20. Jahrestag des Todes von Keerthi Balasuriya

Generalsekretär der srilankischen SEP ehrt Keerthi Balasuriya

Von Wije Dias
5. April 2008

Am 16. März organisierten das Internationale Komitee der Vierten Internationale (IKVI) und die World Socialist Web Site eine öffentliche Versammlung in Paris zum 20. Todestag von Keerthi Balasuriya. Keerthi war seit ihrer Gründung 1968 Generalsekretär der Revolutionary Communist League (RCL), der Vorläuferorganisation der Socialist Equality Party (SEP) von Sri Lanka, und Führer des IKVI. Er starb unerwartet an einer heftigen Herzattacke am 18. Dezember 1987.

Die folgende Rede hielt Wije Dias, Generalsekretär der Socialist Equality Party von Sri Lanka anlässlich einer Gedenkveranstaltung in Colombo im Dezember.

Wie führende Genossen der trotzkistischen Weltbewegung in ihren Grußansprachen bereits gesagt haben, war der Tod von Genossen Keerthi Balasuriya nicht nur für die Revolutionary Communist League und die Arbeiterklasse in Sri Lanka und auf dem indischen Subkontinent ein schwerer Verlust, sondern auch für die gesamte internationale Arbeiterklasse. Ich möchte auf einen anderen Aspekt eingehen, der in den Grußadressen erwähnt wurde. Erst nach der Spaltung im Internationalen Komitee der Vierten Internationale 1985-86 unter der Führung des Sekretärs der amerikanischen Workers League, David North, war es den führenden Mitgliedern des IKVI möglich, den bedeutsamen politischen Beitrag von Keerthi zum Trotzkismus kennen zu lernen.

Während wir tiefe Trauer empfinden, dass wir den Genossen Keerthi im relativ jungen Alter von 39 Jahren verloren haben, schätzen wir uns glücklich, dass wir mehr als zwei Jahrzehnte unter seiner hervorragenden politischen Führung arbeiten durften. In dieser Zeit kämpften wir an seiner Seite, lernten von und mit ihm, uns auf den Kampf vorzubereiten, die Krise der Führung der Arbeiterklasse zu lösen und so die Menschheit zu befreien.

Bis 1985 arbeitete das Internationale Komitee unter der politischen Führung seiner britischen Sektion, der Socialist Labour League (SLL), die sich später Workers Revolutionary Party (WRP) nannte. Diese Partei erwarb sich großen Respekt bei den Kadern des IK, weil sie das trotzkistische Programm der Vierten Internationale gegen den Revisionismus der Pablo-Mandel-Tendenz verteidigt hatte. Doch in den 1970er Jahren, als die WRP nationalistisch degenerierte, blockierte ihre Führung - bestehend aus Gerry Healy, Michael Banda und Cliff Slaughter - eine enge politische Zusammenarbeit der Sektionen des IKVI. Sie fürchteten, ihr Abweichen von der Theorie der permanenten Revolution und ihre Anpassung an die bürgerlich-nationalistischen Regimes des Nahen Ostens und an die Arbeiterbürokratien würde auf Widerstand treffen. Mit Manövern verhinderte sie, dass führende Mitglieder des IK in Kontakt kamen, um so zu verhindern, dass diese ihre Aufzeichnungen über aufgetretene politische Probleme vergleichen und programmatische Fragen diskutieren konnten.

Die beiden Jahre nach der Spaltung von 1985, als das IK als wahrhaft internationale Partei neu organisiert wurde, waren Keerthis glücklichste Zeit. Sie waren auch die produktivste Zeit seines politischen Lebens, denn er steckte alle seine Energie darin, wertvolle politische Beiträge innerhalb der internationalen sozialistischen Bewegung zu leisten. Wenn wir einen Blick in die Jahrgänge 12-15 des theoretischen Organs des IK, die Vierte Internationale, werfen, so finden wir eine große Zahl von Artikeln, die Keerthi schrieb; darüber hinaus trug er viel zu den Erklärungen des IKs bei, die er in Zusammenarbeit mit seinen internationalen Gesinnungsgenossen verfasste. Im Vorwort zu seinem Buch, Das Erbe, das wir verteidigen, zollte Genosse David North Keerthis Leistung Anerkennung: "Als furchtloser Gegner des Opportunismus spielte Genosse Keerthi Balasuriya im Kampf zur Verteidigung des Internationalen Komitees gegen die Angriffe der Workers Revolutionary Party eine entscheidende Rolle. Er stärkte diesen Kampf durch sein umfassendes, tiefgehendes Wissen über die Geschichte der Vierten Internationale und sein scharfes Verständnis der Implikationen des jahrzehntelangen Kampfes gegen den pablistischen Revisionismus."

