Profitsystem stürzt Jung und Alt gleichermaßen ins Elend

21. Oktober 2011

Diese Woche wurden neue Meldungen veröffentlicht, die neue Beweise für die soziale Katastrophe liefern, der die arbeitende Bevölkerung in Amerika gegenübersteht. Durch die Wirtschaftskrise sind alte Arbeiter nicht mehr in der Lage, in Rente zu gehen, und junge müssen ihr ganzes Leben lang die Schulden abzahlen, die durch die steigenden Studienkosten entstanden sind.

Ein Bericht des amerikanischen Obersten Rechnungshofes mit dem Titel „Ältere Erwachsene und die Rezession von 2007-2009“, der am Dienstag veröffentlicht wurde, begann mit der Feststellung, die derzeitige Wirtschaftskrise sei „die schwerste seit den 1930er Jahren.“

Weiter hieß es: „Die Rezession trifft zwar alle Altersgruppen, doch die Erwachsenen – vor allem denjenigen, die kurz vor der Pensionierung stehen oder bereits pensioniert sind – haben eine größere finanzielle Bürde zu tragen, weil sie keine Möglichkeit haben, sich von ihren Auswirkungen zu erholen.“

Wie es in dem Bericht hieß, sind die Altersersparnisse durch den sinkenden Aktienmarkt, Wertverluste auf dem Immobilienmarkt und große Hürden für entlasse ältere Arbeiter, die wieder auf Stellensuche sind, stark im Wert gesunken.

Die Studie fand unter anderem Folgendes heraus:

* Die Arbeitslosenquote bei Arbeitern über 55 Jahren hat sich seit 2007 verdoppelt, die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit hat sich für Arbeiter zwischen 55 und 64 Jahren von 11 auf 31 Wochen verdreifacht. Fast 18 Prozent der Arbeitslosen über 55 sind bis zu oder länger als 99 Wochen arbeitslos.

* Das Haushaltseinkommen der Arbeiter zwischen 55 und 64 ist um sechs Prozent gefallen. Etwa ein Drittel aller Arbeiter über 65 Jahre sind im Niedriglohnsektor tätig und verdienen weniger als elf Dollar Stundenlohn.

* Die Armutsquote in der Altersgruppe zwischen 55 und 64 ist im Zeitraum von 2007 bis 2010 von 8,7 Prozent auf 10,1 Prozent gestiegen. Sie wäre noch höher, wenn auch die Zahlungen für medizinische Behandlung miteinbezogen werden, dann wären es bei den über 65-jährigen über 17 Prozent. Mehr als ein Viertel aller Menschen zwischen 55 und 65 leben von Niedriglöhnen, 200 Prozent unterhalb der staatlichen Armutsgrenze.

* Im Zeitraum von 2006 bis 2009 hat sich die Anzahl der Haushalte, in denen ein Mitglied über 60 Lebensmittelmarken bezieht, um 25 Prozent auf 2,5 Millionen erhöht.

Zu den Auswirkungen der Krise gehört auch, dass es älteren Arbeitern zunehmend nicht mehr möglich wird, in Rente zu gehen, jedenfalls nicht in der nächsten Zeit, und oftmals überhaupt nicht.

Eine Umfrage von Sun Life Financial Inc. stellte fest, dass nur 23 Prozent der arbeitenden Bevölkerung zuversichtlich sind, dass sie als Rentner die grundlegenden Lebenshaltungskosten zahlen können. Im Jahr 2008 waren noch 46 Prozent der Meinung.

Die Mehrheit, genauer gesagt 54 Prozent, gaben an, sie würden auch nach dem 65. Lebensjahr weiterarbeiten, und 20 Prozent sagten, sie müssten wahrscheinlich arbeiten bis sie sterben. 61 Prozent der Arbeiter sagten, sie würden noch mindestens drei Jahre nach dem Renteneintrittsalter weiterarbeiten.

Wes Thompson, der Präsident von Sun Life, beschrieb die Ergebnisse der Studie als „Wendepunkt.“ Der allgemeine Index, auf dem das Vertrauen in die Rente gemessen wird, ist von 46 Prozent im Jahr 2008 auf 36 Prozent in diesem Jahr gesunken.

