Katar spielt eine wichtige Rolle in Amerikas Plänen für Nordafrika und den Nahen Osten

Von Jean Shaoul
13. Februar 2013

Nach dem Ausbruch von Massenprotesten in Nordafrika und dem Sturz Ben Alis in Tunesien und Mubaraks in Ägypten vor zwei Jahren wurde Katar neben Saudi-Arabien und der Türkei ein wichtiger Verbündeter der USA und unterstützt sie bei der Sicherung ihrer räuberischen Interessen im Nahen Osten und Nordafrika.

Katar ist entschlossen, seine eigene Herrschaft, und die der herrschenden Cliquen der anderen Golfstaaten zu schützen, vor allem diejenige seines größten Nachbarstaates Saudi-Arabien, von dem es abhängig ist. Dazu versucht Katar, sunnitische Regimes unter Führung der Moslembrüder und ihrer Verbündeten an die Macht zu bringen, um die Arbeiterklasse der Region zu unterdrücken.

Das entspricht auch Washingtons strategischen Zielen, eine Allianz gegen den Iran zu bilden und die Massen des Nahen Ostens zu unterdrücken, um die Energiereserven der Region unter Kontrolle zu bringen und sich einen Vorteil gegenüber seinen Rivalen Russland und China zu verschaffen.

Katar verfügt über beträchtliche Ölvorkommen und ist der weltweit größte Exporteur von flüssigem Erdgas (LNG). Es besitzt mit dem riesigen Gasfeld North Field im Persischen Golf, das direkt neben dem iranischen South Pars-Feld liegt, vierzehn Prozent der weltweit bekannten Gasvorkommen, das sind die größten nach Russland und dem Iran.

70 Prozent der Einnahmen des Staates kommt aus flüssigem Erdgas. Aber die hohen Förder- und Transportkosten erfordern die Belieferung großer Märkte, was nur durch ein entsprechendes Netzwerk von Pipelines durch das östliche Mittelmeer nach Europa gewährleistet werden kann. Andernfalls kann Katar nicht mit Indonesien und Nigeria mithalten. Saudi-Arabien lehnt es ab, Gaspipelines durch sein Gebiet verlegen zu lassen, obwohl das die kürzeste Route nach Europa wäre.

Das ist der Hintergrund von Katars interventionistischer Außenpolitik, vor allem in Syrien, das in einer strategisch günstigen Lage zwischen den größten Erdgasproduzenten und ihren wichtigsten Märkten in Europa liegt.

Katar wird seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1971 von der Familie Al-Thani regiert. Das Pro-Kopf-Einkommen ist mit 90.000 Dollar das höchste der Welt, aber nur wenige profitieren davon. Von 1,7 Millionen Einwohnern sind nur 225.000 katarische Staatsbürger, der Rest sind Wanderarbeiter, hauptsächlich aus Süd- und Südostasien, die für Hungerlöhne arbeiten und weder Rechte noch Schutz genießen. Das Regime verteidigt seine Macht, indem es jeden Widerstand, Streiks und Proteste unterdrückt. Allerdings sah es sich durch soziale Unruhen dazu gezwungen, ein Investitionsprogramm aufzusetzen. Über fünf Jahre verteilt, sollen 65 Milliarden Dollar für Projekte in der öffentlichen und sozialen Infrastruktur ausgegeben werden.

Katar hat mit seinen Staatsfonds Einfluss und Freunde gekauft und belohnt und die Moslembrüder als Botschafter im Ausland aufgebaut, während es sie im eigenen Land verboten hat. Der Emir versucht, Katars Profil zu verbessern, indem er den Satellitenfernsehsender Al Dschasira finanziert und zu einem Instrument seiner Außenpolitik macht.

Al Dschasira hat den sunnitischen Geistlichen Yusif al-Qaradawi bekannt gemacht, einen gebürtigen Ägypter und Chef der Internationalen Union Muslimischer Geistlicher, und hat religiöse Bildungssendungen finanziert und ausgestrahlt. Das hat islamische Kämpfer hervorgebracht, darunter hochrangige Al Qaida-Mitglieder, denen Katar Zuflucht geboten hat, darunter auch den angeblichen Organisator der Anschläge des 11. September, Khalid Scheich Mohammed. Er wurde vom katarischen Minister für religiöse Angelegenheiten in Schutz genommen und bekleidete einen Regierungsposten im Ministerium für Strom und Wasser. Sein Neffe Ramzi Yousef wurde schuldig gesprochen, den Anschlag auf das World Trade Center im Jahr 1993 organisiert zu haben.

Die Beziehungen zwischen Katar und den USA entwickelten sich seit dem ersten Golfkrieg von 1991, als der Emir den Truppen der Koalition erlaubte, von Katar aus zu operieren; er ließ außerdem die Stinger-Luftabwehrraketen aus amerikanischer Fertigung zerstören, die er auf dem Schwarzmarkt gekauft hatte und die zu Spannungen mit Washington geführt hatten, und er stellte Truppen für die Koalition gegen den Irak. 1992 unterzeichnete er ein Verteidigungsabkommen, das mittlerweile gemeinsame Militärmanöver und drei amerikanische Stützpunkte umfasst.

