Erklärungen zum Verschwinden von Flug 370 in Malaysia widersprechen sich

Von Peter Symonds
14. März 2014

Das Schicksal von Flug 370 der Malaysia Airlines mit 239 Passagieren an Bord ist nach wie vor geheimnisumwittert. Es gibt nur unklare und sich widersprechende Hinweise darauf, was stattgefunden hat, dafür aber zahlreiche Theorien, die von den Medien zum Teil aufgebauscht werden.

Der Mangel an Klarheit wird noch durch entgegengesetzte Interessen verschärft, darunter die von Malaysia Airlines und Boing, die beide daran interessiert sind, das Ansehen ihres Unternehmens nicht zu beschädigen, die der malaysischen Regierung, die wegen ihrer Handhabung der Suchaktion kritisiert wird, und die der chinesischen Regierung, die unter Druck steht, zu erklären, wo die zahlreichen chinesischen Passagiere von Flug 370 abgeblieben sind.

Jüngste Satellitenaufnahmen chinesischen Ursprungs, die “ein mögliches Absturzgebiet“ zeigen, haben nur zu noch stärkerer Verwirrung beigetragen. Die am Sonntag gemachten Bilder zeigen deutlich drei große Objekte, die in Gewässern südlich von Vietnam schwimmen. Ihre Größe beträgt zwischen 13 x 8 und 22 x 24 Metern. Die Fundstelle liegt relativ nahe der nördlich verlaufenden Flugroute von MH370, der Samstagmorgen von Kuala Lumpur Richtung Peking aufgestiegen war. Eine Stunde später verloren die Fluglotsen den Kontakt mit dem Flugzeug. Die Crew hatte keine Notsignale abgesetzt.

Die Bilder könnten einen dringend benötigten Durchbruch ermöglichen, aber es gibt keine Bestätigung, dass die drei Objekte Trümmerteile des Flugzeugs sind. Funde vietnamesischer Suchflugzeuge von Trümmerteilen und Ölflecken erwiesen sich als ohne Zusammenhang mit einem Flugzeugunglück. Ein ehemaliger Sicherheitsdirektor der amerikanischen Flugsicherheitsbehörde, Tom Haueter, erklärte auf CNN, er wäre „überrascht“, wenn die Objekte von einem Flugzeug stammten, weil derart große Teile wohl kaum schwimmen würden. Ein anderer Vertreter der amerikanischen Flugsicherheitsbehörde, Michael Goldfarb, war optimistischer. Er erklärte: „Es gibt eine große Chance, dass sich diese Trümmer als Flugzeugteile herausstellen.“

Das malaysische Militärradar liefert völlig andere Informationen. Demnach ist ein unidentifiziertes Flugzeug hunderte Kilometer weiter westlich über der Straße von Malakka oder Andamanischen See entdeckt worden. Nach vorherigen sich widersprechenden Informationen malaysischer Behörden erklärte der Luftwaffenchef des Landes, General Rodzali Daud, gestern, das militärische Radar Malaysias habe ein Flugzeug 300 Kilometer nordwestlich der malaysischen Insel Penang entdeckt, das die MH370 gewesen sein könnte. Daud konnte allerdings nicht bestätigen, dass es das vermisste Flugzeug war. Die Rardardaten wurden US-Ermittlern für genauere Untersuchungen zur Verfügung gestellt.

Wenn dieser Bericht sich als zutreffend herausstellen sollte, dann würde sich das Geheimnis nur noch weiter vertiefen. Es würde nämlich bedeuten, dass MH370 von Kuala Lumpur Richtung Norden gestartet und geflogen, dann aber aus unbekannten Gründen scharf nach Westen abgebogen sei. Etwa zur gleichen Zeit funktionierte der Transponder des Flugzeugs nicht mehr oder wurde abgeschaltet und die malaysischen Fluglotsen verloren den Kontakt. Das Flugzeug wäre dann weiter nach Westen und über Malaysia hinweg geflogen und wurde zuletzt nördlich von Penang entdeckt.