Der Verrat der LSSP

Wenn wir über die Bedeutung von Keerthis Arbeit in seinen beiden letzten Lebensjahren sprechen, so unterschätzen wir doch in keiner Weise den politischen Beitrag, den er vor 1985 als Generalsekretär der RCL seit ihrer Gründung geleistet hat.

Genosse Keerthi begann seine politische Laufbahn bereits im Alter von 17 Jahren, als er noch die Universität besuchte. Das politische Klima der damaligen Zeit war in Sri Lanka und auf dem gesamten indischen Subkontinent äußerst aufgewühlt. Die Radikalisierung von Studenten und Jugendlichen äußerte sich in Wut und Feindseligkeit über den großen Verrat der Lanka Sama Samaja Party (LSSP), die sich trotzkistisch nannte und dennoch 1964 in die bürgerliche Regierung von Frau Bandaranaike eingetreten war.

Unter Bandaranaike stieg die Arbeitslosigkeit an und die Ausgaben für Bildung wurden gekürzt. Ihre Koalitionsregierung bereitete den Weg für die Rückkehr der rechten United National Party in die Regierungsverantwortung im Jahr 1965. Im Dezember des gleichen Jahres brachen an allen Universitäten des Landes Studentenkämpfe aus, und die Regierung ordnete einen harten Polizeieinsatz gegen die Studenten an der Peradeniya-Universität in Kandy an. In diesen Jahren entstanden unter der arbeitslosen ländlichen Jugend mehrere kleinbürgerliche politische Gruppen wie Peradiga Sulang (Winde des Ostens), Gini Pupura (Funke). Darunter war auch eine Gruppe, aus der später die Janatha Vimukthi Peramuna (JVP) hervorging.

Keerthi Balasuriya begann seine politische Arbeit 1966 mit der Shakti -Gruppe, Studenten und Akademikern, die aus früheren Mitgliedern und Sympathisanten der LSSP (Revolutionäre) bestand. Die LSSP (Revolutionäre) hatte aus Opposition gegen den Eintritt der LSSP in die Bandaranaike-Regierung von der LSSP gespalten. Doch unter der Führung von Edmond Samarakkody und Bala Tampoe war ihre politische Ausrichtung eine Mischung aus gewerkschaftlichem Syndikalismus und Parlamentarismus, die sich nicht grundsätzlich von der Politik unterschied, welche die LSSP in die bürgerliche Koalitionsregierung getrieben hatte.

Viele Jugendliche der LSSP (R) verließen die Organisation aus purer Enttäuschung. Keerthi und die unter uns, die sich der Shakti -Gruppe anschlossen, wollten unbedingt die Ursachen für den Verrat von 1964 und die Stagnation der LSSP (R) erforschen. Die Politik der Shakti -Gruppe war allerdings zentristisch und barg die Gefahr einer Unterstützung der Koalitionsregierung in sich. V. Karalasingham und andere begründeten damit ihre Rückkehr zur LSSP, angeblich, um in der LSSP Entrismuspolitik zu betreiben. Eine Gruppe von unseren Leuten, darunter Keerthi, widersetzten sich diesem Manöver und spalteten von Karalasingham. Diejenigen, die sich wieder der LSSP anschlossen, haben nie aufgehört, "Entrismus" zu betreiben, und sich in der LSSP-Bürokratie häuslich niedergelassen. In der Zeit der zweiten Koalitionsregierung von 1970-75 spielten sie eine äußerst schändliche Rolle.

Im Verlauf dieser Krise in der Shakti -Gruppe entschied sich 1969 die britische Sektion des IKVI, die SLL, für ein erneutes Eingreifen. Bereits 1964 war Gerry Healy nach Sri Lanka gekommen, als die von der LSSP inszenierte Delegiertenkonferenz die Resolution zugunsten des Eintritts in die Regierung Bandaranaike verabschiedete. Healys Eingreifen gegen den Verrat der LSSP war mutig und prinzipiell und stieß besonders unter den Jugendlichen, die sich später der Shakti -Gruppe anschlossen, auf Zustimmung.

