Pilotenstreik bei Air France geht trotz Rückziehers der Regierung weiter

Von Antoine Lerougetel
27. September 2014

Der Streik der Air France Piloten verhärtete sich am Donnerstag, obwohl Air France bekanntgab, es werde seine Pläne, eine neue Billiglohntochter unter der Bezeichnung Transavia-Europe, zu gründen, sofort aufgeben. Air France stand unter dem Druck der sozialistischen PS-Regierung. Nach Angaben der Gesellschaft fielen am Donnerstag sechzig Prozent aller Flüge aus.

Die Piloten hatten die Gründung der in Portugal angesiedelten Transavia-Europe entschlossen bekämpft, die zu umfangreichen Auslagerungen von Arbeitsplätzen geführt hätte und den Rentenfond der Air France Piloten in den Bankrott getrieben hätte.

Nachdem die Regierung und Air France eingeknickt waren, forderten sie die Piloten auf, “die Arbeit sofort wieder aufzunehmen”. Aber die Piloten setzten den Streik fort, weil sie die Entscheidung, das Transavia-Europe-Projekt zu stoppen, als rein taktisch begründet ansahen. Damit sollten die Angriffe auf die Air France Beschäftigten offenbar nur hinausgezögert werden, um sie politisch besser vorbereiten zu können.

Einem Streik-Update der Pilotengewerkschaft SNPL vom Mittwochabend zufolge „bestätigt SNPL-Air France, dass der Streik fortgesetzt wird, weil es keine Garantien für die französischen Arbeitsplätze und für die Zukunft von Transavia-France gibt. … Die Mobilisierung ist immer noch stark. Fast achtzig Prozent der Beschäftigten sind im Streik und am Donnerstag sollen es noch mehr werden. Alles liegt jetzt auf dem Tisch und wir müssen den Druck aufrecht erhalten.“

Die Entscheidung der Regierung, Air-France angesichts des Pilotenstreiks zur Aufgabe ihrer Pläne zu zwingen, verschärft die tiefe politische Krise in Frankreich. Die wegen ihrer Kürzungspolitik zutiefst unpopuläre PS-Regierung hat sich angesichts des ersten bedeutsamen Streiks gegen ihre Politik des Sozialabbaus entschieden, einen Schritt zurückzuweichen.

Die Tageszeitung Le Monde schreibt: “Die Regierung befürchtet, dass sich die öffentliche Meinung gegen sie wendet. Anfänglich wurde der Streik der Piloten als ein Streik privilegierter Elemente angesehen, als eine korporatistische Bewegung.“

Die Gewerkschaftsbürokraten und die Sozialistische Partei befürchten, dass eine Bewegung aller Flughafenbeschäftigten den gesamten Luftverkehr in Frankreich zum Stillstand bringen könnte und den Beginn eines offenen Kampfs zwischen der Arbeiterklasse und der reaktionären Regierung von Präsident Francois Hollande signalisieren könne.

Die großen Gewerkschaftsverbände isolieren nach wie vor den Pilotenstreik und versuchen ihn in den Augen der Öffentlichkeit zu verunglimpfen. Force Ouvrière (FO) griff den Streik mit der Begründung an, „er könnte Arbeitsplätze gefährden“ und unterhöhle mehrere Tarifverträge. Mit diesen Verträgen hatten die Gewerkschaften die Interessen der Air France Belegschaft ausverkauft.

Die stalinistische Confédération générale du travail (CGT), die das Bodenpersonal vertritt, von denen viele sehr gering bezahlt werden und deren Arbeitsbedingungen stark verschlechtert wurden, erklärte, sie verurteile diese Bewegung nicht, unterstütze aber den ultrakorporatistischen Inhalt der Piloten-Forderungen nicht.

Jetzt sah sich die CGT gezwungen ein Kommuniqué mit mehreren Flugbegleitergewerkschaften zu unterzeichnen, in dem sie „die bedingungslose Rücknahme des Transavia-Europe-Plans“ forderte, weil dieser „gleichbedeutend mit der Verlagerung unserer Arbeitsplätze“ sei. Aber die CGT ruft diese Arbeiter immer noch nicht in den Streik und isoliert daher die Piloten weiterhin.

