GM will offenbar Tochter in Australien schließen

Von James Cogan
14. Dezember 2013

Wie ungenannte hohe Vertreter der Abbott-Regierung vergangene Woche den Medien sagten, soll General Motors entschlossen sein, seine Tochterfirma Holden in Australien bis Ende 2016 zu schließen. Quellen aus dem Kabinett zufolge, wollte GM die Beschäftigten eigentlich letzten Freitag über die Schließung seines Montagewerks in Adelaide und des Motorenwerks in Melbourne unterrichten, hat die Ankündigung aber auf nächstes Jahr verschoben.

Die Schließung von Holden wird der australischen Autoindustrie den Todesstoß versetzen. Im Mai hatte Ford die Schließung seiner beiden Montagewerke bis Oktober 2016 angekündigt. Toyota, der dritte verbliebene Produzent in Australien, warnt, das Ende von Holden würde den Zusammenbruch vieler Lieferanten bedeuten, die auch Toyota beliefern, was seine Produktion ebenfalls „unrentabel“ machen würde. Wenn alle drei Produzenten dicht machen, dann werden bis zu 50.000 Arbeitsplätze vernichtet. Weitere 150.000 gingen in der Zulieferindustrie verloren. Große Arbeiterwohngebiete, vor allem in Melbourne und Adelaide, werden in Arbeitslosigkeit und Elend vom Ausmaß einer Depression versinken.

Diese Aussicht ergibt sich direkt aus den enormen Rationalisierungen der Autoindustrie auf internationaler Ebene seit Beginn des globalen Wirtschaftszusammenbruchs 2008. Der Einbruch der Verkaufszahlen in den Vereinigten Staaten, Europa und Japan hat den bis aufs Messer geführten Konkurrenzkampf der rivalisierenden transnationalen Konzerne um Marktanteile enorm verschärft. Weltweit sind schon Dutzende Werke geschlossen worden, und die Bedingungen für Autoarbeiter haben sich in einem Land nach dem anderen verschlechtert. Die Obama-Regierung und die Autoarbeitergewerkschaft United Auto Workers setzten 2009 neue Maßstäbe für Armutslöhne, als sie die Stundenlöhne für Neueingestellte glatt auf fünfzehn Dollar halbierten.

In diesem Zusammenhang betrachten die Konzerne die australische Autoindustrie als “nicht mehr konkurrenzfähig” und “unprofitabel”. Mitsubishi hat sein Montagewerk in Adelaide schon 2008 geschlossen. Ford, GM und Toyota haben die Produktion zurückgefahren und Tausende Arbeitsplätze vernichtet. Ford gab schließlich die Schließung seiner Werke in Melbourne und der Nachbarstadt Geelong bekannt. GM und Toyota haben öffentlich gedroht, die Produktion ganz einzustellen, sollten sie keine höheren Subventionen von der Regierung bekommen und die Löhne und Sozialleistungen der Arbeiter nicht verschlechtert werden.

Die Informanten aus Premierminister Tony Abbotts national-liberaler Koalition, die die Schließungspläne von General Motor bekannt gemacht haben, vermuten, GM wolle noch einen Bericht der staatlichen Produktivitätskommission über die Autoindustrie abwarten, ehe es seine Pläne öffentlich mache. Danach könnte es die Regierung für die Schließung verantwortlich machen, weil sie ihre Kassen nicht weit genug geöffnet habe. Die abgewählte Labor-Regierung hatte zugestimmt, die jährlichen Subventionen für GM auf 300 Millionen Dollar pro Jahr zu erhöhen, und die Staatsregierung von Südaustralien hatte weitere 50 Millionen versprochen. Der Konzern verlangt aber angeblich mindestens 500 Millionen Dollar als Bedingung für eine Fortführung der Produktion über 2016 hinaus.

Im Wahlkampf für die Parlamentswahl im September hatte Abbott erklärt, eine liberal-nationale Regierung werde die staatlichen Zahlungen von schätzungsweise anderthalb Milliarden Dollar für die Autoindustrie um 500 Millionen Dollar kürzen. Am Freitag erklärte er, seine Regierung werde die Zahlungen an GM nicht erhöhen. Seine Position wird von mächtigen Wirtschaftsinteressen gestützt, die gegen Subventionen sind und Werksschließungen, bzw. die Drohung damit, nutzen wollen, um Angriffe auf die Arbeiter voranzutreiben und die Löhne und Arbeitsbedingungen auf das Armutsniveau zu drücken, das teilweise in den USA und in Asien herrscht.

