Die SEP Sri Lankas hält in Jaffna erfolgreich eine öffentliche Versammlung ab

Von unseren Korrespondenten
28. Juli 2009

Letzten Samstag hat die Socialist Equality Party (SEP) erfolgreich eine öffentliche Versammlung unter dem Titel "Die Weltwirtschaftkrise und imperialistische Aggression" abgehalten. Die Veranstaltung fand in Jaffna statt, der vom Militär besetzten Stadt im Norden Sri Lankas. Fast 60 Teilnehmer waren zu der Versammlung in der Navalar Cultural Hall gekommen, darunter Arbeiter, Bauern, Studenten, Fischer, Lehrer und Hausfrauen.

Die Veranstaltung fiel mitten in den Wahlkampf für den Stadtrat von Jaffna, die Wahl findet am 8. August statt. Die Regierung hat die Kommunalwahlen für Jaffna und Vavuniya angesetzt. Sie beabsichtigt damit, ihrer militärischen Besetzung des Nord- und Ostteils der Insel nach der Niederlage der separatistischen Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) eine demokratische Fassade zu verleihen.

Auf Grund der restriktiven Sicherheitsbestimmungen in Jaffna mussten die SEP-Mitglieder ihre Kampagne für die Versammlung einschränken. Trotz allem waren sie in der Lage, ca. 2.000 Flugblätter und Kopien von WSW-Artikeln an Betrieben, der Universität von Jaffna, dem Hauptbusbahnhof und unter den Fischereiarbeitern zu verteilen. Um die 300 Plakate wurden in Jaffna und Umgebung, einschließlich Ariyalai, Thirunelveli, Anaikodddai, Manipay, Chankanai, Vaddukoddai und Chunnagam, aufgehängt.

Ein regelmäßiger Leser der WSWS aus Vavuniya, wo ungefähr 300.000 Zivilisten in Internierungslagern festgehalten werden, sandte per Telefon eine Grußbotschaft an die Versammlungsteilnehmer. Er konnte nicht kommen, da das Militär die Autobahn A9, die Vavuniya und Jaffna verbindet, noch nicht für öffentlichen Verkehr freigegeben hat.

T. Ahilan, Mitglied des Zentralkomitees der SEP, leitete die Veranstaltung. Er erklärte, dass es wegen des Krieges die seit langem erste Veranstaltung sei, die die SEP in Jaffna abhalte. Die SEP ist die srilankische Sektion des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (IKVI). Ihre Vorgängerin, die Revolutionary Communist League (RCL), wurde 1968 in einem politischen Kampf gegen die Lanka Sama Samaja Party (LSSP) gegründet, die die trotzkistischen Prinzipien verraten hatte, als sie 1964 in die bürgerliche Regierung von Sirima Bandaranaike eingetreten war.

Ahilan erklärte, dass die Versammlung unter den Bedingungen einer sehr schweren Krise des globalen Kapitalismus stattfände, die sich in Sri Lanka besonders stark auswirke. Das Ende des Krieges werde nicht Frieden und Wohlstand bringen, sondern vielmehr die Angriffe auf den Lebensstandard und die demokratischen Rechte der arbeitenden Menschen verschärfen. "Die SEP ist die einzige Partei, die in dieser tiefsten Krise des Kapitalismus mit einem sozialistischen Programm für die Arbeiterklasse antritt.", so Ahilan.

Myilvaganam Thevarajah spricht vor der Versammlung Myilvaganam Thevarajah spricht vor der Versammlung

Der Hauptredner, das SEP Zentralkomiteemitglied Myilvaganam Thevarajah, begann mit den Sätzen: "Ein fast dreißig jähriger Bürgerkrieg ist zu Ende gegangen. Aber die Diskriminierung und Unterdrückung der Tamilen dauert an. Fast 300.000 tamilische Zivilisten sind ohne auch nur eine Grundversorgung in Internierungslagern eingekerkert. Die militärische Besetzung des Nordens und Ostens wird verstärkt. Präsident Mahinda Rajapakse hat der Arbeiterklasse einen Wirtschaftskrieg erklärt. Ohne ein Verständnis der sich entfaltenden Weltkrise kann man nicht verstehen, was in Sri Lanka oder irgendeinem anderen Land passiert."

Der Redner verwies auf den letzten großen kapitalistischen Zusammenbruch, der zu zwei Weltkriegen und der Großen Depression führte. "Nach dem zweiten Weltkrieg übernahm der US-Imperialismus die Verantwortung für die Stabilisierung der Weltwirtschaft. Dass er das konnte, lag an seiner gewaltigen ökonomischen Stärke, die er im Vergleich mit anderen imperialistischen Staaten, die der Krieg verwüstet hatte, besaß."

Thevarajah erklärte, dass die Nachkriegsregelungen 1970 brüchig zu werden begannen, als die Hegemonie der US-Wirtschaft schwächer zu werden begann. "Die USA sind darauf aus, ihre verbleibende militärische Stärke einzusetzen, um ihre globale Vorherrschaft aufrechtzuerhalten und so ihren Untergang abzuwenden. Die Invasion in Afghanistan und der Krieg im Irak, der reich an Öl ist, sind Teil dieses Versuchs.

