US-Wirtschaftsmagazin: Militärputsch beste Lösung für Griechenland

Von Bill Van Auken
5. November 2011

Das Forbes-Magazin, das sich als “Informationsquelle der Wirtschaftsführer der Welt“ anpreist, veröffentlichte auf seiner Internetseite einen Artikel unter dem Titel „Die wahre Lösung für Griechenland: ein Militärputsch.“

Der von einem gewissen Tim Worstall verfasste Artikel, einem britischen Blogger und Metallhändler, setzt seine Leser darüber in Kenntnis, dass ein „Scherz“ auf den Finanzmärkten zirkuliert: „Die wahre Lösung des griechischen Problems ist ein Militärputsch.“

Als Quelle dieser Nachricht zitiert er einen Artikel von Jeremy Warner aus dem britischen Daily Telegraph: „Halb im Scherz gesagt, würde Deutschland sein Geld besser nutzen, wenn es dieses nicht in das Abflussloch weiterer Rettungsaktionen gießt, sondern einen griechischen Militärputsch sponsert. Auf diese Weise würde es das Problem lösen, denn eine Militärdiktatur darf es in der Europäischen Union nicht geben. Ein solcher Militärputsch in Griechenland würde das Land sofort aus der EU werfen und was dann mit seiner Wirtschaft passiert, wäre einfach nicht mehr unser Problem.“

Worstall schreibt weiter, dass dieser Scherz eine “traurige” und “bittere” Qualität hätte, “denn wenn wir lediglich über das Problemchen der Militärdiktatur hinwegsehen könnten, wäre dies in der Tat eine gute Lösung für Griechenlands Probleme.“

Worin besteht laut unserem Autor der Kummer Griechenlands? Er schreibt, dass Griechenland wahrscheinlich seine Schulden nicht bezahlen kann und unweigerlich auf den Staatsbankrott zusteuert, doch dies werde sein Kernproblem nicht lösen. „Die griechischen Löhne und der griechische Lebensstandard müssen sinken, um Arbeit wettbewerbsfähig zu machen“, schreibt er. „Oder, falls man es so ausdrücken möchte, Griechenlands Arbeitsproduktivität muss sehr stark und sehr schnell ansteigen. Beide Wege sind äußerst schwer und schmerzvoll.“

Der Forbes-Beitrag fast kurz zusammen: „Ein Militärputsch würde ermöglichen – wie gesagt, müsste man das kleine Detail beiseite lassen, dass es sich um einen Militärputsch handelt -, was tatsächlich geschehen sollte und sicherlich das am wenigsten Schmerzliche für Griechenland wäre, um seine Probleme in den Griff zu bekommen: Staatsbankrott und Ausstieg aus dem Euro.“

Er schließt: “Dass wir über solche fürchterlichen Dinge wie einen Militärstreich scherzen müssen, zeigt nur, wie gestört die europäische Politik inzwischen ist. Niemand möchte wirklich über Diktatur als Lösung eines ziemlich einfachen ökonomischen Problems debattieren, doch was bleibt uns übrig?…“

Der Artikel verursachte einen Skandal in Griechenland, wo Militärstreiche und Diktatur nicht zu Scherzreden animieren. Das Land wurde von 1967 bis 1974 von einer faschistischen Militärjunta regiert, die von den USA und der Nato unterstützt wurde. Etwa 10.000 Arbeiter, Studenten, politische Führer und Sozialaktivisten wurden verhaftet und gefangen gehalten. Viele unter ihnen wurden Opfer brutaler Folterungen.

Nachdem er die Reaktion in Griechenland auf den Artikel vernommen hatte, änderte der Forbes-Mitarbeiter seine Überschrift von „Die wahre Lösung für Griechenland: ein Militärputsch“ in „Die beängstigende Lösung für Griechenland: ein Militärputsch.“ Er fügte auch ein Postskriptum hinzu, in welchem er betonte, keinen Militärstreich empfohlen, sondern lediglich „einen finsteren und bitteren Witz“ kolportiert zu haben, der in Finanzkreisen kursiere.

Das Seltsame an diesem Forbes-Artikel ist, dass eine Woche, nachdem er verfasst wurde (ebenso wie Jeremy Warners Artikel im Telegraph), die Regierung des griechischen Premierministers Giorgos Papandreou plötzlich die gesamte Führung des griechischen Militärapparates absetzte. Die Dringlichkeitsgespräche, auf denen die Absetzung bekannt gemacht wurde, fanden statt, als das Land durch Papandreous Vorschlag eines Referendums über die von der Europäischen Union verlangten Sparmaßnahmen in eine tiefe politische Krise gestürzt wurde.

Die World Socialist Web Site schrieb kürzlich: „Nach der internationalen Empörung über den Vorschlag, ein Referendum über den Plan der EU für Griechenland durchzuführen, wurde am Dienstagabend das Oberkommando des griechischen Militärs entlassen. Diese Aktion wirkt wie der Versuch, einen drohenden Militärputsch zu verhindern.“

Die Logik dieser Entwicklung wird im Forbes-Artikel selbst deutlich herausgestellt: der Autor besteht darauf, dass die einzige Lösung für die griechische Krise in einer drastischen Kürzung der Löhne der griechischen Arbeiter und des Lebensstandards der Griechen sowie einer dramatischen und beschleunigten Steigerung ihrer Ausbeutung bestehe. Dies sei, wie der Autor zugibt, „äußerst schwer und schmerzvoll.“ Man möchte hinzufügen, dass es sich um eine Lösung handelt, die nicht auf demokratischem Wege durchgesetzt werden kann – ebenso wie die Entscheidung Papandreous vom Donnerstag, das angekündigte Referendum wieder abzusagen, die unter massivem Druck der europäischen Mächte zustande kam.

Die Nachdrücklichkeit, mit welcher der Forbes-Autor betont, die Grundlage seines Artikels sei lediglich ein “finsterer und bitterer Scherz”, den Finanzleute erzählen, bekräftigt nur die wohlbekannte Tatsache, dass Scherze oftmals sehr ernste Dinge sind.