1966 besuchte Tony Banda als Vertreter des IK Sri Lanka. Er traf sich mit mehreren Führern der LSSP(R)-Führung, die sich als Anhänger des IK ausgaben. Doch nur einer aus dieser älteren Generation erklärte seine Bereitschaft, sich für den Aufbau einer Sektion des IK einzusetzen, nämlich Wilfred Pereira, den jeder unter dem Namen Spike kannte. Als Banda durch Spike von der Shakthi -Gruppe erfuhr, nahm er sofort Kontakt zu den Mitgliedern auf, die sich geweigert hatten, wieder in die LSSP einzutreten.

Ich erinnere mich, wie Banda nach Baddegama kam, wo ich wohnte, etwa 110 km südlich von Colombo. Er hatte etwa sechs Leute bei sich, die alle in einen kleinen Austin gepfercht waren. Keerthi war unter ihnen, und die Genossen Nanda Wickramasinghe und Ananda Wakkumbura, die heute auch hier sind. Banda machte uns alle mit dem Genossen Spike bekannt. Spike verfügte über große politische Erfahrung, die er schon in den 1940er Jahren in der Bolschewistisch-Leninistischen Partei gesammelt hatte, die als erste die trotzkistische Bewegung in Sri Lanka als Sektion der Vierten Internationale aufgebaut hatte. Er war für uns alle ein großes Vorbild.

Wir nannten uns die Virodhaya- Gruppe und begannen, die politischen Dokumente des IK zu studieren, die Banda mitgebracht hatte, insbesondere die über den Kampf gegen die Wiedervereinigung der amerikanischen Socialist Workers Party (SWP) mit dem pablistischen Vereinigten Sekretariat 1962-63. Diese Dokumente lösten viele Fragen für uns, denn sie machten uns klar, wie die pablistische Bewegung die Basis für den Verrat der LSSP 1964 gelegt hatte, und warum die LSSP(R), die den Bruch mit dem Pablismus abgelehnt hatte, keine revolutionäre Perspektive für die Arbeiterklasse entwickeln konnte.

Banda gab unserer Virodhaya- Gruppe auch Führung bei ihren ersten eigenen Erfahrungen mit den pablistischen Revisionisten. In dieser Zeit kam auch der Führer der pablistischen Organisation, Ernest Mandel, nach Sri Lanka, und die Virodhaya -Gruppe forderte ihn auf öffentlichen Versammlungen an der Peradeniya-Universität und in Colombo heraus.

Die Gründung der RCL

In der Periode bis zur Gründung der RCL im Juni 1968 studierten wir in der Virodhaya -Gruppe intensiv die Geschichte des IK von seiner Gründung im Jahr 1953 an, als James Cannon, der Führer der SWP, den Offenen Brief veröffentlichte. Der Offene Brief verschaffte uns Klarheit über alle wesentlichen theoretischen und politischen Differenzen zwischen der Vierten Internationale und dem pablistischen Revisionismus. Die Weigerung der LSSP, sich auf der Basis dieses wertvollen Dokuments dem IK anzuschließen, verdeutlichte die nationalistische Orientierung der LSSP und ihre Abwendung vom Programm der Vierten Internationale seit Beginn der 1950er Jahre. Die Degeneration der LSSP erhellte die Bedeutung der Rückkehr der SWP 1963 ins Lager der Pablisten. Als die SWP Castros Kuba als Arbeiterstaat definierte, da passte sie sich wie die LSSP an die Vorherrschaft des radikalen Kleinbürgertums über die antiimperialistischen Kämpfe in den zurückgebliebenen Ländern an.

Das Studium dieser Geschichte war die unerlässliche Grundlage für die Gründung der RCL durch den Genossen Spike und diese Gruppe junger Menschen. Deshalb bestehen wir heute gegenüber der Jugend immer darauf, dass es darauf ankommt, die Lehren aus dem Kampf zur Verteidigung der marxistischen Bewegung zu studieren. Nur durch ein solches Studium können sich Jugendliche politisch wappnen, um ihren Platz als proletarische Revolutionäre im Kampf einzunehmen, die bestehende imperialistische Weltordnung zu stürzen und eine sozialistische Welt zu errichten.