Die Wirtschaftsjournalistin Grace Collier setzte sich am 23. November im Australian dafür ein, innerbetriebliche Abkommen in einem Eilverfahren vor dem Arbeitsgericht zu kippen und die Löhne der Autoarbeiter von den aktuellen 60-80.000 Dollar im Jahr auf den Grundlohn von 37-42.000 Dollar zu senken. Eine Halbierung der Arbeitereinkommen, so schwärmte sie, werde „die Produktivität in die Höhe treiben“ und Holden profitabel machen.

Die staatliche Produktivitätskommission veranstaltete letzte Woche eine zweitägige Anhörung und wird ihre Untersuchung am 10. Dezember in Melbourne abschließen. Sie soll offensichtlich zum Ergebnis kommen, dass nur massive Kürzungen bei den Arbeitern, aber nicht höhere Subventionen der Regierung, die Autoindustrie „retten“ können. Die Kommission wird am 20. Dezember einen Zwischenbericht und im nächsten Jahr ihren Abschlussbericht vorlegen.

Die Konzerne weichen jedoch von ihren Forderungen nicht ab, sowohl Kostensenkungen als auch höhere Subventionen zu bekommen.

Die Australian Manufacturing Workers Union (AMWU) und andere Gewerkschaften sind nichts anderes als direkte Sprachrohre von GM und Toyota. Sie stimmen in den Chor der Forderungen an die Abbott-Regierung nach mehr Subventionen ein und fordern von den Arbeitern, die Vernichtung ihrer Bedingungen zu akzeptieren.

Bei den Anhörungen der Produktivitätskommission in Adelaide und Melbourne in der letzten Woche lobte GM die AMWU ausdrücklich, weil sie die Arbeiter im Werk von Elizabeth, einem Stadtteil von Adelaide, schon unter Druck gesetzt hatte, Opfer zu bringen. Dort wird der Arbeitstag um sechzehn Minuten verlängert, die Löhne werden für drei Jahre eingefroren, Neueingestellte bekommen einen um zwei Dollar geringeren Stundenlohn, und dem Management wird die „Flexibilität“ eingeräumt, Leiharbeiter zu beschäftigen, statt Leute fest einzustellen. GM erklärte, das Gewerkschaftsabkommen habe die Kosten um 3.750 Dollar pro Fahrzeug gesenkt.

In dem Montagewerk von Toyota in Altona, einem Stadtteil von Melbourne, verhandeln die Gewerkschaften über einen ähnlichen Angriff auf die Arbeiter. Toyota verlangt, dass die Produktionskosten pro Fahrzeug um 3.800 Dollar gesenkt werden, damit die Exporte aus Australien profitabel bleiben. Entsprechende Kürzungen der Löhne und Sozialleistungen müssten bis Juni 2014 realisiert sein. Der Konzern verlangt weiter, dass die Zulieferer ihre Preise senken, und setzt sie damit unter Druck, ebenfalls die Bedingungen ihrer Arbeiter zu verschlechtern.

Die Behauptung von Gewerkschaftsvertretern, dass solche Kostensenkungen notwendig seien, “um Arbeitsplätze zu retten“, ist ein völliger Betrug. Selbst wenn die Abbott-Regierung genügend Geld zur Verfügung stellen würde, um GM Holden dazu zu bringen, das Werk Elizabeth im Moment offen zu halten, würden hunderte Arbeitsplätze vernichtet. Der Konzern sagt, er werde nur noch zwei Modelle montieren und maximal noch 65.000 Autos im Jahr produzieren, verglichen mit 85.000 in diesem Jahr.

Auch würden künftig siebzig Prozent der Teile aus der globalen Lieferkette von GM bezogen, statt wie bisher dreißig Prozent. Holden-Arbeiter müssten dann in Elizabeth mit noch mehr Arbeitsplatzabbau rechnen, und in Melbourne würden das Motorenwerk und die Design-Abteilung eingemottet. Örtliche Teilelieferanten, die von den Lieferungen an Holden abhängen und Tausende Arbeiter beschäftigen, müssten schließen, was möglicherweise auch die Liquidierung von Toyota nach sich ziehen würde. GM würde einfach noch ein paar Jahre jeden möglichen Cent aus der Regierung und der stark reduzierten Belegschaft pressen, und dann mit neuen Schließungsdrohungen das Spiel von vorne beginnen.

Arbeiter können nur für ihre Interessen kämpfen, wenn sie mit den Gewerkschaften brechen und demokratisch kontrollierte Aktionskomitees bilden, die bereit sind, für Arbeitsplätze und Sozialleistungen zu kämpfen. Vor allem müssen sich die australischen Arbeiter weltweit mit einem Appell für einen gemeinsamen Kampf an ihre Kollegen wenden. Sie müssen vorschlagen, einen gemeinsamen Kampf gegen den Angriff der transnationalen Konzerne wie auch der Regierungen und Gewerkschaften zu führen.