Stimmt gegen den Ausverkauf bei American Axle! Mobilisiert Autoarbeiter gegen Angriffe auf Arbeitsplätze und Löhne!

Von World und der Socialist Equality Party
20. Mai 2008

Am Freitag gaben die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) und die Firma American Axle bekannt, sie hätten sich auf den Entwurf eines Tarifvertrags geeinigt, um den elfwöchigen Streik zu beenden. Die folgende Erklärung ist am Sonntag an Arbeiter von American Axle verteilt worden, die Informationsveranstaltungen der UAW besuchten.

Arbeiter von American Axle: Weist den Ausverkauf zurück, den die Gewerkschaft United Auto Workers abgeschlossen hat, und mobilisiert alle Autoarbeiter und die gesamte Arbeiterklasse gegen die Angriffe der Unternehmer auf Löhne und Arbeitsplätze!

Der Vertragsentwurf vom Freitag sieht vor, die Löhne von 28 Dollar die Stunde auf 18,50 Dollar für die "Kernbeschäftigten" und auf 14,55 Dollar für die übrigen zu senken. Die Arbeiter im Werk Three Rivers in Michigan, für die ein separater Vertrag erarbeitet worden ist, sollen sogar noch weniger verdienen. Damit wurde auch noch das Prinzip des flächendeckenden Tarifvertrags aufgegeben.

Diese Beinahe-Hungerlöhne werden die drei Großen (GM, Ford, Chrysler) unter den Autoherstellern und andere Konzerne als neuen Maßstab nehmen. Sie sind entschlossen, die Folgen der Wirtschaftsrezession und sinkender Verkaufszahlen auf die Autoarbeiter abzuwälzen.

Die UAW hat auch der Schließung der Gießereien in Detroit und Tonawanda (New York) zugestimmt und grünes Licht für weitere Betriebsschließungen und Entlassungen gegeben.

Dieser Verrat bestätigt, was die World Socialist Web Site und die Socialist Equality Party von Anbeginn des Kampfes gesagt haben: Die Arbeiter stehen zwei Feinden gegenüber. Auf der einen Seite dem Chef der Firma, dem Multimillionär Richard Dauch, der von General Motors und der Wall Street gestützt wird. Auf der anderen Seite der UAW selber.

Vom ersten Tag des Kampfs an galt die erste Sorge von UAW-Präsident Ron Gettelfinger und der UAW-Bürokratie nicht den Arbeitsplätzen und den Lebensbedingungen ihrer Mitglieder. Sie waren vielmehr auf zwei Dinge bedacht: Erstens, wie der Widerstand der Mitglieder gegen Lohnsenkungen zu überwinden ist, und zweitens, was die UAW-Bürokratie für sich selbst als Gegenleistung für die Zustimmung zu umfangreichen Zugeständnissen herausholen kann.

Ein wirklicher Kampf gegen den Konzern ist nur möglich, wenn die Arbeiter mit dieser unternehmerfreundlichen Organisation brechen und neue Kampfformen entwickeln. American-Axle-Arbeiter sollten Basiskomitees wählen, die von vertrauenswürdigen, militanten Arbeitern geführt werden und der UAW-Bürokratie die Streikleitung und die Verhandlungen aus der Hand nehmen.

Sie müssen sich an die Arbeiter bei General Motors, Ford, Chrysler, Delphi und anderen Firmen wenden und einen Streik in der gesamten Autoindustrie organisieren, um den Lohnsenkungstarifverträgen ein Ende zu setzen, die die UAW in der letzten Zeit unterschrieben hat. Ein besonderer Appell sollte auch an die kanadischen Autoarbeiter gerichtet werden, die ebenfalls mit Angriffen auf Arbeitsplätze und Lebensstandard und mit dem Verrat der Führung der kanadischen Autoarbeitergewerkschaft konfrontiert sind.