Genose Keerthi Balasuriya wurde auf der Gründungskonferenz der RCL einstimmig zu ihrem Generalsekretär gewählt. Er war noch keine 20 Jahre alt. Doch im Verlauf des Kampfes, die RCL zu gründen, war er politisch und theoretisch gereift und auf die großen Aufgaben eines Führers einer Sektion des IK vorbereitet worden, die nicht nur für Sri Lanka, sondern auch für den indischen Subkontinent verantwortlich war.

Dass die Wahl auf Keerthi fiel, war kein Zufall. Von Beginn an vertiefte er sich intensiv in einer Weise in politische und theoretische Fragen, dass er uns andere überragte. Wenn wir mit ihm zusammensaßen, einen Spaziergang mit ihm machten oder zusammen in ein Cafe gingen, so fachte er immer eine politische Diskussion an. Seine Interessen waren breit gestreut, und dazu gehörte auch ein erstaunlich ausgeprägtes Interesse, sich der Kunst auf der Basis einer marxistischen Analyse zu nähern. In den zwei Jahrzehnten als Generalsekretär der RCL stellte er immer wieder unter Beweis, dass ihn der Gründungskongress zu Recht gewählt hatte.

Mit seinem Buch The Politics and the Class Nature of the JVP (Politik und Klassencharakter der JVP) leistete er einen wichtigen theoretischen Beitrag. Es war nicht einfach gegen die JVP geschrieben. In einem tieferen Sinn wollte Keerthi damit den Kader der RCL erziehen und von kleinbürgerlich radikalen Bewegungen abgrenzen. Die Bedeutung dieses Buches erhöhte sich durch den Umstand, dass die pablistische LSSP(R) damals gemeinsam mit der JVP öffentliche Veranstaltungen durchführte und so dieser arbeiterfeindlichen, kleinbürgerlichen Partei half, sich einen sozialistischen Anstrich zu geben.

Die Bangladesch- Frage

Keerthis Analyse der Politik der JVP verhalf der RCL zu einem klareren Verständnis ihrer internationalistischen Aufgaben, die über die Grenzen des Inselstaates hinausgingen, und darin besatnden, eine Perspektive für die Vereinigung der Arbeiter des gesamten indischen Subkontinents im Kampf für den Sozialismus zu entwickeln. Der Kampf um die Unabhängigkeit von Bangladesch, der 1971 ausbrach, war ein anschauliches Beispiel dafür.

Die RCL schätzte korrekt ein, dass der Kampf um Bangladesh objektiv das künstliche Staatensystem bedrohte, das die britischen Imperialisten 1947 dem Subkontinent unter Mithilfe der Hindu- und Moslembourgeoisie überstülpten. Die Teilung Indiens sollte den echten Kampf der Massen um ihre Befreiung vom Kolonialismus, der sich während des Zweiten Weltkrieges und unmittelbar danach entwickelt hatte, sabotieren, spalten und in die Niederlage führen. Unsere Perspektive bestand darin, auf der Grundlage der Theorie der permanenten Revolution gegen die pakistanische wie auch die indische herrschende Klasse Stellung zu nehmen und für eine Arbeiter- und Bauernregierung in einem vereinten Subkontinent zu kämpfen, die die ungelösten demokratischen Aufgaben lösen und ein sozialistisches Programm verwirklichen musste.

Der künstliche Charakter der Teilung von 1947 lag auf der Hand. Bangladesh, das damals Ostpakistan hieß, war durch tausende von Meilen vom Machtzentrum Pakistans getrennt, das im Westen des Subkontinents lag. Die Bangladescher erhoben sich1971, um sich von der Militärherrschaft des Yahiva Khan in Islamabad loszusagen. Auch für die indische Regierung bedeutete dies eine ernste politische Krise. Das militärische Eingreifen Pakistans im ehemaligen Ostbengalen führte zu einem Exodus von Hunderttausenden von Flüchtlingen ins indische Westbengalen. Entscheidender war, dass die indische Regierung befürchtete, der Kampf könne die Bengalen vereinen, die kommunalistische Teilung von 1947 unterhöhlen und den indischen Staat bedrohen. Verstärkt wurde diese Gefahr durch die Tatsache, dass maoistische Guerillakämpfer, die gegen die Gandhi-Regierung in Indien kämpften, die Grenze überschritten und sich den Bangladesch-Kämpfern anschlossen, obwohl das maoistische Regime in China das Militärregime in Pakistan unterstützte.

