Yale-Kaplan durch zionistische Angriffe zum Rücktritt gezwungen

Von Fred Mazelis
20. September 2014

Der bischöfliche Kaplan der Universität Yale musste nach einer zweiwöchigen Hetzkampagne wegen eines Briefes an die New York Times zurücktreten, in dem er äußerte, Dinge wie der jüngste Krieg Israels im Gazastreifen würden in Europa und anderen Teilen der Welt die Entstehung von Antisemitismus begünstigen.

Reverend Bruce Shipman reagierte mit einem Brief aus drei Sätzen, der am 26. August in der Times abgedruckt wurde, auf eine Kolumne der Expertin Deborah Lipstadt, in der sie sich mit Antisemitismus in Europa befasste. In dem Brief hieß es im vollständigen Wortlaut:

"Deborah E. Lipstadt geht viel zu wenig auf das Verhältnis zwischen der Politik Israels im Westjordanland und im Gazastreifen und dem wachsenden Antisemitismus in Europa und der Welt ein.

Der Trend, von dem sie spricht, geht einher mit dem Blutbad im Gazastreifen in den letzten fünf Jahren, sowie den dauerhaft stockenden Friedensverhandlungen und der andauernden Besetzung des Westjordanlandes.

Während die Hoffnung auf eine Zweistaatenlösung schwindet und die Zahl der palästinensischen Todesopfer weiter steigt, wäre das beste Gegenmittel gegen Antisemitismus, wenn Israels Unterstützer im Ausland die Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu zu einer endgültigen Lösung der palästinensischen Frage drängen würden."

Die Veröffentlichung des Briefes führte zu einer Flutwelle von Verleumdungen und Drohungen. Shipman erhielt Hassbriefe, Yale wurde mit Beschwerden überhäuft. Andere mischten sich in die Diskussion ein, unter anderem ein Kolumnist des Washington Post und Professor an der George Mason-Universität namens David Bernstein, der schrieb, Shipman sei zwar selbst kein Antisemit, würde jedoch "Antisemitismus entschuldigen und die Juden dafür verantwortlich machen."

Shipman erklärte in der Zeitung Hartford Courant, innerhalb einer Woche nach Veröffentlichung des Briefes habe sich das Direktorium der Episkopalkirche von Yale zu einer Sondersitzung getroffen. "Das Exekutivkomitee machte deutlich, dass ich zurücktreten solle, andernfalls würde ich entlassen," erklärte er.

Die Episkopalkirche von Yale versuchte die Angelegenheit halbherzig so darzustellen, als es gehe dabei nicht um freie Meinungsäußerung, sondern um Vorgehensweisen. Shipman habe die Angelegenheit nicht vorher mit seinen Kollegen diskutiert und damit gegen den "Geist der Zusammenarbeit und Kollegialität" verstoßen, zu deren Einhaltung sich alle Kaplane der Schule verpflichtet hätten.

Shipman sagte der Yale Daily News, im Grunde gehe es um Politik. "Diese Geschichte kann man nicht einfach als inneres Problem der Episkopalkirche darstellen“, erklärte er. "Das war es nicht. Dieser Brief hat den Feuersturm ausgelöst."

Wie der Text des Briefes deutlich macht, ist Shipman kein Antisemit - was teilweise behauptet wurde. Er ist noch nicht einmal ein Gegner Israels. Er unterstützt die "Zweistaatenlösung" und deutet an, die ultrarechte Regierung Netanjahus könne zur Vernunft gebracht werden.

Shipman hat nur die unbestreitbare Tatsache benannt, dass die Verbrechen der israelischen Regierung denjenigen, die heute den Antisemitismus wiederbeleben wollen, Munition liefern. Mit den "Unterstützern" Israels meint er eindeutig die US-Regierung und die Unterstützung für Netanjahu aus dem Kongress in Washington DC.

Was die Frage des Antisemitismus in Europa angeht, so wurden Beispiele dafür übertrieben dargestellt und gezielt ausgenutzt, um diejenigen Arbeiter, Studenten und Jugendlichen schlechtzumachen, die gegen die brutalen Angriffe auf Palästinenser im Gazastreifen protestiert haben. Das Ziel dabei ist es, jeden Widerstand gegen das Regime zu unterdrücken, das durch seine mörderische Unterdrückung der Palästinenser und die Lüge, es sei die einzige Vertretung des jüdischen Volkes, gerade den Antisemitismus begünstigt.

In den letzten Jahren haben Verteidiger Israels öfter sehr nervös reagiert, wenn auf die Kluft zwischen der offiziellen zionistischen Politik und den Ansichten einer wachsenden Zahl von Juden in den USA und anderswo verwiesen wurde. Sie beweisen damit Furcht und Schwäche. Sie sind sich akut der internationalen Isolation Israels und der Tatsache bewusst, dass Israel und die USA zunehmend als Kriegsverbrecher und Speerspitzen der globalen Reaktion erkannt werden. Die Forderungen nach Shipmans Kopf sollen, wie in anderen derartigen Fällen, alle Kritiker des Zionismus als Antisemiten brandmarken, um Diskussionen über diese Fragen zu unterbinden.

Der Kaplan betonte, das wichtigste Thema bei seiner Entlassung sei das Recht auf freie Meinungsäußerung. Er erklärte, er werde sich nicht zum Schweigen bringen lassen. "Ich denke, die Wahrheit muss gesagt werden, sie muss auf dem Campus in gegenseitigem Respekt diskutiert werden, ohne jemanden, der diese Fragen aufwirft, als Antisemiten hinzustellen. Diese Debatte sollte auf den Campi der führenden Universitäten dieses Landes stattfinden. Wenn nicht dort, wo dann?"

Chapmans erzwungener Rücktritt ist nur ein Vorfall in einer ganzen Reihe ähnlicher Ereignisse an amerikanischen Universitäten. Anfang des Monats stimmte das Kuratorium der Universität von Illinois gegen die Wiedereinsetzung von Professor Steven Salaita, dem der Lehrstuhl entzogen worden war, nachdem er auf Twitter Kritik an Israel geübt hatte.

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