Zum anderen Ende des Altersspektrums meldet die Federal Reserve Bank von New York, dass die Summe der Beträge, die sich Studenten im letzten Jahr geliehen haben, die 100 Milliarden Dollar-Marke überschritten hat. Für 2011 soll die Gesamtsumme der ausstehenden Darlehen auf über eine Billion Dollar steigen. Laut dem Bericht der Fed ist die Summe höher als die der Kreditkartenschulden.

Das College Board meldet außerdem, dass Studenten heute doppelt so viel Schulden machen wie vor zehn Jahren, auch unter Berücksichtigung der Inflation.

Während alte Arbeiter gezwungen sind, ihre Pensionierung zu verschieben oder ganz darauf zu verzichten, sind jüngere so verschuldet, dass sie nicht genug Geld für ein eigenes Haus haben, oder um eine Familie zu gründen. Alte und Junge konkurrieren auf dem Arbeitsmarkt um weniger Arbeitsplätze, die schlechter bezahlt werden.

Angesichts dieser eskalierenden Krise gibt es weder in der amerikanischen herrschenden Elite, noch in einer ihrer beiden Parteien Rückhalt für ernstgemeinte Maßnahmen, um die Bedingungen für die breite Masse zu bessern. Stattdessen ist der demokratische Präsident Barack Obama zu einer zynischen Bustour aufgebrochen, um eine „Arbeitsmarktreform“ anzupreisen, von der er weiß, dass er sie nie durchsetzen wird. Selbst wenn, würde sie gerade mal ein Zehntel der Arbeitsplätze schaffen, die benötigt werden, um die Arbeitslosenquote auf das Niveau vor dem Finanzzusammenbruch von 2008 zurückzubringen.

Das einzige, worin sich beide Parteien einig sind, ist, dass die Arbeiterklasse die Kosten für die Krise, die die Wall Street verursacht hat, tragen soll, und zwar in Form eines Defizitsenkungsprogramms, durch das Billionen von Dollars eingespart werden sollen; durch die Zerschlagung des Rentenprogrammes Social Security, der Gesundheitsprogramme Medicare und Medicaid, des staatlichen Bildungssektors und anderer Sozialprogramme.

Die zunehmend barbarische soziale Lage, der alle Generationen gegenüberstehen, führt zu wachsender Wut und Unruhe, die sich bereits in den Wall Street-Protesten im ganzen Land und auf der ganzen Welt äußerten.

Die Arbeiterklasse wird keine Gesellschaft akzeptieren, in der die Alten bis zum Umfallen arbeiten müssen und den Jungen eine Zukunft verweigert wird. Stattdessen wird sie Massenkämpfe mit revolutionärem Charakter aufnehmen.

Der Kapitalismus ist in den Vereinigten Staaten, und auf der ganzen Welt, gescheitert. Nur die Arbeiterklasse kann einen fortschrittlichen Weg aus der Krise finden, die auf die Menschheit losgelassen wurde.

Die arbeitende Bevölkerung kann ihr eigenes Programm zur Verteidigung von Arbeitsplätzen, guter Bildung, einer sicheren Rente und anderen grundlegenden sozialen Rechten nur durchsetzen, wenn sie sich aus dem Griff der offiziellen Gewerkschaften und der Demokratischen Partei befreit, die zusammen die Interessen der Banken und Konzerne, nicht aber die der Arbeiter verteidigen.

Die einzige Lösung der Arbeiterklasse für diese Krise ist ein entschlossener und mutiger Angriff auf diese Interessen. Sie erfordert die Enteignung der Milliardenvermögen der herrschenden Finanzoligarchie und die Übernahme der Großbanken- und Konzerne, damit sie so geführt werden können, dass sie die Bedürfnisse der Mehrheit befriedigen, anstatt der Profitinteressen des obersten Prozents der Bevölkerung. Kurz: Die Wirtschaft muss auf sozialistischer Grundlage umgestaltet werden.

Die wichtigste Aufgabe zur Förderung dieses Kampfes ist der Aufbau einer neuen revolutionären Führung der Arbeiterklasse – der Socialist Equality Party.

Bill Van Auken

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