Nach einer Diskussion im Politischen Komitee der RCL entwarf Keerthi eine Erklärung zur Krise in Bangladesh und der Intervention der indischen Armee in Bangladesch im Dezember 1971. Zu Beginn ordnete die Erklärung die Ereignisse in ihren internationalen Zusammenhang ein: "Das Aufbrechen des politischen Rahmens, den der Imperialismus auf dem Subkontinent geschaffen hat, ist direkt und unlösbar mit dem Ende der langen Periode des inflationären Booms verknüpft, den der Weltkapitalismus in der vergangenen Periode erlebte, und mit der Entwicklung einer ökonomischen und politischen Krise nie da gewesenen Ausmaßes, die eine Periode revolutionärer Kämpfe weltweit einleitet. Der Befreiungskampf für Bangladesh und der indisch-pakistanische Krieg sind Produkte dieses neuen Stadiums des Klassenkampfes."

Die RCL betonte nachdrücklich: "Die Intervention der indischen Regierung war völlig konterrevolutionär. Unter dem Vorwand, den Kampf für die Unabhängigkeit Bangladeschs zu unterstützen, griff sie ein, um die Entwicklung zu einem vereinten revolutionären Bengalen zu vereiteln und in einem auf den Osten beschränkten Bangladesch ein Marionettenregime in den Sattel zu heben." Die Erklärung der RCL betonte: "Nur das Programm der Vierten Internationale, das für die Errichtung einer sozialistischen Republik eintritt, die auch die nationalen Probleme löst, kann den Massen einen Weg vorwärts weisen."

Die Erklärung endete mit dem Aufruf: "Die ceylonesischen (Sri Lanka hieß damals noch Ceylon) Trotzkisten rufen alle proletarischen Kämpfer, Studenten und Jugendlichen und die kämpfenden Bauern auf, sich auf der Basis des Übergangsprogramms, des Gründungsprogramms der Vierten Internationale, zusammenzuschließen. Das Wiedererstarken des Trotzkismus, ausgedrückt in der Entwicklung der Vierten Internationale durch den Kampf gegen den Revisionismus, den das Internationale Komitee seit 1953 führt, hat in Ceylon bereits begonnen. Es ist jetzt von äußerster Dringlichkeit, diese Entwicklung aufs Festland, auf Indien und Pakistan auszudehnen."

Vor der Veröffentlichung der RCL-Erklärung erhielten wir jedoch eine Ausgabe der Workers Press, der Tageszeitung der britischen SLL, deren Führer Healy, Banda und Slaughter waren. Sie enthielt eine Erklärung im Namen des Internationalen Komitees, ohne dass diese mit einer seiner Sektionen diskutiert worden wäre, die sich für Indira Gandhis Militärintervention in Bangladesch aussprach. Diese Haltung war der von der RCL vorgeschlagenen revolutionären Politik vollkommen entgegengesetzt.

In dem Brief, den Keerthi sofort an den Sekretär des IK, Cliff Slaughter, schickte, redete er nicht lange um den heißen Brei herum: "Es wäre ein politischer Fehler mit schwerwiegenden Auswirkungen, die Regierung von Indira Gandhi und ihre Politik zu unterstützen, kritisch hin oder her. Unsere Unterstützung für das bengalische Volk in seinem Kampf, sich von den Unterdrückern zu befreien, sollte sich nicht nur gegen Pakistan, sondern auch gegen die herrschende Klasse Indiens richten." Unmissverständlich stellte der Brief fest: "Man kann den nationalen Befreiungskampf des bengalischen Volkes und die freiwillige Einigung Indiens auf sozialistischer Grundlage nicht unterstützen, ohne sich dem indisch-pakistanischen Krieg zu widersetzen."

Keerthi akzeptierte die Disziplin des IK, warnte aber: "Wenn wir die Erklärung des IK verteidigen, würde das unserer Ansicht nach enorme Verwirrung in der Arbeiterklasse schaffen. Man muss nicht eigens betonen, dass es schwierig ist, die Erklärung des IK zu verteidigen. Dennoch ist Klarheit innerhalb der Internationale wichtiger als alles andere, denn wir können keine nationale Sektion aufbauen, ohne für den Aufbau der Internationale zu kämpfen."