Das Misstrauen der Piloten gegenüber den Versprechungen des Managements und der Gewerkschaftsbürokratien ist begründet. Der Staat und Air France haben deutlich signalisiert, dass das Unternehmen schon bald neue Angriffe auf die Renten und Löhne plant. Es will eine andere Billiglohntochter schaffen, die in einem Land mit niedrigeren Löhnen angesiedelt sein soll.

Am Donnerstagmorgen sagte Regierungssprecher Stéphane Le Foll im Radio Classique: “Dieser Streik muss jetzt aufhören…. Er blockiert ein Projekt, das für den Konzern strategisch wichtig ist. Wir müssen Mittel und Wege finden, die es Air France ermöglichen, seine Aktivitäten im Billigflugsektor auszuweiten.“

Le Monde zufolge wird Air France vielleicht auch noch eine Billigfluglinie kaufen, „so wie British Airways z.B. Vueling gekauft hat. So denkt auch Air France darüber nach, die polnisch-ungarische Billigfluglinie Wizzair zu kaufen. Aus dem Air France Management sicherte durch, dass ‚Wizzair eine Option bleibt’.“

Der Kampf der Piloten gegen Auslagerung und Ausbeutung der Belegschaft ist der erste größere Kampf der Arbeiter gegen die verhasste Hollande-Regierung, die im Moment in den Umfragen nur noch über dreizehn Prozent Unterstützung verfügt. Die politische Schwäche der Regierung und die Furcht vor einer breiteren Bewegung der Arbeiterklasse gegen sie hat die PS gezwungen, auf der vorläufigen Rücknahme der Billigpläne von Air France zu bestehen.

Hollande konnte seine umfassenden sozialen Angriffe nur wegen der reaktionären Rolle der Gewerkschaftsbürokratien und der pseudolinken Parteien wie der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) so lange vorantreiben. Sie haben alles in ihrer Macht Stehende unternommen, den Widerstand in der Arbeiterklasse gegen Hollande zu erdrosseln, den sie in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl von 2012 unterstützt hatten.

Objektiv befinden sich die Piloten in einem politischen Kampf sowohl gegen Hollande als auch gegen das gesamte Austeritätsprogramm, das die Europäische Union durchsetzt. Ihr Kampf ist von zentraler Bedeutung für die gesamte Arbeiterklasse. Er kann nur erfolgreich geführt werden, wenn die Arbeiterklasse geschlossen gegen den europäischen Kapitalismus mobilisiert wird und den Gewerkschaften und ihren pseudolinken Verbündeten der Kampf aus der Hand genommen wird.

Die SNPL selbst beklagte zu Beginn des Streiks, sie hätte es vorgezogen, sich mit Alexandre de Juniac, dem Vorstandschef von Air France-KLM zu einigen. Juniac sei anfänglich bei seinem Angriff auf die Piloten strategisch sehr unvorsichtig vorgegangen.“ Wenn er seine Karten offen auf den Tisch gelegt hätte, wäre alles besser verlaufen, aber wir haben seine Pläne nur Stück für Stück erfahren. Dann versuchte er alles durchzudrücken“, sagte ein SNPL-Vertreter.

Auch die Regierung kritisierte die Art und Weise, wie Juniac mit dem Pilotenstreik umgegangen sei und die Piloten vor den Kopf gestoßen habe. In einem Interview am Montag in Le Monde hatte er angeboten, die Gründung von Transavia-Europe bis Ende des Jahres zu verschieben. Gleichzeitig drohte er damit, das Abkommen von Air France mit den Piloten bei der Gründung von Transavia-France 2007 zu kündigen, was zu starken Lohnkürzungen bei den Air France-Piloten führen würde, die für die Tochtergesellschaft Transavia-France fliegen. Le Parisien schrieb, die Piloten seien über diese Drohung „sehr empört“ gewesen

Die Regierung und die Gewerkschaftsbürokratie betrachteten diesen Versuch, mit Zuckerbrot und Peitsche zu arbeiten, als plumpen Fehlschlag. Denn er habe die SNPL gezwungen, die Rücknahme der Pläne Juniacs zu fordern, weil sie andernfalls die Kontrolle über den Streik verloren hätte.

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