Ganz offensichtlich wussten die malaysischen Behörden von den Radar-Erkenntnissen des Militärs, als sie die Marine Thailands baten, die Andamanische See abzusuchen. In der Öffentlichkeit machten sie aber verwirrende Äußerungen, wodurch sie zu der allgemeinen Konfusion, der Wut der Angehörigen über fehlende Informationen und zur Frustration der zwölf an der Suche beteiligten Länder beitrugen.

Die vietnamesischen Behörden stellten gestern aus Protest die Suchflüge ein, verlangten Aufklärung, nahmen die Suche aber später wieder auf. Das chinesische Außenministerium kritisierte Malaysia unverhohlen mit den Worten: „Es gibt im Moment zuviel verwirrende Informationen. Es ist für uns gegenwärtig sehr schwierig festzustellen, ob eine Information zutrifft oder nicht.“

Den Spekulationen in den Medien über einen möglichen Entführungshintergrund wurde der Boden entzogen, als Interpol zwei Passagiere identifizieren konnte, die mit gestohlenen Pässen in dem Flugzeug saßen. Die beiden stellten sich als iranische Staatsbürger heraus. Pouria Nourmohammadi Mehrdad, 18, und Delavar Seyed Mohammad Reza, 29, scheinen beide die Absicht gehabt zu haben, sich in Europa niederzulassen. Interpol-Generalsekretär Ronald Noble erklärte gegenüber den Medien: „Je mehr Informationen wir erhalten, desto mehr sind wir der Meinung, dass es kein Terroranschlag war.“

Eine mögliche Erklärung für das Verschwinden von MH370 hat bisher wenig Niederschlag in der Presse gefunden. Letztes Jahr warnte die amerikanische Luftfahrtssicherheitsbehörde US Federal Aviation Administration (FAA) vor einem ernsthaften technischen Problem bei der Boing 777, die auch bei dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking zum Einsatz kam. Die FAA sprach eine weltweite Warnung vor der Gefahr von Rissbildungen im Flugzeugrumpf unterhalb der Satellitenantenne des Flugzeugs aus, die zu einem Druckverlust in der Maschine führen könne. Die Folge könne Bewusstlosigkeit der Passagiere inklusive der Crew sein.

Der Sydney Morning Herald berichtete, ein Post auf dem Professional Pilots Rumour Network, einer Info Web Site für Piloten, erkläre das folgendermaßen: „Ein langsamer Druckabfall (aufgrund eines Lochs in der Größe eines Golfballs) hätte die Wahrnehmungsfähigkeit der Piloten beeinträchtigt und sie verwirrt, bevor die Druckwarnung angesprochen und die Piloten veranlasst hätte, Sauerstoffmasken anzulegen, bevor es zu spät war.“ Die Stelle des Schadens am Flugzeug könne auch dafür verantwortlich sein, dass die Satellitenkommunikation ausgefallen sei, darunter z.B. der Transponder. Wenn das geschehen sein sollte, hätte das Flugzeug alleine weiter geradeaus fliegen, oder aber vom Kurs abgekommen sein können, während die Passagiere und die Piloten bewusstlos waren.

Auch diese Theorie ist natürlich spekulativ, aber aus offensichtlichen Gründen sind Boing und Malaysia Airlines daran interessiert, einen eventuellen mechanischen Defekt herunterzuspielen. Die FAA-Direktive wurde nach einer Inspektion einer 14-jährigen B777 herausgegeben, bei der ein sechzig Zentimeter langer Riss entdeckt worden war. Die Behörde forderte „laufende Inspektionen des sichtbaren Flugzeugrumpfes und des Dopplers“ weltweit in die Inspektionsroutinen für die Boing 777 aufzunehmen.

Auf eine Anfrage von Fairfax Media erklärte eine Sprecherin von Boing, dass es Sache der Airlines und nicht des Herstellers sei, die Direktiven der FAA zu befolgen. In dem Artikel hieß es, es sei nicht bekannt, ob Malaysia Airlines die Direktive in die Wartungspläne für seine B777 Flotte aufgenommen habe. Die Gesellschaft hat in den letzten drei Jahren beträchtliche Verluste eingefahren und im vergangenen Jahr ihre Wartungskosten gesenkt. Sie betont ihre gute Sicherheitsbilanz und die Flugerfahrung der Crew mit der MH370.