Mit diesem Standpunkt vertrat die RCL eine vollkommen prinzipielle Auffassung. Der Kampf, die Weltpartei der sozialistischen Revolution aufzubauen, ist die wichtigste Aufgabe für jeden Sozialisten. Die Perspektiven und die Strategie der sozialistischen Weltrevolution können nur durch die Diskussion und Zusammenarbeit internationaler Gesinnungsgenossen entwickelt werden. Dies sind die Prinzipien unserer Bewegung, die alle heute hier Anwesenden verstehen sollten.

Die WRP schwört der permanenten Revolution ab

Die Healy-Banda-Slaughter-Führung der SLL-WRP verzieh der RCL nie, dass sie im Befreiungskampf um Bangladesch die Theorie der permanenten Revolution verteidigt hatte. Innerhalb von nur wenigen Monaten griff die SLL ein, um die politische Linie der RCL zur nationalen Frage zu verändern. Die RCL hatte von ihrer Gründung an die demokratischen Rechte der tamilischen Minderheit in Sri Lanka auf der Grundlage der klassischen marxistischen Position zum Recht auf Selbstbestimmung verteidigt.

Die Rechte des tamilischen Volkes waren vom 1948 gegründeten srilankischen Staat systematisch verletzt worden. Zu Beginn wurden tamilisch sprechenden Plantagenarbeitern die Bürgerrechte aberkannt, dann die singhalesische Sprache zur einzigen Amtssprache gemacht. Die Verteidigung des Rechts der tamilischen Nation auf einen eigenen Staat, für das die RCL eintrat, war die Politik der Bolschewistisch-Leninistischen Partei Indiens (BLPI) in den 1940er Jahren gewesen, und die LSSP hatte nach dem Zusammenschluss beider Parteien 1950 formal daran festgehalten. Die LSSP gab diese Position erst 1964 auf, nachdem sie in die Bandaranaike-Regierung eingetreten war.

1971, während den von der JVP geführten Jugendrevolten, war die RCL wegen ihrer prinzipiellen Opposition gegen die wütenden Unterdrückungsmaßnahmen gegen JVP-Mitglieder staatlicher Verfolgung ausgesetzt. Ihre Zeitungen in singhalesischer und tamilischer Sprache - Kamkaru Puwath und Tholilalar Seithi (Arbeiternachrichten) - wurden verboten. Dieses Verbot wurde zwar nie aufgehoben, doch die RCL publizierte ihre singhalesischen und tamilischen Publikationen unter neuen Namen, als sich die Situation entschärft hatte. Kamkaru Mawatha (Arbeiterweg) ersetzte Kamkaru Puwath und Tholilalar Pathai trat an die Stelle von Tholilalar Seithi.

In einer Erklärung vom 24. Juni 1972 schrieb die RCL: "Wir Marxisten erkennen das Recht der tamilischen Nation auf Selbstbestimmung an. Gleichzeitig betonen wir, dass dieses Recht nur verwirklicht werden kann durch die Mobilisierung der singhalesischen und tamilischen Arbeiter für die Bildung einer Arbeiter- und Bauernregierung, die sich auf ein sozialistisches Programm stützt und dieses Recht anerkennt." Das Programm der RCL beruhte auf der Erkenntnis, dass die Vollendung der ungelösten Aufgaben der demokratischen Revolution und die Verwirklichung der demokratischen Rechte, die den unterdrückten Nationen vorenthalten wurden, nur als Bestandteil des Kampfes für den Sozialismus unter einer Arbeiter- und Bauernregierung, d.h. durch die von den unterdrückten Massen unterstützte Diktatur des Proletariats möglich war. Die Argumente der RCL richteten sich, in Einklang mit Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution, gegen die formalistische Auffassung, dass der Weg zum Sozialismus nur über eine lange Periode bürgerlich-demokratischer Herrschaft führe. Der Weg zur Demokratie in den rückständigen Ländern, so die RCL, führe stattdessen über die Diktatur der Arbeiterklasse.

