Neues Kriegsverbrechen in Afghanistan: Neun Kinder bei Luftangriff getötet

Von Joseph Kishore
5. März 2011

Am Dienstag, den 1. März ermordete das amerikanische Militär bei einem Luftschlag in der nördöstlichen afghanischen Provinz Kunar neun Kinder. Der Angriff führte zu Massenprotesten. Es ist nur die jüngste Gräueltat in der Region. Vor weniger als zwei Wochen kamen bei einem anderen Angriff bis zu 65 Zivilisten ums Leben.

Die am Dienstag getöteten neun Kinder sammelten im Pech Tal Feuerholz. Sie wurden von einem Kampfhubschrauber ins Visier genommen, der von einem nahe gelegenen Stützpunkt der International Security Assistance Force (ISAF) der Nato aufgestiegen war. Ein Video-Bericht von Al-Dschasira zeigt die Beerdigung der Kinder, die alle unter vierzehn Jahre alt waren. Die Nato-Truppen geben an, auf Raketenangriffe reagiert zu haben.

Dieser jüngste Zwischenfall ist Teil der üblichen Terrorkampagne gegen die afghanische Bevölkerung. Zahllose Zivilisten wurden dabei schon getötet. Oft gibt es keine direkten Beweise für diese Kriegsverbrechen, weil die Opfer vom amerikanischen Militär und den dienstbaren Medien meistes einfach als „Aufständische“ oder „Taliban“ bezeichnet werden.

Als Videos von dem jüngsten Angriff auftauchten, entschuldigten sich amerikanische Sprecher, darunter auch Präsident Obama, für den Zwischenfall. Ihre Äußerungen unterstrichen nur die Gleichgültigkeit der kolonialen Besatzer. ISAF-Kommandeur David Petraeus erklärte: „Bedauerlicherweise scheint es ein Missverständnis bei der Identifizierung des Aufenthaltsorts der Aufständischen mit den Kampfhubschraubern gegeben zu haben, die die Operation dann ausführten.“

Obama ist für die massive Ausweitung der Gewalt gegen die afghanische und pakistanische Bevölkerung verantwortlich. Er sagte in einem Telefongespräch mit dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai am Donnerstag, dass er das Massaker „tief bedauere“. Karzai wiederum äußerte sich besorgt, dass das ständige Töten von Zivilisten immer größeren Hass auf die US-Besatzung lenke, was zu „riesigen Problemen führt“.

Am 2. März, dem Tag nach dem Angriff, versammelten sich hunderte Demonstranten in der Provinzhauptstadt Assad-Abad. Radio Freies Europa berichtete: „Zornige Demonstranten trugen Bilder der bei dem Angriff getöteten Kinder mit sich. Sie riefen Parolen gegen die amerikanische und die afghanische Regierung.“

Einer der Demonstranten wurde von Reuters mit den Worten zitiert: “Es ist nicht das erste Mal, dass sie unsere armen und unschuldigen Menschen töten. Wir akzeptieren keine Entschuldigungen mehr. Sie haben sich in der Vergangenheit schon entschuldigt, aber sie fahren fort, unsere Menschen zu töten.“

Am 17. Februar wurden bei Hubschrauberangriffen im Distrikt Ghaziabad der Provinz Kunar 65 Menschen getötet, darunter laut einem Bericht der afghanischen Regierung vom 27. Februar vierzig Kinder unter dreizehn Jahren. Außerdem starben 22 Frauen und es gab Dutzende Verletzte.

Wie üblich leugneten die USA auf erste Meldungen über Opfer bei dem Zwischenfall im Februar, dass Zivilisten betroffen seien. Petraeus ging so weit zu behaupten, die Bewohner der Gegend hätten Geschichten erfunden und ihre eigenen Kinder verletzt, um die Geschichten zu stützen.

Nur wenige Tage nach dieser Schlächterei wurden bei einem weiteren Luftschlag im Dorf Qulgha in der benachbarten Provinz Nangarhar zwei Erwachsene und ihre vier Kinder im Alter von drei bis acht Jahren getötet.

Die Zunahme der Gewalt in diesem Gebiet hängt wahrscheinlich mit dem Vorhaben der US-Truppen zusammen, das Pech Tal bis zum Ende des Jahres zu räumen. Die Nato-Truppen versuchen den Aufständischen noch soviel Schaden wie möglich zuzufügen, bevor sie sich in die Städte zurückziehen.

2011 ist jetzt schon auf dem Weg, das blutigste Jahr des mehr als neunjährigen Kriegs in Afghanistan zu werden und die Rekordzahl an Toten von 2010 noch zu übertreffen. Tausende Afghanen wurden vergangenes Jahr bei Luftangriffen, Bodenoperationen und Operationen von Sondereinheiten getötet.

Nach afghanischen Angaben wurden allein in den letzten beiden Wochen des Februars mehr als 200 Zivilisten bei Angriffen und militärischen Einsätzen getötet.

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