen die Regierung in Colombo zur Vernunft bringen.

Ein Programm zur Beendigung des Kriegs und der sozialen Ungleichheit

So wie die BLPI 1948, ruft die Socialist Equality Party (SEP) die sri lankische Arbeiterklasse auf, die heutigen offiziellen nationalistischen und militaristischen Feiern zurückzuweisen. Vor sechzig Jahren machten die Trotzkisten ihre Ablehnung deutlich und erklärten. "Gibt es daran [an der Unabhängigkeit] überhaupt etwas, was die Massen dieses Landes begrüßen könnten?... Die Antwort der BLPI auf diese Frage ist klar und unzweideutig,Nein!’ Es gibt an diesem,neuen Status’ nichts, worüber die Massen begeistert sein könnten." Was die BLPI damals schrieb, ist seitdem viele Male bestätigt worden.

Wir bestehen darauf, dass nur die Arbeiterklasse in der Lage ist, den Krieg zu beenden und einen Weg aus der gegenwärtigen Katastrophe zu weisen. Die Arbeiter haben durch diejenigen, die ihr Schicksal mit dem einen oder anderen Teil der herrschenden Klasse verknüpft haben, eine Katastrophe nach der anderen erlitten. Die SEP weist auch diejenigen zurück, die die arbeitenden Menschen auffordern, auf die "internationale Gemeinschaft" zu vertrauen. Sämtliche Großmächte, die USA allen voran, haben den Zusammenbruch des Waffenstillstands von 2002 und des viel gepriesenen "Friedensprozesses" ohne mit der Wimper zu zucken akzeptiert. Ihre Sorge galt nie dem srilankischen Volk, sondern nur ihren eigenen wirtschaftlichen und strategischen Interessen in der gesamten Region.

Die Lehren der vergangenen 60 Jahre machen deutlich, dass der Kampf gegen den Krieg sich auf die Zurückweisung aller Formen von Nationalismus und ethnischer Spaltung gründen muss - ob es sich um singhalesische Vormachtsansprüche oder tamilischen Separatismus handelt. Die Arbeiterklasse muss die demokratischen Rechte aller Arbeiter verteidigen ungeachtet ihrer Sprache, Religion oder ihrer ethnischen Herkunft. Der erste Schritt ist die Forderung nach einem sofortigen und bedingungslosen Ende der militärischen Besatzung des Nordens und Ostens. Denjenigen, die losheulen, das werde der LTTE den Sieg aushändigen, erklären wir, dass diese Forderung entscheidend ist, um die singhalesischen und tamilischen Massen in einem gemeinsamen Kampf gegen die Willkürherrschaft sowohl der Regierung in Colombo als auch der LTTE zu vereinen.

Die SEP kämpft für eine Arbeiter- und Bauern-Regierung und die Schaffung einer Sozialistischen Republik von Sri Lanka und Eelam. Wir fordern die Einberufung einer wirklichen verfassungsgebenden Versammlung, um Jahrzehnte von Diskriminierung und Unterdrückung auf der Grundlage von Religion, ethnischer Herkunft, Kaste und Geschlecht abzuschaffen. Demokratische Rechte können nur sichergestellt werden, wenn die soziale Ungleichheit abgeschafft wird. Die SEP besteht darauf, dass die Gesellschaft von oben bis unten anhand von sozialistischen Grundsätzen neu aufgebaut werden muss, damit der Reichtum, der von der Arbeiterklasse produziert wird, den dringenden sozialen Bedürfnisse aller zu Gute kommt und nicht den Profiten der wenigen Reichen.

Seit ihrer Entstehung hat die BLPI das stalinistische Programm des "Sozialismus in einem Land" zurückgewiesen und für den Aufbau einer gesamtindischen Bewegung als Teil des internationalen Kampfs für den Sozialismus gekämpft. Heute ist die internationale Wirtschaft und mit ihr die internationale Arbeiterklasse in einem nie da gewesenen Ausmaß global integriert, was alle Programme nationaler Wirtschaftssteuerung hinfällig gemacht hat. Der Kampf für den Sozialismus auf dieser kleinen Insel wird sich nur entwickeln als Teil einer breiteren Bewegung der Arbeiterklasse überall in Südasien und international. Die Verbündeten der srilankischen Arbeiterklasse findet man nicht im politischen Establishment in Colombo, sondern bei ihren Klassenbrüdern und -schwestern in der gesamten Region und auf der ganzen Welt. Die SEP kämpft für eine Föderation der Sozialistischen Republiken Südasiens als Mittel, um die Einheit der Arbeiterklasse in der Region und international voranzubringen.

Der Vorläufer der SEP war die Revolutionary Communist League (RCL), die 1968 als srilankische Sektion des IKVI gegründet wurde. Inmitten der erheblichen Verwirrung, die der Verrat der LSSP hervorgerufen hatte, führte die RCL einen schwierigen und langen politischen Kampf für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse auf der Grundlage der Prinzipien des Internationalismus. Die SEP kann stolz behaupten, ohne Widerspruch fürchten zu müssen, dass keine andere Partei den Herausforderungen der Zeit stand gehalten hat. Wir rufen die Arbeiter, Studenten, Intellektuellen und die Armen auf dem Land auf, unser Programm und unsere Perspektiven ernsthaft zu studieren und dieser Partei der sozialistischen Weltrevolution beizutreten.

Siehe auch:
20 Jahre seit dem Tod von Keerthi Balasuriya
(27. Dezember 2007)
Druba Jyoti Majumdar: Nachruf auf einen indischen Trotzkisten
( 17. Februar 2005)
50 Jahre Internationales Komitee der Vierten Internationale
( 4. Dezember 2003)