Die britische SLL intervenierte, um die RCL zu bewegen, diese prinzipielle revolutionäre Politik aufzugeben. Sie schickte Cliff Slaughter Ende 1972 nach Sri Lanka, und wollte mit seiner Autorität als IK-Sekretär durchsetzen, dass die RCL ihre Politik ändere. Es war das erste und letzte Mal, dass Slaughter Sri Lanka besuchte, obwohl er beinahe zwei Jahrzehnte, seit Mitte der sechziger Jahre bis 1985, Sekretär des IK war.

Die politische Fehlorientierung der RCL durch die Healy-Banda-Slaughter-Führung verursachte immense politische Schwierigkeiten. 1972 befand sich die RCL an vorderster Stelle des Kampfes zur Verteidigung der demokratischen Rechte der Tamilen gegen die neue Koalitionsregierung unter Bandaranaike. Die RCL war die einzige Partei in der Arbeiterklasse, die eine entschlossene Kampagne unter Arbeitern und Jugendlichen gegen die Verfassung von 1972 führte, die den Buddhismus zur Staatsreligion erhob und Singhalesisch zur einzigen Amtssprache machte.

Wickramabahu Karunaratne, der Führer der opportunistischen Nava Sama Samaja Party (NSSP), rühmt sich immer noch, er allein habe sich 1978 der Verfassung des damaligen Präsidenten J.R. Jayawardene von der United National Party (UNP) widersetzt. Doch als Mitglied der LSSP unterstützte er uneingeschränkt die Verfassung von 1972, die maßgeblich dazu beitrug, die Basis für den rassistischen Krieg zu legen, der 1983 ausbrach. Die RCL dagegen konnte tief in die Arbeiterklasse eindringen, weil sie die Rechte der Tamilen verteidigte. So verabschiedete die Gewerkschaft der bei der Regierungsdruckerei beschäftigten Drucker auf Initiative von RCL-Mitgliedern eine Resolution, die die Verfassung von1972 zurückwies, zu einem gemeinsamen Kampf von Singhalesen und Tamilen gegen die Koalitionsregierung aufrief und eine sozialistische Perspektive befürwortete. Die Intervention der SLL blockierte diese Entwicklungen ernsthaft. Einen großen Teil der Verantwortung dafür trug Mike Banda, der inzwischen zu einem verbissenen Verteidiger der Nachkriegsstrukturen geworden war, die der Imperialismus in Zusammenarbeit mit dem Stalinismus in ganz Südasien durchgesetzt hatte.

Keerthi, der in diesen bitteren politischen Erfahrungen gestählt wurde, schloss sich der Kritik des Genossen David North sofort an, sobald er 1985 Gelegenheit hatte, die Dokumente zu lesen. Genosse North deckte auf, wie die WRP seit Mitte der 1970er Jahre die Lehren aus dem langjährigen Kampf des IK gegen den Pablismus verworfen und sich an bürgerliche Bewegungen und Regimes im Nahen Osten und Afrika sowie an die Bürokratie der Gewerkschaften und Labour Party in Großbritannien selbst angepasst hatte. Seine Dokumente waren, wie die Kritik der RCL an der SLL-Erklärung zu Bangladesch, von der Führung der WRP vorsätzlich unterdrückt worden.

Mit der Spaltung von den WRP-Renegaten 1985-86 begann in der politischen Arbeit des IK ein neues Kapital. Die trotzkistische Bewegung vollzog damit eine entscheidende Wende, um sich politisch auf das neue, durch die Globalisierung der Produktion bedingte Stadium des internationalen Klassenkampfes vorzubereiten, das allen Formen nationalstaatlich orientierten wirtschaftlichen Handelns weltweit die Grundlage entzog.

Was Südasien angeht, so beteiligte sich Keerthi intensiv an der Ausarbeitung der wichtigen IK-Resolution "Die Situation in Sri Lanka und die politischen Aufgaben der RCL". Diese Erklärung erschien am 19. November 1987, gerade einen Monat vor seinem frühzeitigen Tod. Keerthi entlarvte das vom indischen Premierminister Rajiv Gandhi und dem srilankischen Präsidenten Javawardene unterzeichnete indisch-srilankische Abkommen als imperialistisch motivierte Verschwörung, die den Kampf der Tamilen für ihre legitimen demokratischen Rechte mittels der indischen Armee niederdrücken sollte.

