Hunderte demonstrieren gegen den Verkauf von Kunstwerken des Detroit Institute of Arts

Von Shannon Jones
8. Oktober 2013

Hunderte von Arbeitern und Jugendlichen versammelten sich am Freitag vor dem Detroit Institute of Arts (DIA) im Stadtzentrum von Detroit, um gegen die Ausverkaufspläne für die Kunstwerke des Museums zu demonstrieren. Mit den Einnahmen sollen die reichen Gläubiger der Stadt ausgezahlt werden.

Die Demonstration vor dem DIA

Die Socialist Equality Party und die International Youth and Students for Social Equality hatten zu der Demonstration aufgerufen. Sie war Teil des Kampfes, die Arbeiterklasse gegen die Pläne des Insolvenzverwalters Kevyn Orr zu mobilisieren, einem Finanzdiktator, der ernannt wurde, um die Wünsche der Banken umzusetzen. Orr fordert, die Kunst zu “monetarisieren”. Gleichzeitig trifft er Vorbereitungen, um die Renten und die Gesundheitsversorgung der Arbeiter drastisch zu kürzen und andere Vermögenswerte der Stadt zu verkaufen.

Aus vielen Bevölkerungsschichten kamen Teilnehmer zu der Demonstration, darunter Studenten der Wayne State University und von anderen Schulen in der Region, Arbeiter, Lehrer, Künstler und Rentner. Eine Delegation des Griswold Mietervereins kam zur Kundgebung und setzte sich dafür ein, die Verteidigung der Kultur mit dem Kampf gegen die Pläne zu verbinden, Mieter aus der Innenstadt von Detroit zu vertreiben. Das ist Teil von Orrs „Umstrukturierungsplänen“.

Erst letzte Woche wiederholte Orr seine Forderung, dass Kunstwerke der DIA “auf den Tisch” gehörten und erklärte, dass dem Verkauf von 35.000 Museumsstücken “nichts entgegen” stünde. Er hat das Auktionshaus Christie’s angeheuert, um die Meisterwerke zu begutachten.

Das Transparent der SEP

Die Demonstranten trugen Plakate mit Slogans wie “Streichung der Schulden, Besteuert die Reichen” und “Die Kunst gehört den Menschen, nicht den Reichen”. Als Parolen wurden gerufen: “Hey, hey Unternehmensgeier, nehmt eure Hände weg von unserer Kultur!” Und “Kunst ist nicht zu verkaufen. Wir sagen, Hände weg vom DIA!” Arbeiter und Jugendlichen brachten selbst gemachte Schilder mit, mit Parolen wie “Gogh away from the DIA”, “Don't Show Me the Money, Show Me the Monet” und “D on't I ntern our A rt”.

Es spielten Musiker aus der Region, darunter der bekannte Schlagzeuger Detroit Efe und die Motor City Golden Boys.

Mitglieder der Socialist Equality Party sprachen zu den Demonstranten. Jerry White, Präsidentschaftskandidat der SEP von 2012, bezog sich auf die Inschrift an der Vorderseite des Gebäudes des DIA: “Von der Detroiter Bevölkerung dem Wissen und der Freude an der Kunst gewidmet”. Er sagte: “Wenn ihr mir erlaubt, Lincoln zu zitieren, verpflichten wir uns erneut und sagen - dass die Kunst den Menschen von Detroit gehört und nicht den Bankern und Kunstspekulanten”.

Er fuhr fort: “Die Arbeiterklasse in Detroit hat eine reiche Tradition an sozialen Kämpfen und egalitären Bestrebungen. Wie Diego Rivera so kraftvoll in seine Wandmalereien gezeigt hat, ist die Zukunft der ganzen Menschheit mit dem kollektiven Kampf der Arbeiterklasse verbunden, alle kulturellen Errungenschaften der Menschheit zu bewahren und zu assimilieren”.

Larry Porter spricht zur Demonstration

Larry Porter, stellvertretender nationaler Sekretär der SEP, begann mit einem Dank an die Verantwortlichen für die Organisation der Demonstration, einschließlich der International Youth and Students for Social Equality sowohl von der Wayne State University als auch von der University of Michigan.

Er sagte: “Vor allem möchte ich allen danken, die hierher gekommen sind um ihren Widerstand gegen die Politik von Kevyn Orr, Gouverneur Snyder und des gesamte politischen Establishments auszudrücken. Diese Demonstration ist eine wichtige Aussage. Die Arbeiterklasse kämpft wieder für ihre Interessen.

