Autoarbeiter in Indianapolis führen mutigen Kampf

Von Patrick Martin
19. August 2010

Autoarbeiter im Presswerk von General Motors (GM) in Indianapolis führen einen mutigen Kampf gegen den gemeinsamen Versuch des Konzerns und ihrer Gewerkschaft United Auto Workers (UAW), eine 50prozentige Lohnsenkung durchzusetzen. Bei einer Belegschaftsversammlung am Sonntag schrien sie Funktionäre aus der UAW-Zentrale in Detroit nieder und jagten sie aus ihrer Versammlung.

Die Feindschaft gegen die hoch bezahlten Gewerkschaftsfunktionäre zeigt einen gesunden Klasseninstinkt. Die Arbeiter im Presswerk erkennen, dass sie mit den Funktionären, die für ihre Lakaiendienste am Unternehmen sechsstellige Gehälter beziehen, nichts gemein haben.

Am Dienstag versuchte die Unternehmerseite erneut, die Arbeiter dahin zu prügeln, dass sie einer Senkung der Löhne zustimmen. JD Norman, die Firma, die das Presswerk von GM übernehmen will, schaltete eine ganzseitige Anzeige im Indianapolis Star. JD Norman will das Werk in eine Billiglohnklitsche verwandeln und die Löhne von 29 Dollar die Stunde auf 15,50 Dollar reduzieren.

Sowohl Firmenbesitzer Justin D. Norman, ein 34jähriger Börsenmakler und heute ein Parasit an der Autoindustrie, als auch der UAW-Funktionär Maurice Davison berufen sich darauf, dass die Arbeiter, die am Sonntag auf der Versammlung waren, nicht die Mehrheit in der Fabrik repräsentierten.

In Normans Anzeige heißt es: “Ich bin nicht der Meinung, dass einige Schreihälse das Schicksal dieser großartigen Fabrik besiegeln sollten.“ Im gleichen Tonfall sagte Davison dem Indianapolis Star: „Von den sechshundert Beschäftigten haben nur zweihundert diese Meinung vertreten [eine Abstimmung zu verweigern]. Ich frage mich, warum die übrigen 400 nicht zu der Versammlung kamen.“

Weder die Firma noch der Gewerkschaftsboss erwähnten allerdings die Abstimmung vom 22. Mai, als die Beschäftigten mit der überwältigenden Mehrheit von 384 zu 22 alle Gespräche mit JD Norman abgelehnt hatten. Die UAW hat versucht, diese demokratische Entscheidung zu kippen und die Lohnsenkung gegen den Willen der Arbeiter durchzupeitschen. Die Gewerkschaft gebärdet sich unverhohlen als Partner von GM und JD Norman.

Die Arbeiter in Indianapolis haben dieser Verschwörung gegen ihre Arbeitsplätze und ihren Lebensstandard einen Schlag versetzt, Aber die Abstimmung am Sonntag kann nur der erste Schritt sein. Breite Unterstützung muss bei Arbeitern in Indianapolis, im ganzen Bundesstaat und landesweit mobilisiert werden. Andernfalls wird dieser Kampf isoliert und besiegt werden, wie so viele vorher.

Ausgangspunkt für einen solchen Kampf ist die Erkenntnis, dass die UAW ein Werkzeug des Managements ist. Die UAW ist für die Arbeiter ein genauso gefährlicher Gegner wie die Firmenbosse und die wirtschaftsfreundlichen Politiker.

Der Niedergang und Fall der UAW war ein lang anhaltender Prozess, aber die Verwandlung ist endgültig. Bürokraten wie Maurice Davison und das Heer von Funktionären, Regionaldirektoren und Betriebsräten auf nationaler und lokaler Ebene haben wirtschaftliche Interessen, die denen der Arbeiter diametral entgegengesetzt sind. Allein im Zeitraum von 2001 bis 2008 ist die Mitgliedschaft der UAW von 701.000 auf 431.000 zurückgegangen, d.h. um vierzig Prozent. Das Vermögen der Gewerkschaft hat sich im gleichen Zeitraum von 1,1 auf 1,2 Milliarden Dollar erhöht.

Als Bestandteil der Restrukturierungsvereinbarungen mit GM und Chrysler wurde die UAW zudem ein bedeutender Anteilseigner der beiden Konzerne. Dadurch haben die Gewerkschaftsvorstände ein unmittelbares finanzielles Interesse daran, die Arbeitskosten zu senken und den Aktienkurs der Firmen hochzutreiben. Als Gegenleistung stimmte die UAW zu, die Löhne von neuen Beschäftigten um die Hälfte zu senken und den Konzernen ihre eigenen Mitglieder als Billiglohnarbeiter zur Verfügung zu stellen.

