Sparprogramm beim Autozulieferer Bosch

Von Markus Salzmann
16. August 2013

Der deutsche Autozulieferer Bosch reagiert auf die Krise in der europäischen Automobil- und Zulieferindustrie mit einem massiven Sparprogramm, das Entlassungen, Lohnsenkungen und verschärfte Arbeitsbedingungen beinhaltet.

Wie das Bosch-Management verlauten ließ, lagen Wachstum und Ertrag bereits im Geschäftsjahr 2012 weit hinter den Erwartungen zurück. Für dieses Jahr sind die Aussichten ähnlich. Vor kurzem verlor Bosch den Rang als weltweit größter Zulieferer an den japanischen Denso-Konzern. Laut der Zeitschrift Automobil Produktion erlösten die Japaner im Automobilbereich rund 44,13 Milliarden Dollar, während Bosch in dieser Sparte nur auf 39,92 Milliarden Dollar kam. Der Stuttgarter Zulieferer landete damit nur noch auf Platz 3 hinter Continental.

Weltweit beschäftigt Bosch rund 306.000 Menschen. Das gesamte Unternehmen setzte 2012 mit 52,5 Milliarden Euro zwei Prozent mehr als im Vorjahr um. Damit lag Bosch weit hinter seinem langfristigen Wachstumsziel, das einen jährlichen Zuwachs der Erlöse um acht Prozent vorsieht.

Bosch ergeht es damit ebenso wie den gesamten Unternehmen der europäischen Zulieferindustrie. Eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert, dass in den nächsten fünf Jahren 75.000 Arbeitsplätze bei westeuropäischen Automobil-Zulieferern abgebaut werden.

Laut einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman, aus der das Manager-Magazin online zitiert, fällt die operative Umsatzrendite deutscher Zulieferer bis zum Ende der Dekade von durchschnittlich 5,5 Prozent auf 2,5 Prozent. „Der jahrelang als hochinnovativ gelobte Sektor – mit knapp 300.000 Beschäftigten in Deutschland – droht, in die Verlustzone zu rutschen”, resümiert das Magazin.

Tom Sieber von Oliver Wyman erklärt dazu: „In den kommenden fünf Jahren wird es zu einer Konsolidierungswelle kommen, auch Insolvenzen sind nicht auszuschließen.“ Vor allem für mittelständische Unternehmen sei es „fünf vor Zwölf“.

Bereits Anfang des Jahres machte Bosch-Chef Volkmar Denner deutlich, dass er plant, die Gewinne auf Kosten der Belegschaft zu steigern. Damals wurde der Verkauf der Solartochter Solar Energy AG beschlossen. Derzeit wird noch nach einem Käufer gesucht. Die Produktion läuft noch bis Ende 2013. Findet sich bis dahin kein Investor, werden 3.000 Mitarbeiter, 1.800 davon am Standort in Arnstadt, ihre Jobs verlieren.

Schon im letzten Jahr hatte Bosch den Mitarbeitern in Deutschland die Boni gekürzt, die ein fester Lohnbestandteil sind. Sie erhielten für 2012 nur noch 16,8 Prozent eines Monatsgehalts als Prämie. Im vorangegangenen Jahr waren noch 36 Prozent.

1.800 Beschäftigte in Deutschland mussten zuletzt Arbeitszeitverkürzungen bei entsprechenden Lohneinbußen hinnehmen. Anfang Juni arbeiteten demnach rund 1,5 Prozent der Bosch-Beschäftigten in den Bereichen Industrie-, Energie- und Gebäudetechnik kürzer. Mehrere Standorte nutzten dabei die jüngste Betriebsvereinbarung zur Bewältigung konjunkturbedingter Krisen, sagte ein Bosch-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters.

Bosch hat Ende 2012 in Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall für die Mehrzahl der deutschen Standorte Betriebsvereinbarungen abgeschlossen, mit deren Hilfe die Arbeitszeit der Beschäftigten rasch gesenkt werden kann. Umsatzrückgänge von bis zu 20 Prozent können so zunächst durch Arbeitszeitabsenkungen ohne gesetzliche Kurzarbeit wettgemacht werden.

Betriebsrat und IG Metall vereinbarten mit dem Management auch ein so genanntes „Sonderopfer” der Beschäftigten. Bei gesetzlicher Kurzarbeit, die bei Umsatzeinbußen von mehr als 20 Prozent greifen soll, zahlen die Beschäftigten einen Teil ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeldes in einen Solidaritätstopf ein.

Bosch nannte folgendes Beispiel: Wenn zehn Prozent der Belegschaft ein Viertel weniger arbeiten, verzichten die Mitarbeiter auf etwa zwei bis drei Prozent vom Weihnachtsgeld. Gesetzliche Kurzarbeit wird damit aus Sicht von Bosch „ein kosteneffizienteres Instrument zur Beschäftigungssicherung“. Diese Logik, die voll zu Lasten der Beschäftigten geht, wird von den so genannten Arbeitnehmervertretern voll und ganz unterstützt.

Bei dem noch vor wenigen Jahren stark ausgebauten Geschäft mit Startern und Generatoren stehen Einsparungen an. Am Standort Hildesheim, wo 1.300 Beschäftigten diese Teile für europäische Automobilhersteller fertigen, zeichne sich ein Kapazitätsabbau ab, erklärte ein Bosch-Sprecher.

In Hildesheim, wo insgesamt 3.500 Bosch-Mitarbeiter beschäftigt sind, soll nur noch jeweils die erste Produktgeneration von Startern und Generatoren gefertigt werden, die Bosch zu höheren Preisen an die Kunden verkaufen kann. Die weitere Produktion soll dann in Ungarn und Spanien stattfinden, da in diesen Ländern die Arbeitskosten niedriger sind.

Seit dem Frühjahr verhandelt Bosch mit Betriebsrat und IG Metall über eine entsprechende Standortvereinbarung. Aus Gewerkschaftskreisen hieß es, jeder zweite der 1.300 Jobs im Starterbereich könnte wegfallen. Man wolle dies auf „sozialverträglichem Wege“ umsetzten. Beide Seiten erklärten, man könne erst im Herbst offiziell das Ausmaß des Abbaus beziffern.

Der norddeutsche Standort hat schon mehrere Entlassungswellen hinter sich. Er war früher Hochburg der Autoradioproduktion, die zur Jahrtausendwende eingestellt wurde, ebenso wie zehn Jahre später die Produktion von Navigationsgeräten mit dem Verkauf an die Tochter Blaupunkt endete.

Bosch-Chef Volkmar Denner rechtfertigt die Rosskur recht offen: „In einigen Bereichen werden wir nicht darum herumkommen, Arbeitsplätze abzubauen“, erklärte Denner dem Manager Magazin. „Wir müssen unsere Strukturen rechtzeitig anpassen“, forderte der Konzernchef und kündigte gleichzeitig an, den Druck auf die Beschäftigten zu erhöhen.

Jeder Standort werde eine Chance erhalten. Die Werke müssten allerdings den Krankenstand senken und die Flexibilität erhöhen. Wo das nicht gelinge, werde er durchgreifen, sagte Denner.