American Axle Chef Dauch und das "Recht" auf Privateigentum

Von Jerry White und Joe Kay
5. April 2008

In einer ersten öffentlichen Stellungnahme seit Beginn des, vierwöchigen Streiks bei American Axle hat der Vorstandschef (CEO) Richard Dauch damit gedroht, seine Fabriken ganz zu schließen, wenn die Arbeiter nicht nachgeben und eine Kürzung der Löhne und Sozialleistungen um Zweidrittel akzeptieren.

Dauch sagte der Detroit Free Press : "Wir werden keinen Bankrott riskieren, um eine wettbewerbsfähige Kostenstruktur in den Vereinigten Staaten zu erreichen. Wenn wir uns in den USA nicht erfolgreich um neue Aufträge bewerben können, dann wird es in den heutigen Fabriken keine Arbeit mehr geben", sagte er. Er sprach über die Fabriken in Detroit und Three Rivers in Michigan und in den New Yorker Städten Tonawanda und Cheektowaga.

Mit "wettbewerbsfähiger Kostenstruktur" meint Dauch wesentlich niedrigere Löhne. Er fordert, dass die Arbeiter eine Kürzung des Stundenlohnes von gegenwärtig durchschnittlich 28,15 Dollar auf 14,50 Dollar und in einigen Fällen sogar auf 11,50 Dollar akzeptieren. Er verlangt weiter stark verringerte Krankenversicherungsbeiträge, die Abschaffung von Betriebsrenten und die Vernichtung von mindestens 1.000 weiteren Arbeitsplätzen.

"Wir sind flexibel genug, um unser ganzes Geschäft an jeden Ort der Welt zu verlagern", sagte Daunch der Free Press, "und wir haben das Recht dazu."

Dauch betonte weiter, dass es notwendig sei, "die Detroiter Anspruchsmentalität" auszumerzen, womit er die Auffassung der Arbeiter meinte, einen Anspruch darauf zu haben, von ihrer Arbeit ordentlich leben zu können und bestimmte Rechte zu haben.

Zweifellos sind Dauchs Äußerungen auch von einer gewissen Frustration und Verärgerung geprägt. Aus seiner Sicht und der Sicht der hinter ihm stehenden Wall Street Investoren sind die Tarifverhandlungen nicht nach Plan gelaufen. Dauch erwartete, dass die Firma ihre Forderungen stellen und die Gewerkschaftsbürokratie den Arbeitern die Zugeständnisse aufs Auge drücken werde. So ist es jedenfalls in den letzten Jahrzehnten in der Autoindustrie immer abgelaufen.

Trotz der Bereitschaft der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW), den Streik zu isolieren und ins Leere laufen zu lassen, ist American Axle mit dem entschlossenen Widerstand der Basis konfrontiert, die zu einem langen Kampf bereit ist. Wenn den Arbeitern ein Tarifvertrag mit Zugeständnissen vorgelegt wird, könnte es gut sein, dass sie ihn ablehnen. Die Kampfbereitschaft und der Widerstandsgeist der Arbeiter wurde an den Streikposten der vergangenen Wochen immer wieder sichtbar und widerspiegelt eine zunehmende Radikalisierung von Arbeitern in den USA und international.

Dauchs reagiert darauf, indem er sein ureigenes Recht beansprucht, seine Forderungen durchzusetzen, ob es den Arbeitern passt oder nicht. "Wir haben das Recht" unsere Fabriken anderswo hin zu verlagern, sagte er. Und in gewissem Sinn hat er sogar Recht. Das kapitalistische System beruht auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln, auf der institutionalisierten Ausbeutung der Arbeiter, die ihre Arbeitskraft auf dem Markt verkaufen müssen.

Wenn American Axle die Löhne nicht zusagen, die Arbeiter in Detroit oder New York verlangen, hat Dauch das Recht, seine Betriebe woanders hin zu verlagern oder gleich ganz zu schließen. Dieses Recht wird von den Gewerkschaften, den Gerichten und beiden Parteien verteidigt. Es interessiert Leute wie Dauch nicht, dass eine solche Entscheidung die Lebensgrundlage von Tausenden zerstören würde, weil das kapitalistische System sich nicht an den Interessen der Arbeiter orientiert, sondern von privatem Profit bestimmt wird.

Bei allem Gerede über Demokratie in den Vereinigten Staaten gibt es im Wirtschaftsleben überhaupt keine Demokratie, obwohl die Entscheidungen dort sich unmittelbar auf das Leben von Millionen Menschen auswirken. In jeder Firma herrscht Diktatur, die Diktatur des Kapitals über die Arbeit.