“In den vielen Diskussionen die stattfinden, haben sie uns nicht gefragt. Sie haben die arbeitende Bevölkerung nicht gefragt, was sie von dem hält, was gerade passiert. Sie haben die Interessen der Banken und großen Unternehmen im Fokus. Die Leute hier stehen stellvertretend für die Millionen, die gegen die Austeritätspolitik und den Sozialabbau in Amerika sind und für die Hunderten von Millionen auf der ganzen Welt”.

“Die Frage des DIA ist kein lokales Problem. Sie ist größer als eine nationale Angelegenheit. Es ist ein internationales Problem. Es ist sogar ein historisches Thema.”

Die Kundgebung vor dem Museum

Er deutete auf das DIA hinter sich und fuhr fort: “Dieses Gebäude ist von Arbeitern erbaut worden. Es gehört nicht Orr oder [Michigan Gouverneur Rick] Snyder, es gehört den arbeitenden Menschen hier”.

“Ihr fragt euch vielleicht, warum Sozialisten zu dieser Demonstration aufgerufen haben. Es gibt einen einfachen Grund. Wir sind die einzigen, die das gegenwärtige Szenario nicht akzeptieren. Wir akzeptieren die Insolvenz nicht. Wir akzeptieren die Kürzungen bei den Renten nicht. Wir akzeptieren den Abbau von Arbeitsplätzen nicht. Wir akzeptieren überhaupt nichts von alle dem”:

Porter sagte die Socialist Equality Party weise die von den Demokraten und Republikanern unaufhörlich wiederholte Klage zurück, dass “es kein Geld gibt”.

“Es gibt vierhundert Milliardäre in Amerika, die zusammen ein Nettovermögen von über zwei Billionen Dollar besitzen”, sagte er. “Diese Regierung pumpt jeden Monat 85 Milliarden Dollar in den Aktienmarkt”.

“Es ist Geld da. Die Frage ist, wer kontrolliert den Reichtum. Die Demokraten und Republikaner greifen die Arbeiterklasse gemeinsam an. Wir sind hier, um die Arbeiterklasse zu vereinen”.

Porter wies Versuche zurück, die Arbeiterklasse nach der Hautfarbe zu spalten. “Dies ist nicht eine Frage von Schwarz gegen Weiß”, erklärte er, „oder der Vororte gegen Detroit. Dieser Kampf betrifft uns alle”.

Joseph Kishore, der nationale Sekretär der Socialist Equality Party, sprach als nächster. “Zum ersten Mal sagen die Werktätigen von Detroit: 'Genug ist genug!' ” erklärte Kishore. “Hier ist die Grenze. Wir werden die Sparmaßnahmen oder den Ausverkauf der Kunst nicht akzeptieren. Wir werden die Kürzungen bei den Renten und der Gesundheitsversorgung oder die Zerstörung unserer Schulen nicht akzeptieren. Es ist an der Zeit, sich zu wehren”.

Kishore stellte den Angriff auf das DIA in einen Zusammenhang mit dem Angriff auf die Kunst und Kultur, der in den gesamten Vereinigten Staaten stattfindet, und verwies auf die kürzliche Schließung der New York City Opera und die seit einem Jahr andauernde Ausperrung der Musiker des Minnesota Orchestra.

“Die herrschende Klasse sagt, ihr müsst alles aufgeben”, sagte Kishore. “Ihr müsst eure Gesundheitsversorgung aufgeben. Ihr müsst eure Renten aufgeben. Ihr müsst eure Arbeitsplätze aufgeben. Sie wollen alles. Die Arbeiterklasse muss 'Nein!' sagen”.

“Wir sind nicht hier, um Druck auf Orr oder den Stadtrat auszuüben. Wir sind nicht hier, um Snyder oder Obama unter Druck zu setzen. Wir sind hier, um den Interessen der Arbeiterklasse einen unabhängige, Ausdruck zu verleihen.“

Kishore betonte, dass die Demonstration nicht das Ende, sondern erst der Anfang des Kampfes zur Verteidigung des DIA sei. Er appellierte an die Anwesenden, den nächsten Schritt zu unternehmen und dem Komitee zur Verteidigung des DIA beizutreten, das die SEP gegründet hat.

Etwa 50 Arbeiter und Jugendliche nahmen an einem Treffen teil, das im Anschluss an die Demonstration in der nahe gelegenen Wayne State University stattfand. Dort folgte eine intensive Diskussion über die politische Situation, die Bedeutung der Demonstration, und wie man den Kampf zur Verteidigung der Kultur und aller Rechte der Arbeiterklasse vorantreiben könne. Die Anwesenden beschlossen, ein Treffen zu organisieren, um weitere Aktionen zu planen und den Kampf in der Arbeiterklasse im ganzen Großraum Detroit aufzunehmen. Für weitere Informationen und um teilzunehmen, besucht http://www.defendthedia.org .