Massenstreikposten müssen organisiert werden, um Dauchs Drohung mit dem Einsatz von Streikbrechern zu unterlaufen, und es sollten Demonstrationen organisiert werden, um die größtmögliche Unterstützung in der Arbeiterklasse für diesen Kampf zu gewinnen.

Die gewerkschaftliche Mobilisierung muss mit einer neuen politischen Strategie kombiniert werden. Der Kampf der Arbeiter bei American Axle ist Teil des Kampfs der gesamten Arbeiterklasse gegen das kapitalistische Profitsystem. Nach Jahren der Bereicherung von Konzernbossen, Hedge-Fonds-Managern und anderen Finanzspekulanten rutscht das kapitalistische System in eine Wirtschaftskrise, die einmal mehr eine Depression heraufbeschwört.

Die Krise des amerikanischen Kapitalismus macht die arbeitende Bevölkerung deutlich ärmer. Die Hebel sind fallende Löhne, hochschießende Preise für Güter des täglichen Bedarfs, die Zwangsräumung von Eigenheimen, die Kürzung von Sozialprogrammen und die Zerstörung anständig bezahlter Arbeitsplätze. Arbeiter in den USA stehen vor den gleichen, grundlegenden Problemen wie Arbeiter weltweit: wachsender Ungleichheit und der Explosion von Militarismus und Krieg.

Um gegen diese Bedingungen zu kämpfen, braucht die Arbeiterklasse ihre eigene politische Partei, unabhängig von den Wirtschaftsparteien, den Demokraten und Republikanern. Sie muss das Ziel verfolgen, die Wirtschaft entsprechend den Bedürfnissen der arbeitenden Bevölkerung, statt denen der reichen Elite, zu reorganisieren. Die Autoindustrie und alle lebenswichtigen Industrien müssen in öffentliches Eigentum überführt und der demokratischen Kontrolle der arbeitenden Bevölkerung unterstellt werden.

Als Antwort auf die Zerstörung anständig bezahlter Arbeitsplätze in den Vereinigten Staaten und auf die Verlagerung der Produktion in Niedriglohnregionen in Mexiko, China und anderswo muss sich die Arbeiterklasse international gegen die global organisierten Autogiganten zusammenschließen. Arbeiter haben auf der ganzen Welt das gleiche Interesse an anständigen Arbeitsplätzen und Lebensbedingungen.

Der Verrat der UAW ist nicht einfach eine Frage persönlicher Korruption und Feigheit der Führung im Solidarity House [UAW-Zentrale in Detroit]. Er ergibt sich aus dem bankrotten politischen Programm der UAW und der anderen Gewerkschaften: Es geht von der bedingungslosen Verteidigung des kapitalistischen Systems aus, von Wirtschaftsnationalismus und der Unterordnung der Arbeiterklasse unter die Demokratische Partei.

Ihre Unterstützung für das Profitsystem hat jetzt zur Verwandlung der UAW selbst in ein großes Wirtschaftsunternehmen geführt, das den Milliarden schweren Rentnergesundheitsfond VEBA und Dutzende Millionen Aktien von GM und Ford kontrolliert.

Die Arbeiter von American Axle haben nicht fast drei Monate lang gekämpft, um diesen Vertrag zu akzeptieren. Unter Autoarbeitern und in der gesamten Arbeiterklasse gibt es für den Kampf zur Verteidigung von Arbeitsplätzen und Lebensstandard enorme Unterstützung.

Die Zurückweisung dieses Ausverkaufs muss zum Beginn einer Gegenoffensive der Arbeiterklasse gemacht werden. Die Schlüsselfrage aber ist die Führung und politische Strategie. Wir fordern Arbeiter auf, die Geschichte und das Programm der Socialist Equality Party zu studieren und die SEP als neue revolutionäre Führung der Arbeiterklasse aufzubauen.

Siehe auch:
Streik der amerikanischen Autoarbeiter in der zehnten Woche: Eine politische Bilanz des Kampfs bei American Axle
(3. Mai 2008)