Genau genommen liegt die Ursache für den völligen Bankrott der Gewerkschaft und ihre Unfähigkeit, die Interessen der Autoarbeiter zu verteidigen gerade darin, dass sie dieses kapitalistische Grundrecht anerkennen. Schon 1937 erklärte John Lewis, der Vorsitzende des neuen Gewerkschaftsverbandes CIO, zu der die UAW schon damals gehörte: "Die Gewerkschaften akzeptieren im Gegensatz zum Kommunismus völlig und bedingungslos die Institution des Privateigentums und das Rechts, mit Investitionen Profit zu erzielen."

Die Gewerkschaften sind seit den 1930er Jahren stark degeneriert, aber die Wurzel dieser Degeneration war ihre Anerkennen des Profitsystems. Um dieses Prinzip zu verteidigen säuberte die Gewerkschaftsbürokratie nach dem zweiten Weltkrieg die Gewerkschaften von allen kämpferischen Sozialisten. In den letzten drei Jahrzehnten haben sich die Gewerkschaften aus Instrumenten zur Verteidigung der Interessen der Arbeiter im Rahmen des Kapitalismus in Instrumente zur Durchsetzung der Forderungen der Konzerne gegen die Arbeiter verwandelt. In dieser Periode hat die amerikanische Wirtschaftselite die industrielle Basis der Vereinigten Staaten weitgehend ausgeblutet.

Im gegenwärtigen Kampf verfolgt die Gewerkschaftsbürokratie ihre eigenen finanziellen Interessen direkt auf Kosten der Arbeiter, die sie angeblich vertritt. Für die wahrhaft historischen Zugeständnisse, die sie den Großen Drei Autoherstellern im vergangenen Jahr gemacht hat, hat die UAW-Bürokratie die Kontrolle über einen Gesundheitsfond für Rentner übertragen bekommen, der mit etwa 54 Mrd. Dollar ausgestattet ist. Ein großer Teil der Einlagen besteht aus Aktien von GM und Ford. Deswegen hat die UAW jetzt ein direktes Interesse daran mit dem Management beim Abbau von Arbeitsplätzen und anderen Arbeitskosten in der ganzen Autoindustrie zusammenzuarbeiten, um die Aktienkurse hoch zu halten.

Wenn der Kampf der Arbeiter bei American Axle nicht isoliert, ausgelaugt und besiegt werden soll, müssen der Streik und die Verhandlungen der UAW aus den Händen genommen und Arbeiterkomitees aufgebaut werden, die den Streik auf Autohersteller und -zulieferer im ganzen Land ausweiten. Ein Solidaritätsappell muss an die Arbeiter in Kanada, Lateinamerika, Asien und Europa gerichtet werden, um den Kampf gegen die globalen Autokonzerne zu vereinen und alle Arbeitsplätze und den Lebensstandard zu verteidigen.

Diese gewerkschaftliche Mobilisierung kann aber nur der erste Schritt zur Verteidigung der Interessen der Arbeiter sein. Eine neue Partei der Arbeiterklasse muss unabhängig von Demokraten und Republikanern aufgebaut werden, die beide bedingungslos das kapitalistische System verteidigen. Gegen das Recht von Dauch und anderen, Arbeiter auf die Straße zu werfen und Löhne zu senken - während gleichzeitig selbst Dutzende Millionen Dollar in die eigene Tasche stecken -, müssen Arbeiter das Recht auf eine anständige Arbeit und Wohnung, auf eine gute Ausbildung, auf Gesundheitsversorgung und auf Gleichheit durchsetzen. Aber der Kampf für diese Rechte kommt unmittelbar mit dem Prinzip des Privateigentums an den Produktionsmitteln in Konflikt.

Die Lage der Arbeiter bei American Axle ist genau die gleiche, wie die Lage der Arbeiter überall in den USA und in jedem Land. Ohne Eigentum oder Kontrolle über die riesigen Produktionskräfte, die die Weltwirtschaft beherrschen, sind die Arbeiter überall dem Diktat des Marktes ausgeliefert. Auf die Verschärfung der Wirtschaftskrise werden die Konzerne mit scharfen Angriffen auf die Arbeitsplätze und den Lebensstandard der Arbeiter in aller Welt reagieren.

Die politische und ökonomische Diktatur der Finanzaristokratie muss gebrochen und wirkliche Demokratie hergestellt werden. Die von Generationen von Arbeitern geschaffenen gigantischen Produktivkräfte müssen demokratisch im Interesse der gesellschaftlichen Bedürfnisse kontrolliert und eingesetzt werden, und nicht für privaten Profit. Das heißt, die Arbeiter müssen den Kampf aufnehmen, den Kapitalismus durch den internationalen Sozialismus zu ersetzen.