Ebola-Pflegerin in Quarantäne in New Jersey "wie eine Verbrecherin" behandelt

Von Patrick Martin
29. Oktober 2014

Die Behörden des Bundesstaates New Jersey haben Kaci Hickox am Montag plötzlich freigelassen, nachdem sie auf Anordnung von Gouverneur Chris Christie drei Tage in eine Quarantäne zwangseingewiesen worden war. Hickox, die in Westafrika als Pflegerin mit Ebola-Patienten gearbeitet hatte, wurde am Freitag auf dem internationalen Flughafen in Newark gegen ihren Willen festgehalten, obwohl sie keine Symptome der Krankheit zeigte.

Der Republikaner Christie und der Demokratische Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, kündigten gemeinsam an, dass Pflegepersonal, das in Sierra Leone, Liberia und Guinea mit Ebola-Opfern in Kontakt war, bei seiner Rückkehr zwangsweise in Quarantäne eingewiesen werde. Die Quarantäne basierte nicht auf wissenschaftlichen Kriterien oder gesundheitlichen Erwägungen, da Menschen ohne Symptome von Ebola die Krankheit nicht übertragen können, selbst wenn sie sich die später bei ihnen manifestieren sollte.

Es ist kein Zufall, dass sowohl Christie als auch Cuomo die Präsidentschaft anstreben. Christie hat schon erklärt, er werde nächstes Jahr entscheiden, ob er sich für die Republikanische Nominierung für 2016 bewerben werde. Cuomo wird sich voraussichtlich um die Nominierung für die Demokraten bewerben, wenn Hillary Clinton es nicht tut. Beide Gouverneure wollen von der Angst und der Panik profitieren, die die Mainstreammedien und Teile der Ultrarechten wegen Ebola schüren.

Für Christie, der sich landesweit durch seine einschüchternde Persönlichkeit einen Ruf erarbeitet hat, kam es überraschend, dass die Pflegerin, die er festhalten wollte, sich heftig wehrte. Sie äußerte sich zuerst in einem offenen Brief, der von der Dallas Morning News veröffentlicht wurde, und danach in mehreren Sonntagssendungen, die sie in der Quarantäne interviewten.

Hickox erklärte, sie sei bei ihrer Ankunft in Newark von Sierra Leone kommend "wie eine Verbrecherin" behandelt worden. Sie wurde von bewaffneten Agenten zur Seite gezerrt und ohne Erklärung festgehalten, obwohl eine Messung auf ihrer Stirn ergab, dass ihre Körpertemperatur normal war.

Nachdem sie vier Stunden lang ohne etwas zu Essen oder Trinken festgehalten worden war, wurde bei einer weiteren Messung auf der Stirn eine Temperatur von 38,3 Grad gemessen. Hickox schrieb: "Meine Wangen waren gerötet, und ich war wütend, dass ich ohne Erklärung festgehalten wurde... Die Beamtin sagte selbstgefällig: "Jetzt haben Sie Fieber."

Acht Polizeiautos wurden mobilisiert, um die Pflegerin in ein Krankenhaus in Newark zu bringen, wo eine orale Fiebermessung eine Temperatur von 37 Grad ergab. Ein Arzt sagte ihr: "Sie haben bestimmt kein Fieber. Ihr Gesicht ist nur gerötet." Ein Ebola-Test war negativ. Dennoch wurde Hickox in Quarantäne in ein improvisiertes zeltartiges Gebäude ohne Dusche oder Zugang zu Kommunikationsmitteln eingewiesen.

Gouverneur Christie verteidigte das Vorgehen hartnäckig und behauptete, die einundzwanzigtägige Selbstüberwachung, die die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) empfehlen, sei unzureichend und es werde "früher oder später landesweit üblich werden, medizinisches Personal in Quarantäne zu nehmen."

Er log mehrfach im nationalen Fernsehen, als er behauptete, Hickox hätte Symptome gezeigt. Nach ihrer Freilassung am Montagnachmittag erklärte Christie: "Ich habe meine Entscheidung nicht rückgängig gemacht“, und fügte hinzu: "Sie hatte vierundzwanzig Stunden keine Symptome. Und der Ebola-Test war negativ. Also bestand kein Grund, sie länger festzuhalten. Der Grund, warum sie überhaupt ins Krankenhaus gebracht wurde, war, dass sie hohes Fieber und Symptome hatte."

In Wirklichkeit hatte Hickox nie irgendwelche Symptome. Wie es zu Christie passte, machte er diese arroganten Äußerungen auf einer Wahlkampfveranstaltung in Melbourne, Florida, für den Republikanischen Gouverneur Rick Scott, bei der er auch sein eigenes Profil als möglicher Präsidentschaftskandidat schärfte.

Hickox ließ sich davon jedoch nicht einschüchtern. Sie kritisierte Christie für seine Äußerung, sie sei "offensichtlich krank" gewesen und erklärte auf CNN: "Wenn er irgendetwas über Ebola wüsste, würde er wissen, dass Menschen ohne Symptome die Krankheit nicht übertragen können." Sie fuhr fort: "Wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn wir Politiker Entscheidungen über das Gesundheitswesen fällen lassen."