Er sagte, die Konzentration der Obama Regierung auf Afghanistan und Pakistan ziele darauf ab, wirtschaftliche und strategische Ziele durchzusetzen, besonders in der an Bodenschätzen reichen Region Zentralasien. Südasien, einschließlich Sri Lanka, sei zu einer Hauptarena der rivalisierenden Großmächte geworden.

"In den letzten 30 Jahren hat die tamilische Bevölkerung wegen des rassistischen Kriegs der Regierungen in Colombo stark gelitten. Der tamilenfeindliche Krieg wurde benutzt, um die Arbeiterklasse entlang ethnischer Linien zu spalten. Als die Rajapakse Regierung das Land zurück in den Krieg stieß, unterstützten alle Großmächte, einschließlich der USA, Chinas und Indiens die Regierung in Colombo, um ihre eigenen Interessen voranzutreiben," sagte er.

"Die militärische Niederlage der LTTE war eng mit dem Bankrott ihrer Perspektive eines eigenen kapitalistischen Staates verbunden. Um dieses Ziel zu erreichen, suchte die LTTE abwechselnd die Unterstützung der verschiedenen Großmächte. Sie setzte sich niemals für die Vereinigung der singhalesischen, tamilischen und muslimischen Arbeiter mit den indischen Arbeitern gegen die kommunalistische Diskriminierung durch die Regierung in Colombo ein. Diese Feindschaft gegenüber der Arbeiterklasse unterstreicht die Tatsache, dass die LTTE für die Interessen eines Teils der tamilischen Bourgeoisie steht."

Thevarajah sagte, dass keine der Parteien, die bei den Wahlen in Jaffna und Vavuniya antreten, die Interessen der arbeitenden Bevölkerung verteidige. Er zitierte das Wahlmanifest der Tamil National Alliance (TNA), in dem die Forderung nach einem "Plan für eine politische Lösung, die die Autonomie von Tamilen und Muslimen im tamilischen Mutterland im Norden und Osten der Insel herstellt", aufgestellt werde.

"Diese ‘politische Lösung’ hat nichts mit den Bedürfnissen der tamilischen Massen zu tun, sondern zielt auf ein Abkommen mit der Regierung in Colombo, um die Privilegien der tamilischen Bourgeoisie sicherzustellen." sagte er. Die TNA, früher ein Sprachrohr der LTTE, hat die Annäherung an Rajapakse gesucht. Der Redner zitierte die Rufe der TNA-Führer nach internationaler Hilfe, einschließlich solcher aus Indien, um eine "politische Lösung" zu erreichen. Diese Partei ist vollständig abhängig von den verschiedenen Welt- und Regionalmächten, erklärte er.

Thevarajah führte auch die Äußerungen von Douglas Devananda an, einem Minister der Regierung und Vorsitzenden der Eelam Peoples Democratic Party (EPDP), der sich damit rühmte, dass seine Partei die Rechte der tamilischen Bevölkerung anstatt durch Konfrontation durch eine freundschaftliche Zusammenarbeit mit der Regierung erreichen werde.

"Das ist eine weitere Partei der tamilischen Bourgeoisie, die nach politischen Brosamen suche." sagte er. "Sie unterstützte Rajapakses Krieg gegen die tamilische Bevölkerung und unterhielt eine paramilitärische Gruppe, die mit dem Militär zusammen arbeitete. Eine weitere Partei der tamilischen Elite ist die Tamil United Liberation Front. Was wir in den vergangenen Tagen von Leuten gehört haben, ist ihr Hass auf all diese Parteien. Alle Teile der tamilischen Bourgeoisie haben bewiesen, dass sie korrupte und unfähige Haufen sind, die versuchen, mit Colombo einen Deal auf Kosten der breiten Massen zu schließen."

Thevarajah sagte, dass die ganze Erfahrung der tamilischen Bevölkerung die politische Perspektive der SEP bestätige. Die RCL/SEP sei die einzige Partei in Sri Lanka gewesen, die von Anbeginn des Krieges konsequent den bedingungslosen Rückzug des Militärs aus dem Norden und Osten der Insel gefordert habe. Die demokratischen Rechte der tamilischen Bevölkerung könnten nur durch einen gemeinsamen politischen Kampf der Arbeiterklasse - Singalesen, Tamilen und Muslime - gegen die kapitalistische Herrschaft realisiert werden. Dieser müsse gleichzeitig ein Kampf für eine Vereinte Sozialistische Republik in Sri Lanka und Eelam, als Teil einer Union der Sozialistischen Republiken von Südasien und darüber hinaus sein. Er rief die Zuhörer dazu auf, die Perspektiven der SEP und des IKVI auf der World Socialist Web Site zu studieren und sich der SEP und dem Kampf für ihren Aufbau anzuschließen.

Auf die Reden gab es begeisterte Reaktionen und viele Leute blieben noch da, um die Themen mit den SEP Mitgliedern zu diskutieren. Mehr als 3.000 Rupien wurden für den Fond der Partei gesammelt.

Siehe auch:
Immer mehr Tote in Internierungslagern in Sri Lanka
(4. Juli 2009)
Die Niederlage der LTTE und die Sackgasse des Nationalismus
( 22. Mai 2009)
Der Weg vorwärts für die Arbeiterklasse Südasiens
( 14. Februar 2009)

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