Vor der Rebellion in Indianapolis hat es schon mehrere Zusammenstöße zwischen Autoarbeitern und der UAW gegeben: Im November-Dezember 2009 lehnten Ford-Arbeiter einen neuen Tarifvertrag ab. Im Verlauf der Auseinandersetzung wurde der neue UAW-Präsident Bob King auf einer Belegschaftsversammlung von Ford Rouge-Arbeitern niedergebrüllt. Im Toyota/GM Werk in Fremont; Kalifornien, wurden örtliche Gewerkschaftsfunktionäre vom Podium gebuht. Die Arbeiter beim Autozulieferer Saginaw stimmten in einer Abstimmung gegen eine riesige Lohnsenkung, die dann erst mit einer zweiten Abstimmung vor einem Monat durchgesetzt werden konnte.

Die Arbeiter im Presswerk in Indianapolis müssen sich aus der Zwangsjacke der UAW befreien und ein Basiskomitee bilden, unabhängig vom Ortsverband 23, von ihrem Regionalverband und von der Gewerkschaftszentrale in Detroit. Sie müssen einen militanten Kampf aufnehmen und die Arbeitsplätze und ihren Lebensstandard kompromisslos verteidigen.

Die Arbeiter des Presswerks sollten die Fabrik besetzen, um ihre Schließung durch GM oder ihren Verkauf an JD Norman zu verhindern. Sie sollten sich an die Autoarbeiter von GM, Ford und Chrysler und die Zulieferer im ganzen Mittleren Westen und landesweit wenden. Sie sollten auch mit Autoarbeitern in anderen Ländern Kontakt aufnehmen, die ähnlichen Angriffen ausgesetzt sind. Ein solcher Appell würde auf großes Interesse und Unterstützung stoßen.

Als die Arbeiter bei Republic Windows and Doors in Chicago im Dezember 2008 fünf Tage lang ihren Betrieb besetzten, erhielten sie landesweit breite Unterstützung. Die Besitzer versuchten den Betrieb zu schließen und sich aus ihrer Verpflichtung zu stehlen, eine Abfindung zu zahlen. Eine Initiative von Autoarbeitern in Indianapolis im Kampf gegen eine 50-prozentige Lohnsenkung würde auf noch größeren Widerhall treffen.

Es gibt keinen Zweifel, dass eine Fabrikbesetzung bei GM in Indianapolis die Kampftraditionen früherer Generationen von Autoarbeitern wiederbeleben würde und einen Widerhall in der ganzen Arbeiterklasse fände. Sie würde die Grundlage der kapitalistischen Herrschaft in Frage stellen: das Privateigentum an den Produktionsmitteln. Deswegen träfe eine solche Aktion auf den unversöhnlichen Widerstand Demokratischer und Republikanischer Politiker und der örtlichen, staatlichen und nationalen Behörden.

Der Kampf für die Verteidigung anständig bezahlter Arbeitsplätze richtet sich direkt gegen die Obama-Regierung. Sie trieb GM und Chrysler in die Liquidation, um die Errungenschaften zu zerstören, die die Arbeiter in Generationen erkämpft hatten. Die Rückkehr der Autoindustrie zur Profitabilität stützt sich auf eine Ausbeutung, wie es sie seit der Großen Depression nicht mehr gegeben hat.

Während das Leben der Arbeiter und ihre Gemeinden zerstört werden, wird die Wall Street im Herbst, wenn GM erneut an die Börse gebracht wird, wieder ein Vermögen verdienen.

Arbeiter müssen die notwendigen politischen Schlussfolgerungen ziehen: Sie müssen das Profitsystem in Frage stellen. Die grundlegenden Produktionsmittel und die riesigen Finanzgesellschaften dürfen nicht mehr in der Hand von Privatpersonen bleiben und im Interesse des privaten Profits funktionieren. Die Fabriken und Banken müssen enteignet und in öffentliche Unternehmen unter der demokratischen Kontrolle der Arbeiterklasse verwandelt werden. Das erfordert einen Bruch mit den beiden Parteien der Wirtschaft und die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse im Kampf für eine Arbeiterregierung.

Die Socialist Equality Party fordert alle Arbeiter auf, den Kampf in Indianapolis zu unterstützen und ihn zum Ausgangspunkt für eine breite Mobilisierung der Arbeiterklasse gegen das Profitsystem zu machen.

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