Staatsanwalt erhebt Anklage wegen Mord an Trayvon Martin

Von unserem Reporter
13. April 2012

Die Staatsanwaltschaft, die die Tötung von Trayvon Martin untersucht, gab am Mittwoch bekannt, dass der Staat Florida Martins Mörder George Zimmermann des Mordes zweiten Grades anklagen wird. Die Höchststrafe für dieses Verbrechen beträgt lebenslänglich.

Sonderstaatsanwältin Angela Corey legte Wert auf die Feststellung, dass ihre Entscheidung nicht auf Druck der Öffentlichkeit zustande gekommen ist. Doch ihrer Ankündigung waren wochenlange Proteste gegen die Tötung Martins und die Weigerung der Polizei, Zimmermann zu verhaften, vorausgegangen.

Corey sagte, dass Zimmermann, 38, irgendwo in Florida inhaftiert sei. Anklage wegen Mordes zweiten Grades im Unterschied zu Mord ersten Grades wird dann erhoben, wenn die Tat nur mit bedingtem Vorsatz ausgeführt wurde. Sie bringt eine Strafe von 25 Jahren mit sich, wenn eine Feuerwaffe zum Einsatz kam.

Martin, ein siebzehnjähriger afroamerikanischer Jugendlicher, wurde auf seinem Weg durch ein eingezäuntes Wohngebiet, in dem sein Vater lebt, getötet. Er war unbewaffnet. Er wurde von Zimmermann, dem Leiter einer Bürgerwehr, verfolgt und erschossen.

Polizei und Staatsanwaltschaft wollten Zimmermann zuerst nicht festnehmen oder anklagen und setzten sich dabei über die Empfehlung des leitenden Ermittlers in dem Fall hinweg. Die Polizei von Sanford berief sich auf das „Stand Your Ground“-Gesetz in Florida, dass es Personen erlaubt, tödliche Gewalt anzuwenden, ohne sich zu bemühen, einer Konfrontation aus dem Weg zu gehen. Angeblich gab es keine Beweise, die Zimmermanns Berufung auf Selbstverteidigung widerlegten.

Staatsanwältin Corey wurde am 22. März mit dem Fall betraut, nachdem der Polizeichef zurücktrat und der erste Staatsanwalt sich für befangen erklärte.

Martins Eltern Sybrina Fulton und Tracy Martin starteten eine Kampagne und forderten, den Schuldigen zu verhaften. Überall in den USA nahmen Tausende an Protestkundgebungen teil. Martins Tod fand ein großes Echo, weil es ein verbreitetes Gefühl gibt, dass sowohl das Polizeisystem als auch das politische System ungerecht sind. Dies komme in der Tatsache zum Ausdruck, dass ein Jugendlicher kaltblütig erschossen werden kann, ohne dass sein Mörder verhaftet werde.

Die Tötung Martins wird auch von Vertretern beider großen Parteien und von Präsident Obama verurteilt. Das Justizministerium kündigte eine eigene Untersuchung an. Hauptziel dieses Eingreifens ist es, die Empörung über die Erschießung des Jugendlichen sicher in offizielle Kanäle zu lenken. Selbst New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, Chef einer für ihre Brutalität berüchtigten Polizeitruppe, forderte die Rücknahme der „Stand your ground“-Gesetze.

Jesse Jackson, Al Sharpton und andere Politiker aus dem Umfeld der Demokratischen Partei mischten sich ein, um die Rassenkarte auszuspielen und die tieferen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen zu kaschieren.

Die Familie und die Teilnehmer der ersten spontanen Proteste betonten, dass es in diesem Fall um die Ungerechtigkeit und nicht um die Hautfarbe von Martin und Zimmermann, der spanischstämmig ist, geht. Diese Haltung ist immer noch weit verbreitet. Associated Press zitierte am Mittwoch einen Demonstranten vor dem Rathaus von Sanford mit den Worten: „Für mich geht es hier nicht um die Hautfarbe. Er muss einfach verhaftet werden.“

Zimmermann wird am Donnerstag dem Gericht vorgeführt, wo er die Gelegenheit erhält, Kaution zu beantragen.