"Das ist ein völlig inakzeptables Extrem“, sagte sie CNN, "und ich glaube, man hat gegen meine grundlegenden Menschenrechte verstoßen."

Laut Presseberichten in New York und New Jersey hatten Christie und Cuomo beschlossen, eine Quarantäne zu verhängen, nachdem Dr. Craig Spencer, ein Arzt am Columbia Presbyterian Hospital in Manhattan eine Woche nach seiner Rückkehr von einer humanitären Mission in Westafrika Fieber bekam und positiv auf Ebola getestet wurde.

Auf der Pressekonferenz, auf der sie die Quarantäne ankündigten, unterstützte Cuomo Christie bei seiner Verteufelung der Pflegekräfte, die Ebola-Opfern geholfen haben. Der Gouverneur von New York behauptete, Dr. Spencer habe bewusst gegen die Vorschriften der CDC verstoßen, indem er ein Restaurant und eine Bowlingbahn besuchte und mit der U-Bahn fuhr, bevor er erkrankte.

Cuomo erklärte: "Er ist Arzt, und er hat sich nicht einmal an die Richtlinien der Quarantäne gehalten - ganz ehrlich gesagt. Wenn man in so einer Region ein-, zwei- oder dreimal ausgeht, mit der U-Bahn oder dem Bus fährt, kann man hunderte und aberhunderte von Menschen anstecken."

Das ist eine groteske Verleumdung. Dr. Spencer hielt sich sorgfältig an die Richtlinien der CDC, laut denen man den körperlichen Kontakt mit anderen Menschen für einundzwanzig Tage nach der Rückkehr aus der Ebola-Zone einschränken muss, allerdings nicht selbst in Quarantäne gehen muss. Zuvor hatte die New Yorker Gesundheitskommissarin Dr. Angela Bassett erklärt, Dr. Spencer hätte sich "gut im Griff" und fügte hinzu: "Ich möchte nicht, dass ihn irgendwer als leichtsinnig hinstellt."

Angesichts der wachsenden Empörung in den Medien über die Festnahme von Kaci Hickox versuchten die beiden Gouverneure einen Rückzieher, wenn auch nur aus PR-Gründen. Cuomo lobte Hickox in einer Stellungnahme für ihre Arbeit in Westafrika und erklärte, Einwohner des Bundesstaates New York, die aus Ebola-Zonen zurückkommen, sollten lieber einundzwanzig Tage zuhause bleiben, anstatt in einem Krankenhaus unter Quarantäne gestellt zu werden. Christies Büro deutete an, das sei auch die Haltung in New Jersey und behauptete, Hickox sei nur festgehalten worden, weil sie aus Maine stammte, allerdings gab es keine Erklärung dafür, warum man ihr nicht erlaubte, in ihren Heimatstaat zurückzukehren.

Am Montagnachmittag wurde Hickox in einem schwarzen SUV aus dem Krankenhaus in Newark gefahren und angeblich nach Maine gebracht, wo sie die Anweisung bekam, sich weitere siebzehn Tage zuhause in Quarantäne aufzuhalten, anstatt in einer medizinischen Einrichtung leben zu müssen. Der langjährige Bürgerrechtsanwalt Norman Siegel, der Hickox vertritt, erklärte, sie werde gegen ihre Festnahme in New Jersey klagen.

Die beiden Bundesstaaten Connecticut und Illinois, die beide von Demokratischen Gouverneuren regiert werden, haben ähnliche Quarantänebestimmungen für medizinisches Personal erlassen, das aus Westafrika heimkehrt. Der Bundesstaat Florida hat eine ähnliche, aber enger begrenzte Regel eingeführt.

Amerikanische Regierungsvertreter und die Medien haben der handvoll Ebola-Fälle - und denFalschmeldungen von möglichen Ebola-Fällen - in den USA weitaus mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als der andauernden Tragödie in Westafrika. Dort ist die offizielle Zahl der Toten auf fast 5.000 angestiegen, bei mehr als 10.000 als infiziert gemeldeten. Die reale Zahl ist vermutlich viel höher, laut einigen Schätzungen sind bis zu 15.000 Menschen gestorben.

Amerikanisches Militärpersonal ist in Liberia angeblich dabei, Behandlungszentren zu bauen, wie Präsident Obama es letzten Monat befohlen hat. Diese Kampagne wirkt immer verdächtiger, da die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass nicht einmal annähernd genug freiwillige medizinische Kräfte für die Arbeit in den neuen Einrichtungen verfügbar sind.

Zeitgleich heißt es, dass die US Army ein Dutzend Soldaten von der ersten Gruppe, die in Liberia eingesetzt wurde, isoliert, nachdem sie aus der Ebola-Zone auf ihren Stützpunkt im italienischen Vicenza zurückgekehrt sind. Wenn das Pentagon diese Praxis umfassend durchsetzt, wird die Gesamtzahl der unter Quarantäne gestellten Soldaren deutlich steigen, da weitere Soldaten nach Liberia beordert werden, obwohl keine Fälle von Ebola gemeldet wurden und die Soldaten angeblich während der Bauarbeiten keinen Kontakt mit Opfern der Krankheit hatten.

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