In diese Erklärung ließ Keerthi die Früchte seiner gesamten theoretischen Arbeit im Kampf der RCL gegen die nationalistische kleinbürgerliche JVP und seiner Analyse des bengalischen Befreiungskampfes einfließen. Keerthi hatte ein außerordentlich entwickeltes Gespür für die Wandlungen, denen solche Bewegungen unterworfen sind. Die IK-Erklärung vertrat zwar die klassische marxistische Auffassung des Rechts auf Selbstbestimmung, schuf aber gleichzeitig die Grundlage für eine Diskussion innerhalb der trotzkistischen Bewegung darüber, wieweit diese Forderung unter den heutigen weltwirtschaftlichen und weltpolitischen Gegebenheiten noch Gültigkeit beanspruchen kann. Die Globalisierung der Produktion hat inzwischen bewirkt, dass alle national orientierten Programme überholt sind und der Charakter von nationalen Befreiungskämpfen sich dramatisch verändert hat. Weit davon entfernt, den Imperialismus zu bekämpfen, suchen Organisationen wie die LTTE (Befreiungstiger von Eelam) heute seine Unterstützung für die Errichtung ihres eigenen Ministaates, um die Arbeiterklasse ausbeuten zu können. Die Verteidigung der demokratischen Rechte unterdrückter Minderheiten ist unlöslich verbunden mit dem Kampf für die internationale Einheit der Arbeiterklasse über alle Grenzen hinweg und auf der Grundlage eines sozialistischen Programms.

Die SEP setzt den Kampf der RCL fort, den Keerthi anführte - den Kampf zur Verteidigung der demokratischen Rechte der unterdrückten Tamilen und für die Einheit der Arbeiter gegen die kapitalistische Herrschaft. Wir bieten der Arbeiterklasse und der Jugend eine sozialistische Alternative an, die sich sowohl gegen die Fortsetzung des Krieges wie auch gegen den betrügerischen "Friedensprozess" richtet, für den die offiziellen Oppositionsparteien und verschiedene kleinbürgerliche linke Grüppchen die Trommel rühren. Präsident Rajapakse, der nach seinem knappen Wahlsieg im November 2005 den Krieg ausweitete, engagiert sich in Washingtons verlogenem "Krieg gegen den Terrorismus", der dazu dient, die räuberischen imperialistischen Interessen der Vereinigten Staaten durchzusetzen. Rajapakse und seine Verbündeten von der JVP behaupten, erst nach siegreicher Beendigung des Krieges könnten die Probleme, vor denen Arbeiter, Jugendliche und Studenten stehen, in Angriff genommen werden. Alle, die dagegen protestieren - Arbeiter, Bauern, arbeitslose Jugendliche -, bezichtigen sie, "Handlager des Terrorismus" zu sein, und hetzen die Sicherheitskräfte auf sie. Ihre Parole lautet "Erst Krieg, dann Löhne, Arbeitsplätze, Sozialleistungen".

Es erinnert uns an die Situation in Russland nach der Februarrevolution 1917, die eine bürgerliche Regierung an die Macht brachte, die von den menschewistischen Reformisten und kleinbürgerlichen Sozialrevolutionären unterstützt wurde, die auf der Welle der allgemeinen Agitation gegen den Zar und den Krieg ritten. Die damalige provisorische Regierung propagierte ähnlich wie heute Rajapakse: Die sozialen Fragen stehen erst dann auf der Tagesordnung, wenn der Krieg gewonnen ist. Sie verunglimpfte die Bolschewisten als Agenten des deutschen Feindes. Doch nur acht Monate später wurde die provisorische Regierung, die weder den Krieg beendete noch die soziale Krise löste, von den Bolschewiki unter Führung Lenins und Trotzkis gestürzt.

In der kommenden Periode, wenn die Lasten des Krieges auf die Massen abgewälzt werden, werden die Klassenkämpfe mit Sicherheit zunehmen. Wir müssen uns politisch bewaffnen und breite Schichten von Arbeitern, Studenten und Jugendlichen in den wichtigen Lehren aus der Geschichte der Arbeiterklasse erziehen. Dieser Aufgabe widmete Keerthi sein Leben. Seinem Leben als internationalistischer Sozialist können wir heute die größte Ehre erweisen, indem wir diesen Kampf führen.

Siehe auch:
20 Jahre seit dem Tod von Keerthi Balasuriya
(27. Dezember 2007)
Pierre Lambert stirbt im Alter von 87 Jahren
( 21.Januar 2008)

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