Der derzeitige Herrscher, Scheich Hamad bin Khalifa al-Thani, der 1994 seinen Vater absetzte, hat mehr als eine Milliarde Dollar für den Bau des Luftwaffenstützpunkts Al-Udeid im Süden von Doha ausgegeben, der als Drehscheibe für die Operationen der Amerikaner im Irak und in Afghanistan und für ihre Drohnenmorde in Pakistan dient. Die USA haben im Jahr mehr als 100 Millionen Dollar für ähnliche Anlagen bei Al-Udeid, der Doha International Air Base und der Al-Sayliyah Army Base des Central Command (CENTCOM) Hauptquartiers ausgegeben, in dem 5000 US-Soldaten stationiert sind.

Katar und die übrigen Mitglieder des Golf-Kooperationsrates (GCC) haben Truppen in den Nachbarstaat Bahrain geschickt, um schiitische Proteste gegen die Al-Khalifa-Dynastie niederzuschlagen.

In Tunesien hat Katar die Hauptrolle dabei gespielt, bei den Wahlen 2011 nach dem Sturz von Ben Ali, die Ennahda-Partei an die Macht zu bringen. Es hat die Partei finanziert und auf Al Dschasira positiv über sie berichten lassen. Katar hat außerdem zahlreiche Abkommen über Wirtschaftshilfe und Investitionen unterzeichnet, darunter einen Kredit über 500 Millionen Dollar, um die Kapazität der tunesischen Ölraffinerien zu vervierfachen.

Katar hat 2011 eine Führungsrolle im Krieg der Nato gegen den libyschen Diktator Muammar Gaddafi gespielt, indem es durch die Arabische Liga und den GCC enormen internationalen Druck ausgeübt hat. Außerdem hat das Land seine eigenen Luftstreitkräfte und Spezialkräfte geschickt, um die islamistischen Milizen zu bewaffnen, auszubilden und zu führen, vor allem die Gruppen, die mit der Libyschen Islamischen Bewegung für Wandel verbündet sind.

Der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrates (TNC), Mustafa Abdul Jalil, gab zu, dass er seinen Sieg hauptsächlich Katar verdankt, das laut seiner Aussage zwei Milliarden Dollar ausgegeben hat. „Alle, die nach Katar gereist sind, haben von der Regierung Geld bekommen.“

Die gleichen libyschen Milizen liefern jetzt mit Unterstützung von Katar Waffen und Freiwillige an die Aufständischen in Syrien, um sie beim Sturz des Assad-Regimes zu unterstützen.

Katar hat zehn Milliarden Dollar in Libyen investiert, allein die Immobilienfirma Barwa zwei Milliarden für den Bau eines Strandresorts nahe Tripolis. Doha hat im Rennen um Libyen auf mehrere Pferde gesetzt und mit dem TNC Verträge im Wert von acht Milliarden Dollar unterzeichnet, und außerdem den Islamistenführer Hakim Belhaj und den Geistlichen Scheich Ali Salabi aus Doha finanziert.

Vor Mubaraks Sturz hatten sich Dohas Beziehungen mit Damaskus und Teheran entspannt, ähnlich wie die zwischen den beiden Staaten und der Türkei – hauptsächlich aufgrund der gemeinsamen Öl- und Gasfelder mit dem Iran. Katar versuchte sogar, zwischen dem Iran und den USA wegen des Teheraner Atomprogramms zu vermitteln. Anfang 2011 gipfelte das in einem Abkommen über eine Gaspipeline durch die Länder Irak, Iran und Syrien mit der Möglichkeit weiterer Pipelines in den Libanon und die Türkei, darunter auch eine von Ägypten in den Libanon und eine weitere von Kirkuk in der autonomen Kurdenregion im Irak. Dann aber brach der Bürgerkrieg Ende März 2011 aus.

Das änderte sich, als die imperialistischen Mächte beschlossen, ein sunnitisches Regime aufzubauen, um Bashar al-Assad zu ersetzen. Katar spielt eine Schlüsselrolle dabei, islamistische Banden zu finanzieren und zu bewaffnen, die sektiererische Terroranschläge gegen die Zivilbevölkerung ausführen, und setzt sich durch die Arabische Liga und den GCC für eine Intervention des Westens ein.

Letzten November vermittelte Doha die Bildung der Syrischen Nationalkoalition der Revolutionären- und Oppositionskräfte (SNC), die den hoffnungslos zerstrittenen Syrischen Nationalrat ersetzen sollten.

Im Rahmen seiner Offensive zur Isolierung des Assad-Regimes zwang Katar Khaled Meshaal, den Anführer der Hamas, der palästinensischen Schwesterorganisation der Moslembrüder, der im Exil lebt, mit Syrien zu brechen. Assad hatte seinen Amtssitz in Damaskus finanziert, seit er 1999 aus Jordanien ausgewiesen worden war. Meshaal zog nach Doha um und versucht im Auftrag von Katar, mit dem Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, über ein Bündnis zu verhandeln.

Doha tut sein Bestes, um die ägyptische Regierung der Moslembrüder unter Präsident Mohammed Mursi zu stützen, denen massiver Widerstand der ägyptischen Arbeiterklasse entgegenschlägt. Es hat Mursi Kredite in Höhe von fünf Milliarden Dollar gewährt, um einen Staatsbankrott zu verhindern und achtzehn Milliarden Dollar investiert, unter anderem acht Milliarden für Großprojekte in Sharq al-Tafria im Osten von Port Said, um seine Kontrolle über den Suezkanal als Durchgangsroute zu sichern. Zuvor hatte Mursi im letzten Sommer auf einer Konferenz der blockfreien Staaten in Teheran seine Unterstützung für den Sturz von Assad bekundet.